Social-Media-frei

Der Podcast für Marketing ohne Likes, Reels & Selfies


Mock-up eines Smartphones mit dem Podcast ‚Social-Media-frei‘ von Alexandra Polunin – Folge: „Ein kritischer Blick auf Social-Media-Coaches“

Worum geht’s?  

In diesem Podcast nehme ich soziale Medien kritisch unter die Lupe und spreche darüber, wie Selbstständige online sichtbar werden können, ohne ständig ihr Frühstück auf Insta zu posten.

Es geht um „immergrüne“ Marketingstrategien und darum, wie Selbstständige entspannt und nachhaltig ihre Produkte oder Dienstleistungen verkaufen.

Dauergeposte und Dauerhustle nicht nötig!

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Marketing ohne Social Media Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media Alexandra Polunin

Newsletter-Anmeldungen bekommen ohne Social Media – einfach unmöglich?

In dieser Podcastfolge geht es um den Newsletter. Genauer gesagt darum, wie wir Newsletter-Abonnenten völlig ohne Social Media bekommen können. Los geht’s.

In dieser Podcastfolge geht es um den Newsletter.

Genauer gesagt darum, wie wir Newsletter-Abonnent*innen völlig ohne Social Media bekommen können.

Los geht’s!

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Ich hab vor einigen Wochen eine Umfrage in meinem Newsletter gemacht und gefragt, was die größten Herausforderungen beim Social-Media-freien Marketing sind. 

Und ganz, ganz viele haben mir geantwortet: 

neue Anmeldungen für meinen Newsletter zu bekommen.

Und deshalb dachte ich, dass ich da unbedingt mal eine Podcastfolge dazu machen muss und mal darüber spreche, wie wir auch ohne soziale Medien neue Menschen für unseren Newsletter gewinnen können.

Doch bevor ich das mache, möchte ich unbedingt ein paar Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Ist es einfacher, mit Social Media neue Newsletter-Abonnent*innen zu bekommen?

Denn bei der Frage, wie wir ohne Social Media Newsletter-Abonnent*innen gewinnen können, schwingt so ein bisschen der Gedanke mit, dass das mit Social Media ja viel einfacher geht.

Und da müssen wir unbedingt ein bisschen differenzieren.

Die Vorstellung, dass ich einen Instagram- oder Facebook-Account habe und sowas poste wie „Hey, melde dich zum Newsletter an!“ und dann kommt eine Horde von Menschen auf meine Website und meldet sich zu meinem Newsletter an … diese Vorstellung wird für die meisten Selbstständigen komplett unrealistisch sein.

Das liegt daran, wie soziale Medien funktionieren, und ich erzähl dir da mit Sicherheit auch nichts Neues mehr. Aber lass es mich trotzdem noch einmal in ein paar Sätzen zusammenfassen, weil auch das wieder super relevant für dieses Thema ist.

Das Geschäftsmodell von Facebook, Instagram und so weiter ist, dass sie Daten der Menschen sammeln, die ihre Plattformen nutzen, und dass sie diese Daten dann an Werbetreibende weiterverkaufen.

Deshalb ist ihr Ziel gar nicht, dass Menschen auf andere Websites gehen, sondern dass sie so lange wie nur möglich auf ihren Plattformen bleiben.

Das heißt: Facebook, Instagram und so weiter wollen überhaupt gar nicht, dass du einen Post erstellst, wo du auf deinen Newsletter verweist, und wo Menschen dann auf einen Link klicken sollen und dann eben auf eine andere Website gehen und sich irgendwo anders für irgendwas anmelden. 

Denn das würde für die Plattformen ja bedeuten, dass sie weniger Daten sammeln können und dadurch weniger Geld verdienen würden.

Und deshalb spielen sie Posts mit Links gar nicht mehr so aus wie zu Beginn, alles, was so vor 2018 war.

Das heißt, die Vorstellung, Menschen auf unsere Website zu leiten und sie zum Anmelden zu unserem Newsletter zu bewegen, indem wir etwas auf Social Media posten, ist für die meisten Selbstständigen fernab jeglicher Realität. So knallhart muss man es sagen.

Es mag für größere Social-Media-Accounts funktionieren in dem Sinn, als dass sie natürlich extrem viele Menschen erreichen und selbst wenn der Post dann prozentual nur wenige Menschen erreichen und nur sehr schlecht von Facebook z.B. ausgespielt wird, macht das in absoluten Zahlen dann trotzdem noch ein Ergebnis, wo man sagt:

Okay, ein paar Leute habe ich erreicht. Ein paar Leute haben sich angemeldet.

Aber wie gesagt, für die durchschnittliche Selbstständige mit den durchschnittlichen Followern werden es einfach viel zu schlechte Ergebnisse sein.

Und deshalb kann man mit Social Media organisch nur in den seltensten Fällen heutzutage neue Newsletter-Abonnent*innen bekommen.

Nun, ist das entscheidende Wort, du ahnst es vielleicht, hier natürlich „organisch“. 

„Organisch“ heißt, dass ich kein Geld dafür zahle, dass Facebook oder Instagram mein Zeugs ausspielt. Und das funktioniert, wie gesagt, nicht mehr.

Ich kann natürlich auch Facebook und Instagram dafür bezahlen, dass sie meinen Aufruf für eine Newsletter-Anmeldung ausspielen, und Werbeanzeigen schalten. Ich kann mein Freebie oder ein anderes kostenloses Angebot zum Beispiel bewerben.

Und ja, das funktioniert nach wie vor gut.

Das ist meiner Erfahrung nach und von dem, was ich bei meinen Kundinnen mitbekomme, immer noch die schnellste, kurzfristigste und effektivste Möglichkeit, neue Newsletter-Abonnent*innen zu bekommen.

Ich hab sogar damals, als ich aufgehört habe, auf Instagram und Facebook zu posten, eine Zeit lang weiterhin Ads geschaltet, einfach weil es eben so gut funktioniert hat.

Aber das Ding ist, man macht sich mit dieser Strategie extrem abhängig von Facebook und Instagram.

Und wenn das die einzige Strategie ist, um Newsletter-Anmeldungen zu bekommen und das Werbekonto dann aus irgendeinem Grund auf einmal nicht mehr funktioniert, dann hat man ein Problem.

Und bei mir war es ganz genau so: 

Mein Werbekonto hat einfach von einem Tag auf den anderen nicht mehr funktioniert. 

Ich hab wochenlang versucht, es selbst wieder zum Laufen zu bringen, ich hab mich an den Facebook-Support gewendet, ich hab einige Facebook-Ads-Expertinnen beauftragt, mal der Sache auf den Grund zu gehen.

Doch niemand konnte mir weiterhelfen. Und der Facebook-Support wollte mir einfach nicht weiterhelfen.

Aber es gibt auch noch eine anderen Punkt, den man bedenken sollte:

Werbung auf Social Media funktioniert nur dann gut, wenn du genau weißt, was du da tust. 

Und bis du weißt, was du tust, kann es ein bisschen dauern. Du musst Zielgruppen testen, du musst Grafiken testen, du musst Texte testen.

Das ist nicht so, dass du eine Anzeige schaltest und schwupps, hast du 100 neue Menschen bei dir auf dem Newsletter. Werbeanzeigen zu schalten ist zu Beginn ganz schön viel Arbeit.

Eine Abkürzung kann es sein, jemanden zu beauftragen, der oder die sich damit auskennt. Doch das kostet wiederum Geld, zusätzlich zum Budget, das du für die Ads ausgeben würdest. 

Und meine Erfahrung ist, dass sich das maximal Unternehmen und fortgeschrittenere Unternehmer*innen leisten können, aber nicht unbedingt Leute, die gerade erst starten, oder, ich sag mal, so die durchschnittlichen Selbstständigen, die eben durchschnittlich viel verdienen.

Wenn du also denkst, dass du unbedingt Social Media brauchst, um neue Newsletter-Anmeldungen zu bekommen, solltest du dir aus meiner Sicht unbedingt diese Fragen stellen, nämlich:

  • Wie realistisch ist es überhaupt, dass du Werbeanzeigen auf Social Media schaltest? 

  • Hast du Lust, dich in das Thema einzuarbeiten? 

  • Hast du das Budget, um Lehrgeld zu zahlen? 

  • Hast du das Budget, um jemanden damit zu beauftragen? 

Ich glaube, es ist wichtig, da ganz, ganz ehrlich zu sich zu sein, und nicht einfach nur zu denken „Ohne Social Media geht es nicht, ich muss das jetzt machen“, sondern genau zu überlegen, was soziale Medien da im Einzelfall eigentlich konkret bringen.

Drei Tipps, um Newsletter-Abonnent*innen ohne Social Media zu bekommen

So, und nachdem wir das geklärt haben, möchte ich darüber sprechen, wie wir auch ohne Social Media Menschen für unseren Newsletter gewinnen können.

Und mein Ansatz ist: 

Wie bei einer guten Geldanlage sollten wir auch beim Thema Newsletter diversifizieren

Das heißt, wir legen nicht alle Eier in einen Korb, sondern stellen uns breit auf.

Wir wollen also nicht in die Situation kommen, zwar jetzt nicht mehr auf Social Media zu sein, aber uns dann halt von einer anderen Plattform abhängig zu machen.

Das wäre ja genauso doof.

Deshalb gibt es von mir jetzt auch nicht DAS Geheimrezept, um Newsletter-Anmeldungen zu bekommen. Denn ich möchte nicht, dass du alles stehen und liegen lässt, um nur noch EINE EINZIGE Sache zu tun. 

Das kann aus meiner Sicht immer zum Problem werden, wenn man immer nur auf EINE EINZIGE Sache setzt.

Und deshalb möchte ich dir stattdessen drei ganz konkrete Tipps geben, wie es funktionieren könnte

Das erste ist so ein Basis-Tipp, sag ich mal. Wenn du schon fortgeschritten bist, wirst du es bestimmt schon umgesetzt haben.

Aber ich sehe es immer noch häufig bei Einsteigern, deshalb muss ich das jetzt noch mal explizit erwähnen.

Und zwar ist der erste Schritt immer, eine separate Anmeldeseite für den Newsletter zu haben.

Ich sehe immer wieder Websites, wo es zum Beispiel auf der Startseite nur einen Abschnitt gibt, in dem auf den Newsletter verwiesen wird.

Oder dass im Footer so eine Anmeldemaske ist.

Und das ist an sich auch nicht falsch, aber das hat eben den Nachteil, dass ich eine Anmeldemaske nirgendwo sonst verlinken kann. 

Ich kann also nicht in einem Blogartikel zum Beispiel schreiben „Hier meldest du dich zum Newsletter an“ und dann die Anmeldeseite verlinken. Sondern das ist mit lediglich einer Anmeldemaske immer so ein bisschen schwieriger mit der Kommunikation.

Und eine Anmeldemaske kann man natürlich auch nicht in der Navigationsleiste zum Beispiel einbinden. 

Und aus meiner Sicht sollte aber alles, was wichtig ist, immer in die Navigationsleiste der Website. Denn das ist einfach das, was am schnellsten ins Auge fällt, wenn jemand frisch auf deiner Website ist.

Hinzu kommt natürlich auch, dass ich auf einer Anmeldeseite viel mehr über den Newsletter erzählen kann.

Ich kann schreiben, was Menschen im Newsletter erwartet, wie oft er versendet wird oder auch mit welchem Tool der Newsletter versendet wird.

Und diese Art von Infos helfen Menschen dabei, eine informierte Entscheidung für oder gegen den Newsletter zu treffen.

Und damit erhöht sich aus meiner Sicht eben auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich wirklich auch die richtigen Menschen für den Newsletter anmelden.

Wenn du also ohne Social Media Newsletter-Anmeldungen gewinnen willst, kannst du dich deshalb als erstes fragen:

  • Hast du eine separate Anmeldeseite für den Newsletter?

  • Hast du auf der Anmeldeseite alle wichtigen Infos gegeben, die Menschen brauchen, um eine informierte Entscheidung für den Newsletter zu treffen?

  • Und natürlich auch: Hast du diese Anmeldeseite in der Navigationsleiste und an sämtlichen anderen wichtigen Stellen verlinkt?

Ja, eine Newsletter-Anmeldeseite ist die Basis, aber wir können und sollten natürlich auch ein paar Schritte weitergehen.

Und ich möchte dir jetzt sowohl eine langfristige als auch eine kurzfristige Strategie vorstellen, um Newsletter-Abonnent*innen zu gewinnen.

Und die langfristige Strategie ist für mich Suchmaschinenoptimierung, also SEO.

Denn es ist so: 

Wenn Menschen ein bestimmtes Problem haben und nach bestimmten Phrasen googeln, suchen sie nach einer Lösung.

Und diese Lösungen können sowohl kostenfreie Blogartikel oder Podcastfolgen sein als auch kostenpflichtige Produkte und Programme, aber natürlich auch: ein Newsletter.

Das heißt jetzt nicht, dass wir unsere Newsletter-Anmeldeseite mit Keywords optimieren müssen, sondern vielmehr, dass wir Inhalte wie zum Beispiel Blogartikel haben, die für Suchmaschinen optimiert sind, und wo der Newsletter dann der nächste logische Schritt wäre.

Also ganz konkret sucht dann zum Beispiel jemand nach, keine Ahnung, „Tipps fürs Hundetraining“ oder so. 

Sie gibt diese Phrase in eine Suchmaschine ein und stößt so auf den Blog einer Hundetrainerin.

Sie liest sich ein paar Blogartikel durch und findet gut, was sie liest. 

Und weil sie sich eben so sehr für das Thema interessiert, denkt sie:

„Ah, so ein Newsletter wäre natürlich auch ganz praktisch, dann würde ich automatisch Tipps in meinen Posteingang bekommen.“ Und dann meldet sie sich eben für den Newsletter an.

Dass das so funktioniert, das braucht Zeit. SEO braucht Zeit. 

Deshalb habe ich am Anfang ja auch gesagt, dass das eine eher langfristige Strategie ist. 

Du kannst dich also aus meiner Sicht fragen:

  • Wird meine Website in Suchmaschinen gefunden?

  • Könnte ich einen Blog starten?

  • Und natürlich: Wenn ich schon einen Blog habe: Könnte ich ein paar Artikel für Suchmaschinen schreiben?

Das alles hilft nicht nur ganz allgemein bei der Onlinesichtbarkeit, sondern natürlich auch dabei, neue Menschen für den Newsletter zu gewinnen.

Wir müssen bei der SEO-Strategie natürlich gucken, wie sich das ganze Thema in der Zukunft entwickeln wird. Du hast vielleicht schon gehört, dass Google da Änderungen plant. 

Es ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer, einzuschätzen, was genau das bedeuten wird für Suchmaschinenoptimierung. 

Es wird mit Sicherheit wichtig werden, die besten Texte zu schreiben, die wir zu einem Thema schreiben können. Aber wie das nun genau aussehen wird, steht mehr oder weniger noch in den Sternen.

Aber SEO ist ja auch nur eine Strategie von mehreren. Und wie schon gesagt, ist es sinnvoll, nicht nur auf eine Strategie zu setzen, sondern mehrere Strategien zu nutzen.

Und das bringt mich zu der kurzfristigen Möglichkeit, von der ich dir erzählen wollte. 

Und die kurzfristige Möglichkeit, ohne Social Media neue Newsletter-Anmeldungen zu bekommen, sind für mich Gastbeiträge oder Pressearbeit.

Das klingt jetzt nach etwas, was nur für große Unternehmen mit einer eigenen Presseabteilung relevant ist, aber das ist überhaupt nicht der Fall.

Denn auch Selbstständige, selbst wenn sie gerade erst starten, können von Anfang an auf Gastauftritte setzen.

Und darunter verstehe ich Gastartikel in anderen Blogs, Interviews in anderen Blogs, Interviews in Podcasts oder auch einen Vortrag in einem Onlineprogramm.

Gastauftritte haben im Grunde drei große Vorteile. 

Vorteil Nummer 1 ist: Sie sind nachhaltig

Das bedeutet: Wenn du zum Beispiel in einem Podcast interviewt wirst, bleibt das Interview ja erst einmal bestehen. 

Da wird ein Monat vergehen und vielleicht ein halbes Jahr und länger und Menschen werden vermutlich immer noch auf deine Website kommen und damit deinen Newsletter entdecken.

Das heißt, du machst dir einmal Mühe mit einem Interview und erntest im Grunde für die nächste Zeit die Früchte. Diese Früchte werden  – je nach Größe des Podcasts natürlich – mal kleiner oder größer ausfallen. Aber meine Beobachtung ist:

Selbst der kleinste Podcast bringt einem immer noch regelmäßig Menschen auf die Website und ist damit definitiv eine gute Investition.

Vorteil Nummer 2 an dieser Strategie ist: Gastauftritte sind kostenlos.

Und das ist ein großer Unterschied zu Ads zum Beispiel. Da zahlen wir ja immer eine stolze Summe, damit unsere Themen sichtbar werden. 

Gastbeiträge und Interviews kosten aber keinen Cent. 

Und Vorteil Nummer 3, ich hab es schon erwähnt: 

Gastbeiträge können auch kurzfristig wirken. 

Das heißt: An dem Tag, an dem ein Interview mit uns erscheint, können wir auch schon mal eine zweistellige oder dreistellige Zahl an neuen Newsletteranmeldungen bekommen.

Natürlich abhängig davon, wie groß das Medium ist, in dem wir interviewt werden, und ob wir dort wirklich die richtigen Menschen für uns erreichen oder nicht.

Ich bin immer wieder überrascht, wie wenige Selbstständige Gastauftritte überhaupt auf dem Schirm haben. Und wenn sie sie auf dem Schirm haben, wie wenige sich trauen, da auch wirklich aktiv zu werden und Leute selbst anzusprechen und ihr Thema zu pitchen.

Deshalb kannst du dir folgende Fragen stellen:

  • Wen kenne ich, der oder die einen eigenen Podcast, Blog oder ein Onlineprogramm hat, wo ich über mein Thema reden könnte?

  • Was liest und hört meine Zielgruppe? Durch welche Onlinemagazine oder Podcasts könnte ich sie erreichen?

  • Und: Kann ich mir eine Liste von zehn Podcasts, Blogs oder Magazinen erstellen, denen ich mein Thema pitchen könnte?

Auch wenn natürlich nicht jeder, den du fragst, ja sagen wird: 

Es lohnt sich auf jeden Fall, da eine Gewohnheit daraus zu machen und ein- oder zweimal im Monat das Recherchieren und Pitchen in den Kalender zu schreiben. 

Je öfter du übst und je mehr Kontakte du knüpfst, desto einfacher wird es.

Shownotes

Website

Buch „No Social Media!“

Buch „Don’t be evil“

Newsletter

Onlinekurse

Weiterlesen
Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin

Marketing für leise Menschen und Sichtbarkeitsmut – Interview mit Sonja Mahr

In dieser Podcastfolge habe ich Sonja Mahr zu Gast. Sonja berät Selbstständige und Onlineunternehmer*innen dabei, sichtbar zu werden, ohne zum Marktschreier werden zu müssen. Wir werden heute über Marketing für leise Menschen sprechen, über gute Websites und übers Bloggen.

In dieser Podcastfolge habe ich Sonja Mahr zu Gast. 

Sonja berät Selbstständige und Onlineunternehmer*innen dabei, ohne Marktgeschrei online sichtbar zu werden. 

Wir werden heute über Marketing für leise Menschen sprechen, über gute Websites und übers Bloggen. 

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Ist Marketing auch für leise Menschen möglich?

[Alex] Ja, hallo Sonja. Viele Selbstständige wollen ja online sichtbar werden, ganz, ganz dringend, aber sie sind einfach keine Rampensäue, sage ich jetzt mal. Was würdest du diesen Menschen sagen? Ist Marketing auch für leise Menschen möglich? Und wenn ja, wie?

[Sonja] Ja, hallo Alex. Schön, dass wir über dieses Thema sprechen können. Ja, natürlich ist Marketing auch für leisere Menschen möglich.

Das ist nicht exklusiv lauteren Menschen oder lauteren Techniken oder Vorgehensweisen vorbehalten. Es ist auch möglich im Sinne von, ich fühle mich wohl damit, weil viele leisere Menschen sagen, ja, okay, Marketing kann ich wahrscheinlich machen, aber nur mit Augen zu und durch, dann mache ich halt, was man so machen muss.

Also diese Formulierung höre ich total häufig. Und falls jemand zuhört, der sich das denkt, Marketing ist irgendwie „Bauchziehen und keine Lust, aber ich muss ja“. Nein, man kann es auch anders, auf eine angenehmere, auf eine ruhigere Art und Weise machen, auf jeden Fall.

Ich finde immer ganz hilfreich, sich mal vor Augen zu führen, was ist denn Marketing überhaupt oder was bezwecken wir denn mit Marketing? Wer darf in Anführungsstrichen Marketing machen, wenn du ein Angebot hast, das in irgendeiner Art und Weise Menschen weiterhilft, weil es Probleme löst, weil es bei Bedürfnissen weiterhilft, was auch immer, dann darfst du natürlich Marketing für dieses Angebot machen. Du darfst darauf aufmerksam machen.

Es gibt keine Dezibel-Grenze, die man erreichen muss oder irgendwas, um die Legitimation zu haben, Marketing zu machen. Also ja, um ganz kurz zu antworten, ja, natürlich.

Sorry, ich bin schon voll drin.

[Alex] Was ich ja auch ganz wichtig finde, ist irgendwie, und vielleicht ist das schon ein bisschen so angeklungen, ist, dass ja auch irgendwie alles Marketing ist.

Also Marketing ist ja nicht nur dieses laute „Ich stelle mich jetzt irgendwohin auf Instagram und sage, kauf das, kauf das, kauf das“, sondern auch, wenn ich zu einer Freundin sage „Ich biete das und das an“, ist das ja im Grunde auch Marketing, oder? Also immer, wenn ich darüber spreche, was ich mache, mache ich eigentlich Marketing.

[Sonja] Absolut, ja.

Und ich finde, wenn man das so sieht oder sehen kann, nimmt das auch eine ganze Portion Druck raus.

Marketing verbinden wirklich viele Leute mit diesem, ich sag mal, letzten Akt des Verkaufens. Jemand klickt den Buchen-Button, jemand sagt, ja, ich nehme das Angebot an.

Aber Marketing ist, wie du sagst, alles davor auch. Und das ist auch total wichtig, gerade in unserer heutigen Zeit.

Vielleicht merken es unsere Zuhörer*innen ja auch. Die Leute sind kritischer, sie hinterfragen mehr, sie brauchen vielleicht auch länger, bis sie etwas kaufen. Sprich, wir brauchen viele Kontaktpunkte, viele Möglichkeiten, miteinander uns auszutauschen oder dass die Leute etwas von uns sehen, zum Beispiel Blogartikel, Newsletter und so weiter, bis eine Vertrauensbasis entsteht.

Und das ist nicht nur dieses reine, hey, hier bin ich aus der Versenkung aufgetaucht, bitte kaufen, sondern es ist auch, ich erzähle, dass ich ein neues Angebot plane. Ich sage im Bekanntenkreis, wenn jemand sagt, was arbeitest du eigentlich nicht, ja, du, ganz schwer zu erklären, sondern ich habe da eine Antwort parat. All das gehört dazu, ja.

Das CALM-Marketing-Prinzip

[Alex] Du selbst hast dich ja sogar darauf spezialisiert, leise Menschen beim Marketing zu unterstützen. Worauf kommt das da für dich an? Du hast ja sogar ein bestimmtes Prinzip dafür entwickelt, richtig?

[Sonja] Richtig. Ja, genau. Ich habe ein Prinzip entwickelt, das CALM-Marketing-Prinzip.

Also für diejenigen, vielleicht versteht man es nicht so gut, C-A-L-M, Ruhe, nur die Buchstaben haben besser gepasst.

Ich habe das tatsächlich entwickelt, einfach auch als Gegengewicht zu diesem, bam, hier, nutz meine Geheimformel und du bist reich über Nacht und dieses ganze Laute, was so auf uns einprasselt. Und weil ich einfach auch sehe, dass extrem viele leisere Menschen unterrepräsentiert sind mit ihrem Business.

Die machen meistens richtig gute Arbeit, aber werden nicht gesehen, weil sie keinen Marketingweg für sich finden. Und soll ich dir die einzelnen Bausteine mal kurz aufschließen?

[Alex] Ja, voll gerne.

[Sonja] Genau, es ist eigentlich keine Zauberei. Also auch wenn es ein Prinzip ist, es dient eher so der Verdeutlichung, was es braucht, um wirklich Marketing machen zu können, um wirklich so eine stabile Sichtbarkeit aufzubauen.

Also das C steht für Content. Ohne Content ist es gerade online super schwer, sichtbar zu werden. Also wir brauchen irgendeine Art von Content. Leiser Marketing zu betreiben, heißt also nicht, gar nichts zu sagen, sondern einen Content zu finden, der eben zu uns passt.

Das können Blogartikel sein, das können Podcast-Gespräche sein, wie wir das gerade führen, was auch immer. Also irgendeine Art von Inhalt brauchen wir, die stellvertretend für uns online stehen und uns repräsentieren, weil wir ja nicht 24-7 online sind. Wir haben ja auch noch was anderes vor im Leben.

Dazu gehört die Website. Das finde ich eine ganz wichtige Basis an Content und eben einen Marketing-Kanal, zum Beispiel der Blog. Das ist ja was, was wir beide auch nutzen oder eben der Podcast. Das nutzen wir ja auch beide.

Ja, dann das A steht für Authentizität. Super strapaziertes Wort, aber für viele Leute einfach sehr wichtig.

Wenn Leute das Gefühl haben, Selbstständige insbesondere, das Gefühl haben, Marketing ist wie so eine Maske aufsetzen. Da setze ich meine Marketingmaske auf, bin mal kurz nicht ich, sage, was gesagt werden muss und danach kann ich mich entspannen. Das kann man machen, ist aber furchtbar anstrengend. Und Marketing ist ein Spiel auf lange Zeit.

Das ist nicht mit einem Fingerschnips erledigt, sondern das brauchen wir kontinuierlich.

Und vielen Menschen ist wichtig, dass sie eben auch authentisch rüberkommen, dass sie sich wie sie selber fühlen können, dass sie nicht irgendwie fake sein müssen oder eine Superhelden-Story erfinden müssen, wenn sie halt keine haben.

Und deswegen integriere ich das direkt in die Zusammenarbeit mit meinen Kundinnen, dass wir eben auch schauen, ja, was macht dich denn aus? Ja, was sind denn deine Werte zum Beispiel? Was sind denn deine Ansichten auf dein Thema? Weil nur weil wir ein Thema mit anderen Menschen teilen, heißt das ja nicht, dass wir es genauso angehen und bedienen.

Ja, das L, die Langfristigkeit, ist so ein bisschen der Spielverderber vielleicht, weil bei Langfristigkeit ganz viele selbstständig aufstehen und sagen, oh nee, ich habe gehofft, jetzt geht es mal schneller. Aber wie gesagt, Marketing ist ein begleitendes Instrument. Das brauchen wir einfach während unseres Businesses mal intensiver, vielleicht mal weniger intensiv. Aber es ist wie mit so einer Pflanze, die gießt du ja auch, damit sie weiter wachsen kann. Also so ein bisschen Pflege braucht das Marketing.

Und Langfristigkeit, ich finde ganz wichtig, dass man sich da bewusst macht, Langfristigkeit ist gar kein Nachteil. Der Nachteil ist meistens, dass wir Wege verfolgen, die für uns furchtbar anstrengend sind. Wenn du beispielsweise eine Taktik hörst im Sinne von, mach jeden Tag ein Live-Video für 100 Tage.

Das bringt enorm viel Sichtbarkeit. Also könnte ich wetten, dass du danach mehr Sichtbarkeit hast als vorher. Aber wie schwer fällt dir das und wie sehr passt es zu dir?

Und schaffst du das wirklich, diese 100 Tage durchzuhalten? Und was kommt eigentlich nach den 100 Tagen? Der große Einbruch oder hältst du deine Sichtbarkeit noch irgendwie aufrecht? Also ich finde wichtig, dass wir uns von Anfang an Gedanken machen, wie kann ein Marketing aussehen, das langfristig für mich funktioniert, das ich durchhalten, aber ohne, dass es sehr unangenehm sein muss, kann, wo ich wirklich sage, okay, regelmäßig einen Blogartikel schreiben, das könnte was für mich sein, das kann ich mir wirklich auch auf Dauer vorstellen.

Und vielleicht, wo wir hier in deinem Podcast sind, noch einen Punkt zu der Langfristigkeit, was auch die Haltbarkeit oder die Sichtbarkeit der Inhalte selbst angeht.

Den meisten ist es wahrscheinlich nicht neu, dass Inhalte unterschiedlich lang sichtbar sind. Also, dass wenn wir zum Beispiel auf Instagram posten, dass nach ein, zwei, drei Tagen schon viel, viel weniger Menschen erreicht als direkt am Anfang.

Bei einem Blogartikel ist es anders. Den sieht am Anfang in der Regel kein Mensch. Es steigt dann aber an und dann wird die Sichtbarkeit auf lange Sicht stabil.

Sich das nochmal bewusst zu machen, was sind langfristig wirksame Wege, die ich nutzen kann, finde ich sehr, sehr wichtig.

Was tun, wenn der Sichtbarkeitsmut fehlt?

Und dann kommen wir zum letzten Punkt, das M. Das ist der Mut und den habe ich bewusst integriert, weil für mich der Mut zur Sichtbarkeit so ein bisschen ein Tabuthema immer noch ist. Also ich sehe das schon immer häufiger inzwischen, aber ganz langsam nur.

Und was ich viel häufiger sehe, ist dieses Go for it, du musst es nur wollen, spreng deine Komfortzone. Wenn du es willst, dann machst du das, dieses Gepushe die ganze Zeit.

Ich finde nicht, dass wir uns die ganze Zeit pushen müssen. Natürlich braucht es Mut. Es braucht Mut, unsere Blogartikel zu veröffentlichen. Es braucht auch Mut zu sagen, okay, ich nehme so eine Einladung an, ich gehe in so einen Podcast und spreche da über mein Thema oder was auch immer. Und es ist normal, dass es Mut braucht.

Ja, das sind so die vier Prinzipien, die eben dann helfen, ein ruhiges, aber zuverlässiges Marketing zu betreiben.

[Alex] Gerade nochmal, was den Mut angeht. Also wenn ich jetzt zum Beispiel an meine Schulzeit denke, da fand ich ja jedes Referat vor 20 Menschen voll gruselig. Und wenn wir jetzt überlegen, dass wir jetzt irgendwie, weiß ich nicht, 1.000, 2.000 Follower irgendwo haben oder eine E-Mail-Liste von 1.000 Leuten oder ein Webinar halten vor 500 Leuten und dass es so selbstverständlich passieren muss, als wäre das gar nichts, das finde ich immer leicht befremdlich, weil wenn wir uns das vorstellen, wie das in der Realität wäre, vor so vielen Menschen zu sprechen, das wäre ganz schön gruselig. Also finde ich das irgendwie total wichtig, dass wir diesen Mut betonen, weil den haben ja nicht alle. Es fällt ja vielen Menschen schwer.

[Sonja] Ja, absolut. Ich finde, das ist ein super Punkt, den du da ergänzt, weil ganz viele so die Ansicht haben, wenn du es nicht siehst, dann ist es nicht da.

Also wenn du nicht den Raum mit tausend Leuten vor dir hast, dann brauchst du ja keine Angst haben. Aber natürlich sind da trotzdem Ohren, die dir zuhören, oder Augen, die dich sehen. Und natürlich darf das auch Mut kosten, sich da hinzustellen und zu sagen, das bin ich mit meinem Thema. Das hat man vielleicht noch nie gemacht. Vielleicht ist man einfach nicht der Typ Bühnenmensch, der das gegeben hat. Ja, völlig legitim.

[Alex] Und war das bei dir auch so, als du dich selbstständig gemacht hast, dass du da diesen Mut, dass der dir vielleicht gefehlt hat, dass du da irgendwie Schwierigkeiten hattest, rauszugehen mit deinem Thema?

[Sonja] Ja, total. Also ich habe mich ja ganz lange versteckt als Umsetzerin für meine Kundinnen. Ich bin ja in die Selbstständigkeit gestartet als freiberufliche Texterin und da war ich auch immer gut damit beschäftigt, halt meinen Kundinnen zu helfen, sichtbarer zu werden und musste dann selber gar nicht so wirklich in die Sichtbarkeit gehen.

Was mir halt geholfen hat, trotzdem Sichtbarkeit aufzubauen, war das Schreiben, also das Bloggen.

Hat dann eh ganz gut gepasst, weil ist ja auch mein Job, und ich habe dann angefangen zu bloggen und darüber eben Sichtbarkeit für mein Thema und auch für mein Business bekommen. Und dann konnte ich mich nach und nach an die anderen Sachen, wobei ich sagen muss, man muss auch nicht alles machen.

Also wenn man nicht Videos drehen will, muss man auch nicht unbedingt. Dann habe ich mich so herangetastet.

Aber ich weiß noch, als ich damals auf Instagram war, meine erste Instagram-Story, das war ja so ein aufgenommenes 10-Sekunden-Snippet. Also auch nicht live oder so. Ich saß da wirklich mit zitternden Knien. Was sage ich denn jetzt in diese Kamera? Und das hat mich sehr viel Mut gekostet.

Und ganz viele Dinge haben mich immer wieder Mut gekostet und kosten das heute auch immer noch. Also von daher, falls jemand denkt, oh, die reden da so selbstbewusst, ja, das tun wir, weil wir den Mut vielleicht aufgebracht haben an irgendeiner Stelle vorher.

[Alex] Ich finde es aber auch so persönlich gar nicht so leicht zu unterscheiden, weil wenn ich irgendwas von Bedeutung machen will, dann muss ich mich ja auch oft trauen. Aber gleichzeitig, wenn ich zu oft außerhalb meiner Komfortzone agiere und nie so eine Entspannung in mein Arbeitsleben reinbringe, dann macht mich das ja auch langfristig krank. Und erschöpft, also wie unterscheidest du das für dich, wo es sich vielleicht lohnt, mutig zu sein und wo du sagst, es passt nicht zu mir als Mensch? Finde ich eine ganz schwere Frage.

[Sonja] Ja, ich glaube, das ist auch eine mehrdimensionale Frage. Also das eine ist dieses, wie oft kann ich Mut aufbringen? Ich sehe das auch so, dass wir jetzt nicht unbedingt unsere Komfortzone dauernd springend verlassen müssen und nur noch außerhalb leben müssen.

Es gibt ja auch gute Dinge daran. Es gibt Entspannung. Wir brauchen Anspannung und Entspannung im Wechsel, weil, wie du sagst, ich glaube auch, dass wir ansonsten krank werden oder uns einfach das Leben sehr, sehr schwer machen.

Also das ist eins, dass ich versuche, darauf zu hören, ja, wie geht es mir denn gerade? Bin ich in einer Phase, wo ich wirklich so outgoing bin oder brauche ich gerade mehr die Arbeit im Rückzug, die Arbeit im Stillen?

Also ganz einfach ausgedrückt im Arbeitsalltag zum Beispiel: Ich habe nicht jeden Tag Calls beispielsweise, auch wenn es jetzt nicht ein direktes Nach-Außen-Gehen ist. Aber als introvertierter Mensch brauche ich Tage, an denen keiner was von mir will. Indem ich einfach hier arbeite und schreibe und meinen Content erstelle. Und dann kann ich auch wieder Calls im einfachsten Sinne, Interviews, Gastauftritte und so weiter haben. Also ich versuche das für mich gut zu verteilen, wobei meine Verteilung natürlich nicht für jeden passen muss. Das muss man, glaube ich, für sich rausfinden, was so wirklich die Balance ist, die man braucht. Und zu deiner Frage, ob es sich lohnt oder nicht.

Ja, oft weiß man es halt auch erst hinterher. Ich glaube, du hast mal den Vergleich gebracht mit dem Samen, den man sät. Also wenn man irgendwo hingeht, das ist wie ein kleiner Samen, den man sät und mal gucken, ob eine Pflanze draus wird oder nicht. Also ich entscheide nicht rein aus, lohnt sich das aus, sagen wir mal, Reichweitensicht, sondern es muss so ein Gesamtpaket sein. Sind es Menschen, mit denen ich mich gerne austauschen möchte? Passt das Business zu meinem Business und zu meiner Haltung? Also ich gehe zum Beispiel nicht gerne dann zu Veranstaltungen, wo ich sage, eigentlich stehe ich gar nicht hinter der Message, dann sage ich das lieber ab. Also ich glaube, das muss beides so dazu gehören.

[Alex] Nun gibt es ja auch Selbstständige und Online-Unternehmer*innen, die fühlen sich nicht nur so unwohl, sondern sie haben sogar richtig Angst, rauszugehen, Angst vor der Sichtbarkeit.

Und bevor wir jetzt gleich auf deinen Sichtbarkeitsmut kommen, was glaubst du denn zunächst, was sind die Gründe für diese Angst?

[Sonja] Also ich glaube, im Einzelfall sind die natürlich sehr unterschiedlich. Kann man jetzt nicht sagen, Angst vor Sichtbarkeit, das ist X.

Aber es gibt schon Ängste, die ich immer wieder mal höre. Also die häufigsten sind, würde ich sagen, die Angst vor Ablehnung. Was, wenn das, was ich da rausgebe an Content, nicht bei jedem gut ankommt? Die Angst davor, nicht gut genug zu sein. Also, dass man irgendwas vergessen haben könnte in seinen Inhalten.

Wir haben vorhin, vielleicht darf ich das hier reinbringen, im Vorgespräch kurz darüber gesprochen, dass ich ganz oft das Gefühl habe nach Interviews, ah Mensch, den einen wichtigen Punkt, den wollte ich noch ergänzen. Und da haben wir über den Mut des Unvollständigen, ich weiß leider nicht mehr den Wortlaut, gesprochen.

Diese Angst ist ganz präsent bei vielen Selbstständigen, dieses, ist das denn gut genug, habe ich an alles gedacht, was, wenn andere Expertinnen das, was ich da mache, sehen und die wüssten es besser. Super präsente Angst.

Die Angst davor, was andere sagen könnten. Ich glaube, die korreliert ganz eng mit dieser Angst vor Ablehnung. Das ist auch sehr präsent. Was sagen denn die Nachbarn, wenn ich da plötzlich bei so einem Online-Kongress bin? Oder wenn ich hier anfange, über mein Thema zu bloggen? Dann lesen die vielleicht noch mit. Und das ist, glaube ich, auch eine sehr präsente Angst.

Lass mich mal nachdenken, was noch oft gesagt wird als Angst.

Ach, eine häufige Angst ist noch die Angst zu nerven. Das ist vielleicht sogar mit der Angst vor Ablehnung die häufigste Angst.

Ich kann ja nicht die ganze Zeit rausgehen mit meinen Inhalten. Das nervt doch total. Ich kann ja nicht ständig über mein Angebot sprechen.

Das ist auch super präsent. Und vielleicht noch einen Satz zu dieser Angst vor Ablehnung. Das ist übrigens auch was, was ich beobachte, warum viele Menschen am Anfang erstmal Social Media bevorzugen in ihrem Marketing, weil dieses Like so ein Gefühl von Bestätigung gibt, so ein Gefühl von, ja, du darfst das, du machst das gut.

Und wenn wir bloggen, gibt es eher seltener Kommentare und wenn wir andere Dinge machen, kommt vielleicht erst mal gar nichts zurück. Und es ist aber eine trügerische Bestätigung, weil letztlich müssen wir uns immer bewusst machen, was haben wir zu sagen, wem wollen wir das sagen. Dass wir mit der ganzen Welt sprechen, ist ja sowieso nie der Fall. Ja, aber da sind wir schon in Richtung, was kann man denn tun.

[Alex] Ja genau, aber lass uns doch drüber sprechen. Also was kann man jetzt gegen diese Angst tun? Und vielleicht noch eine Frage, ich weiß nicht, ob du die beantworten kannst oder willst. Wo siehst du da für dich auch die Grenze zur psychologischen Beratung zum Beispiel? Weil … ich könnte mir vorstellen, klar gibt es so viele Ängste, da kann man vielleicht mit ein paar guten Worten und ein bisschen Übung diese Ängste auch überwinden, aber gibt es nicht vielleicht auch eine Grenze, wo ich sage, da steckt vielleicht auch wirklich was Ernsthaftes dahinter und eigentlich als Marketingcoachin oder Beraterin kann ich da eigentlich gar nicht so richtig ran. Hast du diese Erfahrung schon mal gemacht?

[Sonja] Also die Erfahrung gemacht, nicht direkt würde ich sagen, aber es gibt schon so Themen, wo ich mich in der Verantwortung sehe, darauf hinzuweisen, dass ich natürlich keine Therapeutin bin.

Also das gehört einfach zum verantwortungsvollen Umgang dazu, wenn wir das Wort Angst in den Mund nehmen und irgendwie ein Gegengewicht setzen wollen.

Also da geht es jetzt wirklich nicht um Themen wie, vielleicht ein Beispiel, was mal aufgekommen ist, ich weiß nicht, ob es exakt dieser Fall war, aber so in die Richtung höre ich das immer wieder mal.

Ich habe Angst davor zu schreiben, weil ich früher in meiner Kindheit dann ganz stark gemobbt wurde oder weil ich traumatische Erlebnisse hatte oder ähnliches.

Natürlich kann ich dann nicht sagen, du zünd dir eine Kerze an, dann klappt das Schreiben besser. Das ist ja absolut unverantwortlich und das mache ich dann auch nicht.

Also es geht wirklich darum, Menschen weiterzuhelfen, die sagen, ja, ich kann mir das vorstellen, aber mir fehlt so der letzte Mut, das zu veröffentlichen. Ich weiche immer wieder zurück und die vor allem auch sagen, ich mache es mir so unnötig schwer und verlangsame halt auch meine Effekte, die ich mir durch das Marketing erhoffe, weil ich für jeden Blogartikel sechs Wochen grüble, ob ich den jetzt online stellen kann. Also es geht natürlich nicht um tiefsitzende Traumata oder ähnliches, da sind sie bei Therapeutinnen deutlich besser aufgehoben.

[Alex] Okay, und was können wir jetzt aber mit den Menschen, denen dieses letzte bisschen Mut fehlt, dann machen? Also was für Tipps gibst du ihnen? Wie arbeitest du mit ihnen zusammen?

[Sonja] Ja, also es können ganz unterschiedliche Dinge sein. Ich gebe einfach mal so ein paar Dinge mit, die aus meiner Erfahrung schon geholfen haben.

Also das eine, was ich bei fast jedem wichtig finde und was auch sehr häufig hilft, ist, sich den Wert der eigenen Arbeit bewusst zu machen. Weil diese Gefühle von, ich nerve oder ich kann ja nicht schon wieder über mein Angebot sprechen oder was, wenn ich dafür abgelehnt werde, die kommen manchmal daher, dass wir selbst nicht so richtig überzeugt sind davon, dass wir etwas Gutes anbieten.

Dass wir also sogar am Angebot schon zweifeln, nicht nur an der Kommunikation, dass es dieses Angebot gibt. Also sich einmal bewusst machen, warum ist dieses Angebot, was ich hier habe, wertvoll?

Gibt es vielleicht Menschen, die schon einmal eine gute Erfahrung mit meiner Arbeit gemacht haben? Kann ich mir das ins Bewusstsein rufen, was diesen Menschen weitergeholfen hat? Also dieses, ich habe da etwas Gutes, das drückt dieses Ganze, ich nerve damit schon mal ein ganzes Stück runter, macht es ein ganzes Stück leiser. Das hilft sehr, sehr vielen Menschen, wobei natürlich dann die nächste Hürde kommen kann. Man sagt, mein Angebot ist gar nicht gut genug.

Kann sein, dass es sich dann wieder weiterdreht. Aber wenn man merkt, ich will gar nicht drüber sprechen, schau mal, was ist denn das, was du anbietest? Was ist denn das Gute daran? Was sagen denn andere Leute darüber, dass sie damit endlich sich getraut haben, etwas zu machen, oder dass sie da endlich ein Thema verstanden haben oder was auch immer. Also so ein bisschen aus unserer eigenen Wahrnehmung rausgehen und mal schauen, wo hat das denn schon mal was Gutes bewirkt und könnte es das vielleicht auch nochmal tun?

Also ganz viele Möglichkeiten, was man noch tun kann, je nachdem, wo halt so die Angst sitzt.

Was super simpel klingt, aber tatsächlich für viele sehr erleichternd ist, ist sich bewusst zu machen, dass wir gerade online ja auch jederzeit alles ändern können. Also dieses, oh, ich kann meinen Blogartikel noch nicht online stellen, weil der Anspruch ist ja dann gleich, einen riesengroßen, mega Fachartikel, das Standardwerk online quasi zu erschaffen.

Und was, wenn den anderen Expert*innen sehen und sagen, da hat sie aber Punkt so und so vergessen, der ist doch super wichtig.

Ja, da können wir den einfach erweitern. Wir können jetzt fünf Punkte veröffentlichen zu einer bestimmten Sache und später sind es neun, weil uns noch vier eingefallen sind.

Klingt super simpel, ist aber echt ein Unterschied zu zum Beispiel so einem Buch. Du hast ja gerade ein ganz tolles Buch veröffentlicht.

Ich kann mir vorstellen, dass es da ein bisschen kniffliger ist, zu sagen, jetzt ist wirklich alles drin. Online tun wir uns da doch recht leicht. Den Blog können wir überarbeiten und können da jederzeit noch was ergänzen.

Und was ich ansonsten noch hilfreich finde, ist, sich die Angst im Speziellen mal anzugucken und so einen Perspektivwechsel zu machen.

Also die Angst, abgelehnt zu werden. Das ist häufig eine, die entsteht, weil man eben nicht alle gleichermaßen ansprechen kann. Aber im Marketing haben wir ja auch eine Zielgruppe. Wir haben eine bestimmte Gruppe an Menschen, die wir ansprechen. Und aus der Angst, irgendjemanden abzulehnen oder von dem nicht so gemocht zu werden für dieses Thema, könnten wir auch die Freude machen, die Richtigen zu erreichen.

Wir könnten für uns angucken, ja okay, für den einen ist es nichts, das ist aber bewusst so, damit der andere erkennt, ach, das ist für mich. Und so kann man das mit den meisten dieser Ängste, über die wir gerade gesprochen haben, machen.

[Alex] Superwichtige Punkte. Was ich vielleicht noch ergänzen kann, ist, was mir immer sehr hilft, ist die Frage nach der Verantwortung.

Also was ist meine Verantwortung überhaupt?

Meine Verantwortung ist es, Texte zu schreiben, hinter denen ich stehe, so nach bestem Wissen und Gewissen. Aber meine Verantwortung ist nicht, dass Menschen für sich organisieren, wem sie folgen und von was sie hören und was sie abonnieren und welche Newsletter sie lesen.

Das ist einfach nicht mein Bier. So. Und deswegen lasse ich die Verantwortung bei denen und denke, okay, wenn jemand das nicht braucht, was ich sage, dann ist es ja seine Verantwortung zu sagen, okay, ich melde mich wieder vom Newsletter ab oder ich lese diesen Blog nicht mehr und was auch immer.

Also ich habe tatsächlich auch einige Reaktionen, die sind nicht sehr freundlich, aber trotzdem versuche ich dann immer, diese Verantwortung bei den anderen Menschen zu lassen und zu sagen, das ist einfach nicht mein Zeug, damit muss ich mich nicht beschäftigen.

[Sonja] Super wichtiger Punkt. Ja, danke, dass du es ergänzt.

Ich muss da gleich an eine Rückmeldung denken, die ich mal auf einen Newsletter bekommen habe. Ich gendere ja in meinen Newslettern. Also ich sage dann zum Beispiel Kund*innen oder schreibe das dementsprechend.

Und da hat sich jemand abgemeldet mit einer wirklich ganz erbosten Rückmeldung. Das würde die Sprache komplett verhunzen. Man versteht überhaupt nicht mehr, was ich sagen möchte. Und sie ist nicht bereit, sich vorschreiben zu lassen, wie sie zu sprechen hat.

Das habe ich ja gar nicht getan zum einen und zum anderen trifft das, glaube ich, ganz gut das, was du meinst mit dieser Verantwortung.

Wir geben etwas raus und die Leute entscheiden, ist es generell was für mich oder nicht? Ist es jetzt gerade was für mich oder nicht?

Und was auch helfen kann, ist, die Dinge nicht persönlich zu nehmen. Also es ist schwer, weil wir ja auch als Solo-Selbstständige, wir stehen mit unserem Gesicht, mit unserem Namen für dieses Business. Wir sind jetzt nicht ein kleines Rädchen in einem Riesenunternehmen, sondern wir sind das gewissermaßen ja auch. Aber gewissermaßen auch nicht.

Wir sind auch ein Mensch losgelöst von diesem Business. Und eine Rückmeldung in Form von, ich melde mich ab, die heißt ja nicht, du bist doof, sondern mich interessiert das vielleicht gerade nicht. Ich habe gerade eine andere Priorität. Oh, ich habe so viele Newsletter oder was auch immer.

Das nicht persönlich zu nehmen, wenn man das schafft, das kann das Leben enorm leicht machen.

Weil ich tatsächlich viele Kundinnen erlebe, die sagen, ich traue mich gar nicht, ein Newsletter zu schicken, weil ich schon weiß, dann melden sich wieder so und so viele ab und dann schrumpft meine Liste.

Und ja, aber das ändert ja nichts dran. Wenn jemand nichts von dir lesen möchte, dann hilft es auch nicht, wenn du ihm nichts schreibst, er will ja trotzdem nichts von dir lesen.

Sich darauf zu fokussieren, die Richtigen zu erreichen und das als Service zu sehen, mit denen zu sprechen, die zu erinnern, hey, ich habe hier was im Angebot, ich habe hier was veröffentlicht, was für dich hilfreich sein könnte, das kann sehr weiterhelfen, ja.

Wie kann Marketing für leisere Menschen aussehen?

[Alex] Nun lass uns doch mal ein bisschen konkreter werden, was das Marketing für leisere Menschen angeht.

Für dich, du hast es, glaube ich, schon ein paar Mal erwähnt, spielen Texte eine entscheidende Rolle. Und da sind wir natürlich als erstes bei der Website. Und meine erste Frage dazu ist, es heißt ja immer, dass wir uns in den Website-Texten persönlich und authentisch zeigen sollen. Das ist ja auch das A in deinem Prinzip.

[Sonja] Ja, richtig.

[Alex] Also ich glaube, mir geht es so und ich glaube, vielen anderen leiseren Menschen geht es auch so, dass sie sich zwar persönlich zeigen wollen, aber eben auch gewisse Grenzen wahren wollen und nicht ihr ganzes Privatleben ausplaudern wollen.

Das war auch einer der Gründe, warum ich dann von Instagram zum Beispiel weg bin. Also wie gelingt da dieser Mix, dieser Spagat, also dieser Widerspruch auch irgendwie? Einerseits persönlich zeigen in meinen Texten und andererseits die Grenzen zu wahren.

[Sonja] Ja, ich glaube, das Wesentliche ist, eine Unterscheidung zu treffen zwischen persönlich und privat, weil wir haben keine Pflicht, irgendeinen Seelenstriptease auf unserer Über-Mich-Seite hinzulegen.

Wir müssen nicht unser Privatestes, unser Innerstes nach außen tragen. Das geht ja auch einfach niemandem was an, wenn wir da in einem Business-Kontext unterwegs sind. Das können wir in einem anderen Kontext dann regeln. Wir können trotzdem aber eine Nahbarkeit erzeugen und das ist ja was, was auf der Website, insbesondere auf der Über-Mich-Seite schon auch wichtig ist.

Wenn Menschen starten mit ihrer eigenen Website, dann ist so eine Über-Mich-Seite oftmals sehr professionell in Anführungsstrichen oder das, was man für professionell hält.

Also die ist sehr glatt, die ist sehr formell, die ist sehr rein aufs Thema bezogen, aber in einer Online-Welt, die auch immer voller wird und in der das Angebot auch nicht alleinstehend ist, sondern viele Menschen ein Angebot haben, brauchen wir ja irgendeine Art von Unterscheidbarkeit. Und die geht meistens dann nicht mehr so sehr über das Thema alleine. Ist auch gut, wenn wir nicht alleine ein Thema bedienen, heißt, das Thema wird auch nachgefragt, sondern auch über uns persönlich.

Und ich finde auch, setzt eure Grenzen, wo ihr sie setzen möchtet. Ich habe zum Beispiel eine Grenze, dass man weiß, dass ich Kinder habe, aber sonst weiß man da eigentlich nichts. Es gibt keine Fotos von diesen Kindern.

Ich sage nicht, wer ihre Freundinnen sind oder was die jetzt gerade in der Schule machen oder so. Also, das ist zum Beispiel eine Grenze, die ich gesetzt habe.

Welche Möglichkeiten haben wir trotzdem, Persönlichkeit rüberzubringen? Wir können darüber sprechen, was uns bewegt, was wir an unserem Thema besonders wissens- oder beachtenswert finden.

Wir können eine bestimmte Spezialisierung wählen, auch die zeigt Persönlichkeit. Wenn ich sage, ich möchte Marketing ohne Marktgeschrei, dann sagt das auch etwas über mich als Person aus.

Wir können über unsere Werte sprechen. Ich empfehle zum Beispiel meinen Kundinnen immer mal einen Blogartikel über die eigenen Werte und was die fürs Business bedeuten zu schreiben.

Ist super persönlich, muss aber gar nicht privat sein, denn wenn ich zum Beispiel sage, ein wichtiger Wert von mir ist Ehrlichkeit und das bedeutet, dass ich dir sage, Marketing braucht Zeit und eben nicht irgendwas verkaufe und hoffe, ach, du bezahlst das und dann merkst du hinterher, dass es Zeit braucht. Nein, wenn ich Ehrlichkeit als Wert habe, fülle ich das so mit Leben. Und das sagt auch was über mich als Person aus, ohne dass ich erzählt habe, was es heute zum Mittagessen gab oder so.

[Alex] Das ist wirklich ein guter Punkt. Und ich glaube auch, dass gerade diese Werte, dass die sich auch in unseren Handlungen dann auch fortsetzen sollten.

Also so ein Blogartikel ist dann zwar schon gut, aber wir werden ja auch persönlich, indem wir mit Menschen genauso umgehen in unseren Gesprächen zum Beispiel oder wenn wir mit Menschen schreiben.

Also ich glaube, wenn es so stimmig ist, wie wir uns nach außen geben, wenn das, was wir sagen, und das, was wir tun, wenn das im Einklang ist, dann glaube ich, ist es auch super, um sich persönlich und authentisch zu zeigen, wenn es da keinen Widerspruch gibt.

[Sonja] Auf jeden Fall. Ich glaube, das ist sowieso generell wichtig, weil wenn wir irgendein, ich sag mal, aufgesetztes Marketing betreiben, weil wir denken, das müssten wir, irgendwann bricht dieses Kartenhaus ja zusammen, weil es irgendwo an unsere Integrität geht oder an irgendwas und es nicht mehr stimmig wird.

Also von daher ist es ganz klug von Anfang an, ich sag mal, sich auch so zu präsentieren und auch kontinuierlich durchzusetzen.

Es wird aber leichter, wenn man eben einfach so ist, weil es dann ein stimmiges Gesamtbild gibt.

[Alex] Gerade Verkaufen fällt ja auch leiseren Menschen oft schwer, und du hilfst ja auch dabei, ohne Marktgeschrei sichtbar zu werden. Ich glaube, das ist das, was viele auch mit Verkaufen verbinden, also dass wir uns irgendwo hinstellen und sagen, kauf das, kauf das, hier bin ich und so, und so ist es ja für dich nicht. Wie können denn jetzt leisere Menschen über ihre Angebote sprechen, ohne sich Marktgeschrei und sowas zu bedienen? Hast du da einige Tipps?

[Sonja] Ja, sehr gerne. Also zunächst möchte ich kurz ergänzen, dass ich jetzt Marktschreier per se auch nicht schlechtreden möchte. Wenn jemand so voll aus sich heraus einfach so ein Typ ist, der sagt, here I am, look at me und meine Ansichten und so, okay, dann soll er das machen.

Was vielen Menschen dabei schwerfällt, ist dieses, ich dauerbeschalle die ganze Zeit und ich hoffe, dass irgendjemand darauf anspringt und reagiert. Und was helfen kann, ist einfach das Prinzip umzukehren, weg von einem, ich haue so viel an Message raus, bis jemand reagiert, hin zu einem, ich biete etwas Interessantes an, wonach die Leute sowieso suchen.

Also das ist ja das ganze Prinzip von Content-Marketing, wo wir ja unterwegs sind. Wir erschaffen Inhalte, die für Leute interessant und relevant sind, damit sie zu uns finden und nicht damit wir ihnen nachrennen müssen. Das ist das Grundprinzip, was ich empfehle.

Das macht es schon deutlich ruhiger, deutlich entspannter. Aber es braucht natürlich auch eine gewisse Zeit, bis eine Reaktion kommt, weil wir erstmal auf die Leute warten, die danach gerade suchen. Nicht jeder sucht zu jedem Zeitpunkt genau das, was wir haben und so weiter. Also es braucht einen längeren Atem und es braucht auch Inhalte, die an verschiedenen Stationen ansetzen.

Also wenn wir zum Beispiel über die Kundenreise sprechen, die Menschen eben durchlaufen, bis sie bei uns kaufen, dann kann die sehr kurz sein. Im Fall des Marktschreiers, ich laufe da entlang, der brüllt mich an, ich kaufe, Kundenreise abgeschlossen.

Sie kann aber auch ein bisschen länger sein und das ist bei Content-Marketing, das es ruhiger angeht, in der Regel der Fall.

Jemand sucht zum Thema, wie schreibe ich eine Über-mich-Seite, kommt in meinen Blog, liest es, findet es hilfreich, geht wieder weg. Nichts passiert gefühlt, kommt nochmal zurück, weil der Blog hilfreich war oder hat sich in den Newsletter eingetragen und liest dann von mir, ach, da gibt es einen Kurs, mit dem du deine Website-Texte schreiben kannst. Und dann kauft er möglicherweise im zweiten, im dritten, im vierten, im zwanzigsten Schritt.

Diese Schritte werden tatsächlich im Moment auch immer mehr. Wir hatten vorhin ja schon mal darüber gesprochen, dass Menschen kritischer sind und länger Zeit brauchen. Und ich glaube, gewissermaßen liegt da auch ein großer Teil von verbrannter Erde vor im Onlinebusiness, dass einfach online so extrem viel, vielleicht nicht immer qualitativ Hochwertiges, verkauft wurde, dass die Leute einfach doppelt und dreifach hinterfragen, ist das denn jetzt wirklich vertrauenswürdig?

Aber das ist so das Prinzip. Erschaffe Inhalte, die relevant sind für die Menschen, die du erreichen möchtest. Denk an die verschiedenen Stufen der Kundenreise. Das Erste ist, dass sie dich erstmal bemerken müssen, dass sie irgendeine Form von Aufmerksamkeit für ein Thema haben, was du hast.

Es geht meistens dann über solche inhaltlichen Dinge, Fragen, die sich die Leute stellen. Dann gehört dazu, Vertrauen aufzubauen. Da haben wir über Persönlichkeit vorhin gesprochen.

Es gehört dazu, die Kaufbedenken der Menschen abzubauen und im besten Falle ohne, wenn du es willst, dann kaufst du wirklich, sondern auf empathische Art und Weise, indem wir Argumente zum Beispiel haben, inhaltliche Argumente.

Und dann geht es letztlich ums Verkaufen und das ist das, wo wir eigentlich gerade herkamen. Klar, wir dürfen auch direkt über unser Angebot sprechen. Wir dürfen auch direkt sagen, das biete ich gerade an und nicht immer verklausuliert, weil sonst wird es ja auch gar nicht verstanden. Aber wenn wir so einen Prozess aufbauen, dann können wir sehr gut und sehr angenehm verkaufen.

[Alex] Was ist so deine Erfahrung nach eine Plattform oder generell Marketingstrategien, mit denen leisere Menschen zurechtkommen?

Ich meine, klar, alle sind individuell, aber hast du so Erfahrungen, wo du sagen könntest, zum Beispiel ein Blog oder so, das ist das, was vielen liegt, die ein bisschen zurückhaltender sind? Gibt es da noch andere vielleicht?

[Sonja] Ja, ich bin natürlich jetzt nicht unvoreingenommen, weil ich finde Blogs einfach großartig. Und ich mache tatsächlich auch die Erfahrung, dass das vielen Leuten leichter fällt, zumindest dann, wenn Sie die Angst ablegen, dass ihre Texte nicht gut genug sind.

Das ist so eine Hürde, die man haben kann, aber es ist sehr niedrigschwellig. Es fällt leiseren Menschen oft leichter, weil sie da keine Bühnenpräsenz brauchen. Sie müssen nicht im Video erscheinen, sondern sie haben auch Zeit, diese Texte zu schreiben, wie es beispielsweise in einem Blog ist.

Das kann auch Social Media sein, also da kann man ja auch schreiben, wobei man da sagen muss, je nachdem, wie der Trend gerade ist, werden die einen oder anderen Formate ein bisschen besser gepusht und rein mit Text ist es vielleicht manchmal schwierig.

Es kann natürlich auch sprechen sein, wenn man sagt, ich mag nur nicht, wenn mir jemand zusieht, aber zuhören ist okay, dann kann es zum Beispiel auch ein Podcast sein oder bloggen heißt ja nicht nur, dass man für sich bloggt, sondern man kann auch Gastartikel bei anderen Blogs platzieren und so eine Art Kooperation haben.

Du bloggst bei jemand anderem, der eine ähnliche Zielgruppe hat, derjenige bloggt vielleicht mal bei dir oder Podcast-Interviews, da geht es ja genauso. Gibt schon viele verschiedene Möglichkeiten.

Ich glaube, gerade bei leiseren Menschen ist das Wichtige, mich gucken nicht so viele sofort an und ich muss nicht so on point präsent sein, sondern ich kann mich da auch rantasten.

[Alex] Also es geht auch darum, und das ist ja auch das, was ich dann im Buch so, wo ich drauf rumreite, dass wir quasi auch die eigenen Stärken verstehen und wissen, was können wir denn richtig gut, wo fühlen wir uns wohl.

Ich meine, klar ist es so, dass wir auch bei dem, was wir gut können, auch immer lernen können und es ist uns oft nicht leicht fällt, das zu machen, aber langfristig laugt uns das vielleicht nicht so aus.

Und ich habe so die Beobachtung gemacht, dass gerade so leisere Menschen auch gerne eher schreibend so im Hintergrund tätig sind. Also, genau, Blog, Website, Newsletter vielleicht könnten da die richtigen Striche bringen.

[Sonja] Ja, Newsletter. Genau. Ja, vergessen.

[Alex] Du hast ja auch ein Newsletter?

[Sonja] Ich habe auch ein Newsletter. Genau. Ich wollte noch irgendwas ergänzen dazu. Sekunde, vielleicht habe ich es gleich wieder.

Ach ja, man kann diesen Content aber ja auch verbinden. Also wenn du sagst, unsere Stärken bewusst werden, finde ich super wichtig und wenn wir merken, ja, mir fällt es im ersten Moment leichter, darüber zu schreiben, dann kann ich schreiben und kann aus diesem Blogartikel beispielsweise ja auch noch anderen Content machen, wenn ich eben verschiedene Kanäle, Formate bedienen möchte.

Und ich habe es auch manchmal, dass Leute denken, ja, mein Text ist nicht gut genug oder irgendwelche Erwartungshaltungen an einen guten Text, was ich ganz häufig höre, ist zum Beispiel, Bloggen geht ja nicht unter tausend Wörtern.

Geht schon, also es gibt da jetzt keine Blogpolizei, die kommt und sagt, da fehlen jetzt drei Wörter, das können wir nicht online stellen. Aber dass sie sich dann ausbremsen, weil sie an die Struktur eines Artikels so große Bedingungen quasi geknüpft haben und ihnen fällt es leichter zu sprechen, dann können die auch erst mal was aufsprechen. Man kann sich auch einen Blogartikel diktieren und trotzdem als Blog veröffentlichen.

Also ich glaube, man muss so ein bisschen rausfinden, was liegt mir, was senkt die Hürde, dass ich wirklich rausgehe, weil das ist einfach so elementar wichtig, dass etwas online geht von unseren Inhalten, so weit herunter, dass ich mich regelmäßig traue, Und dann finde ich tatsächlich, es ist jetzt kein Riesengeheimnis, aber die Praxis hilft auch enorm.

Also, man wird einfach besser, wenn man öfter schreibt und wenn man das etabliert als Routine. Und der erste Blogartikel ist schwieriger als der zwanzigste.

Marketing muss realistisch sein

[Alex] Und ich finde auch noch, was hilft, ist eine Portion Realismus.

Also klar kann ich …, du hattest dieses Beispiel, 100 Tage lang einmal live gehen oder so. Das ist für mich komplett unrealistisch.

Also ich wüsste wahrscheinlich schon, dass ich nach dem dritten Tag keine Kraft mehr dazu hätte. Insofern einfach zu fragen, was kann ich auch über eine längere Zeit realistisch durchhalten?

Also zum Beispiel ein, zwei Blogartikel im Monat ist für die meisten, würde ich sagen, sehr realistisch.

Ja, also vielleicht gibt es Leute, die sagen, ich kann auch viermal oder fünfmal im Monat bloggen, aber so ein, zwei im Monat, das halte ich persönlich jetzt schon wie lange, ich weiß nicht, acht, neun Jahre durch. Es ist also wirklich ein gutes Tempo und ich glaube, dieser Realismus ist auch voll wichtig.

Ist das ein bisschen unsexy, ja, aber wir müssen Marketing ja uns nicht nur schön in der Theorie denken, sondern ja auch letzten Endes machen.

Und ja, deswegen bin ich großer Fan davon, realistisch auch zu denken.

[Sonja] Absolut, ja. Und vielleicht auch noch so ein bisschen Regelmäßigkeit. Das ist auch sowas, was mit ganz vielen Hürden verbunden ist, bedeutet nicht exakt immer Montagmorgen geht ein Blogartikel online. Du kannst es auch für dich definieren. Du kannst zum Beispiel sagen, ich mache zwei Blogartikel im Monat und der eine kommt mal Montag, der andere kommt Mittwoch oder in dem einen Monat war es dann doch nur einer, im nächsten waren es drei. Aufs gesamte Jahr gesehen war es dann doch wieder das, was ich vorhatte.

Also da nicht ganz so streng mit sich zu sein, aber schon auch ein Fundament zu legen, das man eben auch durchziehen kann.

[Alex] Ja, ich nenne das immer Freiheit in meiner Struktur. Also ich habe eine Struktur, wo ich immer weiß, das und das.

Aber dazwischen bewege ich mich frei. Und wie du sagst, wenn es mal diesen Monat nichts wird, dann mache ich es halt nächsten Monat doppelt oder so. Also genau.

Was ich auch oft beobachte, ist dieser Gedanke, ach, es gibt schon so viele Blogs zu meinem Thema. Lohnt es sich da überhaupt für mich, noch einen anderen Blog zu starten? Wie siehst du das?

[Sonja] Ja, ich glaube, das gehört so zu den Top-Ten-Sätzen. Das gibt doch schon so viel. Und es ist ja tatsächlich so. Also, wenn wir jetzt unseren Themenbereich einfach mal googeln oder das Thema, über das wir schreiben wollen, und da sind da ein paar Millionen Treffer, naja, ermutigend ist es erstmal nicht.

Aber was helfen kann, ist zum einen die Erkenntnis, wenn ein Thema schon bespielt wird, dann ist es auch ein wichtiges Thema.

Also wir brauchen gar nicht so sehr die Einzigartigkeit in unseren Inhalten.

Wir brauchen natürlich Unterscheidbarkeit, aber jetzt auf das reine Thema bezogen, brauchen wir keine Weltsensation, ein nie dagewesenes Thema, weil möglicherweise sucht dann auch gar keiner danach. Das ist das eine. Also ja, natürlich, wenn es schon Inhalte gibt, dann heißt es nur, dass es da auch Interesse, dass es da auch einen Markt gibt. Und das andere, was ich aber tatsächlich wichtig finde, je voller es wird, das ist auch wichtig, aber was ich wichtig finde beim Umsetzen dann.

Je mehr Artikel schon da sind, umso wichtiger wird, dass unsere gut sind.

Also, dass wir auch ihnen etwas reingeben, was für uns wichtig ist. Dass wir ihnen eine persönliche Note geben. Dass wir uns vielleicht nicht nur als Infotankstelle sehen, sondern auch als Mensch, der da eine Meinung dazu hat. Das geht auch bei fachlichen Artikeln.

Aber auf jeden Fall bloggen, wenn es ein Thema gibt, Weil es gibt ja auch nicht nur einen Kunden oder eine Kundin und einen Anbieter, sondern es gibt extrem viele potenzielle Kundinnen in einem Bereich.

Vielleicht haben die noch nicht die richtige Person gefunden, auch wenn es schon Inhalte gibt. Vielleicht wärst du die richtige Person für die. Also von daher bitte nicht aufhalten lassen davon.

[Alex] Bei mir ist es auch so, wenn ich mich für ein Thema interessiere, dann kann ich auch nicht genug von diesem Thema kriegen. Also dann sage ich nicht, oh, ein weiterer Blog über weiß ich nicht was. Nee, das ist jetzt zu viel, sondern denke, oh ja, noch mehr dazu. Also ich freue mich ja, oder bei Büchern ist es ja auch so, wenn ich einen bestimmten Typ von Roman gerne lese, dann denke ich ja nicht bei der neuen Autorin, oh ne, die lese ich jetzt nicht, ich habe schon drei andere. Also dann denke ich, ja, noch mehr, noch mehr, ja. Also ich glaube, wenn man ein Thema mag, dann will man ja mehr dazu lesen und hören.

Und insofern ist das eigentlich ein gutes Zeichen, finde ich.

[Sonja] Ja, total. Das ist ein richtig cooler Aspekt. Den nehme ich mir mit, wenn ich darf.

Wie wird KI das Marketing verändern?

[Alex] Sehr gerne.

[Sonja] Genau, und man weiß ja nicht, wer dann die richtige Person am Ende ist für eine Zusammenarbeit, aber genau, es gibt nicht nur eine Info, sondern man darf auch mehrere annehmen.

[Alex] Du hast jetzt auch schon einen anderen wichtigen Punkt angesprochen, und zwar das Thema Qualität. Und da würde ich jetzt mal nahtlos überleiten zum Thema KI, weil ich denke mal, dass KI so ein bisschen auch Online-Texte und Online-Marketing verändert hat, so in den letzten Monaten und letzten Jahr. Was ist da so deine Beobachtung und was ist da deine Position? Wie empfindest du das Bloggen und was wird für die Zukunft wichtig sein aus deiner Sicht?

[Sonja] Ja, also ich glaube, das verändert sogar ganz schön viel, auch wenn es vielleicht noch nicht bei jedem in der Praxis so angekommen ist.

Ich glaube, es gibt Chancen und es gibt auch Dinge, die wir uns einfach jetzt bewusster machen dürfen. Also eine Chance zum Beispiel ist, dass wenn wir KI nutzen, wir leichter Texte erstellen können, wenn uns das bisher vielleicht schwer gefallen ist.

Also wenn wir uns zum Beispiel schwer damit tun, uns genau in die Zielgruppe einzudenken. Ich meine, direkter Kontakt ist aus meiner Sicht immer noch der beste und der echteste, aber auch da kann zum Beispiel die KI helfen, unsere Recherchen zu vervollständigen, uns vielleicht bei der Struktur zu helfen, das, was ich vorhin ja als Hindernis angesehen habe, was viele Leute ausbremst, ja, wie genau wird denn das und wie lang soll das werden und wo mache ich eine Überschrift? Da kann so ein Tool schon mal helfen und uns so einen Startpunkt geben.

Was, glaube ich, immer wichtiger wird, ist aber auch, durch diese Tools entsteht jetzt extrem viel Content. Also diese Masse an Inhalten, die wird noch unübersichtlicher und umso wichtiger ist es, dass unsere Texte eben trotzdem auf eine Art und Weise herausstechen. Ich glaube, ein wichtiger Punkt gerade beim Thema Bloggen wird sein, dass wir nicht nur Information brauchen, sondern Information plus X. Also Information plus eine persönliche Haltung dazu. Information plus einen Punkt, den wir ganz persönlich ergänzen oder den wir besonders wichtig finden, der nicht überall schon steht und dann so zusammengesetzt wird aus bestehenden Informationen.

Dass wir uns auch als, wenn wir jetzt Solo-Selbstständige sind, auch als Personenmarke, heißt nicht, dass wir alles teilen müssen, aber dass wir so als greifbare Personen präsent werden.

Das ist etwas, was die KI für mich noch vielleicht auch nicht so ersetzen kann, dass wir eben Menschen sind, dass wir die Fähigkeit haben zu empfinden, dass wir die Fähigkeit haben, Empathie zu äußern. Also tatsächlich spürbare Empathie und nicht aus Inhalten zusammengesetzte theoretische Empathie.

Ich glaube, das wird ganz wichtig, dass wir uns wirklich bewusst machen, es geht nicht darum, dass ich den hundertsten Artikel dazu schreibe, welche Bestandteile kann eine Website haben, sondern dass ich da diesen Plus-X-Faktor noch reinbringe.

[Alex] Und Plus-X, also finde ich ganz toll, ist Meinung, Haltung. Es kann aber auch so etwas sein wie ein eigener Schreibstil, finde ich, oder Humor zum Beispiel.

Also KI kann, finde ich, Humor gar nicht. Und also irgendwie vom Schreiben sich auch abheben, von dem, wie alle anderen schreiben.

Das finde ich persönlich auch ganz gut, wenn ich andere Texte lese, wo ich denke, okay, hier höre ich jemanden in seiner oder in ihrer Stimme sprechen. Das mag ich persönlich sehr.

[Sonja] Das stimmt. Das kann tatsächlich ein wichtiger Faktor sein. Ich muss jetzt an eine Kundin denken, die neulich zu mir meinte, als wir uns getroffen haben, ich habe den Newsletter gelesen und es ist, als würdest du vor mir sitzen, weil er eben nach dir klingt.

Und das stärkt natürlich auch diese vertraute Basis. Also ob wir mit KI jemals so best friend mäßig oder irgendwie eine emotionale Bindung haben werden, stelle ich mal in Frage. Aber ja, ich glaube, da liegen ganz große Chancen, dass wir das unserem Content uns auch zu eigen machen und uns auch trauen, ihm unsere Färbung, unsere Nuancen reinzugeben.

[Alex] Ja, Sonja, jetzt haben wir eine Menge besprochen über das Thema Sichtbarkeitsmut und Texte. Und eine letzte Frage:

Bei dir steht in deinem Prinzip das L für Langfristigkeit. Und wie bleiben wir bei langfristigen Strategien am Ball? Was könnte da helfen? Wie können wir nicht gleich nach drei Blogartikeln aufgeben?

[Sonja] Ja, da greife ich doch mal auf die Meinung einer Expertin, die ich sehr schätze, die mit dem Realismus. Realistisch sein. Und ich weiß, es ist manchmal schwierig, also gerade wenn man Laie ist im Thema Marketing, wenn man ein Business hat, das nicht Marketing ist, sondern Marketing halt für sein Business nutzen möchte, dann prasselt extrem viel auf einen ein und auch leider immer noch extrem viele falsche oder sehr hochgegriffene Versprechen.

Und natürlich möchte man die gerne glauben, aber realistisch sein, im Bereich Bloggen zum Beispiel, nicht zu erwarten, dass ein Blogartikel, den ich heute online stelle, mir morgen Sichtbarkeit bringt, ist, glaube ich, das Allerwichtigste. Weil wenn wir von Anfang an wissen, wir lassen uns auf eine längere Reise ein, dann fällt es auch leichter, die Reise bis zum Ende, wo ist das Ende, aber weiter durchzuhalten, als wenn wir denken, ja, das ist ein Zwei-Stunden-Trip und dann bin ich ja quasi fertig.

Was ansonsten helfen kann, ist, sich Routinen zu schaffen, die eben auch zu dir persönlich passen. Das kann bedeuten, dass du dir eine Schreibatmosphäre schaffst, die du angenehm empfindest. Das dem Schreiben so ein bisschen den Schrecken nimmt, dieses, uh, jetzt muss ich was Produktives für meinen Blog oder für meinen Newsletter machen, sondern dass du es irgendwie schaffst, das zu verbinden mit einem, ah, jetzt habe ich mal Gelegenheit, das rauszulassen, was ich zu dem Thema sagen wollte, kann bedeuten, dass du dir einen Raum irgendwie besonders ausstattest, kann aber auch bedeuten, dass du eine Zeit wählst, die für dich hilfreich ist, dass du eine produktive Zeit wählst und nicht abends, wenn du komplett fertig bist vom Tag, das noch irgendwie reinschieben möchtest.

Sowieso das eigene Marketing – ja, zur Priorität ist immer schwierig. Wir haben ja schon so viele Prioritäten – aber auch ernst zu nehmen, sage ich mal. Marketing ist was, was bei vielen Leuten so unter, wenn ich noch Zeit habe, dann mache ich das noch. Und in der Realität bleibt dann ganz selten noch Zeit, weil sich doch wieder 20 Aufgaben reingeschoben haben. Also so wie wir vielleicht einen Call mit einem Kunden in den Terminkalender eintragen, uns auch unsere Marketingzeit in den Kalender eintragen, wenn wir damit gut arbeiten können. Was auch helfen kann, ist, sich Unterstützung suchen.

Also es gibt ja ganz viele Angebote. Du hast ja Schreibbegleitungen, die du anbietest. Ich habe meinen Content-Club, den ich anbiete.

Es gibt ganz viele Möglichkeiten, wo man Menschen finden kann, die vielleicht ein Coworking mit einem arbeiten oder die auch an ihrem Marketing arbeiten.

Wenn man merkt, oh, dieses allein im stillen Kämmerlein vor mich hinwurschteln, das ist nicht so wirklich hilfreich für mich, dann kann auch sowas helfen.

[Alex] Ist wie beim Sport. Manche gehen alleine joggen, andere brauchen eine Laufgruppe.

[Sonja] Genau.

[Alex] Sonja, vielen, vielen Dank, dass du heute hier warst und uns über dein Thema … so schön mitgenommen hast und erzählt hast. Und ja, vielen Dank.

[Sonja] Ich danke dir für die Einladung und wünsche euch allen ganz viel Freude und Erfolg beim Umsetzen eures Marketings.

Shownotes

Sonjas Website

7 häufige Gründe für Angst vor Sichtbarkeit

Die 4 Säulen des CALM-Marketing-Prinzips

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Buch „Don’t be evil“

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Social-Media-Kritik Alexandra Polunin Social-Media-Kritik Alexandra Polunin

Nein, soziale Medien sind nicht kostenlos 🤑

„Social-Media-Marketing ist kostenlos. Und deshalb wäre man ja ganz schön dumm, wenn man keine sozialen Medien fürs Marketing nutzen würde.“ – Ich glaube, dass die meisten Selbstständigen diese Aussage kennen. Vielleicht auch du? Und da nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte, gucke ich mir diesen Spruch genau an und sage, warum meiner Meinung nach das Gegenteil der Fall ist.

„Social-Media-Marketing ist kostenlos. Und deshalb wäre man ja ganz schön dumm, wenn man keine sozialen Medien fürs Marketing nutzen würde.“

Ich glaube, dass die meisten Selbstständigen und Unternehmen diese Aussage so oder so ähnlich bereits irgendwo gehört oder gelesen haben. Vielleicht auch du?

Und da ich denke, dass nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte als dieser Spruch, gucke ich ihn mir in dieser Podcastfolge genau an und sage, warum meiner Meinung nach das Gegenteil der Fall ist.

Das wird heute übrigens die letzte Folge vor der Sommerpause.

Ich habe mich dazu entschieden, den August mal freizumachen, um mich anderen Projekten zu widmen. Und ich melde mich dann wieder Anfang September mit neuen Podcastepisoden.

Aber jetzt wünsche ich dir erst einmal viel Spaß mit dieser Folge.

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Ja, soziale Medien sind nicht kostenlos. Aber gucken wir uns das jetzt mal ganz genau und Schritt für Schritt an.

Social-Media-Marketing kostet Geld

Reden wir zunächst einmal über Geld.

Natürlich können wir uns kostenfrei bei sozialen Medien anmelden

Wir müssen nichts bezahlen, wenn wir uns einen Account anlegen, wir müssen nichts zahlen, wenn wir uns ein schönes Profil erstellen, ein Bild hochladen, dann Inhalte teilen, auf Kommentare reagieren, mit anderen Menschen schreiben oder andere Beiträge kommentieren oder teilen.

Das alles kostet erst einmal keinen einzigen Cent. 

Und deshalb mag es naheliegen zu denken, dass auch Social-Media-Marketing nichts kostet. Doch das ist nicht der Fall. 

Zunächst einmal:

Wer professionell Social-Media-Marketing betreiben will, benötigt in der Regel einige Tools dafür. Bei mir waren es früher zum Beispiel, Planungstools, ein Grafikdesigntool wie Canva, Bildbearbeitungstools, Tools zum Videosschneiden. Und so weiter, und so weiter.

Es ist natürlich sehr individuell, wie das Social-Media-Marketing jetzt im einzelnen konkret aussieht, aber es gibt definitiv laufende Kosten fürs Social-Media-Marketing im zwei- bis dreistelligen Bereich pro Monat

Das mag jetzt für die einen überhaupt kein Problem sein, für andere wiederum kann schon das eine gewisse finanzielle Belastung darstellen.

Aber die laufenden Kosten für die Tools sind gerade erst der Anfang. Selbst das beste organische Social-Media-Marketing wird früher oder später an seine Grenzen kommen, sodass in den meisten Fällen Werbeanzeigen geschaltet werden müssen.

Vor einigen Jahren konnte man vielleicht mit organischem Social-Media-Marketing tatsächlich noch Menschen erreichen und mit Social Media Menschen auf die eigene Website bringen, wo es dann den Newsletter gab oder andere Angebote. Aber inzwischen hat das leider nichts mehr mit der Realität zu tun. 

Das heißt:

Selbstständige und Unternehmen müssen für die wichtigen Sachen meist mit Werbeanzeigen arbeiten. Und die kosten natürlich Geld. 

Auch hier sind es ja nicht nur die Kosten für die Anzeigen an sich, sondern auch, vor allem am Anfang, etwas Lehrgeld, bis man wirklich gute Zielgruppen aufgebaut hat und die beste Kombination aus Text und Bild oder Text und Video kennt. 

Das alles weiß man ja nicht plötzlich, das ist ja keine Eingebung, die man dann hat, sobald die Werbeanzeige online geht, das alles muss man herausfinden, das alles muss man Schritt für Schritt testen – und das kostet Geld.

Man kann jetzt natürlich Expert*innen beauftragen, die ein gewisses Wissen haben und eine langjährige Erfahrung haben und diese Testphase deutlich abkürzen können. Aber auch hier: Die Hilfe von Expert*innen kostet wiederum Geld.

Und da wir gerade so schön beim Thema outsourcen sind: Auch beim organischen Social-Media-Marketing können wir uns natürlich jederzeit Unterstützung holen, z.B. in Form von virtueller Assistenz, aber auch hier müssen wir für die Unterstützung zahlen.

Wenn wir uns dafür entscheiden, das Social-Media-Marketing ganz alleine zu machen, dann werden wir in den meisten Fällen auch nicht um Weiterbildungen drum herum kommen. Denn, was auf Social Media funktioniert, das ändert sich regelmäßig und natürlich müssen wir dann up to date bleiben, was gerade gut auf Social Media geht. Und Weiterbildungen, Kurse, Coachings, Workshops, du ahnst es, sie alle kosten natürlich Geld.

Meistens einen dreistelligen Betrag, aber oft auch einen höheren vierstelligen Betrag.

Ja, Social-Media-Marketing kostet Geld, aber das ist gerade erst der Anfang. 

Social-Media-Marketing kostet Zeit

Denn in der Berechnung, was uns soziale Medien kosten, plädiere ich sehr dafür, nicht nur Geld mit einzubeziehen, sondern z.B. auch Zeit.

Denn die Zeit, die wir für Social Media aufwenden, die ist unsere Lebenszeit

Und, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich möchte sehr, sehr bewusst und sehr achtsam mit meiner Zeit umgehen. Denn die Zeit, die ich für etwas aufwende, die kriege ich nun einmal nicht wieder zurück. Das ist beim Geld vielleicht manchmal anders.

Und ja, bei mir waren es jeden Tag 1 bis 2 Stunden, manchmal noch mehr für Social-Media-Marketing gewesen.

Das sind schon nach 1,5 Jahren über 1000 Stunden, die ich für soziale Medien gebraucht habe. Und das ist ja nicht nichts. Also das ist eine ganze Menge, finde ich. 

Und indem wir JA zu 1000 Stunden Social Media sagen, sagen wir ja automatisch NEIN zu 1000 Stunden für irgendwas anderes.

Und ob das ein guter Deal, ob das ein gutes Investment ist, das kann ich für dich natürlich nicht beantworten. 

Für mich persönlich war es das nicht und du kannst für dich überprüfen, ob es dir da vielleicht ähnlich geht.

Social-Media-Marketing kostet Energie

So, jetzt haben wir ausführlich über Geld und über Zeit gesprochen. Und hinzu kommt auch noch die Energie oder Kraft, die uns Social-Media-Marketing kosten kann.

Vielleicht ist es bei dir so, dass du jetzt gar nicht weißt, wovon ich rede.

Vielleicht ist es bei dir so, dass dir das Posten und das Videos-Drehen und das Kommentieren usw. gar nichts ausmachen oder zumindest nicht so viel ausmachen. Vielleicht fühlst du dich danach genauso wie vorher oder du ziehst sogar Kraft aus den Interaktionen auf Social Media.

Wenn das so ist, dann herzlichen Glückwunsch. Das ist natürlich großartig für dich. 

Vielleicht merkst du aber, dass dich Social-Media-Marketing eher Kraft kostet. Das heißt, dass du, nachdem du soziale Medien genutzt hast oder livegegangen bist oder zwei Stunden damit verbracht hast, ein Reel zu erstellen, das nur zehn Menschen sehen, eher erschöpft bist und ausgelaugt und, ja, einfach weniger Kraft hast als vorher.

Und in diesem Fall wäre es aus meiner Sicht sehr wichtig, sich zu fragen, ob man diese Kosten langfristig tragen will oder ob einem der Preis für Social-Media-Marketing langfristig dann doch zu hoch ist.

Social-Media-Marketing kostet Gesundheit

Denn wenn man ständig über seine Grenzen geht, wenn man ständig seine Kraft richtig aufbraucht, dann kann es sein, dass die körperliche oder mentale Gesundheit langfristig Schaden nimmt.

Ich habe es bei mir damals definitiv so gespürt und mir war sehr bewusst, dass ich Social-Media-Marketing nicht mit meiner Gesundheit bezahlen will. 

Dass mir dieser Preis einfach viel zu hoch wäre.

Und genau diese Frage sollten sich aus meiner Sicht auch Selbstständige stellen, wenn sie Social Media fürs Marketing nutzen: Bezahle ich die tägliche Online-Präsenz auf Social Media mit meiner Gesundheit? 

Das ist definitiv keine einfache Frage und das ist keine einfache Entscheidung. Und vielleicht müssen wir sie uns gerade deshalb alle so dringend stellen.

Wir sind immer noch nicht am Ende. Ich habe noch zwei Punkte, über die ich sprechen möchte.

Social-Media-Marketing kostet Beziehungen

Und das sind zum einen: Beziehungen.

Soziale Medien können uns unsere Beziehungen kosten. Ich weiß, dass da nicht so viele Menschen darüber sprechen, weil meistens geht es darum, Beziehungen auf sozialen Medien zu inszenieren.

Doch ich finde, es lohnt sich, mal darüber nachzudenken, ob ich im realen Leben immer öfter nein zu Menschen aus Fleisch und Blut sage, um etwas auf Social Media stattdessen zu tun.

Bei mir war das früher klassischerweise der Abend, der laut Instagram Analytics die beste Zeit für mich wäre, etwas zu posten und mit meinen Follwern zu interagieren. Aber diese Zeit kollidierte damals mit den Schlafengehzeiten der Kinder. 

Natürlich hat mein Mann die Kinder ins Bett gebracht, aber ich wollte ja nicht sagen: 

„So für die nächsten Jahre muss ich um 20 Uhr was auf Instagram posten und kann euch jetzt nichts mehr vorlesen. Das wird jetzt immer der Papa machen.“

Natürlich wusste ich, dass mir meine Kinder wichtiger waren als Instagram. Und dennoch habe ich immer wieder versucht, abends auf Instagram zu posten, habe versucht, beidem gerecht zu werden, und hab vermutlich deshalb nichts von allem richtig gut gemacht.

Ja, das war nur ein Beispiel von mir früher. Aber ich glaube, wenn man erst einmal anfängt zu gucken, wie sich Beziehungen zu unseren Kindern, Eltern, Partner*innen, Freunden, Bekannten, Nachbarn usw. durch soziale Medien verändern, dann merken wir, dass da irgendwas ist. Wir können mal innehalten und überlegen, was wir davon eigentlich wollen. 

Social-Media-Marketing kostet Daten

Nun bleibt noch ein Aspekt, über den ich unbedingt sprechen muss, und das sind unsere Daten.

Denn Gesundheit und Zeit und Energie und Beziehungen, das mag alles eine sehr individuelle Geschichte sein, aber mit Daten zahlen alle, die soziale Medien nutzen.

Du weißt bestimmt, dass das Geschäftsmodell von Facebook und Co. darauf beruht, dass Menschen, die diese Plattformen nutzen, Daten hinterlassen, und dass die Plattformen diese Daten sammeln, analysieren, kategorisieren und an Werbetreibende weiterverkaufen.

Das fängt schon damit an, dass wir jede Menge Daten von uns preisgeben, wenn wir uns bei einer Social-Media-Plattform anmelden. Da ist unser Name und unsere E-Mail-Adresse und der Wohnort und ganz viele weitere Informationen. Und wenn wir dann anfangen zu posten und zu liken und zu kommentieren, dann werden es immer mehr Daten, die die Plattformen über uns sammeln.

Und selbst wer nur relativ passiv ist und durch den Feed scrollt zum Beispiel, hinterlässt Datenspuren. Selbst wenn jemand drei Sekunden überlegt, bevor sie weiterscrollt, wird diese Information gespeichert. Alles wird gespeichert.

Es gibt seit einiger Zeit ja jetzt auch ein Bezahlmodell bei Facebook und Instagram, wo einem keine personalisierte Werbung gezeigt wird. Aber auch hier ist es ganz wichtig zu wissen: Diese Daten werden ja trotzdem gesammelt, analysiert, kategorisiert und gespeichert. Sie werden, solange wir dafür zahlen, nicht genutzt, um uns Werbung zu zeigen, ja. Aber das Sammeln der Daten hört auch beim Bezahlmodell nicht auf.

Und die Frage ist, ob wir das so wollen oder nicht.

Ob wir Social-Media-Marketing zahlen wollen mit Geld, mit Zeit, mit Energie, mit Kraft, mit unserer Gesundheit und mit unseren Daten.

Denn man kann schon eine Menge anstellen mit dieser unvorstellbar großen Datenmenge von inzwischen mehreren Milliarden Usern.

Aber das ist ein Thema für eine andere Podcast-Folge.

Shownotes

Website

Buch „No Social Media!“

Buch „Don’t be evil“

Newsletter

Onlinekurse

Weiterlesen
Interview, Marketing ohne Social Media Alexandra Polunin Interview, Marketing ohne Social Media Alexandra Polunin

Endgegner Über-mich-Seite? Interview mit Margot Maric

In dieser Podcastfolge habe ich die Marketingberaterin und Storytelling-Expertin Margot Maric zu Gast. Ich habe sie in meinem Buch „No Social Media!“ zu Über-mich-Seiten interviewt. Und genau darüber werden auch noch mal in dieser Podcastfolge sprechen, über den Endgegner Über-mich-Seite.

 

In dieser Podcastfolge habe ich die Marketingberaterin und Storytelling-Expertin Margot Maric zu Gast. Ich habe sie in meinem Buch „No Social Media!“ zu Über-mich-Seiten interviewt. Und genau darüber werden auch noch mal in dieser Podcastfolge sprechen, über den Endgegner Über-mich-Seite.

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Warum ist die Über-mich-Seiten die beliebteste Seite einer Website?

[Alex] Ja, hallo Margot. Wenn ich mir die Zahlen angucke auf meiner Website, dann gehört meine Über-mich-Seite zu den beliebtesten Seiten überhaupt auf meiner Website. Damit bin ich doch nicht alleine, oder?

[Margot] Nee, zumindest ist es bei mir genauso. Das stimmt.

[Alex] Das ist schon mal gut.

[Margot] Aber wenn wir nochmal überlegen, wie wir auf Webseiten unterwegs sind, wundert mich das auch gar nicht, dass es bei dir und bei mir so ist.

[Alex] Ja, nämlich, wie sind wir unterwegs?

[Margot] Also ich würde sagen, wir suchen erstmal nach einem Thema und nach der Lösung für ein Problem, die wir haben wollen. Wenn wir vielleicht ganz viele finden, wollen wir so ein Gefühl dafür bekommen, wer steckt denn eigentlich dahinter? Wie tickt die Person? Kann sie uns vielleicht helfen?

[Alex] Ja, warum haben denn Menschen so ein Faible für Über-mich-Seiten? Was macht so ihren Reiz für dich aus? Warum lesen wir die so gerne?

[Margot] Ja, also das ist das, was ich gerade schon gesagt habe, glaube ich, dass wir gerade in der Online-Welt, die sehr manchmal hochpoliert, ein bisschen gefaket oder auch sehr anonym wirken kann, nach Beweisen oder kleinen Hinweisen suchen, die uns helfen würde, Vertrauen aufzubauen.

Und zum anderen vielleicht auch, weil, glaube ich, auch im Zeitalter der Digitalisierung und des KI und so weiter vielleicht die Sehnsucht nach Menschlichkeit auch immer größer wird und wir das schon schön finden, wenn wir zum Beispiel wissen: Andere strugglen auch, bei denen läuft es auch mal nicht glatt oder die hatten vielleicht auch mal ein ähnliches Problem, das wir selbst auch haben, das die gelöst haben, dass wir wirklich die Sehnsucht haben, uns mit Menschen zu verbinden und dafür ist die Über-Mich-Seite sehr gut geeignet.

[Alex] Wobei, wenn ich so überlege, als ich mich selbstständig gemacht habe, da war es 2015, 2016, da habe ich auch schon Über-Mich-Seiten gerne gelesen, also auch schon vor KI. Vielleicht ist es ja auch so ein, weiß ich nicht, zutiefst menschliches Bedürfnis, da zu gucken, wer ist da, ist da eine Verbindung möglich? Also vielleicht ist das so ein, ja, vielleicht zeichnet uns das als Menschen aus, dass wir uns dafür so interessieren, glaubst du nicht?

[Margot] Absolut. Doch, das glaube ich auch. Ich mache ja auch Storytelling und da finde ich, gerade wenn wir auf der Über-mich-Seite auch mit einer Geschichte daherkommen, das wird mir auch sehr oft zurückgespiegelt, dass das Menschen einfach verbindet. Da hast du recht.

[Alex] Ja, da werden wir gleich nochmal darauf zu sprechen kommen. Vorneweg vielleicht, welchen Zweck erfüllt so eine Über-Mich-Seite überhaupt? Also warum ist sie so wichtig aus einer Marketing-Perspektive, aus einer strategischen Perspektive?

[Margot] Die ist tatsächlich, finde ich, oft der erste Schritt, wenn wir in eine Kundenreise in die Beziehungsphase reingehen. Also wenn jemand nach einem Thema sucht, wird er vermutlich nicht auf unserer Über-mich-Seite landen, sondern meistens auf der Startseite und manchmal vielleicht auch auf der Angebotsseite.

Dann aber, wenn er denkt, also hört sich schon ganz gut an, aber ich will irgendwie ein Gefühl haben, also nicht nur die Fakten, aha, so könnte die Zusammenarbeit aussehen oder so könnte das Produkt aussehen, Gruppenprogramm, Onlinekurs, was auch immer das ist. Und ja, und dann ist das oft der erste Schritt, finde ich, in die Beziehungsphase, dass die Leute danach suchen, zu erfahren, welche Haltung hat die Person, welche Geschichte hat die Person und auch, hat sie wirklich auch die Kompetenz und die Expertise, mir zu helfen bei dem, was ich gerade suche.

Warum fällt es vielen Selbstständigen so schwer, ihre Über-mich-Seite zu schreiben?

[Alex] Und das ist auch eigentlich ganz cool, weil ich muss ja gar nicht so, also aus Leserinnen-Sicht, ich muss ja dann gar nicht Kontakt aufnehmen, sondern es ist quasi alles schon da und ich kann das alles lesen und ich als Website-Betreiberin kann mir quasi vorher überlegen, was könnten denn das für Themen sein, die Menschen interessieren.

Meine Beobachtung ist, wie du schon gesagt hast, dass eben super viele Menschen gerne Über-mich-Seiten lesen, es ihnen aber sehr, sehr schwer fällt, eine eigene über mich Seite zu schreiben. Und damit wären wir so beim Thema dieser Podcast-Episode, weil es geht ja um den Endgegner Über-mich-Seite.

Also ich kenne das auch von meinen Kundinnen, dass sie mir sagen, ja, jetzt habe ich schon das und das und das und das geschrieben, aber die Über-mich-Seite, die ist noch da, die heben sie so bis zum Schluss auf, da schlawenzeln sie so drumherum. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass es so vielen Menschen so schwerfällt, eine eigene Über-mich-Seite zu texten?

[Margot] Also in meinen Mentorings zu Website-Texten greife ich da als erstes an, bei der Über-mich-Seite. Also die schreibe ich tatsächlich mit meinen Kundinnen als allererstes, weil ich oft auch das Gefühl habe, ich will jetzt gar nicht sagen, das Schwierigste machen wir am Anfang, aber das ist schon so oft die Basis- und die Fundamentarbeit.

Warum das so schwer ist, ist, glaube ich, weil all unsere inneren Geschichten dann wach werden. Also prinzipiell geht es ja darum, auf der Über-mich-Seite die Persönlichkeit zu zeigen und auch die Expertise zu zeigen. Und ich finde, in beiden Bereichen gibt es oft, ich will jetzt gar nicht sagen Blockaden, aber Widerstände. Zum Thema Expertise ist es oft sowas wie: Kann ich denn so dick auftragen oder kann ich denn schreiben, ich kann das und das wirklich machen, weil eben wir uns so zeigen, wie wir sind und das jetzt fernab der Angebote oder irgendwelche anderen Geschichten, wo wir dann einfach drüber sprechen, ich bin gut und ich glaube, ich kann dir helfen.

Da kann auch so ein Imposter-Syndrom auch wach werden in einem.

Und bei den persönlichen Geschichten ist das oft auch so ein Grad der Verletzlichkeit, mit der ich wirklich nach außen gehen möchte und der ist bei allen Menschen auch verschieden und ja, da ist das oft einfach ein Weg, in sich hineinzuspüren, was ist das, wo sind meine Grenzen, was möchte ich teilen, was möchte ich nicht teilen, was ist mir zu viel, was mache ich gerne und das kann sich auch verändern.

[Alex] Kennst du das auch von dir, als du deine eigene Über-mich-Seite geschrieben hast?

[Margot] Ja, das kenne ich total. Und spannend finde ich auch den Weg meiner Über-mich-Seite. Denn ganz klar, vor vier Jahren, als ich mich selbstständig gemacht habe, ja, da würde ich lügen, wenn ich sagen würde, ich war da mega selbstbewusst und habe total selbstsicher erzählt, dass ich allen helfen kann.

Weil ganz klar, da konnte ich nicht sagen, ich begleite meine Kundinnen bei …, weil ich habe es nicht gemacht, ich habe ja gerade erst gestartet und da hatte ich auf jeden Fall Themen und zum Thema Persönliches zeigen habe ich zwar, ich habe zwar eine ehrliche Story geteilt, die auch bis heute auf meiner Website ist, Aber ich habe die Hintergründe, die auch sehr viel persönlicher waren, wo ich mich verletzlicher gezeigt hätte, die habe ich damals nicht teilen können. Da war ich noch gar nicht soweit.

Und die habe ich tatsächlich letztes Jahr komplett überarbeitet und zeige mich da viel, viel ehrlicher und erzähle da zum Beispiel von meinem Burnout, wo ich vor vier Jahren gar nicht in der Lage war, darüber zu sprechen und schon mal gar nicht auf einer Website zu veröffentlichen.

[Alex] Das finde ich auch nochmal voll den wichtigen Hinweis, also dass sich eine Über-mich-Seite auch so entwickeln darf, weil zum Beispiel meine Über-mich-Seite, die ist ja jetzt fast acht Jahre alt oder so, also seit ich selbstständig bin und ich weiß nicht, wie oft ich sie schon überarbeitet habe, 57 Mal vielleicht, keine Ahnung.

Also wenn man das erste Mal was veröffentlicht, dann ist es vielleicht halt einfach mal ein veröffentlichter Text und man kann ja dann weiter daran arbeiten, richtig? Also das ist ja nicht fertig in dem Sinne, sondern ich kann ja alle paar Monate, alle paar Wochen drauf zurückkommen und gucken, passt es noch, ist es stimmig oder kann ich das vielleicht hier anders machen? Siehst du das dann auch so?

[Margot] Absolut. Und ich finde, das nimmt auch nochmal die Angst, die Seite oder insgesamt die Texte so perfekt zu schreiben. Jetzt sind sie online und genau das, das ist unsere Website, unsere Über-mich-Seite. Wir können da, wenn wir Lust haben, jeden Tag dran. Auch selbst, wenn wir mal einen Mutausbruch haben und etwas veröffentlichen und denken uns zwei Tage später, oh Gott, was mache ich, wenn die Nachbarin das liest, dann kann ich es immer noch runternehmen. Also da passiert nicht so viel.

Wie können wir achtsam mit Widerständen und Blockaden umgehen?

[Alex] Okay, also wenn wir uns bewusst machen, wir müssen keine perfekten Texte schreiben, sie dürfen auch wachsen mit uns. Was können wir denn noch tun, um achtsam mit diesen Blockaden umzugehen?

[Margot] Also wenn sich für eine Person das Veröffentlichen auf der Über-mich-Seite zum Beispiel sehr offiziell anhört und es ihr auch wirklich nicht hilft, wenn ich sage, morgen könntest du es auch verändern, weil die denken, oh Gott, aber das ist jetzt online, das können jetzt alle lesen, könnte sie zum Beispiel auch in kleinen Schritten und in anderen Set-ups versuchen, wie sich das anfühlt, etwas zu teilen.

Also das habe ich auch gemacht und nicht nur in Bezug auf die Inhalte der Über-mich-Seite, sondern mit allem. Also meine Pitches waren am Anfang, also was ich mache, wenn ich gefragt wurde, was ich mache, das habe ich so gefühlt jede dritte Woche verändert und habe dann manchmal mir gedacht, oh Gott, na irgendwie, das bin ich gar nicht oder wie könnte ich das anders formulieren, weil das, ja, das zeichnet keiner auf, das sieht keiner, das kann man nicht screenshotten, das hat man vielleicht auf einem Netzwerktreffen gesagt oder bei einer Kundin gesagt und kann auch oft danach auch erst reinfühlen, ist das so, wie ich rüberkommen möchte? Sind das die Worte, die ich wählen möchte? Und das kann man auch auf der Über-mich-Seite machen, auch zum Beispiel mit den Geschichten, die man erzählt. Das wäre zum Beispiel eine Sache, die mir jetzt gerade einfällt, die helfen würde, sich stufenweise dem anzunähern, dass wir dann so sichtbar werden, wie wir uns auch wirklich damit wohlfühlen.

[Alex] Also du meinst, wenn ich jetzt eine Idee habe für eine Geschichte für die Über-mich-Seite, dass ich die vielleicht erst mal, keine Ahnung, einer potenziellen Kundin erzähle oder in einem anderen Rahmen teile und quasi schon so ein bisschen die Fühler ausstrecke. Was passiert denn, wenn ich diese Geschichte teile? Wie reagieren Menschen darauf? Meinst du das so?

[Margot] Ja, absolut. Also das kann ich auch sagen, das habe ich mit den Burnout-Hintergründen meiner Geschichte auch gemacht, dass die nicht auf meiner Website war, aber dass ich dann, wenn ich irgendwo in einem Workshop war, also das fiel mir irgendwie viel, viel leichter und das war vielleicht in einem kleineren Rahmen, dass ich das geteilt habe und dann einfach gesehen habe, wie geht es mir damit und habe auch gesehen, ach krass, jetzt kann ich viel besser dazu stehen als damals zum Beispiel vor vier Jahren. Und ich habe mich dem so ein bisschen angenähert und letztes Jahr dachte ich mir, das kann ich locker so hinschreiben. Und das ist ein Grad der Verletzlichkeit, mit dem kann ich sehr gut leben. Also das fühlt sich authentisch und auch gut an.

Was muss unbedingt in eine Über-mich-Seite rein?

[Alex] Cool, also wir können in die Geschichten quasi auch reinwachsen, wenn wir uns noch nicht trauen, sie gleich zu teilen. Das ist ein sehr guter Tipp. Wenn wir uns jetzt das Schreiben der Über-mich-Seite angucken, was muss da unbedingt rein, inhaltlich?

[Margot] Also prinzipiell von den Inhalten würde ich eben sagen, die Expertise, also dass die Person, die die liest, möglichst das Vertrauen in unsere Expertise, in unsere Professionalität bekommt.

Und auf der anderen Seite auch die Persönlichkeit, dass die Leserinnen und Leser das Gefühl bekommen, mit wem habe ich es da überhaupt zu tun. Also das von den groben Bereichen.

Ich natürlich als Storytelling-Mentorin finde sehr, sehr gerne oder auch unbedingt eine Geschichte, weil wir uns einfach Geschichten besser merken können, weil wir da auch nochmal das Gefühl vielleicht verstärken können, was wir zu der Person haben.

Und was ich tatsächlich auch sehr, sehr wichtig finde und oft auch sehe, dass das manchmal vergessen wird, weil die Über-mich-Seite „Über mich“ heißt, neigen manche dazu, wirklich von Anfang bis Ende zu schreiben, ich bin die und die, ich habe das und das gemacht, das und das ist mir passiert.

Und was ich da wirklich super wichtig finde, dass wir nochmal den Bezug zum Leser und zu der Leserin herstellen und immer überlegen, bei allem, was wir teilen, ist es relevant? Ist es relevant für denjenigen, der meine Seite besucht und der diesen Text gerade liest?

[Alex] Und gibt es etwas, von dem du sagen würdest, das sollte auf keinen Fall auf eine Über-mich-Seite?

[Margot] Ja, da gibt es Empfehlungen, die ich immer wieder gerne teile, in Bezug tatsächlich auf Achtsamkeit vielen Gruppen gegenüber.

Also zum einen würde ich sagen, wir sollten nicht Sachen teilen, darüber haben wir gerade schon gesprochen, die wir eigentlich nicht teilen wollen. Also wir sollten nie etwas teilen, nur weil wir von jeder Seite hören, wir sollten authentisch sein, wir sollten Geschichten teilen. Sondern wir sollten da schon achtsam mit uns auch umgehen und schon für uns abklären und hineinspüren, kann ich dazu stehen? Und ich muss nicht zu allem stehen.

Was ich oft auch schon gesehen habe, oder oft ist vielleicht übertrieben, was ich manchmal schon gesehen habe auch, dass Geschichten geteilt wurden, wo der „Bösewicht“ der Geschichte so ein bisschen durch den Dreck gezogen wurde. Das bleibt eigentlich auch jedem überlassen, wie detailreich natürlich er eine Geschichte auf einer Über-mich-Seite teilt.

Ich vertrete aber die Meinung oder ermutige meistens dazu, dass wir den Bösewicht ruhig da rauslassen können. So klassischerweise ist das der ehemalige Chef und manchmal auch die Eltern.

Und ich finde, wir brauchen für eine gute Geschichte nicht den Bösewicht. Und ich finde, wir könnten da vielleicht so ein bisschen leichtsinnig über Grenzen anderer latschen. Und ich finde, das brauchen wir nicht für einen guten Über-mich-Seiten-Text.

Und dann eben auch, wie gesagt, Irrelevantes. Manche denken, ach, das ist „Über mich“, dann packe ich jetzt mal den Lebenslauf dazu. Da würde ich auch sagen, also wo ich mein Abi gemacht habe, ist jetzt vielleicht jetzt momentan nicht für die Leute, die auf meine Website kommen, super relevant. Und da würde ich immer mich fragen, ist das jetzt relevant für die anderen?

[Alex] Viele fragen sich ja auch, wie lang so eine Über-mich-Seite werden soll. Was gibst du da immer für Empfehlungen? Weil ich nenne immer keine konkrete Wortzahl, weil das geht gar nicht in meine Augen, oder?

[Margot] Nee, finde ich auch nicht. Ich glaube, meine Über-mich-Seite ist auch so lang, aber da hat sich bisher noch keiner drüber beschwert. Und ich finde, ja, ich nenne auch keine Wortzahl.

Wie schreibe ich authentisch auf meiner Über-mich-Seite?

[Alex] Idealerweise soll so eine Über-Mich-Seite ja auch zeigen, was wir können, aber eben auch, wer wir sind und wie wir ticken. Und wie gelingt jetzt dieser Mix? Also aus einerseits Professionalität, du hast schon gesagt, wir sollten die Expertise zeigen auf einer Über-Mich-Seite, aber eben auch unsere Persönlichkeit. Also, dass wir nicht nur ein weiterer Coach sind, sondern dass uns ja auch was Bestimmtes auszeichnet. Und ich könnte mir vorstellen, dass es ganz vielen Leuten auch sehr schwerfällt, weil es geht da ja auch zum Beispiel um die Sprache. Also, wie rede ich so, dass es nicht so geschwollen klingt und dass ich nicht so viel Fachsprache verwende und Schachtelsätze und so weiter. Was sind da so deine Tipps?

[Margot] Den allgemeingültigen Tipp, den man überall hört, schreibe, wie du sprichst, den finde ich nach wie vor gut. Das ist natürlich nochmal eine Frage, mit wem, aber so wie ich mit meinem Kunden spreche, so darf ruhig meine Website auch sein, finde ich.

Und ich empfehle eigentlich auch immer, die Sachen so runterzuschreiben, wie die einem kommen und dann vielleicht nochmal kritisch nochmal durchzugehen und sich zu fragen, würde ich das zum Beispiel in einem Gespräch, in einem Coaching oder wo drin auch immer einem Kunden gegenüber genauso ausdrücken, würde ich das so machen?

[Alex] Ich glaube, das finde ich auch voll wichtig. Also dass man schreibt und sich nicht von irgendwelchen Mindfucks abhalten lässt zu schreiben. Aber dass man dann eben auch noch mal in die Distanz geht, den Text liegen lässt und sich auch noch mal fragt: Okay, würde ich dass denn wirklich so sagen? Würde ich das denn wirklich so schreiben? Also ich glaube, mit dieser Korrekturrunde und vielleicht noch einer zweiten oder dritten Korrekturrunde kann man auch ganz viel rausholen auf so einem Über-mich-Seiten-Text.

Wie können wir uns denn persönlich zeigen auf einer Über-mich-Seite? Was wären da so typische Möglichkeiten in deinen Augen?

[Margot] Also ein guter Einstieg überhaupt in dieses, was kann ich Persönliches von mir teilen? Also wenn jemand wirklich da eine Blockade hat und vielleicht auch nochmal mit dieser inneren Geschichte kommt, das gehört nicht ins Business und was soll ich denn da schreiben, das interessiert doch niemand oder ja, das ist hier irgendwie irrelevant. Und da empfehle ich auch gerne die Arbeit mit den Werten, weil das oft so ein seichter Einstieg ist, meiner Meinung nach.

Dass irgendwie, wenn man vielleicht nochmal schaut, was sind meine wichtigsten Werte? Da gibt es online auch schöne Tests, die man da machen kann, wo man intuitiv entscheidet, was mir wirklich wichtig ist in meinem Leben. Und da nochmal schaut, wie zeigt sich das vielleicht in meinem Leben oder wie zeigt sich das in meinem Business, warum unterscheide ich mich da von den anderen, ist das oft eine kleine Hürde nochmal in diese authentische und persönliche Sichtbarkeit.

Ansonsten, finde ich, ist natürlich die Geschichte, wenn wir die gut schreiben und auch die schön mit ein paar Details versehen, auch etwas, was einfach einzigartig ist, weil die Geschichte, die gibt es definitiv nicht noch ein anderes Mal ganz genau so, wie sie uns passiert ist oder wie wir sie erlebt haben.

Und was natürlich auch schön ist, sind diese Fun Facts oder Guilty Pleasures, also einfach auch so eine Auflistung.

Also ich finde, bevor einer mit nichts von diesen Sachen rausgehen möchte, ist das etwas, was meistens sehr unverfänglich ist. Dass ich sage, ich weiß nicht, dass ich nur Zartbitter-Schokolade esse oder eigentlich lieber im Garten abhänge als im Café oder was auch immer. Das sind tatsächlich auch Sachen, wo man sagen würde, so ein Shishi gehört das wirklich da drauf. Aber mich sprechen öfter Leute auf die Sachen an, also diese ganzen kleinen Random Facts, die ich da aufgelistet habe.

[Alex] Wobei ich finde, dass man auch manche Sachen so schon sehr häufig hört bei diesen Random Facts. Also ich bin da auch schuldig, weil ich bin natürlich dann auch gerne am Meer und sowas, also diese klassischen Dinge, die man so verrät. Also ja, ich glaube, da will ich auch nochmal bei mir ran, dass ich da nicht allzu klischeehafte Dinge auspacke auf dieser Seite.

[Margot] Manchmal, wenn ich mit Kunden zusammenarbeite und die mir so eine Liste von 20 Sachen machen, dann, ich lese gerne, fliegt da raus. Also ich versuche da schon ein paar so Sachen stehen zu lassen, die ein bisschen außergewöhnlicher sind. Ja.

Wie finde ich eine gute Geschichte für meine Über-mich-Seite?

[Alex] Du hast jetzt schon ganz, ganz oft den Punkt Geschichte oder Story angesprochen und darüber würde ich jetzt gerne ein bisschen mehr reden.

Wie finde ich so eine Geschichte? Also was macht eine gute Geschichte aus? Und wenn ich jetzt denke, bei meinem Leben passiert doch gar nichts, da ist keine spannende Geschichte, was mache ich da?

[Margot] Also gerade die Geschichte für die Über-mich-Seite finde ich so in der Findungsphase relativ einfach, weil dafür können wir uns eine einzige Frage stellen und dort können mehrere Antworten natürlich aufploppen. Und die Frage ist, wann hast du zum ersten Mal darüber nachgedacht, dass du das machst, was du gerade jetzt machst oder dass du dich selbstständig machst?

Und das muss jetzt nicht ein Moment sein, der alles verändert hat. Da dürfen quasi mehrere Momente sein und aus denen dürfen wir uns einen herauspicken und den näher beschreiben. Ich sage ja immer gerne mit so einer Lupe drangehen und vielleicht ein paar Details dazu aufschreiben, dass man sich einfach vorstellt, von dieser Situation könnte man ein Foto machen.

Dann ist es meistens eine gute Geschichte. Und das muss wirklich gar nicht lang sein. Das kann ein kleiner Absatz sein. aber etwas, wo andere sich das einfach vorstellen können, wo sie einfach mitfühlen können und denken, ach krass, ja, ich sehe dich da. Ich sehe dich da, wie du das gemacht hast und dir das wie Schuppen vor Augen gefallen ist und du dann zum ersten Mal dachtest, hm, was wäre denn, wenn ich das und das mache?

Oder in einer Situation, wo du sagst, und in diesem Moment habe ich entschieden, ich werde das und das machen. Also das ist eigentlich die Entstehungsgeschichte, die Brandgeschichte, die auf die Über-mich-Seite gehört.

[Alex] Und welche Geschichte teilst du?

[Margot] Ja, da ich jetzt quasi auch die Burnout-Hintergründe geteilt habe, ist die auch ein bisschen länger geworden. An sich ist das die Geschichte, ich habe ja zwölf Jahre im Konzern gearbeitet, darüber spreche ich auch auf meiner Über-mich-Seite, weil das natürlich auch was mit meiner Expertise im Marketing zu tun hat.

Es geht in der Geschichte aber eben darum, dass ich mich in den zwölf Jahren extrem verstellt habe und oft mit meinem Hosenanzug quasi wie in eine Rolle geschlüpft bin, die nicht so wirklich viel damit zu tun hatte, wie ich eigentlich war.

Und zwar waren das eben Geschichten, wo ich dachte, in so einem Konzern muss ich taff sein, nicht wirklich viel darüber erzählen, dass ich Mutter bin, sondern immer beweisen, dass ich sehr ehrgeizig bin, dass ich das ernst meine, dass ich super selbstbewusst bin, keine Zweifel habe, keine Unsicherheiten habe. Und dann eben mit der Geburt von meinem ersten Sohn ganz schön unter die Räder geraten bin, auch gesundheitlich, weil ich diese Fassade eben nicht mehr aufrechterhalten konnte.

Und dann schreibe ich eben auch, was wahr war, dass ich um sechs Uhr auf der Autobahn immer saß, um die Staus zu umgehen, danach mit dem Mittagessen auf dem Beifahrersitz zurückgeheizt bin, um den Kleinen wieder rechtzeitig abzuholen. Also ich habe mich da einfach total zerrissen zwischen diesen beiden Welten und bin dann eben auch krank geworden und war ein paar Monate auch nicht auf der Arbeit. Und dann war ich schwanger mit meinem zweiten Sohn und habe mich so langsam einfach gefragt, was wäre, wenn ich da nicht zurückkehre.

Allerdings war ich da in einer kompletten Leere und hatte absolut keine Ahnung, was ich sonst noch machen könnte. Ich habe auch schon befürchtet, dass, wenn ich einfach nur den Konzern wechsle, dass ich dann das Gleiche quasi in einer anderen Farbe bekomme.

Und ja, die Hauptgeschichte, meine Hauptstory ist eben die, dass ich noch in dieser Leere und in dieser Ahnungslosigkeit, was könnte es überhaupt sein, hier durch meinen Kiez gelaufen bin mit dem Kleinen. Wie das so ist, wenn man Mama ist von einem kleinen Baby und das Baby will im Bett nicht schlafen, dann rennt man durch die Gegend mit dem Kinderwagen.

Und hatte irgendwie bis eine Selbstständigkeit, Karriere gar nicht im Kopf, sondern war einfach so, ich bin in Turnschuhen, Jeans, ungeschminkt, mit Baby im Kinderwagen und habe dann Selbstständige getroffen, zum Beispiel in einem Coworking-Space, wo ich früher immer war, wo ich einfach nur Kaffee trinken wollte oder bei meinem Nachbar oder im Nachbarshaus wurde mal ein Teeladen aufgemacht und ich kam dann eben ins Gespräch mit Selbstständigen, und die fragten mich, ob ich den Marketing unterstützen will.

Und ich konnte das, also für mich war das komplett neu, diese Vorstellung, dass die ganz offensichtlich sehen, dass ich Mutter von einem Baby bin, also was im Konzern immer eher ein Manko war als ein Plus, dass sie mich so sehen ohne meinen Hosenanzug, quasi ohne mein Kostüm der Professionalität und trotzdem das Vertrauen haben, ich könnte irgendwas im Marketing machen, was die in ihrer Selbstständigkeit unterstützen würde.

Und das ist, ja, da habe ich mir echt gedacht, was wäre, wenn es ausreichen würde, dass ich so bin wie ich, mich nicht mehr verstecke, nicht mehr komische Kostüme anziehe, nicht mehr so tue, als wären meine Kinder nicht da, sondern ja, ganz so bin, wie ich bin. Und so ist die Idee geboren. Und genau das, auch in meinem Fall, waren es mehrere Momente, die dazu geführt haben. Aber das ist das, was ich teile, weil das so sehr sinnbildlich dafür ist, wie ich überhaupt dazu kam, mich selbstständig zu machen.

[Alex] Und wie reagieren Menschen auf diese Geschichte?

[Margot] Ja, da gibt es tatsächlich sehr viel Resonanz. Ich spreche auch auf meiner Über-mich-Seite darüber, dass ich hochsensibel bin und introvertiert. Das sind auch oft Eigenschaften, wo viele sich wiederfinden, die auch zu mir kommen und sagen, ich bin auch hochsensibel. Also sie wissen, auch mit dem Burnout ist das auch so, dass einige entweder ganz sanft an einem Burnout vorbeigeschlittert sind oder selbst einen hatten und deswegen resoniert das sehr mit denen. Also da sind sehr oft Verknüpfungspunkte und bei mir zeigt sich das natürlich auch in der Art und Weise, wie ich mein Marketing betreibe und wie ich auch andere dabei begleite, weil ich das mega auf dem Schirm habe.

Ich habe durch diese Erfahrung, ja, ist es einfach so, dass ich sehr darauf aufpassen muss und auch möchte, im Gleichgewicht zu bleiben. Und sie wissen, die werden von mir nicht hören, was, du bist erst um fünf Uhr aufgestanden, wieso stehst du nicht früher auf? Nur wenn du es richtig willst, wird das irgendwie klappen, sondern ich bin eine, die sagt, hey, du bist müde, wie wäre es denn, wenn du eine Woche Pause machst? Und das ist vielleicht nicht so wichtig, übernimm das einfach mal von einem anderen Text, da ist jetzt kein Platz hier für Perfektion. Also das ist schon etwas, was für sie sehr, sehr relevant ist, weil ich sie einfach verstehe, weil sie wissen, dass ich sie verstehe, weil ich das erlebt habe.

Wann ist es Zeit, die Über-mich-Seite mal wieder zu überarbeiten

[Alex] Ich musste auch gerade an Brené Brown denken, die gesagt hat, dass wir eigentlich bei anderen Menschen immer die Verletzlichkeit suchen und uns von denen auch so anziehen. Aber wir selbst trauen uns eben nicht, uns verletzlich zu zeigen, was dann ja auch wieder auf der Über-mich-Seite sich zeigt, weil man sehr häufig eben so Schwierigkeiten hat, seine Geschichte zu teilen.

Ja, jetzt vielleicht noch die allerletzte Frage. Wann weiß ich denn, dass mal wieder Zeit ist, meine Über-mich-Seite zu überarbeiten? Gibt es so Hinweise darauf?

[Margot] Ja, ich glaube, die liest man wahrscheinlich selber gar nicht so wahnsinnig oft, aber wenn man schon mal wieder auf dieser Seite ist und sich denkt, oh Gott, das bin eigentlich gar nicht mehr ich, wenn man so ein bisschen rausgewachsen ist.

Ich hatte zum Beispiel am Anfang auf der ersten Über-mich-Seite auch so einen Spruch: Wenn ich das kann, dann kannst du es auch.

Habe ich wahrscheinlich irgendwo gesehen, fand ich damals sehr ermutigend. Das würde ich jetzt aber nicht mehr sagen, weil ich zum Beispiel auch gelernt habe, dass jeder irgendwie einen anderen Alltag hat, andere Privilegien hat, aber auch manchmal andere Präferenzen.

Da wusste ich auch, dass ich das damals geschrieben habe, ist es irgendwie okay, aber das passt gar nicht mehr zu dem, was ich vertrete und zu meiner Haltung, was wir machen können, aber auch was wir nicht machen können.

Oder eben, wie wir auch besprochen haben, wenn der Mut manchmal größer geworden ist und wir uns trauen, unsere Haltung für etwas, aber vielleicht auch gegen etwas viel stärker draußen zu vertreten, dann ist das so ein Zeitpunkt, wo wir uns vielleicht sagen können, jetzt dürfen die Texte das auch zeigen, was sich in meinem Inneren auch verändert hat, was sich da gewandelt hat.

[Alex] Ja, Margot, vielen, vielen Dank, dass du heute da warst und über die Über-mich-Seite gesprochen hast. Ich hoffe, dass der Endgegner-Über-mich-Seite so ein bisschen kleiner geworden ist mit deinen Tipps. Vielen, vielen Dank.

[Margot] Ich danke dir, liebe Alex.

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10 Fragen an jemanden, die all ihre Social-Media-Kanäle gelöscht hat (ja, an mich 😁)

Ich habe vor fast vier Jahren mit Instagram meinen ersten Social-Media-Kanal verlassen und nach und nach alle meine Kanäle gelöscht. Und dazu habe ich natürlich in den letzten Jahren viele Fragen bekommen. Und in dieser Podcastfolge beantworte ich zehn davon.

Ich habe vor fast vier Jahren mit Instagram meinen ersten Social-Media-Kanal verlassen und nach und nach alle meine Kanäle gelöscht. Und dazu habe ich natürlich in den letzten Jahren viele Fragen bekommen.

Und in dieser Podcastfolge beantworte ich zehn davon.

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Ja, ich will in dieser Folge zehn Fragen beantworten, die ich zu meinem Social-Media-Ausstieg bekommen habe in der letzten Zeit.

#1 Vermisst du was ohne Social Media?

Nun, mir ist durchaus bewusst, dass ein Social-Media-Ausstieg mit Nachteilen kommt. 

Und in meinem Buch „No Social Media!“ gehe ich auch ganz detailliert auf die Nachteile ein, die mit einem Social-Media-Ausstieg verbunden sind. 

Allerdings wiegen für mich persönlich diese Nachteile nicht so schwer.

Ich sag jetzt nicht, dass es zwingend bei allen so sein muss. Es ist bei mir aber so.

Das mag damit zu tun haben, dass ich introvertiert bin und mir nichts aus vielen Followern und vielen Likes mache. 

Woran ich früher echt Spaß hatte, waren diese Meme-Accounts mit lustigen Memes. Über die konnte ich mich früher stundenlang kaputt lachen.

Aber abgesehen davon vermisse ich tatsächlich nichts, seit ich nicht mehr auf Social Media bin.

In meiner Arbeit rede und schreibe ich natürlich immer noch über soziale Medien, aber in meinem Privatleben denke ich, ehrlich gesagt, gar nicht mehr so viel über Social Media nach, sondern lese viel, mache Sport, mache Musik, guck mir Filme und Serien an, lerne eine neue Sprache. Und dann ist der Tag auch schon vorbei.

Und ich wüsste jetzt auch gar nicht, wo da soziale Medien auch noch reinpassen sollten, wenn ich ehrlich bin.

Das waren früher bei mir ja zwei Stunden jeden Tag und die habe ich irgendwie auch gar nicht mehr. Bzw. ich würde sie auch gar nicht hergeben wollen.

Deshalb: Nein, ich vermisse tatsächlich nichts.

Wobei ich vielleicht noch dazu sagen sollte, dass ich da eine Ausnahme bei YouTube mache, weil das für mich eher eine Video-Suchmaschine ist. 

Ich weiß, es ist immer so die Frage: Ist YouTube Social Media oder eine Suchmaschine. Ich bin eher Team Suchmaschine. Und ich nutze nach wie vor YouTube privat für Klavier-Tutorials zum Beispiel, für Yoga-Übungen oder Rezepte. 

Auf mich hatte YouTube noch nie negative Auswirkungen so wie Instagram zum Beispiel. Deshalb ja, sehe ich da auch keine Notwendigkeit, etwas zu verändern.

#2 Kriegst du überhaupt noch mit, was in der Welt passiert?

Ja, das tue ich auf jeden Fall. 

Ich hab mich ja nicht vom Internet und von Menschen verabschiedet, sondern nur von sozialen Medien. 

Ich lebe ja auch nicht ohne Internetanschluss irgendwo auf einer einsamen Insel ohne Menschen, sondern ich hab natürlich auch weiterhin online und offline mit anderen Menschen zu tun.

Und deshalb weiß ich natürlich auch ohne Social Media, was um mich herum passiert, aber das Informieren erfolgt jetzt viel, viel aktiver und zielgerichteter, würde ich sagen – und nicht weil ich einen Post in meinem Feed angezeigt bekomme, so zufällig.

Es gibt ein paar Nachrichtenseiten, Zeitungen und (Online-)Magazine, die ich regelmäßig lese, und so bleibe ich auf dem Laufenden.

Deshalb: Ja, ich kriege definitiv immer noch mit, was in der Welt so geschieht. 

Ich würde sogar sagen, ich bin noch etwas politischer und interessierter geworden, was gerade so passiert in der Welt.

Soziale Medien zu verlassen, hatte also definitiv nicht den Effekt, dass ich zu einem egoistischen Menschen wurde, dem alles andere egal ist.

Also hoffe ich natürlich. Aber ja. 

#3 Bist du manchmal einsam ohne Social Media?

Ich persönlich: nein.

Wobei ich sagen muss, das hängt mit Sicherheit auch mit der Persönlichkeit zusammen.

Wie gesagt: Ich bin einfach total introvertiert, ich hab nicht das Bedürfnis, unzählige Kontakte zu pflegen. Ich muss nicht ständig mit Menschen chatten und connected sein. 

Ich habe lieber weniger persönliche Kontakte, die dafür tiefer gehen. Also Gespräche oder Treffen oder auch längere E-Mails im beruflichen Kontext jetzt.

Und ich bin auch sehr gerne für mich, muss ich sagen, und mit meinen Gedanken und hab gerne auch mal ein Tag Ruhe ohne andere Menschen. Oder zwei Tage.

Und deshalb fühle ich mich jetzt nicht einsamer dadurch, dass ich Social Media verlassen habe.

Ich kann mir aber vorstellen, dass es für Menschen, die extrovertiert sind, da vielleicht anders sein könnte.

Also wenn jemand seine ganze Energie aus Kontakten zu anderen Menschen zieht, wird vielleicht / vermutlich etwas fehlen, wenn soziale Medien wegfallen.

Das weiß ich nicht.

Bei mir war es, wie gesagt, nicht der Fall.

#4 Wie reagieren andere Menschen, wenn du ihnen erzählst, dass du keine sozialen Medien nutzt?

Also im Privaten ist mein Social-Media-Ausstieg tatsächlich nie ein großes Drama gewesen. 

Ich mein, klar, reden wir mal darüber, und ich kriege auch manchmal Fragen dazu, aber es ist kein alles dominierendes Thema. 

Niemand stört sich daran oder findet mich doof deswegen. Wir haben einfach meist andere Dinge, mit denen wir beschäftigt sind und über die wir sprechen. Deshalb ist das überhaupt keine große Veränderung im Privatleben gewesen. 

Im beruflichen Kontext interessiert es andere Selbstständige schon, wie das so ist mit dem Marketing und der Akquise und so weiter. 

Vielen Selbstständigen, mit denen ich rede, geht es mit sozialen Medien ähnlich, wie es mir damals ging, bevor ich meine Kanäle gelöscht habe. 

Deshalb können sie meinen Entschluss meistens auch gut verstehen, auch wenn sich die meisten nicht trauen, also diesen Schritt dann selbst zu gehen. 

Richtig negatives Feedback habe ich aber tatsächlich noch nie bekommen. Ich kann jetzt natürlich nicht sagen, ob es daran liegt, dass andere Menschen keine negativen Gedanken dazu haben oder ob sie es mir einfach nicht direkt ins Gesicht sagen. Keine Ahnung.

Aber letzten Endes glaube ich auch: Jeder Mensch ist mit seinem eigenen Kram beschäftigt

Und ob eine gewisse andere Person jetzt auf Instagram ist oder nicht, das wird für die meisten Menschen gar keine so große Rolle in ihrem Leben spielen. Und erst recht werden sie sich da nicht einmischen oder sich negativ dazu äußern. Warum sollten sie?

Also ich glaube:

Die Welt dreht sich eben nicht um uns und unsere Entscheidungen. Es klingt jetzt vielleicht ein bisschen hart, aber: Es ist für andere Menschen meist egal, ob wir unseren Kaffee auf Instagram posten.

Ihre Gedanken drehen sich da nicht ständig drum. Und deshalb haben wir da eben auch absolute Freiheit in meinen Augen, uns da selbst individuell zu entscheiden.

#5 Verbietest du deinen Kindern, soziale Medien zu nutzen?

Also ich verbiete grundsätzlich niemandem etwas. 

Und erst recht nicht meinen Kindern.

Und es wäre für mich auch absolut okay, wenn sie die Dinge anders sehen würden als ich.

Ich will jetzt natürlich keine Debatte über Erziehung führen, aber: Meine Kinder dürfen jederzeit ihre Interessen verfolgen und auch soziale Medien nutzen, wenn sie denn wollen würden. 

Aber sie wollen eben nicht. Ich weiß auch nicht so genau, woran das liegt.

Sie gucken sich ab und an mal YouTube-Videos an so wie ich auch, aber das sind dann auch eher Tutorials, wie man ein bestimmtes Stück auf Klavier spielt oder so.

Das mag in Zukunft vielleicht anders werden, wer weiß. Aber im Moment ist es überhaupt kein Thema. Also sie sind jetzt 12 und 16 und sie haben immer noch kein Interesse an Instagram und Co.

In unserer Familie spielen diese Plattformen einfach keine große Rolle. Ich nutze sie nicht, mein Mann nutzt sie nicht, wir schießen keine Selfies von unserer Familie, die wir ständig irgendwo posten, und deshalb haben vielleicht auch meine Kinder da völlig andere Interessen entwickelt. Keine Ahnung.

#6 Bist du nicht neugierig, was deine Kolleginnen auf Instagram machen?

Ja klar, bin ich manchmal neugierig.😊 

Ich glaube, es ist auch nur menschlich, neugierig zu sein und sich für andere Menschen und das, was sie machen, zu interessieren. 

Ich versuche diese Neugierde dann aber gut einzuordnen. Ich frage mich dann:

Ist die Quelle dieser Neugierde ein Wunsch nach Verbindung? Dann schreibe ich diese Person eben an und frage, ob sie Zeit hat, sich mal wieder auszutauschen. Oder irgendwas anderes.

Ist die Quelle für diese Neugierde aber Selbstzweifel und dieser, ja, fast schon selbstdestruktive Wunsch nach Bestätigung, dass ich nicht gut genug bin?

Dann weiß ich, dass mir soziale Medien da sowieso nicht gut tun würde, und dann lenke ich meinen Fokus auf andere Themen, so ganz bewusst und ganz gezielt.

#7 Fühlst du dich glücklicher ohne Social Media?

„Glück“ ist natürlich ein sehr großes Wort. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass die Gleichung „Social-Media-frei = Glück“ in jedem Fall immer stimmt. 

Aber es ist schön, Vergleicheritis, FOMO und so weiter bis zum Minimum reduziert zu haben.

Also natürlich zweifel auch ich nach wie vor an manchen Tagen an dem, was ich tue. Aber es ist deutlich weniger geworden.

Und dass ich weniger Zeit für Dinge aufwenden muss, die ich nicht mag (so wie Selfies machen, Reels drehen oder Grafiken erstellen), und dass ich dafür mehr Zeit für die Dinge habe, die ich mag (also Schreiben, Lesen, Musik usw.), das trägt natürlich auch enorm dazu bei, dass ich mich zufriedener fühle.

Deswegen: Ja, ich würde sagen, meine Zufriedenheit ist auf jeden Fall gestiegen und meiner mentalen Gesundheit hat es sehr gut getan, vor allem Instagram zu verlassen. 

Und das ist dann alles in allem schon ein Glücksfaktor, muss ich sagen.

#8 Ist dir nicht manchmal langweilig ohne Social Media?

Zunächst einmal ist Langeweile kein so furchtbar schlimmes Konzept für mich. 

Ich finde es gut, auch mal Phasen ohne Reize von außen zu haben und sich vielleicht mal für ein paar Minuten zu fragen: 

Und was mache ich jetzt? Was stell ich mit der Zeit an?

Es macht mir keine große Angst, diesen Raum, ja diesen Leerlauf zu haben und mal zu spüren und mich zu fragen, wie ich denn diesen Leerlauf füllen will, anstatt mir automatisch das Smartphone zu schnappen und Insta zu öffnen.

Doch es ist jetzt nicht so, dass ich überhaupt keine Unterhaltung mehr habe in meinem Leben, nur weil ich nicht mehr auf Social Media bin.

Es ist natürlich sehr individuell, aber ich fühle mich auch ohne Social Media sehr gut unterhalten, durch andere Menschen, durch Lesen, Schreiben, Musik, Filme und Serien.

Also es ist jetzt nicht so, dass ich abends sitze und denke:

Was fange ich jetzt mit meinem Abend ohne Instagram an? Ich bin verloren.

Ich habe nach wie vor mehr Bücher auf meiner Leseliste, als ich jemals lesen könnte. Und nach wie vor mehr Serien bei Netflix auf der Watchlist, als ich jemals gucken könnte. 

Insofern: Alles gut.

#9 Kriegst du überhaupt noch neue Ideen und Inspiration ohne Social Media?

Ja, dieser Aspekt, muss ich sagen, hat mich mit am meisten überrascht. Ich habe früher immer gedacht, dass ich unbedingt Instagram und Co. brauche, um Inspiration zu bekommen.

Aber bei mir war es so:

All die Tipps, Tricks, Hacks, Videos, Motivationszitate und Inspirationszitate und Erfolgsgeschichten auf Social Media, sie haben mich rückblickend betrachtet mehr gelähmt als wirklich inspiriert. 

Ich habe für mich herausgefunden, dass ich viel weniger Inspiration brauche, als ich immer dachte.

Ein guter Gedanke – und ich bin für die nächsten Tage oder Wochen beschäftigt.

Und diese guten Gedanken gibt es eigentlich überall: in Gesprächen mit anderen Menschen, in Büchern, in Filmen, auf Reisen … Hunde können inspirieren, Kinder können inspirieren, Natur kann inspirieren. Wir können in eine Ausstellung gehen. Oder auf ein Konzert. 

Wir brauchen nicht zwingend soziale Medien für neue Ideen und Kreativität.

#10 Gehst du irgendwann zu Social Media zurück?

Also im Moment kann ich es mir nur sehr, sehr schwer vorstellen, wieder zurückzugehen. Aber wer weiß, was in einigen Jahren ist. Ich kann jetzt natürlich nichts zu 100% ausschließen.

Wenn sich zum Beispiel soziale Medien in ihrer Funktionsweise und ihren Strukturen fundamental ändern würden, würde ich ihnen vielleicht nochmal eine Chance geben. Doch dafür müssten es wirklich große Veränderungen sein. 

Und danach sieht es zur Zeit überhaupt nicht aus. 

Ich finde, die Enshittification von Social Media schreitet mit großen Schritten voran und ja, wenn ich mir angucke, wohin sich soziale Medien gerade entwickeln, fühle ich mich in meiner Entscheidung eher bestätigt, muss ich sagen, und habe so gar nicht das Bedürfnis, zu Insta und Co. zurückzugehen.

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„Die Website ist erst der 4. Schritt“ – Interview mit Bettina Bergmann

In dieser Podcastfolge habe ich Bettina Bergmann zu Gast. Bettina unterstützt Coaches dabei, ihre Stärken zu entdecken und Marketing zu betreiben, das zu ihnen passt.  Und in dieser Folge sprechen wir über Websites und was Selbstständige brauchen, um eine Website zu erstellen, die die richtigen Menschen erreicht.

In dieser Podcastfolge habe ich Bettina Bergmann zu Gast. Bettina unterstützt Coaches dabei, ihre Stärken zu entdecken und Marketing zu betreiben, das zu ihnen passt.

Und in dieser Folge sprechen wir über Websites und was Selbstständige brauchen, um eine richtig gute Website zu erstellen, die die richtigen Menschen erreicht.

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Erstellen Selbstständige zu früh Websites?

[Alex] Hallo Bettina. Wir wollen heute zusammen über Websites reden und über die Arbeit, die vor der Erstellung der eigenen Website kommt. Denn du sagst, die Website ist erst Schritt Nummer vier.

Und bevor wir jetzt auf die Schritte eins bis drei im Einzelnen eingehen, vielleicht erst mal die Frage, würdest du also sagen, dass viele Selbstständige und Unternehmer*innen zu früh ihre Websites erstellen?

[Bettina] Ja, das ist meine Erfahrung. Und ich glaube, das hat damit zu tun, dass einfach die Motivation riesengroß ist, einzusteigen und anzufangen.

Und ich erlebe das ja besonders mit Coaches, weil ich mit denen am meisten zusammenarbeite. Und da ist das oft ganz so, die machen, Coaches machen eine Weiterbildung, die ist auch sehr umfangreich, da ist man anderthalb Jahre beschäftigt und dann kommt so die Idee, was mache ich jetzt mit all dem, was ich gelernt habe?

Und bei der Frage nach Marketing ist sofort der erste Gedanke, ich brauche eine Website.

Und dieser Gedanke ist ja auch richtig und natürlich braucht man eine Website, aber man kann nur eine gute Website schreiben, wenn eben vorher schon bestimmte Dinge geklärt sind.

Und das Problem, warum das zu früh ist, liegt meiner Auffassung nach auch an der Perspektive. Wenn ich aus einem Thema heraus, also bei Coaches ist es ja oft dann wirklich die Weiterbildung, wenn ich aus einem Thema heraus mich selbstständig mache, dann bin ich ja ganz auf mich selber fokussiert und habe das Gefühl, ich will das, was ich jetzt gerade alles gelernt habe, erfahren habe, wie auch immer, nach draußen bringen. Und da braucht es den Perspektivwechsel.

Den Perspektivwechsel hin auf die Klientin oder auf die Kundin, die ja dann die Website liest. Wenn ich selber so ambitioniert bin, begeistert bin von dem, was ich dann als Coach beispielsweise rausbringen möchte, dann denke ich viel zu viel an mich.

Und deswegen findet man auch öfter Webseiten, wo dann lang und breit steht, was ist mein Coaching-Verständnis und wer bin ich als Coach und ich bin systemisch orientiert und dann habe ich noch eine hypnotherapeutische Zusatzausbildung.

Das ist alles total spannend und auch wichtig, aber nicht als Hauptaussage auf einer Website, wo ja Menschen hinkommen, die irgendwie ein Problem haben und das gelöst haben wollen.

Und deswegen ist für mich so das Schlagwort am Anfang eigentlich: von der Coaching-Kompetenz zur Website-Kompetenz.

Also wirklich von dem, was ich eigentlich habe oder wenn du jetzt sprichst, auch von anderen Selbstständigen, anderen Unternehmer*innen, also letztlich von dem eigenen Thema und der eigenen Begeisterung fürs eigene Thema, den Perspektivwechsel erstmal machen auf das:

Was wollen eigentlich die Menschen, die ich gerne reinholen möchte auf meine Website?

Und deswegen ist das zu früh, weil die Probleme und die Themen und die Wünsche derjenigen, die dann mal klicken sollen, nicht genug im Blick sind.

Die wichtige Basis: Wer bin ich?

[Alex] Das heißt, wir müssen so den Schwenk machen von uns und unserem Thema zu dem, was die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten wollen, eigentlich interessiert und was ihre Probleme sind.

Und lass uns doch mal dann gleich über den allerersten Schritt sprechen. Also du sagst, Website kommt erst viel später. Was kommt denn zuerst? Also was ist so die wichtige Basis, damit ich überhaupt eine Website texten kann?

[Bettina] Also wenn wir als Einzelunternehmerinnen unterwegs sind, als Solopreneure, als Coaches sind ja auch letztlich oft Einzelunternehmerinnen, dann ist einfach die Person, und wenn ich eine Dienstleistung anbiete vor allen Dingen auch, dann steht einfach ganz klar die Person im Vordergrund.

Und das ist auch etwas, was oft nicht genug, finde ich, berücksichtigt wird. Dieses: Wer bin ich eigentlich in meinem Business?

Und das, finde ich, ist die ganz, ganz zentrale Frage.

Ich habe jetzt irgendwann für mich entwickelt, ich musste mich ja auch mit der Frage beschäftigen, wer bin ich eigentlich in meinem Business und was biete ich an? Und ich habe für mich so den Begriff gefunden, ich bin Persönlichkeitsschürferin.

Weil, ich finde, es gehört so an den Anfang zu schürfen nach dem Gold der Persönlichkeit, nach den Stärken, die man hat, nach all dem, was einen ausmacht, um daraus dann wirklich auch das Besondere zu entwickeln, womit man sich dann am Markt unter den 100.000 anderen, die da noch so rumlaufen, dann auch wirklich unterscheidet.

Also einmal, wer bin ich? Das ist sozusagen die allererste Frage, weil daraus das Fundament wird. Und dann natürlich die zweite Frage, mit wem möchte ich denn am liebsten arbeiten?

[Alex] Kann ich vielleicht mal kurz dazwischenfragen zu dieser ersten Frage, weil mich interessiert, finde ich das denn wirklich über Nachdenken heraus, wer ich bin? Also muss ich nicht auch ein bisschen in Kontakt schon mit Menschen kommen und schon ein bisschen nach draußen gehen, um für mich klarzubekommen, wer ich bin und was ich anbieten will?

[Bettina] Ich glaube, die Frage, wer ich bin, die kann ich auch erst mal mit der Innenschau wirklich beantworten.

Weil viele Menschen, mit denen ich so Kontakt habe und mit denen ich zusammenarbeite, die machen ja diesen Schritt in die Selbstständigkeit nicht gleich nach dem Abi oder nach dem Schulabschluss, sondern das ist für viele ja oft ein zweiter Berufsweg oder vielleicht eine noch spätere Umentscheidung für einen neuen Berufsweg.

Und wenn Menschen schon ein paar Lebensjahrzehnte hinter sich haben, dann habe ich ganz viel Erfahrung gemacht. Und ich habe aus meinen Lebenserfahrungen Erkenntnisse gewonnen.

Und ich rege dann auch immer gern dazu an, dass man sagt, so guck mal auf die Geschichten in deinem Leben, wo du besonders traurig warst, wo du besonders enttäuscht warst oder wo du besonders fröhlich warst. Was ist da passiert? Was war da? Was hat dich beeindruckt? Damit man daraus dann auch ableiten kann, was ist sozusagen auch dann vielleicht der goldene Faden durch dein Leben? Wo passieren Dinge immer mal wieder oder vielleicht sogar auf ähnliche Art und Weise? Und so rauszufinden, wie ticke ich eigentlich, was macht mich eigentlich aus? Und aus dem dann die Verbindung herzustellen, auch wiederum zu den Zielkunden. Das ist natürlich dann auch ein ganz entscheidender Schritt.

[Alex] Und der zweite Schritt ist, mit wem möchte ich zusammenarbeiten?

[Bettina] Ja, also der zweite Gedanke im Grunde auch noch von dem gesamten ersten Schritt, wenn wir den ersten Schritt mal so auch bündeln als Positionierungsarbeit, dann ist es: Wer bin ich, mit wem möchte ich arbeiten und zu welchem Thema?

Also diese drei Faktoren, die fasse ich da gerne zusammen und auch bei der Frage, mit wem möchte ich arbeiten, da erlebe ich auch oft, wenn es jetzt um Coaches geht und um Dienstleistungen, die ich anbiete, dass Menschen dann sagen, ach, ich kann doch mit allen und ich bin Generalist. Und ich will mich da eigentlich gar nicht einschränken.

Das ist meiner Ansicht nach auch nicht ganz klug, weil ich, das habe ich auch bei mir erfahren, wir sind nicht im Umgang mit allen Menschen gleich gut. Es gibt Menschen, da schwingt es sofort und da gehen wir in Höchstform über. Und das rauszufinden, genauso wie ich für mich selber rausfinden darf, wo sind denn meine emotionalen Besonderheiten und wie bin ich eigentlich gestrickt, so ist das auch günstig, das fürs Gegenüber zu überlegen, denn dann performst du wirklich optimal und dann kannst du auch beste Leistung bringen und kriegst später auch mal einfach gute Testimonials, einfach weil du gut warst.

Vom Branding zum individuellen Angebot

[Alex] Okay, Positionierung. Check. Was kommt danach?

[Bettina] Danach kommt, dass das, was man da rausgefunden hat, zu gießen in eine individuelle, originelle Sichtbarkeit, also sprich Branding.

Ich bin nicht im Bereich Grafik zu Hause, deswegen ist das nicht so mein Thema, jetzt zu sagen, welche Schriftart und welche Layouts und welche Farben passen günstig. Da gibt es auch Profis dafür.

Wenn ich darüber nachdenke, dann ist es mehr auch so diese Gesamthaltung, die ich nach außen zeige, die sich letztlich auch im Branding, also in der Marke zeigt.

Welche Werte vertrete ich? Du bist ja zum Beispiel auch im Moment damit unterwegs, zu sagen, ich kann meine Selbstständigkeit hier wuppen ohne Social Media. Das ist mein Thema. Und so etwas zu finden, welche Haltung habe ich bezogen auf mein Thema und damit dann rauszugehen und das dann natürlich auch noch in ein passendes Layout zu bringen.

Aber letztlich auch dieses, was so zwischen den Zeilen ist, spürbar zu machen. Wofür stehe ich? Also da so als Marke dann zu erscheinen, dass man auch weiß, bin ich ein eher analytisch strukturierter Mensch und biete damit meine Sachen an oder bin ich der temperamentvolle Draufgänger?

Also das rauszukristallisieren, was ist das Besondere in der Wirkung letztlich auch, im Sein und dann in der Wirkung.

[Alex] Ich kann mir vorstellen, dass das auch gar nicht so einfach ist. Wie mache ich das? Also wie bestimme ich das, was mir wichtig ist, meine Werte, wie ich nach außen auftreten will? Wie schaffe ich das gerade am Anfang?

[Bettina] Durch sehr viel Analyse, was bisher schon auch mal erfolgreich war. Ich komme ja aus irgendwelchen anderen Jobs oft, zu gucken: Was habe ich da eigentlich immer gut hingekriegt, wofür habe ich gute Rückmeldungen gekriegt?

Ich finde es auch ganz wichtig, einfach oder auch die Umgebung nochmal darauf hin zu befragen, wie erlebt ihr mich eigentlich? Was bin ich so für jemand? Wie komme ich bei euch an?

Also und das auch in der privaten Umgebung vielleicht auch mal zu tun, aber auch in der Business-Umgebung, wenn man Menschen ein bisschen besser kennt, da einfach mal zu fragen, was fällt euch auf? Wie bin ich? Also die Rückmeldung einzuholen und dadurch so eine Analysegrundlage zu kriegen, für das, wie man schon immer mal war und was immer schon mal gut gelungen ist.

Lebendiges Schreiben: Tipps und Tricks

[Alex] Jetzt wo du das so sagst, ich glaube, ich habe zum Beispiel vorher auch voll irgendwie verdrängt, dass ich gerne schreiben möchte und war halt dann über Jahre auf Social Media präsent.

Und hätte ich mich da mal gefragt, sag mal, was kannst du denn eigentlich und was ist dir wichtig, dann hätte ich das vielleicht auch irgendwie mir sparen können.

Deswegen: Ich finde, das hört sich absolut sinnvoll an.

[Bettina] Es kostet manchmal ein bisschen Mut, dann vielleicht auch solche Entscheidungen zu treffen. Denn so wie du gerade das beschrieben hast, es wird einem ja auch suggeriert, dass man bestimmte Dinge so tun muss, wenn man mit der Selbstständigkeit startet.

Und da sich dann bewusst anders zu positionieren, das kostet auch Mut.

Und den Mut, den kriege ich aber auch dadurch, dass ich mir selber immer wieder auch ein Stück weit klar mache, was ich gut kann, was meine Stärken sind und dass ich damit auch nur überzeugen kann.

Ich bin fest davon überzeugt, ich kann nur dann richtig gut performen, wenn ich da bei dem ansetze, was meine Stärken sind und wo ich wirklich dann zu Hause bin, wo ich mich wohlfühle und auch was mir Freude macht.

Das richtige Angebot erstellen

[Alex] Und was kommt nach dem Branding? Also Positionierung haben wir, Branding, was ist dann der nächste Schritt?

[Bettina] Das Dritte ist das Angebot. Dann etwas zu stricken aus diesen Überlegungen, wer bin ich, wer ist meine Zielgruppe, was ist mein Thema, das sozusagen zu bündeln in ein gutes Angebot.

Und wenn ich da nochmal wieder bei den Coaches zum Beispiel ansetze:

Ein Coaching ist kein Angebot.

Und viele Coaches zum Beispiel, die starten damit, dass sie auch auf der Webseite ganz schnell mal stehen haben, haben Einzelstunde 90 Euro oder irgend so was.

Oder du kommst jetzt und hast ein Problem mit deinem inneren Kind und deinen Glaubenssätzen und sonst was und Einzelstunde 90 Euro.

Da sage ich ganz schnell und ganz oft, das funktioniert so überhaupt nicht. Erstens weiß das auch jeder Coach, es braucht einen Prozess, wenn man überhaupt größere Themen angeht. Und, oder ich fange nochmal andersrum an. Es gibt eigentlich zwei Argumente, warum das kein gutes Angebot ist.

Ein bisschen Selbstschutz und Marketingthema, nämlich dann muss ich ja nach jeder Coachingstunde gegebenenfalls Neuakquise machen und das ist auf Dauer sehr anstrengend, wenn ich mir nur die Einzelstunden von Menschen zusammensuche.

Und das Zweite, das finde ich jetzt speziell für Coaches auch besonders relevant, ich übernehme ja Verantwortung für einen Prozess und bis Veränderung passiert, das dauert.

Unser Gehirn braucht mindestens mal drei Monate, bis irgendwelche neuen Bahnen gelegt sind. Da gibt es inzwischen auch wunderbare neurologische Untersuchungen dazu.

Und vor dem Hintergrund habe ich auch bei meinen normalen Coaching-Angeboten früher immer gesagt, ich biete ein Drei-Monats-Paket an.

Dann kann ich begleiten, dann kann ich zwischendurch Feedback einholen, dann können Dinge ausprobiert und wieder gemeinsam reflektiert werden. Und für Coaches, die jetzt starten und auch überlegen, so wie kriege ich eigentlich meine Miete finanziert, ist natürlich auch da die Antwort oder das Argument, es ist einfach dann leichter, weil man nicht so oft sich um neue Klienten kümmern muss.

Also das hat, finde ich, zwei Facetten, die dafür sprechen, ein Angebot so zu organisieren, dass es eben längerfristige Zusammenarbeit ermöglicht. Und was für mich auch noch dazu gehört, ist, dass dann in dieses Angebot auch ein bisschen was fließt von dem, was mich als Persönlichkeit ausmacht und was bei mir das Besondere ist.

Also biete ich zum Beispiel einen besonderen Service an oder habe ich eine ganz spezielle Methode, mit der ich an einem Thema arbeite. Also auch das kann dann das Angebot so rahmen, dass ich dann auch ich mit mir, meiner Dienstleistung und meinem Angebot mich dann eben deutlich unterscheide von den anderen Mitbewerbern und auf die Weise dann eben auch irgendwann sichtbar und gebucht werde.

[Alex] Ich habe mir gerade auch gedacht, so dieses Vorgehen, dass ich quasi meine Positionierung klarkriege, dann mein Branding, mein Angebot, das führt ja auch zu so einer Klarheit.

Und das ist dann sicherlich auch viel, viel einfacher, mit so einer Klarheit auch Website-Texte später zu schreiben, als wenn ich diese Klarheit noch gar nicht habe und, ja, einfach mal so drauf losschreibe oder mir einfach irgendwie WordPress hole und dann denke, jetzt muss ich irgendwie loslegen. Also das scheint mir ein Weg zu sein, der für ganz viel Klarheit sorgt. Und ich habe einen Blogartikel von dir gelesen. Eine gute Website ist wie ein gutes Coaching. Was meinst du damit?

[Alex] Ich habe den Hintergedanken gehabt, dass beim Coaching oder das Coaching ja dann erfolgreich ist, wenn ich als Coach gut kommuniziere.

Also, wenn ich schon damit anfange, für eine gute Atmosphäre zu sorgen, angenommen, ich arbeite jetzt in Präsenz, ich habe einen schönen Raum, ich habe den nett gestaltet, ich habe vielleicht sogar einen Tee gekocht, ich habe mit einem Duft für eine angenehme Situation gesorgt und so weiter und so fort.

Und das ist im Grunde etwas, was ich auf einer Webseite auch machen darf, indem ich sie so gestalte, dass der Besucher oder die Besucherin der Website dann sofort denkt: Oh, hier fühle ich mich jetzt richtig gut aufgehoben.

Also beispielsweise, indem der erste Aufmacher schon so ist, dass da ein sehr sympathisches Bild von der Coachin oder dem Coach erscheint, zusätzlich mit einem Text, der mich auch sofort anspricht, der mich abholt, wo ich auch sofort erkennen kann, hier bin ich vielleicht auch richtig mit meinem Thema und mit meiner Frage.

Dann ist das dieses freundliche Begrüßen wie sonst der freundliche Handschlag an der Tür und „Kommen Sie mal rein“ und „Bitte setzen Sie sich hin und fühlen sich wohl“.

Und gleichzeitig meine ich auch mit diesem „Gute Website ist wie gutes Coaching“, das meine ich bezogen auf Kommunikation.

Ich lese oft Website-Texte, die sind sehr ich-bezogen. Also ich habe jetzt die Weiterbildung gemacht und ich habe 20 Jahre Führungserfahrung und deswegen kenne ich mich gut aus mit Problemen bei Führungskräften und ich richte mich jetzt auch an Führungskräfte und ich bin, weiß ich nicht, ich habe die und die Weiterbildungen gemacht und ansonsten vielleicht noch ein paar Fun Facts.

Da ist ganz viel Ich und im Coaching würden wir ja auch nicht als Coaches die ganze Zeit von uns hier erzählen, dann hätten wir keinen Klienten. Deswegen auch mein Gedanke, mach das auf der Website mal genauso. Sprich die Leute an. Tu so, als würden sie dir erzählen und reagiere darauf, indem du so quasi aktiv zuhörst. Oder ja, stell kluge Fragen.

Sei auch vielleicht ein bisschen empathisch, indem du auf konkrete Lebenssituationen eingehst, die du antizipierst oder Berufssituationen.

Und die werden dann sehr konkret oder die sollten auch sehr konkret sein, damit sich jemand sofort da auch dann wiederfindet. Und eben auch nicht so, es wacht keiner nachts auf und sagt, ich muss mal meine Blockaden lösen, sondern das müssten dann richtig Alltags-, Berufs-, Lebensbeispiele sein, wo man sofort sagt, jo, das Problem kenne ich, das habe ich auch.

Und ja, und letztlich bis hin zur Körpersprache, die man ja sieht, wenn man im Coaching direkt miteinander arbeitet, man ist nach vorne geneigt, man hat Augenkontakt, man ist miteinander in gutem Kontakt, kann ich auf einer Website auch machen, indem ich letztlich auch da dafür sorge, dass Text und Bild gut zusammenpassen, dass die Farbwelt so ist, dass sie mich anspricht.

Also all das, was gutes Coaching ausmacht, kann ich im Grunde übertragen auf Konstruktion von Website. Mit dem Ziel, dass ich vertrauenswürdig wirke und dass die Menschen, die zu mir kommen, eben zu mir auch Vertrauen bekommen.

[Alex] Das ist ja auch deshalb, glaube ich, so eine gute Idee, weil ich dann ja auch einfach inhaltlich stimmig auftrete, also sowohl in meinen Coachings als auch nach außen, dass ich für die Menschen, wenn ich dann zusammenarbeite, auch einfach so ein einheitliches Rundumerlebnis quasi schaffe.

Weil wenn ich dann auf meiner Website zum Beispiel ganz andere Dinge mache als im Gespräch, dann wirkt das, glaube ich, auch widersprüchlich vielleicht sogar.

[Bettina] Ja, und genau dafür ist ja auch das dann wichtig, was ich vorhin angesprochen habe, dass ich bei mir anfange und überlege, wer bin ich denn und was will ich von mir zeigen? Dann wirkt das so.

Mir hat neulich eine Kundin gesagt, das fand ich total interessant, so bei einem Kennenlerngespräch, ich habe dann so gefragt, gibt es denn noch irgendwelche Fragen und möchtest du noch irgendwas wissen? Und dann sagte die, ach nö, das stand ja schon alles so auf deiner Website und das habe ich auch alles gut verstanden und du wirkst jetzt genauso wie auf deiner Website. Und da dachte ich, oh, das ist ein tolles Feedback.

Wenn ich da wahrnehmen konnte, das passt offenbar zusammen, was ich über mich schreibe und wie die mich dann im Gespräch erleben. Und sowas versuche ich dann auch weiterzugeben. Das, finde ich, ist das Zentrale, dass da keine Brüche sind.

[Alex] Eine Herausforderung ist häufig, dass wir ja verständlicherweise natürlich den Wunsch haben, professionell aufzutreten mit unserer Website, dann halt aber Website-Texte schreiben, die auch entsprechend kompliziert klingen, also Schachtelsätze, viel Fachsprache und so weiter. Wie können wir uns deiner Erfahrung nach diese Fachsprache abtrainieren als Coaches und ein bisschen alltagssprachlicher schreiben? Hast du da ein paar Tipps?

[Bettina] Ja, ich würde mit einem ganz pragmatischen Tipp starten und zwar, bevor ich ans Schreiben gehe, hat mir das oft geholfen, dass ich Dinge gesprochen habe.

Also ich gehe häufiger auch jetzt noch mit meinem Handy durch die Gegend und erzähle das, was ich schreiben möchte, weil ich im Erzählen einen anderen Stil habe.

Und wenn ich diesen Stil ein bisschen übernehme fürs Schreiben, dann bin ich schon gleich um mindestens 50 Prozent lebendiger, als wenn ich das Ganze sozusagen schon, wenn ich nur mit dem Schreiben starte.

Denn Menschen auch, die es nicht gewöhnt sind, so adressatenorientiert und lebendig zu schreiben, die haben häufig auch das Gefühl einfach, sie müssten jetzt, wie du eben sagst, einfach so, um professionell zu sein, müssen sie kluge Sätze schreiben und die sind dann auch noch lang, aber sowas will ja kein Mensch lesen.

Und ich habe selber mal irgendwann Germanistik studiert, aber davon kann ich fast nichts brauchen für das, was jetzt für Websitetexte relevant ist.

Also einmal dieses eher schreiben, wie man spricht, und das auch ein bisschen üben dadurch, dass man einfach das gesprochene Wort mal aufnimmt. Und wenn du auch nach weiteren Tipps fragst, ganz konkret mehr kurze Sätze schreiben.

Kurze und lange auch eher mischen. Auf jeden Fall darauf achten, dass Sätze nicht zu lange Nebensätze haben und zu verschachtelt sind. Das liest sich auch nicht günstig im Internet, einfach weil wir auch gewohnt sind, wir lesen ja auch oft quer und wir überspringen, wir scannen Texte.

Und da braucht es auch so Eyecatcher zwischendurch, wo bleibe ich hängen, also auch viel mehr Zwischenüberschriften zum Beispiel formulieren, damit auch die Schnellleser eine Orientierung haben und wissen, wo sie wieder andocken können.

Was könnte ich sonst noch sagen? Also überhaupt lebendiges Schreiben, in dem man zum Beispiel auch versucht, sehr konkret zu sein, auch mal sinnliche Eindrücke einzubauen. Was sehe ich? Was höre ich? Was nehme ich wahr?

Also viel weniger abstrakt, auch mehr Verben als Nomen zu verwenden, weil das einfach lebendiger ist. Diese ganzen Wörter auf -heit und -keit und -ung sind auch nicht besonders tauglich und gut lesbar.

Und dann finde ich noch so als Grundsatz-Tipp wichtig, dass man versucht, seinen eigenen Stil zu finden.

Wenn du anfängst zu schreiben, dann geht es ja manchen vielleicht, vielleicht ist es dir auch mal irgendwann so gegangen, dass du dir Vorbilder suchst. Ich habe auch am Anfang mir mal da durchaus Vorlagen auch georganisiert, wie schreibe ich gute E-Mails, bis ich gemerkt habe, dann habe ich das auch am Anfang so gemacht, wie mir da empfohlen wurde und jetzt mit Abstand gucke ich da nochmal drauf und denke, so würde ich heute nie wieder schreiben, weil es nicht meins ist.

Also ich finde es auch noch ganz wichtig, ein bisschen rauszufinden, was passt denn da zu mir und was ist mein Stil, denn auch das gehört dann irgendwann zur Marke, dass ich so schreibe, wie es zu mir passt.

Über-mich-Seiten: Geschichten erzählen

[Alex] Das finde ich voll den wichtigen Tipp und ich glaube, dass man das auch nur schafft, indem man eben super, super viel übt, also viel, viel schreibt, sich nochmal durchliest mit ein bisschen Distanz, was habe ich da geschrieben, und vielleicht geht es dann einem so, wie es dir ging, dass man merkt, oh, das ist nicht so sehr, klingt nicht so sehr nach mir. Also üben, schreiben, nochmal durchlesen. Ich glaube, das ist so das Beste, was wir machen können.

Vielleicht können wir nochmal ein paar Worte sagen zur Über-mich-Seite. Weil so meine Erfahrung ist, also ich habe jetzt nicht nur Coaches bei mir unter Kundinnen, aber eigentlich tun sich fast alle mit Über-mich-Seiten schwer.

Sie schieben sie immer bis zum Schluss auf und dann ist es meistens so ein Kampf. Hast du so ein paar Tipps, wie es leichter gehen könnte mit der Über-mich-Seite?

[Bettina] Ich würde, bevor ich anfange zu schreiben, bei der Über-mich-Seite auch nochmal darüber nachdenken, das habe ich vorhin schon mal in einem anderen Zusammenhang gesagt, aber hier wird es nochmal relevant:

Was sind die entscheidenden Geschichten und Situationen in meinem Leben?

Ich habe zum Beispiel immer, ich habe dann beim Nachdenken bei meiner Über-mich-Seite gemerkt, dass ich immer wieder mal auch gegen Stimmen von außen gehandelt habe in meinem Leben. Als ich Studierende war, da wollte ich unbedingt nach Südamerika und da kam von außen, oh, das ist viel zu gefährlich, willst du das wirklich machen und da wirst du ausgeraubt, da kriegst du Durchfall und, und, und. Ich habe es gemacht.

Und wenn ich es nicht gemacht hätte, hätte ich die tollsten Erlebnisse nicht erfahren und die ich jetzt noch nach Jahrzehnten einfach ganz lebendig im Kopf habe. Oder so andere Stimmen von außen. Ich habe mich mal beworben auf eine Beförderungsstelle und dann kam jemand, oh, das traust du dir wirklich zu? Willst du das echt machen?

Und ich habe es getan. Ich habe es dann erfolgreich gemacht. Und dann daran habe ich so gemerkt, okay, offenbar ist das ein Element von mir und meinem Leben, was sich so durchzieht, dass ich Stimmen von außen kriege, die mir vielleicht irgendwas nicht zutrauen, wo ich aber dann sage oder nochmal reflektiere, möchtest du es trotzdem? Ja, und dann habe ich es gemacht.

Und dieses ist zum Beispiel dann so ein roter Faden durch mein Leben und so etwas zum Beispiel kann man dann auf eine Über-mich-Seite einbauen und du kannst dann eben auch überlegen, was hat das zum Beispiel dann mit deiner Zielgruppe zu tun.

Also, bleiben wir mal bei dem Thema und du bist als Coach selbstständig für jemanden oder willst dich selbstständig machen und dich kümmern um Menschen, die einfach auch so eine Unterstützung brauchen, Mut, Entscheidungen zu treffen und Ähnliches, dann kannst du zeigen:

Ich habe das so und so gemacht, ich habe das so und so gemeistert, ich bin da vielleicht schon einen Schritt weiter als du. Wenn das jetzt dein Thema ist, dann bist du offenbar bei mir ganz gut aufgehoben.

Also Über-mich-Seiten schreiben oder auch wenn man jetzt an andere Berufsbereiche denkt, ist aber der Grundgedanke, glaube ich, ein ähnlicher, nämlich zu überlegen: Was ist so mein besonderes Erleben gewesen in verschiedenen Situationen? Was habe ich für Erkenntnisse gewonnen? Und was haben die jetzt vielleicht zu tun mit meiner Arbeit und auch mit meinen zukünftigen Kunden?

Die Rolle von SEO im Marketing

[Alex] Vielleicht können wir abschließend auch nochmal über die Rolle der Website in deinem Marketing sprechen.

Du hast mir im Vorgespräch zum Beispiel verraten, dass Suchmaschinenoptimierung, also SEO, eine wichtige Rolle in deinem eigenen Marketing spielt und dass du, weil du eben für immer mehr Begriffe weit oben in den Suchergebnissen auftauchst, auch deine Werbeanzeigen auf Social Media reduzieren konntest. Erzähl doch mal, was dir SEO genau für Resultate bringt.

[Bettina] Das macht mir inzwischen richtig Spaß, Blogartikel zu schreiben, die ich mit Keywords optimiere und damit eben sozusagen bei Google öfter gefunden werde.

Das Resultat ist, ich fange mal ganz hinten an, ich bin jetzt inzwischen mit mehreren für mich relevanten Keywords, also bei mir ist das als Coach selbstständig machen, Coaching-Business aufbauen, Positionierung-Coaching, ranke ich bei Google zum Teil unter den ersten zehn, mit einigen auf Platz fünf.

Ich habe auch einzelne Artikel, da bin ich auf Platz 1 sogar und das bringt mir den Vorteil, dass ich dann Menschen, dass Menschen, die genau diese Begriffe suchen, bei mir landen.

Ich habe meinen Blog auf meiner Website und so sind die dann, sie lesen dann meinen Blog und dann verbinde ich das ja damit, dass ich da auch auf meinen Fünf-Tage-Kurs hinweise, den man kostenlos bekommen kann, oder auf meinen Newsletter hinweise und dann kann man sich da eintragen.

Und so bekomme ich dann eben die E-Mail-Adressen und dann anschließend, wenn jemand in meiner E-Mail-Liste ist, kriegt er wöchentlich einen Newsletter mit allen möglichen Infos und Tipps für den Start in die Selbstständigkeit als Coachin, wofür ich ja stehe.

Das heißt, SEO bringt mir Menschen auf meine Website und das letztlich dann ohne Kosten, nämlich ohne, ich habe vorher nur Zeit investiert, aber sie kommen ohne Kosten von Werbeanzeigen.

Und ich habe das eine Zeit lang anders gemacht. Ich war eine Weile auch bei Instagram und habe es auch versucht. Ich bin auch bei Facebook immer noch, aber nicht aktiv und habe dann mit Meta-Ads das probiert.

Ich habe dann natürlich auch Leute gekriegt in meine Liste. Ich habe aber nicht, da sind dann aber auch Menschen bei, die nicht gezielt nur das suchen, was ich letztlich anbiete.

Und ich finde, es ist auch immer eine Frage von Zahlen. Nicht für jedes Business braucht man horrende große Zahlen. Manchmal reicht es schon, wenn sich ein, zwei, drei melden und von denen bucht dann einer.

Also es ist, finde ich, eben nicht eine Frage von Menge, nur wenn man seinen eigenen Erfolg definiert. Und ich kann ganz klar sagen, also SEO, optimiertes Arbeiten, hat mir den Erfolg gebracht, dass Leute über Google mich finden und bei mir auf der E-Mail-Liste landen und dann auch irgendwann buchen.

Und das macht echt Spaß, wenn man so sieht, auch wie da so im Laufe der Jahre die Sichtbarkeit steigt. Ich habe bei, vor einem Jahr hatte ich eine Sichtbarkeit von, oder sagen wir mal eine Klickrate bei Google von um die 300 pro Seite, jetzt bin ich bei knapp 1000 pro Monat. Und das eben durch die Artikel, die ich regelmäßig optimiere.

[Alex] Es gibt ja auch einen großen Unterschied, finde ich, ob ich quasi auf Social Media unterwegs bin und da kommt eine Anzeige und stört mich quasi in dem, was ich gerade mache, oder ob ich aktiv nach einem Begriff suche und ja quasi bereit bin, die Lösung zu sehen und dann auf einen Blogartikel stoße.

Also ich glaube, was du gerade gesagt hast, manchmal reichen dann irgendwie ein, zwei, drei Leute, aber dadurch, dass es halt einfach relevantere Menschen sind, bringt es dann auch häufig viel mehr als die Masse auf Social Media.

[Bettina] Ja, das denke ich auch. Ich hatte neulich gerade ein Erlebnis, da hat sich jemand auf meine Liste eingetragen und nach zwei Wochen um ein Gespräch gebeten. Und daraus ist eine Kundin geworden. Wo ich auch denke, wow, das ist irgendwie irre. Andere, die habe ich drei Jahre auf meiner Liste, die haben die antworten nur ab und zu mal, was ja auch schön ist, sie freuen sich an meinen Newslettern.

Dann, also das ist auch einfach ein wichtiger Punkt für einen selber, das rauszufinden, was funktioniert für mich, was mache ich gerne und was funktioniert letztlich. Und das braucht natürlich auch einfach ein bisschen Zeit und ein bisschen Ausprobieren.

Geduld und Ausdauer bei SEO

[Alex] Du hast jetzt schon gerade erzählt, dass es jetzt bei dir ungefähr ein Jahr gedauert hat, wenn ich das richtig verstehe, dass es so von 300 Klicks auf 1000 Klicks angewachsen ist pro Monat.

Jetzt ist es halt so, dass SEO nun mal dauert. Also es geht nicht über Nacht. Und was hast du denn jetzt zum Beispiel in der Zwischenzeit gemacht? Also wenn man mit SEO startet, dann braucht man einfach Geduld. Was rätst du da deinen Kundinnen oder wie ist das bei dir gewesen?

[Bettina] Also die Geduld braucht man auf jeden Fall. Zielt deine Frage jetzt darauf ab, wie finanziere ich mir dann überhaupt den Einstieg in die Selbstständigkeit?

[Alex] Oder was sind so alternative Marketingstrategien? Also was mache ich quasi, um das zu überbrücken, bis SEO fruchtet? Also hast du dann vielleicht doch Social Media genutzt oder hast du über Kontakte Kundinnen gewonnen? Wie war das bei dir?

[Bettina] Ja, also ich speziell habe mich ja vor fünf Jahren nebenberuflich selbstständig gemacht und hatte dadurch erstmal sozusagen zwei Standbeine, was mich persönlich sehr entlastet hat. Und ich erlebe das auch bei vielen, die starten, dass die erstmal noch ein Teil in ihrem Hauptjob bleiben und dann wirklich erstmal Stunden reduzieren und sich die Zeit nehmen für den Aufbau. Das halte ich auch für eine kluge Strategie.

Ansonsten gibt es ja immer auch noch die alternativen und auch tradierten Möglichkeiten, bei irgendwelchen Messen aufzutreten, versuchen, einen Vortrag irgendwo zu halten, in einem ganz kleineren Rahmen, wenn man regional zum Beispiel auch was anbietet.

Da habe ich ja vielfältige Möglichkeiten, mich auch bekannt zu machen oder schlicht mal, wenn es wirklich regional ist, auch mit der regionalen Zeitungen Kontakt aufzunehmen. Also Marketing-Strategien auch jenseits von online, finde ich, dürfen wir nicht vergessen, weil das letztlich ja auch genauso funktionale Dinge sind. Und je nachdem, was ich für eine Zielgruppe habe, kann das auch erstmal genauso funktionieren.

Und Social Media hast du noch angesprochen. Ich bin zum Beispiel aktiv bei LinkedIn. Das war der Kanal, den ich von Anfang an auch regelmäßig bespielt habe. Und da zum Beispiel ist es ja auch leicht möglich, sein Netzwerk auszuweiten und auch direkten Kontakt aufzunehmen. Das war für mich eine Alternative am Anfang.

Umgang mit abstrakten Themen in SEO

[Alex] Gerade bei Coaches beobachte ich, dass sie ja häufig so abstrakte Themen und Fragestellungen abdecken. Also du zum Beispiel früher Resilienz oder Perfektionismus ablegen oder, oder. Und wenn wir das jetzt so aus SEO-Sicht betrachten und das wäre so jetzt meine letzte Frage, wie können Coaches mit so abstrakten Themen und vielleicht auch umkämpften SEO-Keywords SEO betreiben? Wie funktioniert das?

[Bettina] In dem Zusammenhang ist es hilfreich, nach Begriffs- oder Formulierungsvarianten zu suchen.

Es gibt ja Tools, wo man recherchieren kann, welche Keywords wie oft gesucht werden und wie umkämpft diese Begriffe sind. Und wenn ich da zum Beispiel rein Perfektionismus reingebe oder nur das Wort Resilienz, dann kriege ich da Tausende von Suchvolumen, gleichzeitig aber auch einen hohen Wert von Schwierigkeit, diesen Begriff, bei diesem Begriff überhaupt zu ranken irgendwann mal.

Und da empfiehlt es sich, und so habe ich das auch gemacht, einfach zu gucken, was sind denn so verwandte Formulierungen, die in eine ähnliche Richtung gehen, wo ich dann aber leichter die Möglichkeit habe zu ranken, also nicht nur ein Wort, sondern Perfektionismus ablegen oder mit Stress gut umgehen oder Stressfaktoren oder Resilienz aufbauen, innere Stärke entwickeln.

Also, dass man so Wortkombinationen hat. Und wenn man damit so ein bisschen ausprobiert in den Tools, wo man das checken kann, dann kommt man auch auf Begriffe, die thematisch ganz nah an dem sind, was man eigentlich sagen will, die aber trotzdem noch gut zu ranken sind und wo man dann noch Chancen hat, hochzukommen.

[Alex] Also Recherche ist entscheidend.

[Bettina] Ja.

[Alex] Bettina, ich danke dir vielmals, dass du heute hier warst und über dein Thema gesprochen hast.

[Bettina] Sehr gerne.

Shownotes

Bettinas Website

Fünf-Tage-Kurs für den Start als Coach

Website

Buch „No Social Media!“

Buch „Don’t be evil“

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Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin

Schlaue Pressearbeit für Selbstständige: Interview mit Marike Frick von Wasjournalistenwollen

In dieser Podcastfolge habe ich Marike Frick zu Gast. Marike ist ausgebildete Journalistin und sie zeigt Selbstständigen und Unternehmer*innen, wie sie ihre Pressearbeit selbst machen können.  Genau zu diesem Thema habe ich sie schon in meinem Buch „No Social Media!“ interviewt. Und jetzt möchte ich mit ihr auch noch mal in meinem Podcast darüber sprechen.

In dieser Podcastfolge habe ich Marike Frick zu Gast. Marike ist ausgebildete Journalistin und sie zeigt Selbstständigen und Unternehmer*innen, wie sie ihre Pressearbeit selbst machen können.

Genau zu diesem Thema habe ich sie schon in meinem Buch „No Social Media!“ interviewt. Und jetzt möchte ich mit ihr auch noch mal in meinem Podcast darüber sprechen.

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Warum es nicht sinnvoll ist, Pressemitteilungen zu verschicken

[Alex] Hallo Marike. Wenn Menschen an Pressearbeit denken, denken viele immer noch an Pressemitteilungen, also dieses klassische Massen-E-Mails an möglichst viele Redaktionen versenden. Warum ist das von gestern?

[Marike] Das ist vielleicht sogar von vorgestern. Also es ist einfach einer Realität geschuldet, in der sich viele Journalisten befinden.

Journalisten bekommen so viele E-Mails jeden Tag. Ich habe mal so eine Umfrage gemacht, da haben die meisten gesagt, es sind so 80 bis 150 E-Mails jeden Tag. Die kann natürlich kein Mensch öffnen, die kann kein Mensch lesen, die kann kein Mensch beantworten.

Deshalb ist so das Üblichste in den Redaktionen, dass Journalisten morgens in ihren Posteingang reingehen und einfach löschen, löschen, löschen, löschen, löschen und nur noch das stehen lassen, wo sie denken, das könnte mich vielleicht interessieren.

Und nun ist es so, dass in den letzten Jahren die Redaktionen eher kleiner geworden sind, also weniger Redakteure müssen mehr Themen bearbeiten. Und dann heißt das natürlich nochmal, dass die E-Mail-Flut zunimmt.

Das heißt nochmal, dass mehr Informationen auf den einzelnen Journalisten oder die einzelnen Redakteurin einströmen. Und wer sich das nicht bewusst macht und weiter Pressemitteilungen verschickt, kann das natürlich gerne tun, aber es wird halt herzlich wenig bringen, weil sie wahrscheinlich nicht gelesen wird.

[Alex] Also das heißt, wenn ich sowas schreibe wie „Pressemitteilung: Wir haben ein neues Produkt“, dann kann ich es auch gleich sein lassen? Dann bringt das gar nichts?

[Marike] Aus meiner Sicht ja. Es sei denn, du bist irgendwie BMW und bringst ein neues Auto raus, dann werden sich natürlich die Autoredakteure trotzdem noch dafür interessieren. Aber die meisten von uns sind das ja nicht. Und da bringt es einfach nichts, so eine klassische Pressemitteilungen zu verschicken, wie sich vielleicht große Unternehmen mit großen Namen versenden.

[Alex] Und was können dann Selbstständige, Einzelunternehmer*innen und Kleinunternehmen vielleicht stattdessen tun? Wie fallen sie auf?

[Marike] Also sie sollten sich überlegen: Wie kann ich dem Journalisten etwas schicken, das den Löschreflex eben nicht auslöst? Also wie kann ich schon in meiner Betreffzeile klar machen, hier wartet was auf dich in dieser E-Mail, das es lohnt, gelesen zu werden. Und in der Regel sind Journalisten immer auf der Suche nach Geschichten von echten Menschen.

Und sie sind auf der Suche nach Experten, die ihnen etwas erklären können, die etwas einordnen können.

Und das sind auch die zwei Richtungen, in die wir unsere Kunden schicken.

Das heißt, wir überlegen immer, bringst du vielleicht eine Gründungsgeschichte mit, die interessant sein könnte? Warum machst du das, was du machst? Hast du einen Auslöser dafür, was du gegründet hast? Oder gibt es irgendwas Ungewöhnliches in deinem Leben, was du erzählen kannst und was irgendwie mit deinem Business-Thema zu tun hat? Oder wir überlegen, hast du Expertenwissen, das du anbieten kannst, idealerweise, weil es gerade super gut passt?

Ich gebe dir mal ein Beispiel, das ich vor kurzem gesehen habe auf Spiegel Online. Das fand ich ganz überraschend und eindrücklich.

Es hat ja so unheimlich lange gedauert, ehe das Bayern-Team, wir sind beim Fußball, ehe Bayern einen neuen Trainer gefunden hat. Niemand wollte den Job machen, alle haben irgendwie abgesagt. Und dann hat sich endlich einer bereit erklärt.

Und dann hat Spiegel Online Karriere-Coaches interviewt zur Frage: Wie trete ich einen Job an, den keiner haben wollte? Wie mache ich das souverän? Und da konnten diese Karriere-Coaches mit ihrem Expertenwissen glänzen.

Es hatte aber so einen Bezug zur Allgemeinheit. Also alle kennen Bayern, alle haben es mitbekommen mit der Trainersuche. Auch diejenigen, die sich vielleicht gar nicht so für Karrierefragen bisher interessiert haben, haben das vielleicht gelesen und haben diese Coaches kennengelernt.

Und das ist so ein bisschen die Magie, wenn man es schafft, zu einem Thema, über das viele Menschen sprechen, etwas anzubieten, nämlich: Ich kenne mich damit aus. Ich weiß, wie das ist, wenn man einen Job antritt, den niemand haben wollte. Dann wird man plötzlich für die Journalisten interessant und die sagen: Oh cool, den interviewe ich jetzt mal. Den hätte ich sonst nie angerufen, aber das finde ich jetzt spannend.

[Alex] Das heißt, wenn ich feststelle, dass jetzt irgendwie so ein aktueller Anlass da ist, dann kann ich mit diesem aktuellen Anlass einfach Journalisten kontaktieren und denen schreiben: Hey, ich kann was dazu sagen! Oder wie läuft das dann ab?

[Marike] Genau, das ist eine Möglichkeit. Also entweder ich habe was zu sagen zu einem aktuellen Anlass oder ich habe was zu sagen zu einem Phänomen, das viele Menschen kennen.

Also sagen wir mal, dein Thema sind Depressionen und es gibt natürlich in Deutschland immer wieder Erhebungen, wie viele Menschen sind von Depressionen betroffen. Kann es sein, dass eine neue Studie rauskommt und in der Studie kommt raus, Depressionen nehmen zu oder Depressionsdiagnosen nehmen zu.

Das ist auch ein guter Aufhänger zu sagen: Hey, lasst uns mal über das Thema Depressionen sprechen. Wie gehe ich eigentlich um mit Menschen, die von Depressionen betroffen sind? Also Wissen zu großen gesellschaftlichen Phänomenen, Wissen zu Dingen, die gerade da draußen passieren. Kann ich das erklären? Kann ich das einordnen? Kann ich da irgendwie Tipps dazu geben? Oder eben, ich habe eine Geschichte zu erzählen. Also vielleicht, ich bin selbst von Depressionen betroffen und kann dazu was sagen.

Das sind so verschiedene Ansätze. Und ja, dann schreibt man einfach einen Journalisten oder eine Redakteurin an und sagt: Hey, ich habe dazu was zu erzählen, zu sagen.

Man sollte natürlich schon ein bisschen anklingen, was man zu sagen hat, damit man nicht auch einfach so einen Zweizeiler schreibt.

Aber im Zweifel eben keine Pressemitteilung und keinen langen Text über die neue Coaching-Methode oder die neue Dienstleistung oder was auch immer, sondern: Was habe ich zu sagen, was können Leser, Zuhörer, Zuschauer von mir lernen?

Journalisten kontaktieren ohne zu nerven

[Alex] Ich kann mir vorstellen, dass trotzdem noch einige da Hemmschwellen haben, Journalisten so zu kontaktieren. Wie kann ich sie denn kontaktieren, ohne sie zu nerven? Gibt es denn so Dinge, die man beachten kann?

[Marike] Ich glaube, nerven wird man nur, wenn man irgendwie alle zwei Tage ein richtig dämliches Thema da hinschickt, das überhaupt nichts mit diesem Journalisten zu tun hat. Wenn sich Journalisten wirklich aufregen würden über E-Mails, die nur so lauwarm interessant für sie sind, dann würden sie sich den ganzen Tag ärgern. Das heißt, die sind nicht so schnell genervt.

Man macht wirklich nichts falsch, wenn man sich alle paar Wochen mal bei denen meldet und sagt: Hey, ich habe wieder was für dich.

Das ist eine Hürde, die viele im Kopf haben. So, ich will ja nicht aufdringlich sein, ich will ja nicht nerven, aber stell dir einfach vor, du bekommst jeden Tag diese 100 E-Mails. Du wirst übermorgen schon gar nicht mehr wissen, dass dir da vorgestern jemand geschrieben hat. Du wirst dich nicht an den Namen erinnern. Deswegen nervt man viel seltener, als man denkt.

Man nervt am ehesten noch, wenn man wirklich thematisch voll am Journalisten vorbeigeht. Weil, also wenn sich jemand mit Reisethemen beschäftigt und ich stelle mein neues Produkt vor, dann wird die Journalistin vielleicht irgendwann sagen „Meine Güte, hat der es immer noch nicht begriffen!“ und dann vielleicht genervt sein.

Also man sollte schon versuchen, den richtigen Journalisten zu erreichen, die Redakteurin zu erreichen, die sich mit dem Thema beschäftigt, sagen wir zum Beispiel Karriere oder psychische Gesundheit, dass man wirklich versucht, denjenigen rauszubekommen in einer Redaktion, der sich mit dem groben Themengebiet tagtäglich beschäftigt.

Denn die Journalisten, die Redaktionen sind so aufgeteilt, also gerade größere Redaktionen wie Spiegel Online zum Beispiel. Da macht der eine Wirtschaftsthemen, der andere macht Karrierethemen, der nächste macht Reisethemen, die nächste macht Nachhaltigkeitsthemen und da ist es wichtig, den richtigen rauszufinden, damit eben nicht sofort gelöscht wird.

Weil, wenn ich mich mit Nachhaltigkeitsthemen beschäftige und du schickst mir ein Karrierethema, dann drücke ich sofort auf Löschen und leite das auch nicht unbedingt weiter. Dafür habe ich gar nicht die Zeit.

[Alex] Das heißt, Recherche ist eigentlich essentiell. Also daran steht und fällt, dass man dann auch wirklich Interesse wecken kann mit seinem Thema.

[Marike] Ja, das ist ganz eindeutig so. Ich sage immer, die Zeit, die andere für das Schreiben von Pressemitteilungen verwenden, die muss man bei uns in die Recherche stecken. Denn ich kann auch nicht dir eine Adressliste mit 100 Kontakten geben, dürfte ich auch gar nicht, aber wenn ich es machen würde, dann würde dir das wenig bringen, weil du brauchst halt die Journalisten, die zu deinem Thema passen.

Und diese Recherchezeit einmal einzuplanen ist gut, wenn man sie dann einmal hat, wenn man sich einmal seine 20, 30 Kontakte recherchiert hat, dann hat man sie auch und kann sie immer wieder hervorholen und kann die Leute immer wieder kontaktieren.

[Alex] Macht das eigentlich einen Unterschied, was ich genau mache? Also ob ich jetzt Beraterin bin, einen Online-Shop habe oder jetzt in meinem Fall ein Buch geschrieben habe, geht es immer um die Story, um die Geschichte oder gibt es da so einen fundamentalen Unterschied?

[Marike] Wir sind bei allen Kunden immer gut damit gefahren, nach diesen zwei Elementen zu suchen, Geschichten und Expertenwissen. Die einen bringen mehr Geschichten mit, die anderen mehr Expertenwissen.

Wir hatten zum Beispiel eine Teilnehmerin im Kurs, die hat Schmuck selbst hergestellt und die ist dafür in die Natur gegangen, hat Blüten gesammelt und hat aus diesen Blüten dann Schmuckstücke gemacht, individuelle Schmuckstücke. Und dann macht sie das auch immer noch. Und die hat sehr viel über ihre persönliche Geschichte gehen können.

Also die bringt jetzt nicht anderen bei, wie man Schmuck selbst herstellt. Da ist das Expertenwissen so ein bisschen begrenzt, sondern sie ist sehr darüber gegangen, dass sie das als Hobby gemacht hat.

Ich glaube, sie ist so ein Island-Fan und hat dann davon erzählt, wie sie auf Island die Idee dafür hatte, und mittlerweile hat sie ihren Job gekündigt und macht nur noch das. Und das sind unheimlich schöne Bilder, wie sie in der Natur ist, die Blumen sammelt und ihren Schmuck herstellt und das haben wir dann immer noch mit betont, dass das ja schönes Bildmaterial geben könnte und das gefällt vielen Magazinen. Deswegen hat sie es in viele Magazine geschafft.

Und bei anderen fahren wir eher über die Schiene, dass wir das Know-how anbieten, weil die sagen, ich habe jetzt keine spannende Geschichte mitgebracht, aber ich weiß, wie man meinetwegen den neuen Job richtig antritt.

Also es ist wirklich egal, ob Produkt oder Dienstleister oder Coach, es sind immer diese zwei Fragen, die wir stellen: Welche Geschichte bringst du mit und welches Expertenwissen bringst du mit?

Wie finde ich relevante und interessante Geschichten für die Presse?

[Alex] Kann ich denn irgendwie abschätzen, ob die Geschichten, die ich habe oder das Expertenwissen auch wirklich relevant und interessant ist? Gibt es da so Kriterien?

[Marike] Es wird umso interessanter, je mehr Menschen davon betroffen sind. Beispiel Depression betrifft sehr, sehr viele Menschen in Deutschland.

Relevant wird es dadurch, dass gerade darüber gesprochen wird. Siehe Bayern Trainer.

Also wenn diese Kriterien zutreffen, wird es einfach nochmal in der Dringlichkeit interessanter für den Journalisten. Ein Journalist kann das ganze Jahr theoretisch über Depressionen schreiben, aber wenn jetzt gerade eine Schauspielerin gesagt hat, übrigens, ich bin auch von Depressionen betroffen, und das ist eine Neuheit und viele reden darüber, wird es interessanter.

Wenn es den Tag „Aktionstag gegen Depressionen“ gibt, der irgendwie in einem Monat ansteht, wird das Thema interessanter. Also, so ein paar Faktoren können sein, Aktualität, also es passiert gerade was oder ist gerade was passiert, Relevanz, viele Menschen sind davon betroffen, Emotionalität, also es ist irgendwie eine Geschichte, die zu Herzen geht, vielleicht auch Überraschung oder eine ungewöhnliche Geschichte. Also jemand hat etwas sehr Ungewöhnliches geschafft.

Wir hatten einen Teilnehmer, der ist mit einer Titanstange im Rücken den Iron Man gelaufen. Also die Titanstange hat er schon sehr lange im Rücken, aber wir haben es natürlich zusammengestaucht auf: Mann mit Titanstange läuft den Iron Man.

Das war eine Geschichte, damit war er in mehreren Zeitungen, damit war er im Fernsehen und er ist Coach und Personal Trainer und er konnte das dann gut mit seinem Business zusammenbringen und darüber sprechen, wie es ist, wenn man mit über 50 das Gefühl hat, man möchte mehr aus seinem Leben machen und er hat das auch gemacht. Er konnte das immer gut verknüpfen.

Also eine ungewöhnliche Geschichte kann auch so etwas sein, wo der Journalist denkt, okay, jetzt wird das Thema gerade noch interessanter für mich.

Was bringt Pressearbeit?

[Alex] Du hast jetzt schon von deinen Kund*innen gesprochen. Was kann denn so passieren, wenn man es quasi schafft und in der Presse auftaucht? Welche Auswirkungen kann das auf das Business haben?

[Marike] Ja, es hat sehr unterschiedliche Auswirkungen. Also ich habe von der Schmuckherstellerin erzählt, die hatte nach einem Fernsehbeitrag, ich glaube, sie war in der ARD, hatte sie wirklich das Phänomen, dass ihr Online-Shop kurzzeitig stillgelegt war, weil so viele auf ihre Website wollten.

Andere nutzen die Presseerfolge eher dafür, dass sie sagen, ich will unbedingt, dass auf meiner Website steht „Bekannt aus“ und dann sollen da große Namen stehen, weil das für meine Klientel, die ich ansprechen will, wichtig ist und relevant ist und weil ich dann als höherpreisiger Coach weniger Argumente habe von wegen, das ist mir zu teuer. Und die sind gar nicht so darauf aus, dass sie jetzt ihre Webseiten, Traffic auf ihre Website bringen wollen.

Anderen ist genau das wichtig und die arbeiten dann daran, dass sie auf möglichst viele Online-Seiten kommen, die dann auch auf ihre Website verlinken. Also, wir gucken immer genau, was ist eigentlich dein Ziel? Möchtest du mit großen Namen glänzen? Möchtest du Traffic auf deine Seite bekommen? Möchtest du genau deine Zielgruppe erreichen, zum Beispiel, indem du in Fachmagazinen erscheinst, weil du weißt, deine Branche liest diese Fachmagazine?

Das sind alles Dinge, die passieren können. Also, dass sie dann mehr Kundenanfragen haben von genau den richtigen, dass sie weniger Preise diskutieren müssen, dass sie mehr Traffic auf ihrer Seite haben. Aber es ist sehr, sehr unterschiedlich.

Das ist nicht so wie bei Ads, wo du sagst, ich schalte eine Anzeige, schmeiß vorne Summe X rein und hinterher kann ich mit so und so vielen Leads rechnen. Das ist eine klare Zielsetzung. Und Pressearbeit funktioniert oft indirekter.

Also die Menschen machen das auch oft über Jahre hinweg, weil sie einfach über Jahre hinweg diese Präsenz haben wollen in der Presse und immer wieder wahrgenommen werden wollen als Experte für oder Expertin für.

Wir hatten eine Teilnehmerin, die betreibt eine Plattform für nachhaltige Unterkünfte in Deutschland. Und die sagt, Anzeigen haben bei ihr gar nicht funktioniert, Social Media funktioniert bei ihr so lala, aber Pressearbeit funktioniert super und deswegen sorgt sie wirklich seit Jahren dafür, dass sie immer wieder in großen Magazinen erscheint, weil ihr Thema auch sehr hübsch aussieht, sehr schön. Also diese nachhaltigen Unterkünfte, die werden dann auch gezeigt und das ist eine schöne Optik für so Magazine, damit kommt sie gut an. Und das ist so der Motor in ihrem Business.

Wann ist ein guter Zeitpunkt für Pressearbeit?

[Alex] Gibt es eigentlich auch so den Punkt, wo du sagen würdest, da macht man zu früh Pressearbeit? Also braucht man denn irgendetwas? Muss man bereit sein für Pressearbeit? Also lohnt es sich schon für Einsteiger*innen oder meinst du, das kann man eigentlich zu jedem Zeitpunkt machen?

[Marike] Das kommt ein bisschen darauf an. Wir hatten zum Beispiel eine Einsteigerin, die hat das ganz am Anfang gemacht und für die war das auch super gut. Die hat sich damit gleich so einen gewissen Ruf erarbeitet. Die hat aber was mitgebracht. Die war nämlich ausgebildete Psychologin zu einem bestimmten Schwerpunkt und mit dem Schwerpunkt war sie dann auch in der Presse.

Wenn jetzt aber gerade jemand irgendwie ganz neu …, weiß ich nicht, die Coaching-Ausbildung gemacht hat und im vorherigen Leben was ganz anderes, dann ist es schon wieder ein bisschen schwieriger, denjenigen dann wirklich in die Presse zu bringen.

Wir gucken uns die Leute mal ganz genau an und gucken auch, hat das Thema überhaupt Pressepotenzial? Und wir schätzen das dann so ein bisschen, also bei jedem sehr individuell ein.

Bringt derjenige schon Expertise mit aus einem früheren Leben? Oder macht derjenige das schon mehrere Jahre? Oder ist da eine emotionale Geschichte dabei, die auf jeden Fall funktionieren wird.

Wir lehnen auch viele ab, erstmal für unser Programm, bei denen wir wirklich sagen, das ist noch zu früh. Fang erstmal an, dein Angebot wirklich auszuarbeiten. Mach deine Website erstmal fertig. Gewinn erstmal erste Erfahrung, weil sonst wirst du bei Journalisten eher wenig Chancen haben. Also es gibt schon Fälle, wo wir sagen, das ist zu früh.

Die Bedeutung einer professionellen Website für die Pressearbeit

[Alex] Warum spielt denn die Website jetzt zum Beispiel so eine große Rolle bei der Pressearbeit?

[Marike] Weil die Journalisten … das Erste, was sie machen werden, ist, sie googeln dich.

Also wenn sie dein Thema vage interessant finden, dann werden sie dich zuerst googeln, sie werden auf deine Website gehen und wenn du dann so ein, so einen semiprofessionellen Eindruck machst, dann sagt die Journalistin vielleicht eher, okay, sieht nicht so ganz seriös aus. Oder: Da gibt es andere, die wirken kompetenter.

Deswegen gehen wir auch als allererstes an die Website ran mit unseren Kunden. Wir gucken uns als allererstes die Website an, damit die wirklich einen guten Eindruck macht. Und was wir auch immer wichtig finden:

Hat derjenige einen Schwerpunkt und kommt der schon auf der Seite rüber?

Weil es gibt so viele Coaches da draußen. Und wenn auf deiner Website nur steht „Komm in deine Kraft und verbessere dein Potenzial“, dann bist du halt so wie alle anderen Coaches auch.

Wenn da aber steht „Ich helfe Frauen in Männerbranchen, wahrgenommen zu werden, in ihrer Kraft wahrgenommen zu werden“, dann hast du einen Schwerpunkt, dann hast du ein Thema und damit wirst du für Journalisten interessanter.

[Alex] Wenn wir jetzt die zwei Schlüsselseiten einer Website nehmen, also zum Beispiel die Startseite, die Über-mich-Seite, worauf kommt es da an deiner Meinung nach, so aus der Pressearbeit-Sicht?

[Marike] Also ich würde immer auf die Startseite gehen als Journalistin.

Und als nächstes würde ich wahrscheinlich, wenn da eine Presseseite ist, auf die Presseseite gehen und sonst auf die Über-mich-Seite gehen, weil ich wissen möchte, wer ist der Mensch, den ich da interviewen würde.

Also letztendlich sprechen wir da ja einfach nur Menschen an, wenn wir einen Redakteur oder eine Redakteurin kontaktieren. Die funktionieren ja genau wie andere Menschen auch.

Die entscheiden auch manchmal nach, ist mir derjenige eigentlich sympathisch? Oder wirkt es wie jemand, der drei Sätze gerade aussagen kann?

Wenn ich für einen Radiosender arbeite oder für einen Fernsehsender arbeite, würde ich außerdem suchen, ob es Videos von der Person gibt. Dessen sollte man sich auch bewusst sein, dass sie dann halt auch in Google gucken, YouTube, was auch immer, hat derjenige Videos, wenn das ein Medium ist, wo das wichtig ist.

Wichtigkeit einer Presseseite für Selbstständige

[Alex] Du hast jetzt die Presseseite angesprochen. Ist es auch schon wirklich so für Selbstständige wichtig, so eine Presseseite anzulegen, selbst wenn man noch nie in der Presse war?

[Marike] Es fällt für mich in die Kategorie very nice to have.

Also wenn man Pressearbeit ernst nehmen möchte, würde ich das auf jeden Fall empfehlen, weil man dann auf der Presseseite auch schon zeigen kann, worüber könnte man denn sprechen.

Das Zweite ist, dass es für Kunden natürlich auch, bei Kunden auch was machen kann, wenn sie sehen, aha, da ist jemand, der hat eine Presseseite und der war auch schon mehrfach in den Medien, das macht nochmal was her.

Aber es ist jetzt nicht so, dass ich sagen würde, würde, du brauchst unbedingt eine Presseseite. Vorher musst du gar nicht anfangen mit Pressearbeit, weil im Zweifelsfall ist deine Startseite gut, ist deine Über-Mich-Seite gut und dann ist das für den Journalisten auch okay.

Konkrete Formulierungen für mehr Relevanz

[Alex] Du hast schon die Formulierung angesprochen, irgendwie, „Ich helfe dir dabei, in deine Kraft zu kommen oder dein Potenzial zu entfalten“. Warum ist das denn so ein Problem? Also was stimmt nicht mit diesen Formulierungen? Weil ich glaube, die nutzen ja schon sehr viele Menschen auf ihrer Website.

[Marike] Es ist einfach wahnsinnig unkonkret. Was heißt denn „Komm in deine Kraft?“ Für wen ist das hier was? Also sind das jetzt Frauen in Männerbranchen zum Beispiel? Oder sind das Mütter in der Elternzeit? Oder was auch immer. Wen sprichst du denn an? Für wen bist du denn Experte oder Expertin?

Wenn ich das nicht weiß, werde ich dich auch nicht anrufen. Es ist wahnsinnig groß und unkonkret. Und es steht auf tausenden andere Seiten auch. Warum sollte ich jetzt gerade dich anrufen als Journalistin? Warum sollte ich dich befragen? Was macht dich besonders? Wenn man solche Formulierungen benutzt, kommt das halt überhaupt nicht rüber.

[Alex] Kann ich das dann irgendwie üben, über solche Formulierungen dann drüber hinaus zu gehen?

[Marike] Du kannst dir überlegen, wem hilfst du denn mit welchem Ergebnis? An wen richtest du dich? Und wie drückt sich das aus, in seine Kraft zu kommen? Wie drückt sich das aus, sein Potenzial zu entfalten? Also, weiß ich nicht, kannst du versuchen, konkrete Beschreibungen zu finden, die diese Menschen wirklich sagen würden?

Denn niemand liegt nachts um elf wach und sagt: „Ich wünschte, ich würde in meine Kraft kommen.“

Die sagen: Ich bin jeden Morgen müde, wenn ich aufstehe. Ich schleppe mich durch den Tag. Und obwohl ich früh schlafen gehe, bin ich trotzdem nicht ausgeruht. Ich bin einfach nur noch wie so ein Roboter, der durch den Alltag geht.

Also sowas sagen die Menschen ja. Ich schleppe mich durch den Tag und so weiter.

Solche Formulierungen machen nicht nur mit Journalisten viel mehr, sondern auch mit potenziellen Kunden viel mehr. Und deswegen ist es immer, wenn wir uns an die Website machen mit unseren Kunden, dann sagen wir zwar, wir machen das jetzt für die Presse, aber es hat halt auch immer den Effekt, dass potenzielle Kunden sich viel mehr angesprochen fühlen.

Also was kannst du tun, um das zu üben? Versuch dich in den Kopf eines Menschen hineinzuversetzen, der dein Kunde werden könnte und überleg dir, was denkt der abends beim Einschlafen?

Mensch, ich wünschte …, würde ich doch nur mal … Und dann sind das die Vokabeln, die dann in dem Moment hervortreten. Das sind die Vokabeln, die du auch für deine Website nutzen kannst.

[Alex] Das heißt, aus Journalistensicht muss man gar nicht so total professionell klingen, sondern kann auch alltagssprachliche Begriffe verwenden oder sollte sogar.

[Marike] Ja, weil immer wenn wir denken, es muss ja professionell klingen, dann kommen wir in so eine Sprache, die unheimlich gehoben ist und unheimlich verkopft ist.

Und wir müssen uns auch nochmal klar machen, in welchen Situationen Journalisten sind. Die haben einen wahnsinnig vollen Alltag. Ich habe vorhin gesagt, die Redaktionen werden kleiner. Das heißt, die müssen immer mehr Dinge bewältigen. Die Kommunikationskanäle für Journalisten nehmen total zu. Früher haben die einfach nur Pressemitteilung reinbekommen und noch den Ticker, den News-Ticker.

Mittlerweile ist es ja Telefon, dann Chat mit irgendwie Leuten, die im Homeoffice sitzen in der Redaktion. Die kriegen E-Mails, die kriegen Nachrichten über Social Media, die werden zugeballert.

Wie viel Aufmerksamkeit hat so ein Mensch? Was für eine Aufmerksamkeitsspanne hat so ein Mensch? Die ist sehr, sehr kurz.

Und wenn du mir dann mit Fachbegriffen kommst und mit verkopfter Sprache, dann brauche ich da echt lange, um das zu verstehen. Und es rauscht auch an mir vorbei. „Komm in deine Kraft“ rauscht an mir total vorbei. Deswegen hilft es, Alltagssprache zu benutzen, weil die immer viel schneller im Gehirn ankommt. Bei gestressten Journalisten genauso wie bei gestressten potenziellen Kunden.

Alternative Wege in die Presse zu kommen

[Alex] Eine letzte Frage. Gibt es denn Orte, die wir vielleicht nicht auf dem Schirm haben, dass wir dort in die Presse kommen können? Also du hast zum Beispiel schon so Fach- und Branchenverzeichnisse angesprochen, weil wenn man an Pressearbeit denkt, würde man vielleicht nur an, weiß ich nicht, Zeitung, Fernsehen denken. Was gibt es da noch?

[Marike] Wir haben mittlerweile das viel, viel größer gefasst.

Also wir fragen ja immer, was ist dein Ziel? Und manchmal sind Fachmagazine ein richtig gutes Ziel. Und bei anderen sagen wir, vielleicht willst du auch mal Podcasts in den Blick nehmen oder vielleicht möchtest du mal größere Blogs in den Blick nehmen.

Also es gibt zum Beispiel einen Blog, der ist sehr, sehr groß. Der heißt Stadt, Land, Mama. Der erreicht wirklich sehr, sehr viele Menschen, vor allem Frauen. Und da haben schon viele unserer Teilnehmer einen Gastbeitrag geschrieben und haben damit eine gute Reichweite aufbauen können.

Das darf man nicht vergessen. Es gibt ja nicht nur irgendwie Spiegel, Stern und Zeit, sondern es gibt ja viele, viele Webseiten, Online-Medien. Die Frauenzeitschriften haben zum großen Teil eigene Online-Redaktionen und die können manchmal sogar noch besser funktionieren, weil so ein Artikel, der auf, sage ich jetzt mal, Brigitte.de erschienen ist, natürlich dauerhaft online ist, während, wenn er in der Brigitte im Magazin erscheint, nur 14 Tage am Kiosk liegt.

Das kann also durchaus attraktiv sein, sich wirklich auf die Online-Medien zu stürzen. Und wie gesagt, wir nehmen auch Podcasts und große Blogs in den Blick, weil das ja genauso relevant sein kann.

[Alex] Ja, Marike, vielen, vielen Dank, dass du heute zu Gast warst und über schlaue Pressearbeit gesprochen hast. Vielen Dank.

[Marike] Danke für die Einladung.

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Interview, Social-Media-Kritik Alexandra Polunin Interview, Social-Media-Kritik Alexandra Polunin

Facebook-Konto gehackt und dann? Interview mit Judith Peters

In dieser Podcastfolge habe ich Judith Peters zu Gast. Judiths Facebook-Konto wurde vor einiger Zeit gehackt und das hatte viele ernste Folgen für Judiths Marketing und Unternehmen.  Welche genau? Die ganze aufregende Geschichte wird uns Judith heute erzählen. Und wir werden am Ende auch noch über den Blog als Marketingkanal sprechen, denn der ist Judiths große Liebe.

In dieser Podcastfolge habe ich Judith Peters zu Gast. Judiths Facebook-Konto wurde vor einiger Zeit gehackt und das hatte viele ernste Folgen für Judiths Marketing und Unternehmen.

Vielleicht kennst du Judiths Geschichte bereits aus meinem Buch „No Social Media!“. Da habe ich nämlich auch schon drüber gesprochen.

Wenn nicht, dann wird Judith uns die ganze aufregende Geschichte auch noch mal hier in ihren eigene Worten erzählen.

Und wir werden am Ende auch noch über den Blog als Marketingkanal sprechen, denn der ist Judiths große Liebe.

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Hackerangriff aufs Facebook-Konto

[Alex] Ja, hallo Judith. Es ist schon ein bisschen her, also nicht mehr ganz so frisch, aber du wurdest vor einiger Zeit von Facebook gesperrt. Hast du was verbrochen oder was ist da passiert?

[Judith] Also ich weiß immer noch nicht genau, wie das passieren konnte, aber am 13. November 2022, also mittlerweile über eineinhalb Jahre her.

[Alex] Und du kennst auch noch das Datum.

[Judith] Ja, ganz schlimm. Ich kenne das Datum. In- und auswendig. Wurde ich plötzlich gesperrt und ich war erst mal so ratlos. Warum denn? Weil mir wurde ja nichts gesagt, warum ich gesperrt war. Ich stand einfach nur da. Ja, auf Lebenszeit gesperrt. Kannst nichts mehr machen. Und ich dann so, hä?

Und dann kam noch irgendwie so, dass auch noch meine Teammitglieder dann gesperrt wurden. Also irgendwie so alle, so bam, bam, bam, bam, bam. Und ich dann nur so: Hä, was ist denn hier passiert?

Also es hat dann ein paar Tage gedauert, bis wir das volle Ausmaß erkannt haben, was da wirklich passiert ist.

Und passiert ist da, dass Hacker mein Konto übernommen haben – also ich hatte damals schon Zwei-Faktor-Authentifizierung und ich hatte ein starkes Passwort. Wir wissen also nicht, wie das passieren konnte – und die Hacker haben in meinem Namen, auf meinem normalen Profil und in der Facebook-Gruppe von meinem Blog-Kurs sehr anstößige Inhalte gepostet, die durch diesen KI-Filter und durch die User bei Facebook, die das dann melden, sofort zu einer lebenslangen Sperre führt.

Und das haben die gemacht, damit die mein Werbekonto ausnehmen konnten. Das ist passiert.

[Alex] Krass, also du hattest eine Zwei-Faktor- Authentifizierung drin und die haben es trotzdem hacken können und jetzt eineinhalb Jahre später, du meintest ja, du kennst noch das Datum, weißt du trotzdem noch nicht, wie das passieren konnte? Also wie sie...

[Judith] Also wir haben so ein paar Verdachtsmomente, zum Beispiel könnte es sein, dass es durch eine Session-IP-Hijacking-irgendwas, ich weiß es nicht genau, dass das irgendwie der Fall war, weil wenn man dann irgendwo sich an einem Flughafen ins WLAN einloggt, kann es dann vielleicht irgendwie passieren.

Oder in der Zeit damals wurden dann auch Facebook-Mitarbeiter entlassen, weil sie Kundendaten verkauft haben sollen, weil sie so, ja, wie soll ich sagen, also so unglücklich darüber waren, dass Facebook sie entlassen wollte und dann haben sie sich quasi aus Rache der Daten bedient und sie dann halt im Darknet oder sonst irgendwo verkauft.

Also wir wissen es nicht. Wurden unsere Daten verkauft, unsere Zugangsdaten oder wurde ich abgefangen? Keine Ahnung.

[Alex] Und was haben dann die Leute, die gehackt haben, dann mit deinem Konto angestellt? Was haben die dann genau gemacht? Also du hast gesagt, die haben Zugriff auf dein Werbekonto gekriegt?

[Judith] Ja, sie wollten mein Werbekonto ausnehmen und haben versucht, mein Limit auf 60.000 Euro hochzusetzen.

[Alex] Okay.

[Judith] Das ist absurd. Sie konnten zweimal 750 Euro für ihre komischen, also für so eine Bewerbung von so einem Online-Shop, konnten sie dann tatsächlich einsetzen.

Das Geld haben wir dann aber auch sofort von der Bank zurückbekommen. Also in der Hinsicht ist uns kein Schaden entstanden.

Ich habe dann erst vor kurzem herausgefunden, was sie da eigentlich beworben haben. Es waren irgendwelche Stifte und Marker und irgendwas zum Zeichnen, also irgendwas völlig Banales, Bescheuertes.

Dafür hacken die Leute irgendwelche Konten und verursachen einen Schaden, der zigmal höher ist, als diese Werbeausgaben, die sie versucht haben, von mir da so rauszupressen aus meinem Werbekonto. Es ist wirklich unfassbar.

Also ich habe auch schon Freunde, die wurden gehackt und dann wurden mir in ihrem Namen irgendwelche Dessous-Webseiten beworben oder irgendwas. Bei mir waren es Stifte.

[Alex] Okay. Und dann hast du gesagt, dass die Sperrung nicht nur dich betroffen hat, sondern auch noch weitere Menschen, die irgendwie mit dir zu tun hatten. Also in deiner Facebook-Gruppe war das, oder?

[Judith] Ja, das ist nämlich so, das wussten wir auch nicht. Wenn in einer Facebook-Gruppe etwas Anstößiges gepostet wird, wird nicht nur derjenige, der das gepostet hat, gesperrt, sondern auch alle Admins dieser Gruppe. Das wussten wir nicht.

Und ich hatte natürlich alle meine Teammitglieder als Admin in dieser Gruppe, weil die natürlich auch posten sollten und weil sie diese Gruppen verwalten mussten. Und dann waren insgesamt zehn Leute gesperrt. Es ist echt der Hammer.

Und dann eben auch so gesperrt, dass man dann, egal, was man macht, immer gegen eine Wand läuft. Also da kommen immer solche automatisch generierten Textblöcke als Antwort zurück: „Ja, wir haben das eingehend geprüft.“

Ja klar, nach einer Minute kommt eine eingehende Prüfung von Facebook und sagt dir: Nö, du bist trotzdem auf Lebenszeit gesperrt, weil wir sind der Meinung, dass du nicht unseren Gemeinschaftsrichtlinien entsprichst und bla bla bla. Es ist echt zum verrückt werden.

Kampf um die Kontowiederherstellung

[Alex] Und kannst du das nochmal so rekonstruieren, was du versucht hast, um wieder an dein Konto zu kommen? Was war erfolgreich, was war nicht so erfolgreich, was hast du dann gemacht?

[Judith] Also ich glaube, ich habe das meiste schon verdrängt, weil es so furchtbar war. Ich meine, die Leute denken sich dann, ja, ist doch nur eine Facebook-Sperre. Aber eine Facebook-Sperre mit so einer Anschuldigung von Facebook, dass du hier strafrechtlich relevante pornografische Inhalte gepostet haben solltest, also das ist schon echt, das macht was mit einem. Also das war unglaublich bedrückend.

Und natürlich haben wir erst mal versucht, unsere Kontakte bei Facebook irgendwie zu kontaktieren. Wir hatten einen Ansprechpartner bei Facebook, der dann aber sofort untergetaucht ist. Der hat uns geghostet, als es dann dieses Problem gab. Weitere Ansprechpartner haben wir nicht zu fassen bekommen.

Dann haben wir versucht, über unsere Facebook-Werbeexpertin, also die unsere Ads schaltet, dann durch ihre Kontakte irgendwas zu erreichen, hat auch zu absolut rein gar nichts geführt. Und das Einzige, was dann wirklich geholfen hat, war eine einstweilige Verfügung durch einen Anwalt. Alles andere kann man sich echt sparen. Das ist echt krass.

[Alex] Das heißt, man kann dann in der Situation nicht erwarten, dass Facebook einem da so ein bisschen hilft.

[Judith] Absolut gar nicht. Das Absurde ist ja, ich habe ja immer gedacht, naja, ich meine, wir haben doch einen Ansprechpartner und wir haben ja so übers Jahr gesehen immer wieder so Launches, wo wir dann auch Geld investieren.

Facebook sollte doch ein Interesse daran haben, dass wir da aktiv tätig sein können. Aber Pustekuchen, das ist so krass, wie dich Facebook im Regen stehen lässt und es ist denen auch vollkommen egal, ob du mitten im Launch bist, so wie wir damals, und ob wir eigentlich ein Werbebudget hatten von mehreren tausend Euro, was wir dort hätten investieren wollen, aber nee, das interessiert die absolut rein gar nicht.

[Alex] Und wenn jetzt jemand zuhört, die vielleicht auch davon betroffen ist, kannst du irgendwie so einen Tipp geben, so im Nachhinein hättest du vielleicht irgendwas machen können oder früher etwas machen können, was sich als effektiver herausgestellt hat oder ist da irgendwie alles verloren?

[Judith] Also, letztendlich hatten wir Zwei-Faktor-Authentifizierung, aber es war übers Handy und die ist angeblich nicht so sicher.

Sicherer ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung mit so einem USB-Schlüssel, mit so einem USB-Stecker, den man wirklich reinsteckt und dann den Finger draufhalten muss. Das haben wir uns dann geholt und seitdem ist wirklich Ruhe.

Also wir wurden ja versucht oder innerhalb von fünf Wochen wurde dreimal versucht, unser Konto zu hacken. Eineinhalb Mal davon war erfolgreich. Also einmal dieser große Hack, dann nochmal später ein kleiner Hack und im dritten, da hatten wir dann die Hardware-Schlüssel, da konnten sie nichts mehr ausrichten.

Also, jeder, der irgendwie beruflich Facebook nutzt oder auch Instagram, sollte sich einen Hardware-Schlüssel holen für die Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Aber an sowas denkt man halt nicht. Man denkt, ja, man hat doch eine 2FA und wie soll denn das umgangen werden? Aber ich kenne viele, bei denen die normale Zwei-Faktor-Authentifizierung am Handy komplett wirkungslos war.

[Alex] Auch andere Online-Unternehmerinnen?

[Judith] Ja.

[Alex] Okay. Kann es sein, dass dann Leute irgendwie gezielt jetzt auch so auf Kleinunternehmen gehen? Ich weiß nicht.

[Judith] Ich glaube nicht. Ich glaube, die machen das einfach, das ist, ich vermute, es ist automatisiert und das ist denen auch vollkommen egal, ob das ein großer Name ist, ein kleiner Name, ob da überhaupt ein Werbekonto dahinter hängt. Das sehen sie ja erst, wenn sie sich eingehackt haben.

Also ich glaube, die machen einfach so Masse, Masse, Masse und gucken dann, wo sie reinkommen und wie viel sie dann da rauspressen können. Und alles andere ist denen, glaube ich, vollkommen egal.

[Alex] Ich weiß, eine Sperrung kommt jetzt nie zur richtigen Zeit wie, keine Ahnung, eine Erkältung oder so, aber was hat denn damals für dich das genau bedeutet für dein Marketing? Ihr wart im Launch oder was hatte das für Auswirkungen?

[Judith] Der größte Launch des Jahres für uns, das ist immer im Dezember und das war eben dann Mitte November, wo wir dann diese Werbeanzeigen wirklich dann schon getestet haben. Dann wollten wir sie hochskalieren und dann genau an dem Tag, wo wir sie hochskalieren wollten, kam diese Sperre und wir dachten dann so, oh ja, super und was jetzt?

Weil, wie gesagt, die größte Kampagne des Jahres und wenn das dann eine Bauchlandung ist, dann ist das finanziell für uns wirklich ein Drama.

Also das ist dann wirklich schwierig, weil wir haben ja auch ein Team und wir haben ja eine Familie mit drei Kindern und das ist ja unser Business, das ist ja das, wovon wir leben.

Und dann hatten wir aber das große Glück, dass dann viele in meinem Umfeld unseren Launch, also unsere Kampagne, unsere Blog-Challenge geteilt haben und das hat dann viel, sehr viel aufgefangen und das war dann wirklich großartig.

Aber natürlich ist dann da trotzdem dieses Problem, dass wir dann kein Werbekonto hatten und wir wussten auch nicht, wann das wieder kommt.

Und wir konnten insgesamt ein halbes Jahr dann nicht richtig launchen, weil wir ein halbes Jahr gebraucht haben, bis mein Werbekonto wieder hergestellt war.

Also hergestellt auch nur so in Anführungszeichen, weil alle früheren Kampagnen, alles war weg. Also das, worauf man sich immer bezieht, mit dem man so Lookalike Audiences kreiert oder alles, das war komplett weg. Und ich habe so eine Art frisches Konto bekommen, kommen, mit dem ich dann aber auch gar nicht mehr so viel anfangen konnte, weil alle Daten weg waren.

Marketing ohne Facebook

[Alex] Das heißt, welche Rolle spielt jetzt Facebook und Werbeanzeigen bei dir jetzt im Marketing? Nutzt du das wieder oder hast du jetzt inzwischen andere Alternativen gefunden?

[Judith] Ja, man wird natürlich dann schon kreativ, wenn diese Möglichkeit wegbricht, also gezwungenermaßen. Aber es ist jetzt auch so, dass wir nicht mehr mein Werbekonto nutzen, also das, das an meinem Namen hängt, sondern wir nutzen jetzt andere Konten, also zum Beispiel von der Facebook-Expertin oder irgendwie so, dass, wenn ich gehackt werde, sowas nicht wieder passieren kann.

Und dann haben wir uns natürlich auch überlegt, okay, was machen wir jetzt? Und dann kamen dann immer so schlaue Leute daher, die gemeint haben, wenn du auf Facebook gesperrt bist, dann geh doch auf Instagram. Die also überhaupt nicht checken, dass das zusammengehört. Also völlig Banane.

Oder dann auch so schlaue Leute wie... Wenn Facebook nicht geht, dann macht doch Werbeanzeigen auf YouTube. Also auch in der völligen Ignoranz, dass das eine ganz andere Plattform ist, wo man nicht einfach Bilder posten kann, sondern Videos machen muss und das ganz anders funktioniert.

Also da kamen viele Leute mit vielen schlauen Ratschlägen und wir haben dann einfach eben dann geschaut, okay, wie können wir das nutzen, was wir schon haben, wie können wir mehr über die E-Mail-Liste machen, wie können wir mehr organisch machen, wie können wir mehr den Blog nutzen.

Also wirklich den Blog, den ich ja dann schon seit 18 Jahren hatte, um noch mehr Leute für unsere E-Mail-Liste zu gewinnen und dann da eben das Wachstum zu kompensieren.

Aber ich muss ganz ehrlich gestehen, also egal, was wir gemacht haben, wir konnten dieses Wachstum, was wir sonst mit Werbeanzeigen haben, nicht wirklich kompensieren.

Also es ist schon krass, wie gut dann doch diese Plattformen funktionieren und wie sehr das dann so ein Einschnitt ins Marketing bedeutet, wenn diese Plattformen wegfallen wegen einer ungerechtfertigten Sperre.

[Alex] Das ist tatsächlich auch meine Erfahrung. Also personalisierte Werbung ist einfach so mächtig, da kommt nichts ran im Grunde. Also es gibt Alternativen, aber so kurzfristig ist, glaube ich, personalisierte Werbung wirklich am effektivsten.

Und du hast gesagt, ihr habt so ein bisschen auch euer Netzwerk genutzt. Also dann haben andere Leute das geteilt, eure Blog-Challenge zum Beispiel. Ist das so etwas, was du in den letzten Monaten auch so wertgeschätzt hast, so ein Netzwerk oder spielt das jetzt nicht mehr so wieder die Rolle, wenn du jetzt Facebook wieder hast?

[Judith] Also ich bin ja schon gut in diesem Netzwerk-Thema drin, aber ich möchte die Leute nicht immer darum bitten, dass sie meine Challenge teilen sollen, weil das war für mich damals aus der Not geboren.

Aber ich fühle mich dann immer so ein bisschen so, ja, teile meine Challenge. Du kriegst zwar nichts dafür, aber tue es doch einfach mal. Also das ist so ein bisschen so, oh. Also da müssen wir uns vielleicht andere Strategien oder Möglichkeiten überlegen, wie es sich auch für die anderen lohnt, das zu teilen, auch wenn jetzt nicht mein Unternehmen irgendwie in so einer schwierigen Situation ist. Also das ist natürlich etwas, was wir uns überlegen können.

Und ja, ich habe dann ja auch, also wir haben ja da noch Pinterest versucht. Das hat bei uns auch nicht funktioniert. Wir haben es sogar mit einer Agentur versucht, die da richtig gut sein soll, und sind dann bei 20 Euro Lead-Kosten gelandet pro Person.

Das war echt alles sehr, sehr verrückt. Und es ist halt einfach krass, wie abhängig man dann wirklich von Facebook ist, wenn man da Werbeanzeigen schaltet, weil es einfach so eine gut funktionierende Plattform ist. Und egal, was wir versucht haben, nichts funktioniert annähernd so gut wie Facebook. Es ist echt schlimm.

Veränderungen in der Social-Media-Nutzung

[Alex] Hat denn der Vorfall irgendwas an deiner Haltung zu sozialen Medien geändert?

[Judith] Ja, also. Ich hatte schon immer so eine gewisse Hassliebe zu Social Media, weil ich schon auch sehr früh erkannt habe, dass wir da eigentlich unsere Zeit verschwenden.

Also es ist ein ständiges Rumgescrolle. Man scrollt da durch das Handy und dann sind plötzlich 30 Minuten vorbei. Man weiß gar nicht, was habe ich denn jetzt gemacht?

Weil man merkt dann irgendwie so, man wollte nur mal gucken, was kommentiert wurde im Kurs und dann ist da aber eine Benachrichtigung und dann schaut man ein Reel und wenn man ein Reel schaut, schaut man 100 und dann ist irgendwie der halbe Tag weg. Das ist echt schlimm.

Und das war schon mal so ein Ding, wo ich dann immer sofort gemerkt habe, ah, das ist irgendwie, das ist nicht gut, es tut mir auch nicht gut.

Aber ich habe halt immer gesagt, naja, aber Social Media ist meine kreative Spielwiese, es macht so Spaß, es ist ja auch in Ordnung, wenn es dann Spaß macht. Bis es dann keinen Spaß mehr gemacht hat, weil ich gesperrt wurde und zehn meiner Teammitglieder und wir da nicht rauskamen aus diesem Kafka-esken Wahnsinn.

Und seitdem habe ich so eine Haltung entwickelt, dass ich sage, ich nutze Social Media eigentlich nur noch als öffentlichen Newsletter für mein Business und melde dich hier an und lade jetzt das Freebie herunter. Also immer mit so einem Call to Action. Tu das, mach das. Es hat also komplett seine Leichtigkeit verloren oder dieses Unbeschwerte.

Und alles, was ich jetzt mache, muss jetzt irgendwie auf mein Business einzahlen, damit sich das lohnt für mich, dort meine Zeit zu investieren.

[Alex] Okay. Also das heißt, du bist dann nicht mehr so zum Spaß da, zum Rumdaddeln oder zum Zeitvertreiben, gar nicht mehr?

[Judith] Nein, nein. Also dieser Zug ist abgefahren bei Facebook und Instagram. Und ja, also ich kann jetzt auch nicht behaupten, dass es jetzt irgendwie besonders schlimm wäre, weil diese Leichtigkeit und diesen Spaß habe ich nach wie vor im Digitalen und es ist immer noch auf meinem Blog.

Also mein Blog, das Feature oder das Format, was mich nie enttäuscht hat. Das ist so meine große digitale Liebe, die eben immer funktioniert, die immer für mich da ist, wo ich nicht gesperrt werden kann und wenn dann doch mal was passieren sollte, habe ich immer meine Backups.

Also das ist einfach ein ganz anderes digitales Leben. Ich kann es gar nicht ausdrücken. Es ist anders als in Social Media, wo ich komplett ausgeliefert bin. Und bei meinem Blog habe ich die komplette Hoheit über alles. Und da kann mir das einfach nicht passieren.

[Alex] Du hast schon gesagt, du bloggst seit 18 Jahren. Mein Gott, das ist in der Online-Welt echt mal eine Ansage. Wie hat denn das Ganze angefangen mit dem Blog? Wie ist diese Blog-Liebe entstanden?

[Judith] Ich habe ja damals gedacht, alle um mich herum bloggen schon. Das war eine sehr, also ich war in so einer Blase und da habe ich gedacht, ich möchte jetzt auch bloggen und das ist so cool und das war so eine neue optimistische Zeit, wo dieses Internet gerade so das Leben durchdrungen hat.

Das war Mitte der Nuller Jahre und da habe ich einfach gesagt, okay, das möchte ich jetzt auch und dann hat mir ein Freund geholfen, den Blog aufzusetzen und dann habe ich einfach losgelegt und das war ein Lifestyle-Blog damals.

Ich habe einfach über alles Mögliche gebloggt. So ein bisschen, wie man heute vielleicht so Instagram bedient, wenn man nicht so einen starken Business-Fokus hat. Man postet einfach alles Mögliche. Und so habe ich dann auch angefangen. Und dann habe ich mich, also ich habe 2005 angefangen zu bloggen.

Und dann habe ich mich 2009 selbstständig gemacht. Und das war dann zwar immer noch ein Lifestyle-Blog, aber ich habe sofort gemerkt, ich kann das nutzen für mein Business.

Und das war dann für mich das beste Sprungbrett, um dann eben in meiner Selbstständigkeit gut gefunden zu werden. Und so hat sich das zu einem Business-Blog entwickelt. Und heute ist es dann eben so eine Mischung aus einem persönlichen Unternehmens-Blog. Also so würde ich das heute nennen. Es hat sich immer so gewandelt.

Und heute ist dann so der Punkt, wo ich sage, jetzt fühle ich mich richtig wohl mit der Art, wie ich blogge. Ich möchte keinen Lifestyle-Blog haben, aber ich möchte, dass es für mein Business sinnvoll ist und mir Kunden bringt, aber dass es mir immer noch Spaß macht. Und daran hat sich das zum Glück entwickelt.

[Alex] Und deshalb hast du so einen Mix an Themen. Also ich finde, du hast ja nicht nur diese typischen Business-Themen, sondern machst auch, keine Ahnung, so Rückblicke im Monat. Und ich glaube, 12 von 12 nennt sich das. Erzähl mal, was machst du da so alles auf dem Blog?

[Judith] Genau. Also ich finde ja nichts langweiliger, als wenn ein Texter nur über das Texten bloggt oder ein Fotograf nur über das Fotografieren. Das finde ich echt ultra langweilig.

Und das ist dann für mich auch kein Grund, jemanden zu buchen, sondern für mich ist ein Grund, jemanden zu buchen, dass ich diese Persönlichkeit rauslesen kann. So passt diese Person zu mir. Und das kann ich besonders gut durch persönliche Blogartikel so herausspüren.

Und ich finde es immer schade, wenn Leute nur so Expertenartikel bloggen. Das finde ich echt so, das kann doch jeder. Ja, und deswegen ist eben auch die Empfehlung, die ich gebe, so dieses, ja, blogge verschiedene Themenformate, schreibe auch persönliche Themen, warum du tust, was du tust oder eben diese Rückblicke und alles, weil ich glaube, dass das wirklich das ist, was die Leute auf dem Blog hält.

Also sie finden dich wegen irgendeinem Experten-Thema, aber so wie ich mich auch bei dir festlesen kann, stundenlang über alles Mögliche bis zu deinem Abschiedsbrief an Mark Zuckerberg, also wirklich, ich glaube, ich habe jeden Blogartikel von dir gelesen, weil das einfach so eine coole Mischung ist und ich finde, das macht einfach einen guten Blog aus, dieses Persönliche mit dazu.

[Alex] Hast du so ein Lieblingsformat bei dir oder einen Lieblingstext von dir? Was schreibst du gerne?

[Judith] Ich liebe meine Jahresrückblicke. Das sind so die Blogartikel, die ich auch nach Jahren gerne lese, weil dann ist es einfach so schön, diese Fotos zu sehen und dieses, ah, das hätte ich schon fast vergessen. Also ich glaube, das sind wirklich meine Lieblingsblogartikel.

[Alex] Und es ist ja auch ganz schön so zum Reflektieren für sich. Also nicht nur für die anderen zum Lesen, sondern auch für sich selbst, was ist passiert und wie bin ich gewachsen, was hat sich verändert. Also ich kann mir vorstellen, dass es schön ist, so über die Jahre dann auch zu sehen.

[Judith] Ja, das ist einfach toll. Ich sage immer, wir bauen damit so ein Erfolgsarchiv auf von uns selbst, weil ich neige ja immer dazu, so das Imposter-Syndrom spielt da mit rein, dass ich immer sage, ja, das war doch gar nicht so toll, was ich gemacht habe.

Oder ich habe diesen Monat gar nichts erreicht oder gar nichts Tolles erlebt.

Aber wenn man anfängt, das mal wirklich aufzuschreiben, dann merkt man erst, was da alles war. Und das ist einfach super. Und meine Haltung ist ja auch, also mein Claim lautet, blog like nobody's reading, dass ich auch sage, blogge doch erstmal für dich selber. Was macht dir Spaß? Welches Thema findest du gut?

Und dann erst zu überlegen, wie kann ich jetzt mehr Besucher auf meine Website kriegen? Welches Thema ist jetzt wirklich suchmaschinenrelevant? Dass wir das eher so nach hinten schieben, diese technischen und SEO-Themen.

[Alex] Das finde ich auch absolut. Und ich liebe auch dein Motto. Ich finde es total geil. Ich wünschte, ich hätte das erfunden. Nee, weil ich glaube, dass man einfach sehr früh so verzweckt schreibt. Also ein Text soll XY erreichen und dass man da gar nicht so die Freude und den Spaß am Schreiben aufbauen kann.

Und ich glaube, genau das war ja bei dir dann der Fall, weil du noch gar nicht so für dein Marketing gebloggt hast, sondern nur so for fun quasi. Und hast dann quasi erst so diese Freude aufgebaut zum Schreiben. Ich glaube, das ist eine ganz tolle Empfehlung für Menschen, die gerne einen Blog starten wollen.

[Judith] Dadurch dass es ein Lifestyle-Blog war, dadurch, dass es so ein Spaßprojekt war, war das halt die beste Voraussetzung dafür, dass mein Blog überhaupt erst richtig loslegen konnte.

Weil viele starten dann so, ja, ich glaube, ich muss so ein Business-Thema bedienen. Also gucke ich jetzt mal, welche Keywords oder welche Themen sind da relevant. Und meistens schaffen diese Blogs keine vier Blogartikel, bevor sie sterben.

Und das finde ich halt wahnsinnig schade.

[Alex] Ja, das stimmt. Also langfristig denken ist, finde ich, auch immer ein sehr guter Tipp. Also was kann ich durchhalten? Auch nicht nur eine Woche oder einen Monat, sondern vielleicht ein Jahr oder zehn Jahre.

Sind Blogs out?

Und ich glaube, das Tempo und diese Formate sind dann die richtigen und nicht irgendwie andere Tipps. Warum sind denn Blogs für dich nicht out? Also wir haben ja jetzt Social Media, wir haben jetzt KI und trotzdem setzt du noch auf einen Blog. Warum?

[Judith] Ja, Blogs sind sozusagen das elementare Grundrauschen des Internets. Denn immer, egal, was wir googeln, wir landen mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit auf einem Blogartikel. Und das checken halt viele Leute nicht. Die sagen dann, ja, Blogs sind out, keiner liest mehr Blogs. Und sie behaupten selber, sie lesen keine Blogs. Aber wenn sie was googeln und dann eine Anleitung finden, dann lesen sie einen Blogartikel.

Deswegen ist für mich einfach …, Bloggen ist so die Grundlage von allem, von jeder Sichtbarkeit, die wirklich nachhaltig ist.

Bei Social Media, also ich rede mir ja den Mund fusselig, Die Leute saugen sich irgendwas aus den Fingern, um dann irgendwas bei Instagram zu posten und sind dann ganz stolz auf sich.

Ja, ich habe ein Reel gepostet oder ja, ich habe ein Posting gemacht. Kriegen dann irgendwie so 13 Likes, keine Kommentare und nach zwei Tagen interessiert das niemanden mehr.

Aber wenn du bloggst, wird das auch in zehn Jahren noch gefunden. Und das ist einfach, das ist eine ganz andere Herangehensweise an Content.

Und deswegen ist für mich Blogging nie out. Solange die Menschen in Suchmaschinen suchen oder solange sie im Internet nach Informationen suchen, ist ein Blog meiner Meinung nach eine der allerbesten Möglichkeiten, um gefunden zu werden. Und natürlich ist Social Media dann vielleicht auch gut als Ergänzung, aber ich würde mich nie allein auf Social Media verlassen.

[Alex] Du bist ja schon so lange dabei. Würdest du sagen, dass sich in den letzten Jahren jetzt irgendwas verändert hat? Also wenn jetzt jemand noch frisch 2024 mit dem Bloggen starten würde, was müsste dieser jemand beachten? Irgendwas anderes als vorher oder ist noch alles gleich?

[Judith] Ja, das ist ja das Großartige am Bloggen, dass da diese Hype-Zyklen nicht so funktionieren wie auf Social Media. Auf Social Media heißt es ja, ja, jetzt machst du Videos, das funktioniert gut. Dann heißt es ja, mach Lives, nee, mach Reels, nee, mach Karussell-Postings.

Und beim Bloggen ist einfach so, schreib einfach verdammt gute Texte, und das funktioniert heute genauso wie vor 20 Jahren. Es hat sich nicht so wahnsinnig viel verändert.

Also natürlich kamen dann noch weitere technische Neuerungen dazu, aber das Herzstück vom Bloggen ist ja, einen Text zu schreiben. Und wenn dein Text gut ist, dann wird er gefunden.

Also ich muss dann gar nicht noch irgendwie groß was machen und das finde ich halt so großartig am Bloggen, dass diese Hürde eigentlich relativ niedrig liegt, dass man da schnell gefunden wird, dass man da so sein Content-Imperium aufbaut.

Also das ist für mich das einzig Wahre.

[Alex] Und wenn er nicht gefunden wird, dann wird er vielleicht geteilt.

Also du hast ja schon diesen Brief an Mark Zuckerberg angesprochen. Ich habe an diesem Tag mehr Traffic von Social Media bekommen, als zu der Zeit, als ich noch meine Konten hatte, einfach weil der auf Social Media geteilt wurde, was ich ziemlich witzig fand.

Das bedeutet, sogar wenn man quasi nicht für Suchmaschinen schreibt, schreibt man ja auch oft einfach noch für Menschen.

Und wenn Menschen einen Artikel gerne lesen, dann teilen sie ihn und eins von beidem kann eigentlich immer so der Fall sein.

Erfolgsfaktoren für einen guten Blog

Du hast ja inzwischen super viele Menschen beim Bloggen unterstützt. Du hast ja die Content Society, richtig?

[Judith] Genau.

[Alex] Genau und viele Blogs gesehen und so mit deiner Erfahrung von 18 krassen Jahren, worauf kommt es denn deiner Erfahrung nach an, wenn so ein Blog auch erfolgreich sein soll?

Also in dem Sinne, dass Menschen die Texte gerne lesen und dass man auch ein bisschen länger durchhält als nur drei Wochen.

[Judith] Also ich glaube, einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist es, regelmäßig zu bloggen.

Und mit regelmäßig meine ich gerade am Anfang einmal die Woche.

Und durch diese Übung, indem man jede Woche schreibt, wird man besser. Und so lernt man dann auch immer mehr rund um das Bloggen. Deswegen halte ich gar nichts davon, dass man erst mal so einen SEO-Kurs oder so einen hypertechnischen Blog-Kurs belegt, um zu wissen, wie es geht, weil diese Blogs sterben meistens.

Und natürlich ist es auch wichtig, dass man über ein Thema bloggt, bei dem man Spaß hat und dass man das nicht nur so als Content-Projekt sieht, um jetzt Kunden zu angeln, sondern wirklich so als, ich möchte mich der Welt mitteilen mit einem Thema, das mir wichtig ist, und diese intrinsische Motivation hilft uns dabei durchzuhalten.

Und alles andere, dieses ganze SEO-Know-how, dieses ganze Newsletter, wie ich meine Blogartikel teile auf Social Media, das kommt dann, indem man regelmäßig bloggt.

Deswegen ist das für mich der erste Dominostein, der sein muss, dieses Commitment, ich blogge regelmäßig, das bedeutet einmal die Woche. Zumindest am Anfang. Später kann man seltener bloggen, aber gerade am Anfang sollte man regelmäßig bloggen.

[Alex] Aber gerade das fällt ja super vielen Menschen schwer, oder, diese Regelmäßigkeit.

[Judith] Ja, und woran liegt das? Daran, dass sie denken, mein Blogartikel muss mindestens 2000 Wörter haben. Er muss das perfekte Keyword, das perfekte Beitragsbild haben. Und das versuche ich den Leuten erstmal so aus dem Kopf zu pusten.

So diese Glaubenssätze, weil weder das Beitragsbild entscheidet darüber, ob dein Blogartikel gelesen wird, noch irgendwelcher technische Schnickschnack. Es ist ja im Grunde die Headline und dein Thema. Und das muss einfach gut sein.

Und wenn du mit deiner Freundin über ein Thema reden kannst, dann kannst du das Ganze auch runterschreiben. Darum geht es doch eigentlich, so zu schreiben erst mal, wie du das einer Freundin oder jemandem erzählen würdest und das dann mit der Welt zu teilen.

Aber viele haben dann Angst, ja was denken die Nachbarn oder was sagen meine Freunde, wenn ich jetzt blogge oder bla bla bla.

Also diverse Glaubenssätze spielen da mit rein und verhindern dann dieses regelmäßige Bloggen. Und dann brauchen die Leute 20 Stunden für einen Blogartikel. Ja, dann könnte ich auch nicht so viel bloggen, wenn ich so lange an einem Blogartikel sitzen würde. Aber ich sitze vielleicht zwei bis drei Stunden an einem Blogartikel und nicht länger.

[Alex] Und was wären denn so, vielleicht jetzt so die letzte Frage, was wären denn so positive Glaubenssätze rund ums Bloggen? Also wenn du sagst, was würden die Nachbarn denken, das lähmt dann und frustriert einen sehr, aber was können wir denn stattdessen denken über das Schreiben und Bloggen?

[Judith] Ja, wenn ich das veröffentliche, werde ich garantiert zehnmal darauf angesprochen, ob beim Bäcker oder im Studio. Das ist wirklich unglaublich. Oder sowas wie, wenn ich das veröffentliche, werde ich mindestens tausend Menschen dabei helfen, ihr Problem zu lösen. Weil ein Blogartikel über die lange Lebenszeit, die er hat, und das sind ja Jahre. Er wird dann oft gegoogelt, oft gefunden.

Und etwas, das wir heute schreiben, kann in fünf Jahren das Leben eines Menschen verändern. Und das zu wissen, dieses, ey, ich teile mich der Welt mit, aber das könnte theoretisch jeder auf der Welt lesen oder zumindest jeder, der Deutsch kann, das finde ich so toll, dieses, hey, ich bin nicht limitiert auf mein Dorf, sondern ich kann darüber hinaus wirksam sein, das finde ich einfach großartig.

[Alex] Ja, das ist doch ein sehr, sehr schönes Schlusswort. Judith, vielen, vielen Dank, dass du heute hier warst und uns deine Facebook-Geschichte erzählt hast, zum x-ten Mal bestimmt, und uns auch so viele tolle Dinge über den Blog erzählt hast. Vielen Dank.

[Judith] Sehr gerne.

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Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin

Instagram verlassen trotz 18k Follower: Interview mit Melina Royer von „Still und Stark“

In dieser Podcastfolge habe ich Melina Royer zu Gast. Ich habe Melina für mein Buch „No Social Media!“ zum Thema „Netzwerken für Introvertierte“ interviewt. Und darüber werden wir auch in dieser Podcastfolge noch einmal sprechen. Und Melina erzählt uns in dieser Folge auch, warum sie sich trotz 18k Follower von Instagram und auch von LinkedIn verabschiedet hat.

In dieser Podcastfolge habe ich Melina Royer zu Gast. Du kennst Melina vielleicht schon durch ihren Blog Vanilla Mind, den sie seit mehreren Jahren für insbesondere schüchterne und introvertierte Menschen betreibt. Melina hat auch den Podcast „Still und Stark“ und arbeitet als systematische Coachin.

Für mein Buch „No Social Media!“ habe ich Melina zum Thema „Netzwerken für Introvertierte“ interviewt. Und darüber werden wir auch in dieser Podcastfolge noch einmal sprechen. Und Melina erzählt uns in dieser Folge auch, warum sie sich trotz 18k Followern von Instagram und auch von LinkedIn verabschiedet hat.

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Warum Erfolg nicht laut sein muss

[Alex] Ja, hallo Melina. Dein Motto ist „Erfolg muss nicht laut sein“. Was bedeutet diese Aussage für dich genau?

[Melina] Also ich hatte ganz häufig das Gefühl und dieses Gefühl habe nicht nur ich, das merke ich jetzt auch mittlerweile immer bei meinen Coachees, dass es oft so ist, man hat das Gefühl, gerade als eher ruhiger, sensibler Mensch, die ganze Welt scheint irgendwie einen Plan für einen zu haben. Also:

„Du musst mehr aus dir rauskommen.“, „Wenn du so weitermachst, dann wirst du nichts aus dir machen.“

Also, man hat immer das Gefühl, dieser Druck von außen ist da, ich muss eigentlich jemand anders sein und alle wissen ganz genau, wie es geht.

Und zum Beispiel, Stichwort Netzwerken: „Das geht so und so und das musst du so und so machen und dann musst du auf dieses Event gehen und bei Meetings musst du das und das sagen und so und so auftreten, damit das erfolgreich ist.“

Und man hat wirklich dieses Gefühl, jeder hat einen Plan für einen, aber man selber weiß gar nicht so richtig: Wer bin ich überhaupt, was brauche ich, was ist eigentlich im Einklang mit meiner Persönlichkeit?

Und deswegen habe ich mir wirklich dieses Motto auf die Fahne geschrieben, Erfolg muss eben nicht laut sein. Also jeder kann mit der Persönlichkeit, die er hat, erfolgreich sein, wenn man sich selber gut kennt und weiß, wie kann ich mit den Karten, die mir ausgeteilt wurden, gut arbeiten? Also wie kann ich die richtig einsetzen und meine Stärken hier ausspielen?

[Alex] Das ist erstmal super befreiend, finde ich, weil, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe erst neulich mich mit jemandem darüber unterhalten, dass ich das Gefühl habe, also eigentlich schon immer, dass ich so, wie ich bin, nicht richtig bin. Und ich könnte mir vorstellen, dass es halt auch viele Introvertierte auch so haben, wenn sie in so einer extrovertierten Welt leben, dieses Gefühl, nicht richtig zu sein, so wie man ist.

Und dann dein Ansatz ist quasi zu sagen: So, wie du bist, bist du richtig und so, wie du bist, auch als leise Person, kannst du Erfolg mit dem haben, was du machst.

Das finde ich erst mal eine sehr schöne Botschaft. Und was bedeutet denn jetzt Erfolg zum Beispiel für dich persönlich?

Weil, wenn ich das richtig verstehe bei dir, gehörst du ja auch eher zu den introvertierteren Personen.

[Melina] Genau. Also für mich ist ganz, ganz wichtig, wenn ich meine persönliche Definition von Erfolg jetzt nehme, im Einklang mit meinen Werten, mit meinen Bedürfnissen, mit meiner Persönlichkeit leben und arbeiten zu können. Und das zeigt mir auch meine Erfahrung immer wieder. Ich kann ja wirklich meine beste Leistung nur abrufen, wenn ich auf mich selber achte. Also wenn ich gut mit mir selber umgehe.

Natürlich kann ich mich auch zum Erfolg prügeln. Das ist ja leider möglich. Kann man auch immer wieder sehen an Beispielen, wenn man sich Interviews von bestimmten Menschen anhört oder so.

Also natürlich kann man mit Druck sehr, sehr viel erreichen, aber irgendwann kommt halt der Crash oder du bist todunglücklich mit dir selber und du merkst halt, dass du unzufrieden mit deinem Leben bist. Auf dem Papier stimmt alles, aber irgendwie fühlst du dich innerlich leer.

Und seit ich einfach für mich darauf achte, dass ich mich frage: Auf welches Ziel zahlt das hier ein? Passt das zu mir? Fühlt sich das stimmig an? Kann ich das wirklich so machen? Oder wie kann das für mich funktionieren?

Und seitdem ich das mache, merke ich einfach, wie gut es ist und wie ich auch aufblühe oder wie ich dann auch wirklich das zeigen kann, was mich auszeichnet und was ich an Potenzial überhaupt habe.

Weil ich habe nämlich eigentlich früher auch immer eher so mit diesem Leistungsmotor gearbeitet. Also ich bin sehr, sehr stark anfällig für Perfektionismus und Leistungsdruck. Das ist so mein persönlicher Default, meine Baseline aus den unterschiedlichsten Gründen.

Und ich habe einfach wirklich nach Wegen in den letzten Jahren immer wieder gesucht, aus diesem Muster auszubrechen, zu sagen:

„Okay, was tut mir denn eigentlich wirklich gut und wie kann man Leistung zeigen, aber nicht, weil man muss, sondern weil man will und weil es zu einem passt und weil es das Richtige ist?“

Und das ist meine persönliche Definition von Erfolg, wirklich auf mich zu achten und zu gucken, was tut meinem Körper überhaupt gut, mich nicht selber auszubeuten.

[Alex] Ich wollte auch gerade fragen, aber du hast es schon ein bisschen so vorweggenommen. Also es war nicht immer so, dass du diese Definition von Erfolg für dich hattest, sondern das hat sich erst mit der Zeit entwickelt. Wie kam es dazu?

[Melina] Also ich glaube, das ging los mit der Selbstständigkeit. Also ich bin aus einem Angestelltenverhältnis regelrecht ausgebrochen, kann man sagen, weil der Status quo war damals 2014, dass ich in der Grafik gearbeitet habe.

Als Kommunikationsdesignerin ist auch ein Beruf, der mir unfassbar gelegen hat. Habe ich geliebt meine Tätigkeit. Das Problem war allerdings, dass mir die Kolleginnen und Kollegen nacheinander weggebrochen sind. Also die eine Person hat einen Burnout erlitten, die nächste Person ist in Rente gegangen und ich habe keine neuen Kollegen dazu bekommen. Ich musste den Laden quasi da irgendwie, ja, was heißt alleine stemmen, ganz so war es nicht.

Aber mein Vorgesetzter zum Beispiel kam irgendwann nur noch zwei Tage die Woche, weil der sich auf seinen Ruhestand schon vorbereitet hat. Und so war ich da einfach irgendwann quasi wirklich fast alleine die meiste Zeit der Woche und habe das aber alles abgefedert.

Ich habe ja schon den Leistungsdruck und den starken Antrieb angesprochen. Ich habe auch ein unglaubliches Verantwortungsbewusstsein und gedacht, ich reiße mich jetzt zusammen und mache das alles weiter, statt jemandem zu sagen:

„Leute, das geht nicht, ihr müsst Leute einstellen! Ich kann das nicht stemmen.“

Und ich habe einfach immer weitergemacht. Und es ist ja völlig klar, dass das irgendwann zum Crash führt und dass ich todunglücklich war. Ich hatte schon morgens beim Aufstehen Magenkrämpfe und ich hatte Kopfschmerzen und eine Menge körperliche Symptome, die irgendwann dazu geführt haben, dass ich gesagt habe, ich mag so nicht mehr arbeiten, ich muss hier weg.

Und ich bin dann aber tatsächlich nicht in ein neues Angestelltenverhältnis gegangen, sondern ich habe mich selbstständig gemacht, weil mein Mann sowieso selbstständig war und unsere Fähigkeiten sind recht ähnlich gelagert, wir haben große Schnittmengen und dann haben wir gesagt, okay, dann mache ich bei ihm mit, dann probiere ich das mal aus.

Komplette Freiheit. Und diese komplette Freiheit hat mir natürlich auch sehr schnell gezeigt, wo bei mir die Schwachstellen liegen. Also mit kompletter Freiheit irgendwie auf einmal umgehen zu können, das erfordert einen hohen Grad an Selbstführung. Also welche Routinen lege ich mir zu? Das ist, diese Selbstorganisation ist ein Riesenthema, aber auch, wie gehe ich überhaupt auf Leute zu, weil die Kunden kommen ja jetzt nicht von alleine angerannt.

Also gerade als eher zurückhaltender Mensch, der vorher aus so der Grafik kommt, wo alle, also die Aufträge sind zu mir gekommen, also ich musste mich ja nie um irgendwas kümmern, alle sind zu mir gekommen, kannst du dies machen, kannst du das machen, jetzt bin ich in der Position, wo ich auf alle anderen zugehen muss und schauen muss, schau mal, das kann ich dir anbieten, das kann ich für dich ändern, diese Transformation kann ich dir anbieten, das sind meine Fähigkeiten. Das ist schon hart gewesen für mich am Anfang und deswegen musste ich wirklich in vielen kleinen Schritten rausfinden:

Wie kann ich eigentlich gut arbeiten? Was zeichnet mich aus? Welche Strukturen brauche ich, die wirklich auch zu meiner Persönlichkeit passen, die mir gut tun, die mich nicht zurück in so ein Hamsterrad versetzen wie das, was ich vorher hatte, wo ich mich dann selbst ausbeute? Weil das kannst du auch in der Selbstständigkeit.

Selbstständigkeit mag zwar immer so toll klingen nach Freiheit, aber auch da kannst du dich hervorragend selber ausbeuten.

[Alex] Ich wollte gerade sagen, gerade wenn wir auf Social Media gucken, Da wird es ja richtig glorifiziert, wenn Leute quasi ständig busy sind und ständig Dinge zu tun haben. Also da ist die Selbstständigkeit auch nicht unbedingt so der Ausweg aus dem Hamsterrad, sondern man kommt einfach in ein neues Hamsterrad rein. Also da muss man glaube ich auch aufpassen.

[Melina] Genau, weil die Altlasten hast du ja trotzdem bei dir. Diese Routinen und Muster, die du gewohnt bist und die ja häufig auch mit den eigenen inneren Mustern zusammenspielen, wenn du eh so einen starken Leistungsdruck hast in dir, dann nimmst du das natürlich auch in jeder anderen Tätigkeit mit.

Wie es ist, mit seinem Partner zusammenzuarbeiten?

[Alex] Du hast gerade schon erwähnt, du arbeitest mit deinem Mann zusammen, mit Timon. Und ihr seid beide systemische Coaches, ihr schreibt Bücher zusammen, ihr habt einen gemeinsamen Podcast. Wie ist das, mit deinem Mann zusammenzuarbeiten? Ich kann mir vorstellen, da gibt es sowohl schöne Aspekte als auch Herausforderungen.

[Melina] Auf jeden Fall. Also ich will auch nicht behaupten, dass es am Anfang sehr leicht war. Schwupp, Job gekündigt, Selbstständigkeit. Ach Mensch, ist das alles ein Traum. Also wir haben auf jeden Fall gemerkt, wir sind beide sehr freiheitsliebend, brauchen viel eigene kreative Räume, um nachdenken zu können.

Und das ist natürlich erstmal, wenn du dann wirklich zusammenarbeitest, nicht so einfach, dass jeder genügend Freiraum eben noch bekommt. Du arbeitest in den gleichen Projekten, wir machen ja auch zusammen einen Podcast, den „Still und Stark“-Podcast für introvertierte Fach- und Führungskräfte.

Das heißt, wir haben einfach wirklich sehr, sehr viele Dinge, die wir zusammen machen. Und dort genügend Räume zu schaffen, dass man sagt, ich kann mich jetzt hier zurückziehen, ich habe hier meinen Space, ich muss mich jetzt gerade nicht mit dir absprechen in bestimmten Dingen, sondern kann einfach nur mal frei hier Räume schaffen, das ist wirklich schwierig, weil man sich auch einfach mal auf den Nerv gehen kann.

Ich glaube, das ist auch so mit, was die meisten Leute befürchten, wenn man mit seinem Partner zusammenarbeitet. Ich höre das immer, wenn ich das erzähle „Ich arbeite mit meinem Mann“: „Das könnte ich gar nicht. Also ich bin eigentlich ganz froh, wenn ich tagsüber woanders arbeite und den nur abends treffe.“ Also das hört man häufiger. Aber ich muss sagen, es hat uns auch total zusammengebracht.

Also zusammen arbeiten zu können, ist toll, weil die Arbeit bestimmt einfach so einen großen Teil unserer Leben, einfach auch zeitlich. Das nimmt so viel Zeit vom Alltag ein und das miteinander teilen zu können, ist halt sehr, sehr schön und das hat unsere Beziehung auch nochmal gefestigt, weil unsere Absprachen natürlich viel, viel besser geworden sind. Unsere Kommunikation musste viel besser werden, viel wertschätzender.

Man musste sich oft zurücknehmen, wirklich jetzt nicht irgendwie so: „Mann, das geht gar nicht und das ist voll gegen meine Arbeitsweise, so kannst du das nicht machen!“

Sondern wirklich lernen, diese innere Distanz teilweise auch mal zu einem Problem einzunehmen und zu sagen:

„Okay, aber wie können wir denn jetzt hier lösungsorientiert rangehen?“ Also das ist wirklich …, die Kommunikationsskills sind auf jeden Fall durch die Decke geschossen, würde ich sagen.

[Alex] Habt ihr denn so irgendwie Rituale oder so Dinge, von denen du sagen würdest, die helfen euch immer, das so durchzuziehen?

[Melina] Ja, tatsächlich ja. Wir haben ein tolles Ritual, das nennt sich Daily Stand-Up. Einige, die hier mithören, die vielleicht ein bisschen Ahnung vom Programmieren und vom agilen Arbeiten haben, die werden das vielleicht kennen.

Das ist eine Methode aus dem Scrum, wo du ein Daily machst. Das geht maximal so 15 Minuten und du sitzt einfach wirklich nur am Tisch und sagst: Das habe ich gestern gemacht, das werde ich heute machen. Zählst einfach nur einmal auf: Das sind meine Resultate von gestern. Jetzt spreche ich darüber, was ich mir für heute vorgenommen habe. Und dann bist du raus. Dann geht auch jeder wieder seiner Wege.

Aber es ist eben einfach sichergestellt, dass beide wissen, was der nächste Punkt ist. Gerade wenn man zum Beispiel an einem Projekt arbeitet, dann arbeiten wir auch in Sprints und dann ist eben einfach durch dieses Daily Stand-Up sichergestellt, dass jeder weiß, was in diesem Sprint oder in diesem Projekt jetzt gerade anliegt und was wichtig ist. Und dann kannst du auch darauf vertrauen, dass die Person das natürlich dann auch einfach macht.

Also musst halt keine Kontrolle irgendwie ausüben: „Und hast du daran gedacht“ und so weiter. Du hast dich morgens kurz abgesprochen und dann läuft das wie auf Schienen.

Warum hast du deinen Instagram-Account mit 18k Followern verlassen?

[Alex] Du hast vor einigen Monaten deinen Instagram-Account verlassen und ich finde das sehr bemerkenswert, weil damals, als ich mich selbstständig gemacht habe, 2016, war dein Account tatsächlich einer der ersten, denen ich gefolgt bin auf Instagram.

Und ich fand immer, dass du da wie so ein Fisch im Wasser wirktest zumindest. Natürlich als Kommunikationsdesignerin hast du ein Händchen fürs Visuelle und Instagram ist da sehr dankbar. Und trotzdem hast du auch, wenn ich das richtig so verstehe, auch in letzter Zeit mit den Plattformen gehadert und bist da jetzt weg. Und da würde ich jetzt gerne weiter drüber sprechen, weil es ist natürlich sehr spannend für den Podcast. Also zunächst einmal, wie kam es dazu? Was ist so in letzter Zeit passiert, dass du zu dieser Erkenntnis gekommen bist, du willst weg von Instagram?

[Melina] Also, das war keine Entscheidung, wo ich irgendwie einfach so einen Schalter umgelegt habe und dann bin ich morgens aufgestanden und habe gedacht: „Ja, das ist jetzt die richtige Entscheidung, so mache ich das jetzt.“

Ich habe mich sehr, sehr lange mit dieser Entscheidung herumgetragen, Social Media zu verlassen. Also Instagram war ja auch gar nicht das Einzige. Zum Beispiel LinkedIn, da war ich sogar noch am überlegen, ob ich das weiter ausbaue. Und das habe ich jetzt auch quasi fallen gelassen, mehr oder weniger. Und das war eine Sache, die einfach wirklich über bestimmt drei, vier Jahre so in mir gegärt hat oder gegoren hat.

Ja, und einfach, weil ich gemerkt habe: Ich verändere mich. Also die Plattform natürlich auch, klar. Es kommen immer mehr Funktionen dazu und es wird immer wichtiger aufzufallen. Du bist ja nur ein kleiner Fisch in einem riesigen Becken. Aber ich habe mich eben auch selber verändert.

Ich habe mir einfach sehr, sehr viel häufiger in den letzten Jahren die Frage gestellt:

„Auf welches Ziel zahlt diese Aktivität ein?“

Und die große Frage ist halt: Wovon lebt mein Business? Was ist das Herzstück meiner Tätigkeit? Und zahlt eben Social Media darauf ein, auf mein Ziel?

Und was mich unglaublich überrascht, ist, die meisten, die sich diese Frage stellen, die beantworten die relativ diffus. Also die antworten, warum mache ich Social Media, auf welches Ziel zahlt das ein?

Da hörst du dann: Ja, ich will wachsen. Ja, Wachstum, was heißt denn das? Also in welchem Bereich? Oder sie antworten: Ja, ich will möglichst viele Menschen erreichen. Ja, welche Menschen denn eigentlich genau? Sind die hier überhaupt? Sind die überhaupt hier auf Instagram? Wer sind die? Was zeichnet die aus?

Also dieses Social-Media-Ding wird häufig sehr, sehr diffus beantwortet und überhaupt nicht spezifisch auf mich und mein Business bezogen.

Und ich muss auch sagen, ich habe mir diese Fragen halt sehr lange nicht mehr gestellt. Ich bin halt wirklich ein alter Hase auf der Plattform gewesen. Ich war ja irgendwie 2012 schon mit dabei, habe ich meinen privaten Account damals erstellt und den habe ich irgendwann umgewandelt in einen geschäftlichen.

Und deswegen habe ich auch lange Zeit gar nicht in Frage gestellt, dass es richtig ist, da zu sein, weil ich war ja einfach immer dabei und die Zahlen waren ja auch eigentlich immer okay.

Also ich hatte zu Spitzenzeiten, glaube ich, so an die 18k Follower*innen. Und so einen Account gibst du ja auch nicht mir, nichts dir, nichts einfach auf.

Aber ich habe mir einfach wirklich sehr ehrlich die Frage stellen müssen: Guck mal, wo willst du denn damit irgendwann hin?

Weil wenn ich mir meine Zahlen angeguckt habe – ich habe über Instagram keine Geschäfte gemacht, ich habe da nicht verkauft, ich habe dort keine Kunden gewonnen.

Ich habe irgendwann mir tatsächlich einfach eingestehen müssen, die Menschen dort sind viel mehr an meinem Privatleben interessiert als an dem, was ich anzubieten habe. Und das ist okay. Für manche mag diese Erkenntnis in Ordnung sein. Für mich war diese Erkenntnis nicht okay, weil ich nicht mein ganzes Privatleben teilen möchte.

Also so bin ich einfach nicht. Ich möchte diese Offenherzigkeit nicht. Ein Teil sollte immer privat bleiben für mich. Ich rede gerne offen über meine Themen. Ich gebe auch gerne Dinge von mir preis, aber ich möchte nicht dort sein, um Menschen mit meinem Privatleben zu unterhalten.

Also das habe ich ja auch einfach gemerkt. Also welche Bilder waren am meisten geklickt oder kommentiert? Ja, wenn ich zum Beispiel ein Foto gepostet habe zum Hochzeitstag von Timon und mir.

Ja, klar, das ist schön, das kann ich auch verstehen, ist nicht bösartig gemeint, aber das ist nicht der Grund, warum ich da bin. Ich bin da, weil ich etwas zu sagen habe.

Ich bin als Coach hier. Ich möchte introvertierten Menschen helfen, an ihre Stärken zu glauben, ihre Stärken zu entdecken und selbstsicher aufzutreten. Und das erreiche ich ja nicht, indem ich private Fotos von meinem Mann und mir teile oder Urlaubsbildchen.

Ich war einfach irgendwann, ich wollte mich da einfach irgendwann nicht mehr darstellen. Es gab eine Zeit, da hat mir das gut gefallen und da war es auch eine Hilfe. Also ich will nichts Negatives sagen.

Also es ist wirklich so, dass mir auch Instagram schrittweit geholfen hat, beim Netzwerken zu gucken: Wer alles ist denn überhaupt da draußen? Wer tickt ähnlich wie ich? Da kann das sehr nützlich sein. Aber ich bin eben aus der Nummer rausgewachsen.

Und dann stehst du natürlich vor der Frage: Okay, du kannst das ja auch auslagern. Wenn dir das zu viel Arbeit ist, du kannst das ja auch abgeben, kannst es ja jemand anders machen lassen. Social Media Management ist ja eine Option.

Ich habe die Frage für mich aber einfach mit Nein beantwortet, weil ich ja gesehen habe: Hey, dieser Account zahlt sowieso nicht auf meine beruflichen Ziele ein, weil die privaten Sachen interessieren die Leute hier mehr als meine beruflichen.

Und ich mache hier keine Geschäfte in dem Sinne, dass ich hier Kurse launche oder promote oder so. Von daher muss ich jetzt auch niemanden bezahlen, um das weiterzumachen. Muss ich ja nicht noch mehr Geld auf eine Sache werfen, die gar nicht den Effekt hat.

Ja, und deswegen habe ich die Entscheidung dann im letzten Oktober getroffen. Also ein langer Prozess.

[Alex] Ja, vielen Dank, dass du da so detailliert uns daran teilhaben lässt. Ich finde es ganz spannend, weil ich das tatsächlich auch so erstmal wiedererkenne bei mir, dass mir Social Media nie beruflich das gebracht hat, was mir eigentlich wichtig war, um was es mir geht.

Und ich glaube auch, ganz viele Menschen, die zu mir kommen, denen geht es ähnlich. Nur die trauen sich halt nicht, diesen Schritt zu machen und zu sagen: Ja gut, dann gehe ich halt. Also das ist, glaube ich, dann nochmal schwierig. Und wie hast du denn da diesen Mut gehabt oder hat das überhaupt Mut gebraucht? Also wie war das dann, als du wirklich dann letzten Endes, ich weiß nicht, hast du die Konten gelöscht, deaktiviert? Was ist jetzt mit den Konten passiert?

[Melina] Also mein Instagram-Account besteht nach wie vor und dem kannst du auch nach wie vor folgen. Ich bin einfach nur inaktiv. Also ich habe die App nicht mehr auf meinem Handy.

Ich habe einfach die App vom Handy gekickt, sodass ich selber nicht mehr darauf zugreifen kann. Wenn ich wollte, könnte ich es, glaube ich, noch über meinen Desktop-Rechner machen. Ich verbringe aber dort einfach keine Zeit mehr, gar nicht.

Und wie gesagt, man kann mich dort noch finden. Ich wollte den Namen nicht aufgeben, dass man einfach noch „Vanilla Mind“ finden kann und „Still und Stark“.

Aber es steht, glaube ich, auch sogar in der Bio drin, dass man den Kontakt lieber über die Website suchen sollte, weil ich dort nicht poste. Ich glaube, ich habe es bis auf drei Erklärungspostings, was ich eigentlich mache, wer ich bin, was ich mache, habe ich, glaube ich, auch alles andere archiviert.

Dass wirklich nur noch im Fokus steht: Okay, das ist die Message, mit der ich hier bin, und so kann man mich dann noch finden.

[Alex] Und hast du das damals im Oktober so als besonders mutig empfunden für dich oder war das so ein Tag für jede andere?

[Melina] Nee, ich habe mich schon ziemlich mutig gefühlt an dem Tag. Nee, weil ich auch, ich hatte es, glaube ich, schon angedeutet, ich hatte ja nicht gerade einen kleinen Account, also gut, natürlich gibt es immer riesigere Accounts, aber so einfach von der Sache her, wenn du es geschafft hast, dir eine Followerschaft von 18.000 Leuten aufzubauen, dann wirfst du es nicht einfach weg, weil da steckt ja viel Arbeit drin.

Und das ist eben auch immer das, wobei ich am meisten gezögert habe, weil ich habe ja unfassbar viel investiert über die Jahre.

Ich hatte wirklich einen Social-Media-Plan. Ich wusste zu jeder Zeit, wann ich poste. Ich hatte auch Tools, die das dann automatisiert für mich posten können, dass ich das nicht manuell anschieben muss und so. Also ich habe das ja nicht einfach so just for fun gemacht und ach, naja, mache ich heute mal, mache ich heute nicht. Da steckte schon eine Strategie hinter.

Und weil ich eben um diese ganzen Arbeitsstunden wusste, die ich da schon investiert habe, das ganze Herzblut und das ganze Invest, wollte ich das natürlich auch nicht einfach, ja, so einfach mir nichts, dir nichts wegwerfen.

Zumal auch Timon immer gesagt hat: Nee, wirf das doch nicht einfach weg und guck doch nochmal und so. Aber ich habe einfach gemerkt, es bringt nichts. Also ich bin da wirklich einfach rausgewachsen.

Wobei man auch dazu sagen muss, ich würde auch niemandem empfehlen, diese Entscheidung einfach so übers Knie zu brechen, weil du musst dich ja fragen, was trägt denn mein Business? Also wenn ich wirklich nur diesen Social-Media-Kanal habe und dann sage ich: „Nee, will ich ab heute nicht mehr.“ Ja, wie erreiche ich denn dann noch Leute? Also ich muss ja die Leute auf irgendeine Möglichkeit oder auf eine Art und Weise erreichen können, die Menschen, für die ich gerne etwas tun möchte.

Und wenn Instagram jetzt mein einziger Kanal war, über den ich kommuniziert habe, ja, ich muss ja eine Alternative haben mindestens.

So, aber das war ja nie mein Problem. Ich habe einen Newsletter, einen sehr schönen Newsletter, den die Leute wirklich lieben und den nenne ich auch Mut-Letter und nicht Newsletter. Viel besser.

Und ich habe natürlich auch einen Podcast, den ich mit Timon mache und einen Blog. Also ich bin über SEO gut zu finden. Ich ranke für gute Keywords, Podcast, Newsletter.

Also das sind ja mindestens drei Sachen, die sehr tragfähig sind. Und dementsprechend habe ich dann auch gesagt: Okay, also worauf wartest du jetzt eigentlich noch? Also deine stärksten Kanäle waren nie Instagram oder LinkedIn. Deine stärksten Kanäle waren immer der Newsletter, der Blog, der Podcast.

Und auch wenn die über die Jahre ein bisschen geschrumpft sind, weil die nicht so viel Fokus von mir bekommen haben, übrigens auch ein sehr, sehr guter Punkt, den wir gleich auch noch ansprechen können, Fokus, weil du tanzt ja auch so vielen Hochzeiten.

Hast du Instagram, hast du LinkedIn, hast du Newsletter, hast du einen Blog, hast du einen Podcast. Das sind ja alleine fünf Sachen, die ich da bedient habe. Und das ist ja auch einfach die Frage, wenn du deinen Fokus irgendwie durch fünf teilen musst:

Funktioniert dann überhaupt noch irgendwas davon richtig gut?

Und ich habe es ja schon gesagt, der Newsletter ist ein bisschen geschrumpft, der Blog hat weniger Abrufzahlen gehabt, der Podcast ist nicht gewachsen. Ja, ist ja auch irgendwie nicht verwunderlich, wenn man seinen Fokus auf so viele Plattformen verteilen muss. Und das ist wesentlich besser geworden, seitdem ich auf Social Media verzichte.

[Alex] Ja, spannend. Da reden wir definitiv auch nochmal gleich drüber. Aber vorher vielleicht noch eine Frage. Wie haben denn diese ganzen Menschen, du hast gesagt, 18.000 Leute sind dir auf Instagram gefolgt. Wie haben sie denn darauf reagiert?

[Melina] Gar nicht.

[Alex] Gar nicht?

[Melina] Ich bin weg und fertig.

[Alex] Du hast also keinen Abschiedspost gehabt, so nach dem Motto „Ich gehe!“?

[Melina] Nein, das habe ich nicht gemacht.

[Alex] Krass, okay.

[Melina] Ich bin einfach weggeblieben und fertig. Ich habe gedacht, also ich hatte, glaube ich, in der Vergangenheit öfter mal so Postings gemacht, wo schon so durchklang, dass ich mich nicht mehr so ganz wohl fühle mit der Plattform. Ich habe aber nie konkrete Schritte eingeleitet. Ich habe eigentlich sogar eher die Erfahrung gemacht, wenn ich mal eine Pause angekündigt hatte, eine Urlaubspause oder einfach so eine Social-Media-Break – das wird ja öfter mal gemacht, machen auch andere Leute – dann sind sofort die Zahlen ins Bodenlose gegangen.

Also direkt kündigst du an, ich mache jetzt eine Instagram-Pause, zack, 1000 Leute weniger. So gefühlt. Nein, gar nicht so viele, aber ich glaube, so 300, 400 waren es dann schon.

Und ich habe gedacht, gut, dann machst du es diesmal einfach nicht. Du verschwindest einfach sang- und klanglos.

Und weißt du was, das interessiert sowieso niemanden, das fällt gar keinem auf und das ist auch so.

Also du bist ja wirklich auf so einer Riesenplattform wie Instagram, du wirst ja nicht mal vermisst, bist ja sowieso nur eine Person von ganz, ganz vielen.

Du musst dich ja sonst wie verbiegen und anstellen, um irgendwie relevant für diesen Algorithmus zu sein.

Also musst ja ständig was Neues aus dem Hut zaubern, um irgendwie noch in den Feeds der Leute zu landen. Und was dann einfach realistisch wirklich passiert ist, wenn du nicht mehr postest, landest du eben einfach nicht mehr im Feed.

Und das ist, dafür musst du dich nicht erklären oder irgendwas, das passiert einfach.

[Alex] Spannend, spannend. Also ich hätte nicht gedacht, dass es auch so für größere Accounts gilt, aber ja.

[Melina] Gerade für die.

Was hast sich mit dem Social-Media-Ausstieg verändert?

[Alex] Du hast in einer Podcast-Folge von dir, du hast ja schon angesprochen, du hast einen Podcast, über deinen Instagram-Ausstieg gesprochen und ich habe mir die Folge angehört und da hast du gesagt, dass das die beste Entscheidung seit Langem war.

Kannst du uns da mal mitnehmen, was genau hat sich denn jetzt so zum Positiven verändert mit dem Instagram-Ausstieg oder LinkedIn-Ausstieg auch?

[Melina] Also ich bin deutlich mehr bei mir und das meine ich nicht auf so eine egoistische Art, sondern einfach mehr bei mir in Balance. Also ich bin mehr im Moment, ich bin präsenter, weil ich weiß, ich habe jetzt diese Hektik nicht mehr. Ich muss jetzt unbedingt noch was posten, ich habe noch gar nicht den Plan fertig, ich muss dieses, ich muss jenes.

Also ich habe einfach einen klareren Fokus auf die Dinge, die wichtig sind und die anstehen, weil es einfach nicht mehr diese hektische Getriebenheit ist, an x Brennpunkten irgendwie gleichzeitig sein zu müssen.

Alleine auch diese Erreichbarkeit, guck mal, über Instagram hast du ja die DMs, musst ja ständig in die DMs reingucken, damit du eben auch für die Leute da sein kannst. Es ist ja ganz wichtig, eine persönliche Verbindung zu Menschen zu haben. Die hast du ja nicht, wenn du nicht auf Kommentare, auf DMs antwortest.

Und das ist ja nicht mein einziger Kanal, wo ich DMs beantworte. Das muss ich ja dann auch noch für meine E-Mails machen. Leute, die sich über den Podcast melden, oder Leute, die auf dem Blog kommentieren. Gut, Blog kommentieren ist ein bisschen eingeschlafen. Das war früher sehr viel mehr. Das ist heute gar nicht mehr so üblich, dass Leute das machen.

Aber trotzdem ist es ja wirklich, wie kümmerst du dich gut um die Menschen? Wie kümmerst du dich gut um die Leute, die dir Fragen stellen? Und da habe ich einfach jetzt viel mehr Zeit, Energie und ja, viel mehr Zeit und Energie für.

[Alex] Und Fokus hast du gerade schon angesprochen.

[Melina] Genau, ich kann viel besser auf die Menschen eingehen. Ich glaube, das spüren die auch.

Menschen merken ja, ob du einfach nur irgendwie einsilbig antwortest und ob du eigentlich gerade gestresst bist und gar keine Energie hast oder ob du dir Zeit für sie nimmst.

Und als systemischer Coach bin ich ja in einer Branche, wo vertrauensvolle Beziehungen des A und O sind. Also die Person muss ja wirklich, wenn sie mit mir arbeiten möchte, das Gefühl haben: Melina ist da, die versteht mich, die nimmt mich wahr, ich bin sichtbar für die.

Und das kann ich ja nicht, wenn ich total getrieben bin und an x Orten gleichzeitig präsent sein muss.

[Alex] Hast du auch Veränderungen festgestellt an deiner Konzentration? Du hast schon Fokus angesprochen, also hat sich da was verändert?

[Melina] Auf jeden Fall. Also alleine der Zeiteinsatz der Social Media für mich war, der ist ja weggebrochen. Und dann hast du ja Räume für andere Aufgaben, die du vielleicht vorher vernachlässigt hast. So war das auf jeden Fall in meinem Fall, ich würde sagen, es waren schon mehrere Stunden pro Woche, vielleicht sogar täglich, die Social Media beansprucht hat.

Das eine ist ja Postplanung, was willst du schreiben? Und dann ist es ja gleichzeitig auch ein visuelles Medium. Also das, was mich eigentlich am Anfang an Instagram sehr fasziniert hat, dass es eben auch ein visuelles Medium ist. Das entspricht ja sehr meinem Fähigkeiten-Set, eben auch visuell zu arbeiten, weil ich ja meine Design-Skills damit einbringen konnte, aus meiner ersten Karriere quasi.

Gerade das hat mir irgendwann auch das Genick gebrochen. Wie viel Zeit kannst du einsetzen, um solche Grafiken zu gestalten für Instagram, diese Postings zu gestalten, Reels zu drehen? Du kannst dich natürlich total kreativ ausleben und gleichzeitig bricht es dir das Genick, weil du deine anderen Aufgaben gar nicht mehr machst. Weißt du, du kannst Stunden in ein einziges Reel stecken, das dann vielleicht von ein paar tausend Leuten gesehen wird, aber nach 24 Stunden keinen mehr interessiert.

Gab es Nachteile an deinem Social-Media-Ausstieg?

[Alex] Hast du auch Nachteile festgestellt an deinem Instagram-Ausstieg?

[Melina] Einen, ja, tatsächlich. Was mir jetzt gerade auffällt, ist: Ich vermisse so ein bisschen diese Umfragefunktion. Über Newsletter kann man ja schlecht Umfragen machen. Also kannst du zwar, aber du brauchst dann noch ein zweites externes Tool, um das dann irgendwie zu realisieren.

Ich fand die Möglichkeit, über Social Media super schnell einfach in den Storys eine Umfrage posten zu können, einfach um so ein Stimmungsbild zu bekommen, fand ich super toll. Das ist etwas, was ich definitiv vermisse, aber ich denke, da werden sich auch noch andere Möglichkeiten auftun, das in Zukunft zu integrieren.

Genau. Ja, durch Social Media hast du einfach diese Standleitung quasi zu den Leuten. Also es ist immer irgendwer aktiv. Du kannst immer irgendwen erreichen und fragen, was die Leute gerade wirklich denken.

Aber genau, das ist auch schon das Einzige tatsächlich.

[Alex] Ja, aber ich finde auch gerade Nachteile, das muss ja auch nicht gleich bedeuten, dass das eine blöde Idee war, weil Nachteile lassen sich entweder kompensieren oder sie sind gar nicht relevant.

Also vielleicht gibt es auch Menschen, die nutzen gar nicht die Umfragen oder die gehen gar nicht live. Ja, dann brauchen die halt auch nicht Social Media unbedingt. Und gerade bei Umfragen, wie du sagst, ist es ein bisschen komplizierter dann mit einem zweiten Tool, aber die Möglichkeit gibt es ja immer noch.

[Melina] Ja, ich finde das total gut, dass du die Frage nach den Nachteilen stellst, weil das ist ja, ich stand ja selber vor dieser inneren Zerrissenheit, soll ich das machen oder nicht?

Und das eine ist natürlich, was dein Bauchgefühl dir sagt, aber du musst ja auch ganz konkret die Nachteile benennen können, weil erst dann schaffst du es ja vielleicht auch eine Alternativlösung zu schaffen.

Das ist genau, wie du sagst, so ein Nachteil muss ja trotzdem nicht dazu führen, dass du dann vielleicht dort bleibst, aber du wirst ja zumindest in den Zustand versetzt, dass du eine Lösung finden musst, wie du mit diesem Nachteil umgehen willst. Ist dieser Nachteil für dich zu verkraften? Gibt es eine andere Lösung oder eben nicht? Das ist sehr, sehr wichtig. Gab es für dich Nachteile?

[Alex] Total. Also ich würde jetzt auch nicht sagen, dass es nur Vorteile hatte, das zu verlassen. Ich habe auch dieses Unmittelbare eigentlich vermisst. Also ich habe zwar nicht sehr gerne Storys gemacht, aber ich habe sehr gerne auf andere reagiert und mit anderen quasi mich dann ausgetauscht.

Und gerade dieses „Mal schnell irgendwas schicken“ hat natürlich auch Kommunikationsräume eröffnet, die dann fehlen, wenn man das nicht macht. Das heißt, ich muss mich jetzt mal aktiv drum bemühen, auf andere Menschen zuzugehen. Und das ist so als introvertierte Person halt auch nicht immer leicht.

Und das ist definitiv eine Herausforderung.

[Melina] Das stimmt. Das ist mir auch aufgefallen. Genau, hatte ich auch am Anfang gesagt, dass es für mich auch früher ein Sprungbrett war, wirklich Leute kennenzulernen. Wobei ich auch jetzt, wo ich weg bin, gemerkt habe, es hat aber auch meine bestehende Beziehungen intensiviert.

Weil es gab Beziehungen, wie zum Beispiel unser Kontakt.

[Alex] Ja.

[Melina] Wir haben es über Instagram hinaus geschafft, den Kontakt zu halten. Und du hast am Ende viele Kontakte, wo du merkst: Okay, ist Instagram weg, sind auch die Leute weg. Also man hat es nie geschafft, die Hürde Instagram zu überwinden und zu sagen, okay, jetzt lernen wir uns mal wirklich kennen. Aber bei einige Leuten ist das passiert.

Und bei den Leuten, wo wir gesagt haben, okay, wir verstehen uns gut, wir können uns gut austauschen, da sind eben die Beziehungen auch sogar einfach noch tiefer geworden. Oder wo man merkt: Okay, diese Menschen sind immer noch da. Instagram mag weg sein, aber das besteht weiter.

Also konnte ich einfach auch gut daran erkennen, welche Beziehungen sind wirklich tragfähig und wer bleibt eben auch im Leben bestehen und wer nicht. Das fand ich eigentlich eine sehr schöne Erkenntnis.

Ich kann, also gerade nochmal, um über introvertierte Energie zu sprechen, ich habe ja auch nur so viel Energie für eine bestimmte Anzahl von Menschen in meinem Bekanntenkreis, um die ich mich kümmern kann. Ich kann ja nicht irgendwie versuchen, mit 50 Leuten täglich in Kontakt zu bleiben und für die auch wirklich präsent zu sein. Das ist eine große Energiefrage.

[Alex] Und es muss ja auch nicht heißen, dass mehr Kontakte immer besser ist.

Also es kann auch einfach ausreichen, eine Handvoll Leute zu kennen, aber halt richtig zu kennen, und mit denen dann auch beruflich Dinge zu realisieren.

Also ich glaube, da kann sich auch jede selbst fragen: Wie viele Kontakte brauche ich eigentlich, um beruflich das machen zu können, was ich mache, oder auch vorwärts zu kommen?

Es gibt ja diese Dunbar-Zahl, die ist auch nicht unumstritten, aber ich finde es trotzdem ganz spannend, dass quasi auch die Kapazität im Hirn halt einfach endlich ist für die Kontakte, die man zu Menschen hat. Also, ja, kann ja jeder für sich mal überlegen.

Tipp für Menschen, die überlegen, Social Media zu verlassen

Was würdest du denn jetzt so Menschen raten, so mit deiner eigenen Erfahrung, die mit Instagram oder anderen Social-Media-Plattformen hadern und überlegen, soll ich weggehen, soll ich nicht? Also, was wäre so dein Tipp für sie? Worüber können sie nachdenken? Was sollten sie berücksichtigen?

[Melina] Also die wichtigste Frage, die man reflektieren sollte, ist wirklich:

Auf welches Ziel zahlt diese Tätigkeit ein? Auf welches große Ziel zahlt diese Tätigkeit ein?

Das habe ich für mich sehr durchleuchten müssen, wie gesagt, man neigt dazu, so eine oberflächliche Antwort zu geben oder das gar nicht erst in Frage zu stellen, weil: Alle sind ja da, alle machen Social Media.

Social Media wird ja wirklich auch nach wie vor als dieser heilige Gral vermarktet. Du musst da einfach sein und für viele ist das vielleicht die Wahrheit. Zum Beispiel lokale Unternehmen sehe ich immer wieder, das funktioniert super gut, Online-Shops auch. Aber es ist eben trotzdem, du musst für dich selber evaluieren, auf welches Ziel zahlt es ein und passt es eben auch zu mir. Ich habe irgendwann gemerkt, na gut, es passt nicht mehr zusammen. Also diese Selbstkenntnis auch zu fördern, zu sagen: Was passt zu mir? Was möchte ich von mir preisgeben? Was nicht? Und was ist ein gutes Medium dafür?

Und natürlich muss man sich auch fragen, wenn ich jetzt Social Media verlassen möchte, wie möchte ich dann die Menschen erreichen? Aber die Fokusfrage ist wirklich, auf welches Ziel zahlt das ein? Und wenn ich mir dann eingestehen muss, ja, ich bin hier eigentlich nur, weil alle hier sind, das ist halt kein tragfähiger Grund, ne?

[Alex] Ja, und das kann man ja auch eigentlich relativ simpel klären. Also man könnte einfach damit anfangen, seine Kunden und Kundinnen zu fragen, also:

Wie bist du auf mich aufmerksam geworden? Wie hast du mich gefunden?

Und ich habe zum Beispiel auch automatisierte Abfragen nach einer Newsletter-Anmeldung, also: Wie bist du auf mich aufmerksam geworden?

Und so kriege ich dann halt so ein Stimmungsbild. Woher kommen die Menschen eigentlich? Ist es dann eher SEO? Ist es dann eher, dass ich irgendwo anders auftauche? Was ist es denn genau?

Und ich glaube, das kann man so für sich relativ leicht auch umsetzen und einfach mal sich so ein Stimmungsbild machen, wie das im konkreten Fall dann aussieht.

Welche Alternativen für Social Media nutzt du für dein Marketing?

Du hast jetzt auch schon über die Alternativen gesprochen und vielleicht können wir da auch nochmal kurz drauf eingehen. Du hast schon genannt, du hast einen Podcast, du hast einen Newsletter, du hast einen Blog. Suchmaschinenoptimierung spielt eine Rolle.

Kannst du vielleicht mal ganz kurz so das große Bild skizzieren? Also wie kommen die Menschen zu dir? Wie baust du dann Vertrauen auf? Und was sind so deine Verkaufskanäle? Also was funktioniert da bei dir?

[Melina] Die meisten Menschen, die kommen tatsächlich über Google. Also die suchen konkret nach einem Problem. Viele geben zum Beispiel Schüchternheit an als Keyword, aus sich rauskommen, als introvertierter Mensch aus sich rauskommen oder Schüchternheit überwinden. Das sind so die Stichworte, wo Menschen auf unsere Arbeit aufmerksam werden.

Die landen in der Regel auf einem Blogpost zum Thema Schüchternheit. Da erzähle ich zum Beispiel auch meine persönliche Geschichte. Ich bin ein total schüchterner Mensch ursprünglich, der sich das wirklich alles hart erarbeitet hat, irgendwie aus der eigenen Schale zu kommen.

Und wobei ich damit immer, das möchte ich differenzieren, damit möchte ich nie sagen, du musst dich verändern oder so. Aber Schüchternheit ist ja entkoppelt von der reinen Persönlichkeit.

Also Schüchternheit ist ja eine Angst, die vielleicht on top kommt, die man sich antrainiert hat. Man sagt, ich habe Erfahrungen gemacht, wo mich Menschen abgelehnt haben und ich bin einfach ängstlich, weil ich bestimmte Prägungen habe oder so erzogen wurde oder mir viele Gedanken mache, was andere von mir denken könnten. Das ist aber tatsächlich eher antrainiert.

Also es ist nicht unbedingt, wo du sagen musst, also ich muss für immer so bleiben, Ängstlichkeit ist ein Teil von mir. So habe ich das nie betrachtet, sondern für mich ist es wirklich:

Okay, also ich bin schüchtern, aber ich finde eben auch Wege, mit meiner Art und Weise freier zu werden und eben auch ein Stück weit die Hemmungen loszuwerden. Das ist mir sehr gut gelungen in den letzten Jahren.

Deswegen muss man auch wirklich sagen, also schüchtern sein und introvertiert sein sind zwei Paar Schuhe.

Schüchternheit ist diese soziale Angst, die manche Menschen haben. Unsicherheiten, die sind bis zu einem gewissen Grad auch vollkommen normal. Und Introversion ist aber dieses Temperament, wo du sagst, also wie beziehe ich Energie?

Beziehe ich Energie, indem ich ins Außen gehe, mit Menschen interagiere? Das ist diese extravertierte Energie. Oder bin ich eher ein Mensch, der Energie bezieht, wenn er sich mit seiner Innenwelt befassen kann, mit Gedanken und der inneren Welt? Das ist dann eher introvertiert.

Es ist aber auch ein Spektrum. Wir alle bewegen uns irgendwo dazwischen. Es gibt auch viele Menschen, die beide Anteile relativ stark ausgeprägt haben und sich da immer irgendwo in der Mitte bewegen, situativ. Genau.

Und da ist einfach sehr wichtig zu schauen, wo stehe ich gerade? Ist es eine Schüchternheit, die ich vielleicht ein bisschen abbauen möchte, damit ich es auch schaffe, mehr ich selber zu sein? Blockiert mich das darin, ich zu sein, mit anderen in Kontakt zu treten? Und das sind tatsächlich so diese Punkte, wo die Menschen zuerst auf uns aufmerksam werden.

Und dann, wir bearbeiten unsere Website gerade, es kann ein bisschen besser noch werden, dass wir sie dann abholen und sagen, Mensch, du, trag dich in den Mutletter ein. Wir geben hierzu regelmäßig Tipps. Und wir haben auch den „Still und Stark“-Podcast, wir behandeln diese Themen wirklich, wie du als ruhiger Mensch, wie du als sensibler Mensch in dieser lauten Arbeitswelt bestehen kannst, sichtbar bist und eben mit deinen eigenen Stärken arbeiten kannst und das sind dann einfach die Kanäle, über die wir Vertrauen aufbauen können.

Also die Leute hören uns in der Regel, die hören dann, wenn die den Podcast finden, alle Folgen erstmal durch und sagen, oh toll, also wir mögen die Dynamik so zwischen euch und es ist so schön, dass jemand auch offen darüber erzählt, dass er selber ein Problem mit Schüchternheit hatte und so. Also das ist wirklich sehr, sehr hilfreich zu hören:

Ich bin nicht das einzige schüchterne Wesen des Planeten.

Es ist gerade für Menschen, die so eine Unsicherheit haben im sozialen Bereich, ist das oft so, die denken, die wären die Einzigen, weil man darüber natürlich nicht spricht. Man fühlt sich so eingesperrt und traut sich nicht darüber zu reden, dass man sich manchmal ganz schön unsicher fühlt und nicht weiß, was soll man jetzt sagen. Es traut sich halt keiner zuzugeben.

Und dann sitzen wir da halt im Podcast und packen aus und sagen:

Also ja, geht mir dauernd so, keine Ahnung.

Und das ist dann für die Leute immer sehr befreiend und normalisierend so. Und über den Weg kommen die dann irgendwann auch und sagen, hey, also ich vertraue euch da wirklich, ich möchte jetzt einen Stärken-Coaching machen oder ich möchte hier das Me Manual kaufen, sozusagen. Das ist das Jobhandbuch für sich selber, wo man wirklich rausfinden kann mit Coaching-Fragen, wie ticke ich eigentlich, was sind meine Werte, wie arbeite ich überhaupt im Einklang mit meinen persönlichen Werten, was ist meine Motivationsstruktur, was brauche ich überhaupt? Wie kann ich das auch im Team kommunizieren?

Das ist, was wir dann mit den Leuten machen.

[Alex] Eine Social-Media-freie Strategie, die wir jetzt noch gar nicht angesprochen haben, aber zu der du ja auch berätst oder einen Kurs, glaube ich, sogar hast, ist das Thema Netzwerken.

[Melina] Genau, ja.

[Alex] Und ich habe dich darüber auch im Buch noch Social Media interviewt und würde hier gerne auch nochmal ganz kurz zumindest drauf zurückkommen, weil ich glaube, dass es immer noch sehr, sehr unterschätzt wird, dass Beziehungen, Kontakte, einfach ein starkes Netzwerk eigentlich viel wichtiger sind als Social Media, also für die meisten.

Ich will es natürlich jetzt nicht so pauschal sagen, aber sehr häufig, glaube ich, ist das schon der Fall. Aber trotzdem hat ja Netzwerken so einen schlechten Ruf und viele sagen: Netzwerken? Lieber nicht! Komm wir da weg mit Netzwerkevents!

Aber ja, wie kommt es, dass Netzwerken so einen schlechten Ruf hat?

[Melina] Also das Wort ist einfach auch furchtbar. Müssen wir gleich an der Stelle mal sagen. Netzwerken ist halt einfach ein schreckliches Wort.

Weil durch dieses Wort halt einfach nicht transportiert wird, dass es hier um eine Verbindung zwischen Menschen geht.

Also das Wort Netzwerken klingt halt rein transaktional und so wird es eben auch leider häufig in der Praxis gelebt.

Also ich glaube, wir kennen das alle, wenn wir auf irgendeinem Event waren, dass da eine Person mit ihren Visitenkarten durch die Gegend läuft oder das Erste, was du halt hörst, ist nicht, hey, wie war dein Tag bisher, sondern: Was machst du?

Und dann erklärst du, was du machst. Und das muss natürlich auch sehr geschliffen klingen und der Jobtitel muss möglichst abgefahren klingen und der Elevator-Pitch muss sitzen. Und dann wirst du direkt abgecheckt. In den ersten 30 Sekunden des Gesprächs wirst du abgecheckt nach, na, wie viel Wert hast du für mich? Kannst du mir in Zukunft noch nützlich sein? Und das ist halt einfach schrecklich. Und ich glaube, so einer Person sind wir alle schon mal begegnet.

Und gerade für Menschen, die eben ein bisschen sensibler sind und eben auch sagen: Nee, also ich möchte mich aber nicht so in den Vordergrund stellen. Und ich bin ja, natürlich bin ich hier und ich möchte natürlich auch Bekanntschaften schließen und langfristig möchte ich natürlich, dass mein Geschäft wächst oder ich bin hier im Auftrag meines Unternehmens zum Beispiel. Und mein Unternehmen möchte natürlich, dass ich hier langfristig Abschlüsse mache. Trotzdem ist ja der Kern immer, es geht hier um Menschen.

Und wie entstehen Beziehungen? Beziehungen entstehen durch Vertrauen. Und wie schaffe ich Vertrauen? Also nicht, indem ich irgendwie auf die Leute zurenne und sage, kauf mein Produkt.

Sondern, indem ich sage, das ist auch wirklich mein Lieblingsmotto:

Sei jemand, der anderen das Gefühl gibt, jemand zu sein.

Also behandle Menschen wertschätzend, stell denen Fragen, hab echtes Interesse an ihnen, dann stellst du Vertrauen her.

Und dann hast du auch eine tragfähige Beziehung. Aber eben nicht, indem ich vorgehe wie so eine Maschine, wo ich Menschen als Sachen betrachte, die mir nützlich sein sollten. Das ist halt, es geht nur nach hinten los.

[Alex] Und was können dann jetzt Selbstständige, also vor allem wenn sie introvertiert, schüchtern sind, konkret machen, um sich so ein Netzwerk aufzubauen?

[Melina] Das ist natürlich jetzt wirklich die Frage, weil nur weil ich introvertiert bin, heißt das nicht, dass die gleiche Sache zu mir passt.

Wir sind beide introvertiert, aber das heißt trotzdem nicht, dass wir die gleiche Art haben, auf Menschen zuzugehen.

Und auch hier kann Social Media beispielsweise ein Tool sein.

Also für mich war Social Media damals an diesem Punkt, wo es mir schwer fiel, auf andere zuzugehen, ein Tool. Weil ich ausprobieren konnte, wie es ist, andere ganz formlos anzuschreiben.

Für mich spielt zum Beispiel Form oft eine Rolle. Wenn ich irgendwie im 1:1 bin, habe ich das Gefühl, welche Etikette gilt jetzt hier? Also wie muss ich jetzt auftreten, dass ich nicht irgendwelche sozialen Regeln breche vielleicht?

Und da habe ich für mich zum Beispiel festgestellt, das Schriftliche liegt mir besser.

Also ich kann besser Kontakte knüpfen, wenn ich im Erstkontakt erstmal einfach eine E-Mail an jemanden schreibe und sage, guck mal, ich habe das und das von dir gelesen. Das hat mich total weitergebracht. Damit hast du mir geholfen, Problem XY zu lösen. Dafür wollte ich dir danken.

Und so kann sich was entspinnen langfristig. Aber das ist eben eine große Frage, welche Form liegt einem? Ist man eher so ein 1:1-Typ im persönlichen Gespräch?

Mittlerweile würde ich zum Beispiel das persönliche Gespräch bevorzugen, früher war es das schriftliche. Aber da muss man wirklich gucken, wo stehe ich gerade, was passt jetzt gerade zu mir, wo fühle ich mich frei und wo fühle ich mich natürlich?

Und in dem Moment, wo ich weiß, wo ich mich natürlich fühle, komme ich ja dann auch wirklich so rüber, wie ich bin. Also in dem Moment, wo ich so viele Gedanken in meinem Kopf habe, wie trete ich jetzt auf, welche Regeln könnte ich hier gerade brechen und was denken die anderen jetzt von mir, verkrampfe ich mich ja. Und das wollen wir ja vermeiden.

[Alex] Hast du abschließend noch einen Tipp für Menschen, die sich das einfach nicht trauen, also die so eine große Hürde haben? Was könnte das einfacher machen?

[Melina] Ganz, ganz, ganz klein denken. Was ist der allerkleinste Schritt, den ich heute noch machen kann?

Also welcher Schritt ist so klein, dass ich gar nicht darüber nachzudenken brauche, ob ich das kann oder eben nicht. Also wirklich, ich gebe dir mal ein Beispiel, nur damit du weißt, wie schüchtern ich früher wirklich war.

Ich habe mich früher, vor ein bisschen mehr als zehn Jahren, nicht getraut, Menschen auf der Straße zu begrüßen. So. Das heißt, was ich gemacht habe, ist, ich habe einfach erst mal angefangen, auf meiner Morgenrunde Blickkontakt aufzunehmen.

So. Blickkontakt, also es klingt absurd, aber das ist, Blickkontakt aufzunehmen ist ja ganz häufig so ein Startpunkt, wo du selber vielleicht gar nicht so viel machen musst, weil die Person dann schon dir ja auch in die Augen schaut und dann vielleicht selber Hallo sagt oder auf dich zukommt.

Also das ist ja ganz oft der Punkt, gerade auch auf so Networking-Events, wenn du da auch irgendwie Blickkontakt zu jemandem aufbaust und freundlich lächelst, dann ist das auch schon ein Türöffner. Also wirklich ganz, ganz, ganz klein denken.

Kann ich anfangen, meine Nachbarn regelmäßig zu grüßen? Kostet mich das sehr viel Überwindung? Vielleicht ist das etwas, was ein bisschen Überwindung kostet, aber machbar ist. Da anfangen und sich von da an weiterhangeln.

Also das ist jetzt wirklich für Leute, die sagen, okay, ich habe da wirklich ganz, ganz große Hürden, aber das soll einfach verdeutlichen, du kommst in kleinen Schritten auf jeden Fall weiter.

[Alex] Das ist doch ein schönes Schlusswort.

Melina, vielen, vielen Dank, dass du heute hier warst und uns über deinen Instagram-Ausstieg erzählt hast und über das Thema Netzwerken.

Vielen Dank.

Shownotes

Melinas Website

Melinas Podcast „Still und Stark“

Me Manual

Kurs „Intuitiv Netzwerken“

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Buch „No Social Media!“

Buch „Don’t be evil“

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Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin

Instagram-Ausstieg als Beraterin – Interview mit Anika Bors von Podcastwonder

In dieser Podcastfolge habe ich Anika Bors zu Gast. Anika ist Gründerin der Podcastagentur „Podcastwonder“. Und ich werde mit ihr heute natürlich über den Podcast als Social-Media-freie Marketingstrategie sprechen, aber auch über ihren eigenen Instagram-Ausstieg und was das mit ihr und ihrem Unternehmen gemacht hat.

In dieser Podcastfolge habe ich Anika Bors zu Gast. Ich habe Anika für mein Buch „No Social Media“ interviewt und wollte sie gerne auch noch mal hier im Podcast zu Wort kommen lassen.

Anika ist Gründerin der Podcastagentur „Podcastwonder“. Und ich werde mit ihr heute natürlich über den Podcast als Social-Media-freie Marketingstrategie sprechen, aber auch über ihren eigenen Instagram-Ausstieg und was das mit ihr und ihrem Unternehmen gemacht hat.

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Instagram-Ausstieg und Marketingpause

[Alex] Ja, Annika, schön, dass du da bist. Lass uns gleich mal in das Thema Instagram einsteigen, beziehungsweise aussteigen, denn genau das hast du ja gemacht, richtig? Du hast dich als Podcastberaterin, als Podcaststrategin von deinem Instagram-Kanal verabschiedet. Wie kam es dazu?

[Anika] Oh ja, also da, wie kam es dazu? Da waren mehrere Gründe oder mehrere Ereignisse, die quasi zusammenkamen. Also ich habe das jetzt nicht bewusst entschieden, dass ich jetzt gesagt habe, so jetzt mache ich mal mit Instagram eine Pause. Das war irgendwie, keine Ahnung, so ein Mix aus Überforderung, zu viel gearbeitet, zu reizüberflutet, würde ich sagen, den Arbeitsplatz gewechselt von Coworking-Space zu Zuhause-Arbeiten, Homeworking.

Und dann hatte ich auch, zu dem Zeitpunkt hatte ich ein Instagram-Coaching auch gemacht bei jemandem, was mich auch so ein bisschen dazu, ja, so in die Situation gebracht hat. Und dann, das kam alles so ein bisschen zusammen, da waren noch private Sachen, die da noch mit reingespielt haben und dann war mir einfach irgendwie alles zu viel und Instagram war so das allererste, wo ich gesagt habe oder wo ich gefühlt habe: „Okay, was ist da jetzt gerade los, ich kann das jetzt gerade nicht weitermachen, das stresst mich alles noch mehr.“

Und habe dann irgendwann so kurzerhand entschieden: „Okay, ich mache jetzt mal wirklich einen Stop von jeglichem Marketingkanal.“

Das ist jetzt schon anderthalb Jahre her und ich glaube, so diese komplette Marketingpause war so zwei Monate roundabout.

Und das Witzige an der ganzen Geschichte, also was heißt witzige, ich habe halt wirklich in dieser Zeit gemerkt, wo ich mal so Pause gemacht habe, nichts gemacht habe, dass trotzdem mein Business weiter funktioniert hat.

Es kamen trotzdem Kunden, genauso wie vorher, und ich habe immer gedacht, ich müsste jetzt total viel Marketing machen, total viel Instagram vor allen Dingen auch machen, mich ständig zeigen und als ich mich nicht mehr gezeigt habe, hat sich nichts geändert.

Und meiner Seele tat es viel besser, also tat es richtig gut. Ich habe irgendwie den Frieden in mir gefunden. Das war irgendwie ganz interessant.

[Alex] Wir werden gleich nochmal über dein Marketing sprechen, weil das hat vermutlich auch einen Grund, warum es ja dann trotzdem funktioniert hat. Da werden wir gleich nochmal drüber sprechen. Aber zunächst einmal, du hast gesagt: „zu viel“. Also das ist, glaube ich, so ein Gefühl, das ich voll gut kenne von früher. Und ich glaube auch, das viele andere kennen, die eben so einen großen Mix machen an Marketing-Strategien. Kannst du da vielleicht so ein bisschen noch den Finger drauflegen? Also was genau war denn zu viel an Instagram oder generell am Marketing für dich?

[Anika] Also an Instagram zu dem damaligen Zeitpunkt, da hatte ich eine VA. Also die hatte ich, glaube ich, zwei Jahre. Die hat mich unterstützt. Und ich habe eigentlich immer gedacht, das nimmt mir Arbeit ab.

Aber letzten Endes hat es mir nicht Arbeit abgenommen, weil ich musste ja trotzdem den Input geben. Und das hat mich gestresst. Also das war so ein Ding, weil ich da irgendwie ständig Entscheidungen treffen musste, was sollen wir jetzt machen, was nicht. Und das war mir einfach alles zu unflexibel, sagen wir es mal so.

Und dann natürlich die Storys, die haben mich auch wahnsinnig genervt. Also sich ständig irgendwie zu zeigen, das Gesicht in die Kamera zu packen und irgendwas zu erzählen. Ich habe mich total beobachtet gefühlt die ganze Zeit von anderen Instagram-Experten. Mir sind sehr viele Instagram-Experten gefolgt. Ich habe ständig irgendwelche ungefragten Ratschläge bekommen.

Das war auch so ein Ding, was mich so, wow, so ein bisschen, was mir zu viel war, wo ich dann irgendwann auch keinen Bock mehr hatte. Und dann war es für mich so, Instagram hatte ich immer so das Gefühl, dass es so wie auf einem Schulhof zugeht. Ich weiß nicht, ob das so richtig ist, aber so kam mir das vor, dass jeder über jeden und jeder Experte wurde so in den Kakao gezogen, ständig wird irgendwas verkauft. Also das war so eine, so aus heutiger Sicht betrachtet, so eine richtige Reizüberflutung. Wenn ich das heute so sehe … Ja.

[Alex] Du hast auch einen eigenen Podcast, da können wir auch noch drüber reden, und du hast eine Podcast-Episode gemacht über deinen Instagram-Ausstieg. Da bin ich auch darauf aufmerksam geworden, dass du das nicht mehr machst. Und da hast du sowas gesagt wie: „Jeder Tag auf Instagram war wie ein kleines Netzwerk-Event für mich.“ Das klingt furchtbar anstrengend.

[Anika] Ja, und zumal ich als Person bin eigentlich sehr introvertiert. Ich mag das nicht, ständig auf Events zu sein. Ich mag das, meine Ruhe zu haben. Also das wusste ich damals jetzt noch nicht so. Das habe ich jetzt auch in der Zeit so ein bisschen realisiert für mich. Und auf Instagram hatte ich immer das Gefühl, es ist ständig wie Konferenztag oder wie ständig connected man sich, ständig muss man irgendwie präsent sein, ständig kriegt man Nachrichten oder Kommentare oder irgendwas. Das war echt nicht so schön, also heute so betrachtet.

Veränderungen nach dem Instagram-Ausstieg

[Alex] Und wenn du jetzt so vergleichst, dein Arbeitsalltag mit Instagram, dein Arbeitsalltag ohne Instagram, was hat sich denn da konkret verändert? Wie war das denn früher, wie ist das jetzt?

[Anika] Jetzt ist es mega entspannt alles. Jetzt habe ich nicht mehr irgendwie einen, ich würde mal sagen, so einen externen Stress, obwohl ich mir den ja damals auch selber gemacht habe, so. Das muss man auch dazu sagen.

Aber jetzt habe ich das nicht, also jetzt mache ich wirklich jetzt so, klar, für Podcasts, wenn ich das plane oder Newsletter schreibe oder Blogartikel oder so, das ist halt einfach, da habe ich nicht ständig ein Handy in der Hand und muss irgendwie connecten mit anderen. Das kann ich halt in meinem stillen Kämmerlein machen, so wann ich mich dafür gut fühle, wann ich das für mich einplane. Das ist halt einfach super entspannt. Und ich bin für mich so, also das hört sich komisch an, aber ich bin halt einfach hier so in meinen vier Wänden. Ich kann das alleine machen. Das ist halt anders. Und ich habe nicht das Gefühl, dass mir da ständig jemand zuguckt.

[Alex] Und das Gefühl hattest du damals auf Instagram, dass da immer Augen über dich wachen …

[Anika] Ja, das ist irgendwie total strange.

[Alex] Fehlt dir irgendwas ohne Instagram, überlegst du vielleicht sogar insgeheim zurückzugehen oder sagst du …

[Anika] Also fürs Business nicht. Ich muss dazu sagen, ich habe einen privaten Instagram-Account, den habe ich noch und da mache ich aber selber jetzt gar nichts.

Also, wenn ich dann mal irgendwas poste, dann hat das überhaupt nichts mit Business zu tun. Dann ist es halt wirklich irgendwie privat. Und ich folge da halt auch hauptsächlich nur Privatmenschen. Und da ist halt nicht so die Reizüberflutung für mich da, weil ich da viel gemutet habe auch. Sagen wir es mal so, was mich jetzt irgendwie stressen könnte. Aber fürs Business, nee. Definitiv nicht. Also, da gehe ich definitiv nicht zurück.

[Alex] Ich finde das spannend, dass es für dich so einen Unterschied macht, ob du da privat unterwegs bist oder beruflich unterwegs bist. Wie kommt es, dass es da so einen großen Unterschied gibt?

[Anika] Ich finde halt privat, also ich folge, wie gesagt, ich folge halt nur Privatmenschen. Das ist halt, denn ich lebe halt nicht in Deutschland, ich lebe ja im Ausland. Und von daher mag ich das auch ganz gerne mal mit anderen Menschen so connected zu sein, die halt auch woanders leben. So mit meiner Familie, mit meinen Freunden könnte man das auch über WhatsApp machen.

Aber ich finde das halt, da ist es halt, da muss ich halt nicht ständig eine Nachricht schreiben. Da klicke ich mal kurz deren Story an und bin informiert, so in Anführungszeichen. Und dafür ist es halt, das ist was anderes als jetzt so ein Business-Content, wenn mir jetzt ständig irgendwer was verkaufen will.

[Alex] Und setzt dich das dann auch nicht so sehr unter Druck, wenn du einfach mit Menschen, die du magst sowieso, dann connected bist?

[Anika] Ja, das ist anders. Das ist total anders.

[Alex] Ich fand, als ich deine Podcast-Folge gehört habe, auch spannend, dass du gesagt hast: „Ich habe mich gefragt, warum ich eigentlich meinen Instagram-Kanal gestartet habe. Ich habe darauf keine Antwort gefunden.“ Meine Erfahrung ist, damit bist du echt nicht allein. Wie kommt das? Wie kannst du dir das erklären?

[Anika] Ich glaube, damals war das so ein Punkt, ich glaube, da war ich drei Jahre, hatte ich mein Business und ich hatte nie großes Marketing gemacht zu dem Zeitpunkt. Also ich hatte gerade auch mit dem Blog, so ein bisschen mit dem Bloggen gestartet und davor lief halt alles, es lief halt eigentlich alles total gut über Weiterempfehlungen. Ich habe immer Kunden gehabt, also ohne, dass ich jetzt Marketing machen musste. Das war halt einfach geil damals. Und irgendwann kam ich halt so in diesen Genuss, okay, krass, jetzt müsste ich ja von außen, so, man kommt ja irgendwann so an diesen Punkt mit seinem Business, wo man sich denkt, so jetzt müsste ich skalieren, jetzt muss ich das machen oder das machen oder das machen, jetzt muss ich wachsen und dann war halt so, ja, machst du halt Instagram, machen ja voll viele, es ist gerade voll so im Trend.

Ich wusste aber, ich will es nicht alleine machen, ich habe mir von dem Zeitpunkt an auch eine VA geholt oder beziehungsweise also mit einer zusammengearbeitet. Und ja, das war so, ich hatte jetzt aber nie wirklich so richtig Freude daran, was mir wichtig ist in der Arbeit. Und ich habe es halt aus Businessgründen gemacht.

Und das ist halt, was ich ja theoretisch eigentlich, auch Menschen, die einen Podcast starten wollen, immer rate, guck halt wirklich, ob es dir Spaß macht, ob du da Bock drauf hast. Und ich selber habe es halt nicht gemacht. Ja.

[Alex] Ja, man ist dann, glaube ich, auch sehr schnell in so einer Filterblase, also dass man Accounts folgt, die sagen, du brauchst Instagram, und dann interagiert man vielleicht oder guckt sich die Beiträge halt mehr an oder likt sie und dann kriegt man noch mehr von diesen Beiträgen angezeigt und so hat man nur noch Menschen um sich herum, die sagen, man braucht unbedingt Social Media und andere Informationen schaffen das gar nicht in den Feed. Also ich glaube, da kann man schon so ein bisschen gucken, vielleicht sich den Feed zu gestalten, wenn es irgendwie funktioniert, oder eben sich zumindest bewusst zu machen, dass man in einer Blase sein könnte, wo es nur noch eine bestimmte Meinung dann gibt. Hast du das auch so an dir beobachtet mit diesen Blasen, dass du dann in einer drin warst?

[Anika] Ja, total. Also auch thematisch gesehen. Ich habe immer so das Gefühl gehabt, so jeder kennt sich, wir sind so in einer Bubble drin und dann hatte ich so irgendwann mal das Gefühl, so okay, dann sieht man irgendwie neue Experten, denkt man sich so, hä, wer ist das? Wer ist das? Und dann habe ich mal so für mich auch realisiert, okay, das gibt ja sauviele Bubbles da draußen. Das ist halt voll krass, wo man halt so drin ist. Das ist total interessant. Also, ja.

Selbstständig ohne Instagram: Marketingstrategien

[Alex] Nun lass uns doch darüber reden, wie Marketing bei dir jetzt konkret ohne Instagram genau aussieht. Du hast schon gesagt, du hast eine völlige Marketingpause gemacht und hast nicht so viel gemerkt, was ja erstmal sehr spannend ist.

Wie hat sich denn, als du zum Beispiel von Instagram weg bist, wie hat sich denn jetzt deine Reichweite oder die Anzahl der Anfragen oder auch von mir aus Kund*innen bei dir verändert? Oder ist alles gleich geblieben? Was ist passiert?

[Anika] Es ist gleich geblieben. Ja, also es ist auch das Spannende, über Instagram kamen tatsächlich über die Zeit immer gar nicht, also kamen gar nicht so viele.

Also die meisten Menschen, die kamen halt immer über Weiterempfehlungen bei mir, über Google ganz viel und über den Podcast. Und dann halt auch Newsletter irgendwann. Das sind so meine hauptsächlichen Kanäle. Und das ist gleich geblieben, das mache ich auch gleich.

Und ja, ich denke mir, warum nicht etwas nutzen, was gut funktioniert, wo ich Spaß dran habe, wo ich einfach die Inhalte so kreieren kann, wann es mir passt. Und die sind ja auch immer auffindbar. Das ist ja nicht so wie bei Instagram oder bei anderen Social-Media-Kanälen, dass das irgendwann verschwindet oder so. Ich finde, das ist der große Vorteil.

[Alex] Ja, definitiv. Kannst du uns mal durch die einzelnen Schritte der Customer Journey mitnehmen bei dir? Also wie werden Leute dann auf dich aufmerksam? Wie baust du Vertrauen auf? Was sind so deine Verkaufsstrategien? Vielleicht können wir da ja die Plattform so ein bisschen zuordnen für die einzelnen Phasen, damit man das so besser versteht.

[Anika] Gerne. Also gefunden werde ich hauptsächlich über Google. Über Blogartikel.

[Alex] Also SEO.

[Anika] SEO, genau. Da habe ich irgendwann mal mit angefangen. Also als ich damit angefangen habe, hatte ich keinen Plan von SEO, aber hat anscheinend funktioniert. Und dann habe ich bei der Maike von Satzgestalt, mit der habe ich dann zusammengearbeitet und da hatten wir halt ein Coaching zusammen und das hat natürlich auch nochmal wahnsinnig reingespielt in die Karten und das funktioniert auch heute noch gut. Also das ist so wirklich das, worüber Menschen aufmerksam werden auf mich, also hauptsächlich.

[Alex] Ich übrigens auch. Ich habe damals, als ich angefangen habe, so zu überlegen, Podcast, ja oder nein, habe ich gegoogelt. Und dann warst du halt weit oben. Egal, was ich zum Thema Podcast gegoogelt habe, du warst immer irgendwie oben. Und dann bin ich so auf deine Website und auf deinen Podcast aufmerksam geworden. Also es funktioniert. SEO funktioniert.

[Anika] Geil. Ja, und dann hören die halt meinen Podcast danach. Also das ist so der Case, würde ich mal sagen. Und dann noch den Newsletter abonnieren. Und dann, das ist halt so, ich würde mal sagen, die Journey überhaupt. Also das ist so ein Dreamteam, was so gut funktioniert bei mir. Das ist jetzt schon seit zwei, drei Jahren. Ja.

[Alex] Auffällig an deinen Strategien ist ja auch, sie sind alle langfristig. Also SEO, Podcast, Newsletter. Du hast ja jetzt auch einen YouTube-Kanal, richtig? Was im Grunde ja auch eine Suchmaschine ist. Also ich glaube, einige sehen das als Social-Media-Kanal, aber es ist eher eine Videosuchmaschine. Also ist das Absicht, ist Langfristigkeit etwas, was dir wichtig ist in deinem Marketing?

[Anika] Ja, total. Das ist mir nicht nur Marketing wichtig, das ist mir auch im Leben wichtig. Also, ich bin halt kein Mensch oder keine Person, die etwas kurzfristig macht. Ich bin wirklich so auf, ja, ich gucke mir das wirklich Dinge langfristig an und das sehe ich auch in meinem Business.

Ich meine schon allein, wie lange mache ich, ich bin seit 2016 jetzt mit dem, was ich mache, dabei. Und ich mache das konsequent. Mache ich das so, wie ich das mache seit, also ich meine, klar gibt es halt so kleine Veränderungen, aber ich kenne halt Kollegen von mir, die halt schon auch öfters mal wechseln, die Berufsbezeichnung. Also ist völlig in Ordnung, aber ich finde das halt für mich viel, viel besser. Das gibt mir halt einfach so auch Stabilität.

Und ich finde, dass langfristig zahlt sich das halt einfach gerade, was das Marketing anbelangt, zahlt sich das halt doppelt und dreifach aus. Also ich muss halt, ich bin halt auch von der Person her ein bisschen gechillter, ein bisschen, ich brauche mehr Ruhe, mehr Auszeiten. Und da spielt es mir natürlich super in die Karten, wenn ich dann Kanäle habe, die auch ohne mich funktionieren, wo ich nicht ständig irgendwie meine Arbeit reinstecken muss. So, und das ist halt, das finde ich halt ziemlich cool an so langfristigen Kanälen.

[Alex] Du hast vorhin gesagt, am Anfang wurdest du extrem viel weiterempfohlen. Wie kam es denn dazu? Also ich glaube, Weiterempfehlungen sind ja, also viele finden Marketing mit Weiterempfehlungen so ein bisschen, naja, so oldschool und so, man kann sich nicht drauf verlassen. Es stimmt natürlich, man kann sich nicht drauf verlassen. Aber wenn Leute einen weiterempfehlen, ist das natürlich grandios. Die beste Werbung ja eigentlich. Aber wie hast du das denn geschafft am Anfang, dass du da so oft weiterempfohlen wurdest?

[Anika] Das frage ich mich auch. Das ist eine gute Frage. Also ich glaube, zur damaligen Zeit, wo ich damit gestartet habe, 2016, war Podcasting in Deutschland ja noch in den Babyschuhen.

Da war ja noch gar nichts so richtig gefühlt. Und von daher gab es auch nicht viele Dienstleister. Also ich war mit einer der Ersten, die in dem Bereich unterwegs war.

Und das denke ich, und ich war halt damals auch in einer Community, beziehungsweise bin immer noch in der Community. Und da hat sich das dann auch so weiterentwickelt, dass ich dann dadurch, einer hat mich, also die haben mich dann gebucht. Und dann hat sich das halt Mouth-to-Mouth halt irgendwie so, wurde ich dann halt weiter empfohlen und das ist halt total spannend, finde ich.

Also, ich kriege heute noch total viele Weiterempfehlungen von Menschen, die mich irgendwie mal, wo wir mal Kontakt hatten.

Ich hatte auch mal eine Phase, wo ich sehr viele Beratungsgespräche hatte und, so während, ich glaube, während der Pandemie war das, da waren super viele Beratungsgespräche und es hat nicht immer zu einer Zusammenarbeit geführt, aber die Kontakte empfehlen mich auch heute noch weiter, also, obwohl ich auch dazu sagen muss, dass Weiterempfehlungen nicht immer das Nonplusultra sind.

Es ist cool, wenn man weiter empfohlen wird für seine Zusammenarbeit, aber es sind nicht immer die passenden Menschen dabei, die halt zu mir passen als Person und das ist natürlich auch immer das, was man immer so ein bisschen, ja, finde ich, als Nachteil auch betrachtet oder sehen darf. Ja.

[Alex] Ja, gut, aber das gilt vermutlich auch für andere Strategien. Also wenn jemand was googelt, wird das ja auch nicht immer der passende Mensch sein.

Du hast eine Community angesprochen, die dich dann weiterempfohlen hat. Was war das für eine Community?

[Anika] Der Citizen Circle, falls du den kennst.

[Alex] Nee, habe ich noch nie gehört. Und genau, da habt ihr euch, habt ihr euch so, trefft ihr euch da oder welche Rolle spielt so diese Community?

[Anika] Also das ist halt eine Community für ortsunabhängiges Arbeiten. Also da sind halt viele Unternehmer*innen drin, die halt ein Online-Business haben oder irgendwelche anderen, ja, Business-Modelle, die man halt ortsunabhängig halt machen kann. Also auch Freelancer, also alles, was man so sich vorstellen kann.

Aber was das Schöne an dieser Community ist, was ich immer als einen wahnsinnigen großen Vorteil sehe, dass halt sehr viele introvertierte Menschen da drin sind, also nicht so diese Bühnenmenschen, also die sehr laut sind. Und das finde ich halt immer sehr angenehm und da ist es mir auch, weil ich eigentlich nicht so der Community-Mensch bin, ist es mir dann natürlich auch ein bisschen leichter gefallen, mich da einzugrooven, mich da einzufinden und habe da auch lange auch den Podcast auch mit betreut und habe auch Moderation teilweise auch übernommen für den Podcast. Und ja, so hat sich das dann halt alles entwickelt.

Warum ein Podcast eine gute Marketingstrategie ist

[Alex] Das finde ich auch total schön, dass du das nochmal so gesagt hast, Weil man vergisst, glaube ich, dass Beziehungen immer noch so das A und O sind in der Selbstständigkeit. Also diese Oberflächlichkeit, die es auf sozialen Medien gibt, führt vielleicht dazu, dass man Follower hat, viele Follower hat, aber so tiefere Kontakte entstehen einfach, wenn wir mit Menschen auch mehr zu tun haben und persönlichen Kontakt mit Menschen haben. Und deswegen finde ich das nochmal ein schönes Beispiel.

Ja, nun will ich dich natürlich nicht gehen lassen, ohne deine Podcast-Expertise anzuzapfen, wenn ich darf, denn du bist ja Podcast-Strategin, Podcast-Beraterin und ja, ich habe es schon erzählt, ich habe im Grunde ja, als ich gedacht habe, jetzt starte ich einen Podcast oder überlege, ob ich das mache, dich gefunden und genau, also deinen Podcast gefunden und habe mir sämtliche Podcast-Episoden von dir angehört.

Und ich glaube, hatte ich es nicht ich selbst unglaublich spannend gefunden, mich in das Thema einzunerden, hätte ich dich da definitiv für engagiert, denn es ist total hilfreich, was du machst und deswegen … Ja, ich weiß nicht, ob es meinen Podcast so schnell in der Form gegeben hätte, hätte ich deinen Podcast früher nicht entdeckt. Nur so viel dazu.

Aber vielleicht kannst du mal zu Beginn erzählen, warum ist denn ein Podcast eine so gute Social-Media-freie Marketing-Strategie in deinen Augen? Du hast ja selbst einen Podcast, betreust viele Podcasts und genau, warum ist das so eine gute Idee?

[Alex] Also ich finde, ein Podcast bietet halt super wenig Ablenkung. So erst mal, wenn ich mir einen Podcast anhöre, wenn ich mich dafür entscheide, dann ploppen da nicht fünf andere Podcaster auf und sagen, hey, hier, hör auch meinen Podcast. Was ja bei Social Media so ein Ding ist, finde ich. Oder auch bei YouTube kann man das auch so sehen.

Oder auch, nee, bei Google jetzt nicht. Aber ja, ich überlege gerade. Ja, aber das ist halt so ein großer Vorteil, sehe ich, weil wir uns wirklich ablenkungsfrei etwas anhören können. Das ist erst mal voll schön.

Und dann finde ich, die Stimme ist einfach so ein schönes, intimes, persönliches Instrument. Das hört sich immer so komisch an, aber mit der Stimme kann ich halt total gute Verbindung aufbauen zu dem Hörer, zu der Hörerin. Und unsere Stimme ist so individuell wie ein Fingerabdruck zum Beispiel. Ja, das ist natürlich erst mal total toll, dass ich mich da auch so zeigen kann.

Und die Stimme transportiert auch total viel. Also ich kann darüber auch viel wahrnehmen, ob ich die Person ja sympathisch finde oder nicht und kann mich halt wirklich nur erstmal auf die Stimme konzentrieren oder fokussieren, wenn ich das jetzt höre, den Podcast und nicht irgendwie auf alles andere, was wir ja noch mitbringen als Mensch.

Und von daher, das finde ich auch einen großen Vorteil, weil es halt einfach Nähe und Verbindung schafft, so ein Podcast und von der Stimme her und ich kann, ich weiß immer, Authentizität ist immer so ein Buzzword, aber ich weiß leider nicht, wie ich es anders ausdrücken kann, aber ich finde, wir können uns halt einfach auch anders zeigen mit der Stimme in einem Podcast, als ich jetzt beispielsweise mich vor einer Kamera vielleicht zeige oder auf, ja, Instagram beispielsweise zeigen würde. Das ist schon anders.

Also man groovt sich natürlich am Anfang ja erstmal ein und wenn man den Podcast einspricht, vor so einem Mikrofon sitzt, aber dann... Wenn man das erstmal so für sich so geschafft hat, ist es halt auch voll schön, so finde ich, man hat, ja, man hat halt einfach auch so eine schöne Aufnahmeatmosphäre, so.

Podcast in der Customer Journey

[Alex] Und welche Funktion würdest du sagen, erfüllt so ein Podcast in der Customer Journey?

[Anika] Verbindung aufbauen, ja, Vertrauen schaffen, das ist so, das ist auf jeden Fall ein Punkt, weil so Menschen, die zu mir kommen, zum Beispiel, die sagen, ich habe mir jetzt total viele Podcast-Folgen von dir angehört, so, nachdem ich dich auf Google gefunden habe.

Und das ist für mich dann halt so ein Zeichen, okay, Vertrauen schaffen.

Ich kann halt gucken, ob diese verkörperte Expertise, die kann ich halt über die Stimme und über das Wissen oder was, wie auch immer ich den Podcast gestalte, kann ich da halt einfach auch sehr gut rüberbringen und transportieren. Ja.

[Alex] Was ich auch so schön finde, ist, dass man sich ja aktiv entscheidet, eine Folge zu hören. Das ist ja nicht wie auf Instagram, dass ich einfach einen Feed habe und ich scroll und scroll und sehe da Beiträge, sondern jemand muss sich gezielt dafür entscheiden, auf Play zu drücken und zwar dann jede Woche quasi aufs Neue bei einer neuen Folge oder alle zwei Wochen oder wie auch immer. Also ich glaube, dieses bewusste Entscheiden ist auch nochmal total wertvoll, oder? Wenn man so überlegt, auch später für den Verkauf.

[Anika] Total. Ja, also wenn ich mich halt dafür entscheide und deswegen ist so, wenn ich jetzt Podcaster bin, das darf ich halt auch immer im Kopf haben, dass sich Menschen ja dafür bewusst entscheiden, meine Episoden zu hören. Und deswegen darf ich da auch gerne gucken, wie ich die Zeit von denen natürlich auch nutze.

[Alex] Gibt es denn deiner Erfahrung nach Nischen oder Bereiche, Themen, wo du sagst, da lohnt es sich definitiv, einen Podcast zu starten? Oder lohnt es sich immer, einen Podcast zu starten? Oder für manche Nischen besonders?

[Anika] Und also es lohnt sich schon besonders, einen Podcast zu starten, finde ich. Also ich kenne jetzt kein Thema, für was es sich jetzt nicht eignen würde. Ich glaube an jedes Thema.

Und so im Business-Bereich oder ich beobachte halt sehr, dass es so im Coaching-Bereich ist. Das ist schon so ein Must-Have, habe ich so das Gefühl, so einen Podcast zu haben. Aber generell thematisch gesehen, wenn ich mir das immer mal angucke, ich habe das Gefühl, es ist … gefühlt gibt es halt für jeden Bereich oder für jedes Thema schon einen Podcast, was natürlich jetzt nicht abschrecken soll.

[Alex] Ich wollte gerade sagen, lohnt es sich da noch?

[Anika] Es lohnt sich. Es lohnt sich definitiv noch, weil wir bringen ja alle unsere eigenen Erfahrungen ja auch rein, wenn wir jetzt einen Podcast starten. Und es ist immer total interessant.

Ich habe, ich muss mal eine Story dazu erzählen, weil das ist vielleicht auch nochmal so ein Augenöffner dazu. Ich arbeite jetzt ganz neu mit einer Kundin zusammen und wir haben letztes Mal geguckt, was es für andere Podcasts in ihrer Nische gibt, und sie war total überfordert, weil es schon so viele gibt und wollte schon fast aufgeben und dann meinte sie zu mir, ja, Anika, du hast voll Glück, weil du hast ja keine Mitbewerber. Von dir gibt es ja keine, also du hast niemanden da draußen und ich so, hä? Also das stimmt nicht. Also es gibt auch andere, aber sie hat die anderen einfach nicht wahrgenommen, die hat die anderen nicht gesehen und ich finde, das ist mal ein schönes, ja, das ist ein schöner Pluspunkt. Oder vielleicht gibt es da draußen auch Hörer, die das Thema jetzt von einem anderen noch nicht wahrgenommen haben. Vielleicht ist man die Person, die das natürlich dann nach vorne bringt.

[Alex] Also bei mir ist es auch so, wenn ich mich für ein Thema interessiere, dann kann ich ja gar nicht genug dazu lesen oder hören. Also es ist dann ja nicht so, dass ich sage, aber ich höre jetzt nur zwei Podcasts zu Thema X, sondern da freue ich mich ja über jeden neuen Podcast, den ich entdecke oder über jedes neues Buch, das ich zu einem Thema entdecke. Also ich glaube, gerade wenn es Leute gibt, die dasselbe machen, muss es ja überhaupt nichts Schlechtes sein.

[Anika] Nee, absolut. Und jeder hat ja eine andere Sichtweise auf die Themen. Also es ist natürlich auch schön, dann auch immer unterschiedliche Sichtweisen zu sehen, anstatt immer nur eine Perspektive.

[Alex] Und wie mache ich das jetzt konkret? Also wenn ich jetzt die Idee habe oder den Plan habe, ich will einen Podcast starten, wie komme ich dann zum fertigen Podcast? Welche wichtigen Schritte muss ich da gehen?

[Anika] Also wichtig ist natürlich das Thema, die Idee, das an sich sollte schon mal da sein. Das ist ein ganz wichtiger erster Schritt. Und das Warum dahinter, also warum ich den Podcast überhaupt starten will, habe ich darauf Bock.

Also weil ich erlebe es halt auch oft, dass Menschen den Podcast halt nur starten, weil man es halt gerade so macht. Also wie beim Thema Instagram. Und das ist natürlich die falsche Herangehensweise, meiner Meinung nach, weil das zeigt sich dann irgendwann. Irgendwann verliert man die Lust am Podcasten, weil man halt einfach nicht so den Bock drauf hat. Das ist auf jeden Fall ganz wichtig.

Und ja, dann würde ich mir mal, ich würde mich mal hinsetzen, wirklich auch mal brainstormen, was für Themen, über was könnte ich denn jetzt wirklich sprechen? Weil das ist auch oft so eine Hürde im Kopf, was ist, wenn mir die Themen ausgehen? Aber wenn ich dann da mal so eine Liste habe, über was ich alles sprechen kann, dann ist man da auch schon viel schlauer und motivierter, da ranzugehen an das Podcast-Thema.

Und ja, Mikrofon, Technik, das ist jetzt auch nicht so das Ding. Das ist auch für viele so eine kleine Würde im Kopf.

Ja, aber da kann ich auf jeden Fall die Angst nehmen. Das ist auf jeden Fall sehr, es ist leicht, es ist einfach. Es gibt Einkaufslisten dafür. Also es ist jetzt kein Hexenwerk. Es ist alles total leicht. Also jeder kann das machen. Jeder kann mit der Technik einen Podcast starten.

[Alex] Auch auf deinem Blog gibt es ganz, ganz viele Tipps dazu übrigens. Weiß ich aus eigener Erfahrung.

[Anika] Ja, ich würde vielleicht auch dann mal eine Testaufnahme auch machen. Das wäre auch nochmal gut, bevor man jetzt einen Podcast startet. Das nimmt auch so ein bisschen den Druck, wenn man schon mal ans Mikrofon gesprochen hat. Und ich weiß, dass viele da draußen ja eh Sprachnachrichten gerne auch verschicken mal ab und zu. Eigentlich ist man da ja schon so ein bisschen drin in diesem ganzen Thema. Aber vor so einem riesen Mikrofon zu sitzen, das ist immer noch eine andere Geschichte nachher.

[Alex] Und wenn dann soweit alles steht und quasi so der Podcast-Launch ansteht, wie wird das deiner Erfahrung nach ein erfolgreicher Podcast-Launch? Du hast es schon angesprochen, dass man vielleicht nicht nach ein paar Folgen dann die Lust verliert. Also wie macht man das so, dass man immer mehr Menschen erreicht mit der Zeit?

[Anika] Also ich würde eh ein paar Folgen schon mal vorplanen und aufnehmen und auch für den Launch-Termin quasi auch schon veröffentlichen, also so zwischen drei bis fünf Episoden. Das würde ich schon machen, damit da einfach schon ein bisschen Futter da ist, dass die Hörer*innen nachher sich auch schon mal so ein bisschen eingrooven können. Also das würde ich auf jeden Fall schon mal machen für so einen Launch.

Und dann auch schon für ein paar Termine auch ein bisschen vorplanen, dass man da auch schon gut in der Zeit ist und nicht so den Stress hat nachher, weil das ist natürlich ganz wichtig.

Dann würde ich auf jeden Fall auch nicht einfach den Podcast jetzt launchen und sagen, ich lege mir jetzt ein Datum fest und mache das jetzt da. Ich würde vielleicht schon mal vorher irgendwie, wenn ich zum Beispiel ein Newsletter habe, schon mal informieren, sagen, ich plane das jetzt. Also da gibt es ja diverse Wege, wie wir das machen können, wenn da Menschen da draußen jetzt noch Social Media nutzen und darauf Bock haben, das kann man natürlich auch alles nutzen im Prozess, also ist auch alles easy, also das geht durchaus.

Was ich noch machen würde, ist einen Podcast-Trailer zum Beispiel auch zu veröffentlichen, vielleicht schon mal eine Woche vorher, vor dem Launch, dass das schon mal alles eingerichtet ist und dass wir da auch schon mal entspannt an die ganze Sache rangehen können. Das hilft auch nochmal. Ja.

[Alex] Ich kann das auch nur bestätigen. Also ich habe damals auch gleich kommuniziert und das hatte für mich dann gleich so eine Verbindlichkeit und ich wusste, okay, du kannst nicht wieder weg, wenn dann schon Leute schreiben, oh ja, cool. Also das Ankündigen und so ein bisschen verbindlich machen, hilft es dann auch durchzuziehen.

[Anika] Ja, total. Selber hat man dann halt so dieses Datum im Kopf und es gibt ja auch Menschen, die sich darauf dann freuen, die sich darauf vorbereiten.

Podcast-Wachstum ohne Social Media

[Alex] Nun hören ja vermutlich Menschen zu, die sich gerade für Social Media-freie Marketingstrategien interessieren. Wie ist das jetzt beim Podcast? Also wie bekommen wir auch ohne Social Media Hörer*innen für unseren Podcast? Wie ist da deine Erfahrung? Was funktioniert da?

[Anika] Also, was richtig gut funktioniert, ist Podcast-Interviews. Das ist auf jeden Fall ein Punkt, der funktioniert, weil das ist halt die gleiche Plattform. Also, da muss ich jetzt nicht irgendwie um woanders hin wechseln und kann schon gleich mit meiner Stimme und meiner Präsenz auch überzeugen.

Also, sprich, ich könnte mir jemanden in meinen Podcast einladen. Das könnte eine Launch-Strategie sein, auch für den Anfang auch schon, weil die Person teilt es vielleicht auch nochmal irgendwie mit ihrem Netzwerk oder wie auch immer.

Und was auch nochmal schön ist, wenn ich vielleicht für den Launch, wenn ich es irgendwie schaffe, das jetzt nicht muss, aber auch in anderen Podcasts vielleicht auch zu Gast zu sein.

Vielleicht habe ich ja Business-Kontakte, die vielleicht auch Bock haben, mich einzuladen. Also das ist auch immer noch eine schöne Möglichkeit, finde ich, weil das ist meiner Erfahrung nach, bringt das auf jeden Fall sehr viel für einen Podcast.

Und was ich auch machen würde, ist natürlich die Newsletter nutzen. Ganz klar.

[Alex] Wenn man einen hat, ja.

[Anika] Wenn man einen hat, genau. Aber man kann es auch gleichzeitig mit aufbauen, mit dem Podcast-Start. Das ist natürlich auch nochmal cool.

Podcast-Länge und Veröffentlichungsfrequenz

[Alex] Gibt es eigentlich deiner Erfahrung nach so Empfehlungen für eine Länge oder eine Frequenz, die gut ist? Also, wenn jetzt Leute sich fragen, wie kurz oder lang müssen die Folgen sein und wie oft muss ich die veröffentlichen? Was würdest du den Menschen raten?

[Anika] Also erstmal würde ich immer gucken: Wie viel Zeit habe ich eigentlich in meinem Business? Würde mich das zum Beispiel überfordern, jede Woche zu veröffentlichen? Das ist so ein ganz wichtiger Punkt, weil der Podcast ist ja nicht unser Business und ich weiß, dass es Menschen da draußen gibt, die stecken am Anfang sehr viel Zeit in so einem Podcast und auch in eine regelmäßige Veröffentlichung. Von daher würde ich da einfach mal das erstmal kurz abchecken.

Und dann ist es halt auch nochmal wichtig, was meine potenziellen Hörer*innen, was haben die dann auch für Zeit, den Podcast sich anzuhören. Also, wenn ich zum Beispiel Mamas habe, die haben jetzt vielleicht nicht Zeit, sich immer anderthalbstündige Podcasts anzuhören.

So, vielleicht doch, kann man aber vorher auch vielleicht schon mal abfragen, wenn man zum Beispiel ein Newsletter hat, kann man ja auch schon mal eine Umfrage machen, das ist jetzt auch, das kommt auch immer gut an und mal gucken, wie ist denn so die Tendenz so, und ansonsten wenn man jetzt noch kein Newsletter hat oder jetzt irgendwie noch nicht so richtig weiß, bietet sich halt immer an, wenn ich zum Beispiel Solo-Episoden habe, wo ich alleine spreche, das immer so maximal so 20 Minuten. Das ist so das, wie sich das so ein bisschen eingependelt hat, würde ich mal sagen. Und da ist auch die Aufmerksamkeit so erfahrungsgemäß auch groß von Podcast-Hörern, also bis zu dieser Zeit, also alles, was da drüber ist, ist immer so ein bisschen, naja, ist mal schnell weg vielleicht.

Und Interviews dürfen gern auch ein bisschen länger gehen. Also das kann auch 40 Minuten, 60 Minuten sein, je nachdem, was es jetzt für ein Thema ist. Aber wenn sich jetzt zwei Menschen unterhalten, sind Podcast-Hörer*innen irgendwie so ein bisschen eher gewillt zuzuhören.

[Alex] Aber es gibt ja auch andere Extreme. Also zum Beispiel mein Sohn hört diesen ZEIT-Podcast so gerne … „Alles gesagt“. Da sind ja teilweise neunstündige Interviews und er findet das ganz toll. Er hört sich auch manche mehrmals an. Also ich glaube, auch für andere Versionen gibt es da auch bestimmt Leute, die das halt mögen.

[Anika] Total, ja.

Am Ball bleiben: Commitment für den Podcast

[Alex] Wir haben ja schon gesagt, ein Podcast ist eher so eine langfristige Marketingstrategie und deshalb meine allerletzte Frage an dich: Wie können wir es uns denn leichter machen, am Ball zu bleiben und nicht gleich aufzuhören?

[Anika] Vorplanen. Commitment schaffen. Also ich würde für mich selber mal überlegen, was bedeutet Commitment für mich? Also wie kann ich eine Verbindlichkeit für mich schaffen, dass ich den Podcast aufnehme?

Ich zum Beispiel, ich mache das so, wenn ich Einzelepisoden aufnehme mittlerweile, ich habe mir hier, also hier auf Bali gibt es halt so Podcast-Studios und ich habe mir da einen Raum gemietet, dass ich wirklich dann auch dieses Commitment habe, dafür Geld ausgebe und dann quasi gleich mehrere Episoden aufnehme. Das hilft mir wahnsinnig.

Also es kann vielleicht für jemand anderen was anderes sein.

Und was mir auch hilft, schon mal so Themen, wenn eine Idee kommt, in meinen Plan zu schreiben, einfach mal brainstormen, alles einfach aufschreiben, dass man da immer genug Themen, genug Futter hat für Podcast-Episoden. Also das hilft wahnsinnig doll, am Ball zu bleiben, und auch für Interviews da auch schon mal die Person anzuschreiben.

Es dauert halt auch immer Zeit, anschreiben, Termine finden. Das geht nicht alles von heute auf morgen so super schnell und da ist halt Vorplanen, das ist einfach so ein Safety-Ding, was hilft.

[Alex] Ja, Annika, ich danke dir herzlich, dass du heute hier warst und uns über den Podcast als social mediafreie Marketingstrategie und deinen Instagram-Ausstieg erzählt hast.

Vielen Dank.

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No Social Media! Ich lese aus dem ersten Kapitel meines neuen Buchs vor

Ich habe ein frischgedrucktes Exemplar von meinem gerade erschienen Buch „No Social Media!“ vor mir liegen und ich dachte mir, dass ich dir in dieser Podcastfolge aus dem allerersten Kapitel vorlese.

Ich habe ein frischgedrucktes Exemplar von meinem gerade erschienen Buch „No Social Media!“ vor mir liegen und ich dachte mir, dass ich dir in dieser Podcastfolge aus dem allerersten Kapitel vorlese.

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Ein Transkript zur Folge gibt es dieses Mal nicht, doch du kannst dir das erste Kapitel als Leseprobe auf der Verlagswebsite durchlesen.

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Mein Buch „No Social Media“ ist da! 🎉 Darum geht’s

Heute ist mein Buch „No Social Media und wie dein Marketing trotzdem gelingt“ offiziell draußen und kann nun in jedem Buchladen und in jedem Onlineshop bestellt werden. Und in dieser Podcast-Episode verrate ich dir, was dich im Buch genau erwartet.

Ich weiß nicht, ob du es mitgekriegt hast, aber heute ist mein Buch „No Social Media und wie dein Marketing trotzdem gelingt“ offiziell draußen und kann nun in jedem Buchladen und in jedem Onlineshop bestellt werden.

Und in dieser Podcast-Episode verrate ich dir, was dich im Buch genau erwartet. 

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Wie viel Arbeit in einem Buch steckt

Ja, ich finde es immer noch total surreal, das zu sagen, aber:

Mein Buch ist da!

Und es ist deshalb so surreal, weil da jetzt ungefähr ein Jahr Arbeit drin steckt. 

Ich habe es zwar nicht exakt getimet, nicht exakt gemessen, aber ich vermute mal, insgesamt so tausend Stunden, so round about, die ich für das Buch gebraucht habe.

Das war ja nicht nur das Schreiben an sich, sondern auch die Gliederung erstellen, was mehrere Wochen gedauert hat, und das Überarbeiten, das sich ebenfalls über Monate gezogen hat.

Und dass das jetzt alles tatsächlich geschafft ist und ich das fertige Ergebnis in der Hand halten kann, ist verrückt. 

Worum es im Buch „No Social Media“ genau geht

Und ja, ich wollte dir heute gerne erzählen, worum es in dem Buch genau geht. Denn vielleicht überlegst du gerade, dir selbst ein Exemplar zu holen, was mich natürlich riesig freuen würde.

Und ich würde dir jetzt einfach mal erzählen, was dich in dem Buch erwartet.

Zunächst einmal: 

Das Buch heißt ja „No Social Media“, aber es geht tatsächlich nicht ausschließlich um Social-Media-freies Marketing. Ich fange im Buch einen Schritt vorher an.

Und da habe ich mich tatsächlich auch von den Menschen inspirieren lassen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe. Die mir schreiben und mir erzählen, was ihre Herausforderungen mit sozialen Medien sind. 

Und die erste Herausforderung ist tatsächlich, sich für oder gegen Social Media zu entscheiden.

Das ist nämlich alles andere als leicht, um nicht zu sagen: Es kann ziemlich kompliziert sein und es kann auch eine längere Zeit in Anspruch nehmen.

Auch bei mir hat diese Entscheidung, meine Social-Media-Kanäle endgültig zu löschen, mehrere Jahre gedauert.

Und deshalb wollte ich im Buch nicht einfach mit den Social-Media-freien Alternativen starten, sondern auch dieser Entscheidung, die ja höchst individuell sein kann, den entsprechenden Raum geben.

Deshalb starte ich das Buch damit, über die Vorteile sozialer Medien zu sprechen. Das mag man vielleicht nicht denken angesichts des Titels. Aber die Vorteile von sozialen Medien sind ja da.

Also ich gehöre jetzt nicht zu Menschen, die sagen: Soziale Medien sind des Teufels und wir sollten sie alle nicht mehr nutzen.

Ich weiß, dass es ganz viele Menschen gibt, die tolle Dinge und wichtige Arbeit auf Social Media machen. Und ich weiß auch, dass es auch Selbstständige und Unternehmen gibt, die dort eine treue Community aufgebaut haben und viele Vorteile im Social-Media-Marketing sehen.

Und deshalb war es mir ein Anliegen, da ganz transparent zu sein und die Vorteile, die soziale Medien definitiv mit sich bringen, auch ganz transparent aufzuzählen. 

Doch:

Auf Social Media ist eben nicht nur alles eitel Sonnenschein, soziale Medien haben eben auch ihre Schattenseiten. Und auch die werde ich dann in dem Buch in dem nächsten Kapitel natürlich detailliert darstellen. 

Angefangen bei Inhalten, die eben sehr schnell nicht ausgespielt werden auf Social Media, und grundsätzlich sinkender Reichweite. Über die Gefährdung der mentalen Gesundheit. Bis hin zu gesellschaftspolitischen Auswirkungen, die auch für uns als Selbstständige und Unternehmen relevant sind aus meiner Sicht.

Und wenn die Vorteile und die Nachteile von Social Media auf dem Tisch liegen, so ganz offen und transparent, dann geht es im nächsten Schritt darum, eine Entscheidung zu treffen.

Und diese Entscheidung kann nur individuell sein, denn die Entscheidung für oder gegen Social Media hat etwas mit uns selbst zu tun. Mit unseren Stärken, mit unseren Werten, mit unseren Fähigkeiten und unserer ganz individuellen Lebenssituation. 

Und so wie ich pauschale Aussagen wie „Du brauchst Instagram, wenn du selbstständig bist“ blöd finde, genauso wenig sage ich im Buch: „Du musst jetzt unbedingt Instagram löschen.“ Und das werde ich im Buch eben auch nicht tun.

Vielmehr helfe ich dir dabei, deine eigene persönliche individuelle Entscheidung zu treffen, was Social Media angeht. Und zwar informiert und faktenbasiert. 

Und es ist übrigens auch absolut okay, wenn du dich in diesem Zusammenhang entscheidest, deine Social-Media-Konten erst einmal zu behalten oder auch alle Konten zu löschen bis auf ein Konto. Oder auch so, wie ich es gemacht habe, dich völlig von sozialen Medien zu verabschieden. Alles ist okay.

Und selbst wenn du dich entscheidest, alle Konten erst einmal zu behalten, bleibt das Buch für dich weiterhin relevant, weil es für alle Selbstständigen und Unternehmen sinnvoll ist, sich unabhängig von sozialen Medien aufzustellen, einfach weil es immer gut ist, Kanäle zu haben, die nur uns selbst gehören und die wir kontrollieren können. Und wo wir nicht von Algorithmen, die sich ständig verändern, abhängig sind.

Und deshalb wird es dann im weiteren Verlauf des Buch um ein Marketing ohne oder unabhängig von Social Media gehen, und wir werden uns das Ganze zunächst strategisch angucken und überlegen:

Wie baue ich ein Social-Media-freies Marketing überhaupt strategisch auf?

Das werde ich anhand von der Customer Journey erklären und dir dann im umfangreichsten Kapitel jede Menge Social-Media-freie Alternativen vorstellen. Das heißt, da ist der Titel „No Social Media“ dann absolut treffend.

Ich hoffe, dass da für alle was dabei ist. Natürlich ist es immer so, dass nicht jede Alternative zu jedem einzelnen und zu jeder einzelnen passen wird. Das ist ja auch gar nicht realistisch. Aber meine Hoffnung ist eben, dass du da einen guten Überblick bekommst, was du für Marketingmöglichkeiten hast, wenn du nicht auf soziale Medien setzt.

Und am Ende des Buchs schließen wir noch mal den Kreis zum Anfang, wo ich ja über die Vorteile und die Nachteile von Social Media gesprochen habe. Am Ende des Buches werde ich über die Vorteile und die Nachteile von Social-Media-freiem Marketing sprechen. Denn ja, die gibt es absolut. Ich glaube, dass jede Form von Marketing mit spezifischen Vorteilen und Nachteilen kommt. Also es gibt nicht, DAS Marketing, das super ist, sondern jede Form von Marketing hat ihre Herausforderungen und hat ihre Vorteile.

Das heißt, ich werde mir zunächst angucken: Welche Nachteile entstehen, wenn ich Social Media verlasse? Was davon sind nur Mythen? Was kann tatsächlich passieren? Und auch: Wie können wir die Nachteile, die entstehen kompensieren? Geht das?

Anschließend gucke ich mir an, ob Social-Media-freies Marketing nicht auch ein Vorteil sein kann für Selbstständige und Unternehmen. Spoiler: Ja, auf jeden Fall! 

Und schließlich gucke ich mir den Social-Media-Ausstieg an sich detailliert an. 

Was mache ich ganz konkret, wenn ich entscheide, ich will Social Media verlassen? Lasse ich den Account da? Lösche ich ihn? Schreibe ich einen letzten Post? Das alles kläre ich in diesem Kapitel. 

Außerdem stelle ich auch mehrere Möglichkeiten vor, wenn Social Media löschen sich noch ein bisschen zu heftig für dich anhört.

Denn es gibt ja nicht nur diese beiden Enden auf einer Skala, sondern eben auch jede Menge Zwischenschritte und individuelle Lösungen und ja. Die werde ich auf jeden Fall auch besprechen, damit für alle, die das Buch lesen, eine individuelle Lösung für sich finden.

Interviews mit Experten und Expertinnen

In dem Buch gibt es aber nicht nur meine eigenen Gedanken, ich habe auch verschiedene Onlineunternehmer*innen und Unternehmen zu ihrem Social-Media-freien oder Social-Media-armen Marketing interviewt. Und auch weitere Expertinnen und Experten zu bestimmten Themen wie Videos oder KI, sodass auch die Themen abgedeckt sind, wo ich selbst nicht ganz so die Expertise habe.

Und dann sollten die knapp 400 Seiten auch schon rum sein.

Ja, das ist das Buch „No Social Media und wie dein Marketing trotzdem gelingt“. 

Du kannst es, wie gesagt, ab sofort in jeder Buchhandlung deines Vertrauens kaufen oder bestellen. Oder natürlich auch direkt beim Rheinwerk Verlag oder bei Amazon und allen anderen Onlineshops. Viel Freude damit.

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Social-Media-Kritik, Interview Alexandra Polunin Social-Media-Kritik, Interview Alexandra Polunin

Digitale Balance statt digitaler Stress: Interview mit Aikaterini Pegka

In dieser Podcastfolge habe ich Rini Pegka zu Gast. Rini ist eine liebe Kollegin von mir. Ich hab sie in meinem neuen Buch „No Social Media“ interviewt und wollte sie gerne auch noch mal hier in dieser Folge unbedingt zu Wort kommen lassen. Wir haben zusammen über digitale Balance gesprochen, über Achtsamkeit, Social Media, TikTok, Bücher schreiben und vieles, vieles mehr. Viel Spaß beim Zuhören!

In dieser Podcastfolge habe ich Rini Pegka zu Gast. Rini ist eine liebe Kollegin von mir. Ich hab sie in meinem neuen Buch „No Social Media“ interviewt und wollte sie gerne auch noch mal hier in dieser Folge unbedingt zu Wort kommen lassen.

Wir haben zusammen über digitale Balance gesprochen, über Achtsamkeit, Social Media, TikTok, Bücher schreiben und vieles, vieles mehr.

Das ist die bunteste und, ich glaube, die längste Podcastfolge geworden, die ich bisher gemacht habe, und ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Zuhören.

Folge anhören:

Transkript lesen

Digitale Balance und digitaler Stress

[Alex] Hallo Rini, wenn ich auf deine Website gucke, dann fällt mir auf, haha, du guckst schon sehr nervös, aber genau, dann fällt mir auf, dass da ein Wort besonders häufig genutzt wird und das Wort oder die Phrase ist digitale Balance.

Ja, was bedeutet das für dich genau und warum ist digitale Balance für dich so wichtig?

[Rini] Digitale Balance ist, glaube ich, der Wunschzustand, in dem wir uns befinden möchten, wenn wir mit digitalen Technologien arbeiten und uns auch mit Technologie sehr viel umgeben, was ja heute tagtäglich der Fall ist, ob beruflich oder privat.

Und warum wir in dieses ausgewogene Verhältnis, in diese Harmonie kommen wollen mit unserem digitalen Verhalten, ist, glaube ich, weil viele von uns digitalen Stress erleben und leben.

Und genau darum geht es bei der digitalen Balance, also quasi einen Zustand zu erreichen, wo wir nicht mehr dieses Stresserleben haben durch den Einsatz und die Nutzung der digitalen Technologien, sondern wo wir mehr oder weniger ein Verhalten haben, das uns mehr Ruhe bringt und mehr Gelassenheit bringt und wir nicht mehr so angespannt sind mit oder in den digitalen Technologien und Medien.

[Alex] Du hast jetzt schon von der Anspannung gesprochen. Wie äußert sich denn dieser Stress noch? Welche Formen gibt es da?

[Rini] Ja, also der digitale Stress hat tatsächlich viele Quellen und es gibt auch in Deutschland viele Studien, die dazu gemacht wurden und weiterhin auch gemacht werden. Wenn das jemandem interessiert, der gerade zuhört: Die Hans-Böckler-Stiftung macht da ganz, ganz tolle Studien zu diesem Thema, besonders digitaler Stress am Arbeitsplatz. Also es fängt natürlich auch mit dem einfachen Fakt der Medienkompetenz an.

Also habe ich die Kompetenzen und die Ressourcen, um digitale Medien zu nutzen? Viele, besonders ältere Menschen, haben da einen krassen digitalen Stress, weil sie das eben nicht können. Und weil das Leben zumal digitalisierter wird, haben sie da das Gefühl, nicht teilnehmen zu können an der Gesellschaft, weil sie eben so digitalisiert wird.

Und da kann ein ganz großer Stress entstehen, aber auch am Arbeitsplatz, wenn digitale Technologien uns wirklich überlasten und überbelasten, wenn digitale Technologien omnipräsent sind in allem, was wir tun, sie komplex sind, wir sie nicht verstehen und natürlich auch durch den Fakt, dass digitale Technologien, und wenn wir jetzt besonders uns auf das Smartphone beziehen oder auf Social Media, ja, ständig unterbrechen, ablenken, auch die Überwachung mit und über digitale Technologien, entweder wenn ich Google nutze, wenn ich Instagram nutze, aber auch am Arbeitsplatz.

Die digitale Leistungsüberwachung gibt es da ja auch. Das kann auch viel Stress verursachen. Die Verletzung der Privatsphäre und all die eher negativen Auswirkungen, die eine übermäßige Nutzung zum Beispiel von Social Media auch mit sich bringen. All das, also nicht wenig, kann digitalen Stress verursachen.

Für manche mehr, für andere weniger. Und genau dann deswegen braucht es diese digitale Balance oder eben auch diese digitale Achtsamkeit, wie ich sie auch oft nenne.

[Alex] Hm. Was ich ja auch so krass finde, im Grunde, du hast es schon so ein bisschen angesprochen, gilt es ja auch für fast jedes Berufsbild. Also wir sind jetzt selbstständig, aber wenn wir uns jetzt Angestellte vorstellen, die vielleicht bei jeder E-Mail in den CC gesetzt werden. Also es gibt im Grunde kaum einen Beruf, der nicht mehr davon betroffen ist, oder?

Medienkompetenz im Arbeitsleben

[Rini] Und auch handwerkliche Berufe zum Beispiel, auch wenn jemand sehr, sehr viele Jahre im Handwerk unterwegs ist, einen Betrieb hat, Mitarbeitende hat, ein gewisses Alter hat, braucht diese Person auch in ihrem täglichen Arbeiten und Chef sein oder Chefin sein, sage ich mal, eine gewisse Medienkompetenz, wenn es um das ganze Administrative geht.

Vom Marketing will ich gar nicht erst anfangen, wenn man Online-Marketing betreiben möchte, aber auch das Administrative mit Versicherungen, mit Steuern, mit verschiedenen anderen Kammern und so weiter.

Das Ganze braucht dann eine E-Mail-Adresse, braucht eine Einfachheit, mit der man dann vielleicht verstehen kann, wie eine App funktioniert.

Online-Banking – man denkt Online-Banking ist natürlich sehr, sehr einfach und man denkt, wir denken heutzutage, dass wir Bankgeschäfte nur online machen können, natürlich gibt es auch den klassischen Weg, ich gehe zur Bank und mache die Überweisung mit dem Papier, sehe ich immer noch oft genug, wenn ich meine Bank besuche, ältere Herrschaften, die halt wirklich nicht wissen, wie sie es anders machen sollen, meine Mutter zum Beispiel in Griechenland, die kann auch nichts mit ihrer Karte anfangen, die geht auch zur Filiale.

TikTok und Dopamin

[Alex] Nun sind wir jetzt hier in so einem Social-Media-freien Podcast, deswegen würde ich gerne jetzt mal über Social Media sprechen und insbesondere vielleicht über TikTok, weil ich weiß, du hast da eine sehr besondere Meinung dazu. Was passiert denn so im Kopf, wenn ich TikTok nutze? Was geht da ab?

[Rini] Ja, es ist natürlich nicht nur TikTok, es sind auch andere soziale Medien …

[Alex] aber TikTok ist schon am krassesten. Also die haben das, glaube ich, perfektioniert.

[Rini] Ich hatte ja TikTok mal tatsächlich, ich hatte ein Profil, ich hatte es installiert auf meinem Handy und ich habe ein Experiment gemacht. Ich mache ja gerne Experimente mit Social-Media-Sachen. Ich hatte es 30 Tage lang ausprobiert und ich bin süchtig geworden, ohne es zu wollen. Also ich habe mich selber beobachtet, ich habe meine Notizen gemacht für das Experiment.

Ich hatte damals – und das ist glaube ich schon drei Jahre her und der Algorithmus hat sich krass weiterentwickelt in der Zwischenzeit – ich hatte damals aufgeschrieben: „Ich bin noch nie in meinem Leben so einem Algorithmus begegnet auf Social Media, der wirklich auf den Leib die Inhalte schneidet, dass man wirklich immer wieder zurückkommen möchte.“

Was TikTok macht, wie gesagt, ich bin lange nicht mehr auf der Plattform, aber das Grundprinzip von TikTok ist, dass du Content hast, die über den ganzen Bildschirm verteilt ist.

Also es gibt kein Entweichen, du siehst diesen Content über den ganzen Bildschirm.

Es ist eine Reizüberflutung meistens, wenn du TikTok aufmachst. Sei es von Bewegung – und das menschliche Gehirn reagiert auf Bewegung sofort. Das wissen die natürlich, die Psychologen, die hinter diesen Apps sind, und deswegen war auch Musical.ly so, also der Vorgänger von TikTok, so erfolgreich und deswegen ist es TikTok auch immer noch, weil viel Bewegung drin ist.

Es sind ja nur Videos, die über diesen ganzen Bildschirm gehen. Es ist Musik drinnen, krasse Schriften, krasse Farben und das Schlimme an TikTok ist diese Abwechslung, dieses ganz, ganz kurzen Contents, dass unser Gehirn daran gewöhnt, sehr, sehr schnell zu einem sehr schönen Gefühl zu kommen.

Stichwort Dopamin. Dopamin wird sehr, sehr schnell ausgeschüttet. Ich unterhalte mich auf TikTok, und dieses Gefühl der Unterhaltung, dieses wohlige Gefühl, dass es mir gut geht, dass ich lache, kommt sehr, sehr schnell, eins nach dem anderen.

Und ich kann nicht mehr aufhören, weil ich natürlich immer mehr davon möchte. Ich möchte mich ja gut fühlen. Und sobald ich dann die App zumache und versuche, außerhalb dieser App das gleiche Gefühl zu bekommen, kommt es natürlich nicht so schnell wie in der App.

Also wenn ich mir einen Film anschauen möchte, Herr der Ringe, drei Stunden, oder auch andere Filme, Oppenheimer, glaube ich, geht auch dreieinhalb Stunden oder noch länger. Das alles braucht natürlich Zeit. Und nicht nur, um ein Buch zu lesen oder einen Film anzuschauen oder selbst kreativ zu werden und sich sehr tief und sehr lang mit etwas zu beschäftigen, das alles braucht Zeit und Geduld, aber auch in der Interaktion, im sozialen Miteinander, bekomme ich nicht von meinem Gegenüber so schnell die Bestätigung, wie ich sie über TikTok bekomme.

Und was passiert im Gehirn, ist, ist, dass wir uns sehr, sehr schnell an diese sehr, sehr schnelle Belohnung gewöhnen, was nicht normal ist für das Menschlichsein im physischen Raum.

Und für mich ist der tägliche TikTok-Konsum im Vergleich zu allen anderen Apps das Schlimmste, was man machen kann in einer Social-Media-Nutzung. Das habe ich auch so im Buch geschrieben.

Du hattest mir gesagt, ich soll es ein bisschen netter schreiben. Aber es ist meine Meinung, es ist tatsächlich so, es gibt nichts Schlimmeres, was man sich antun kann in der Social-Media-Welt. Und das ist der eine Fakt, also das Ganze, das passiert mit meiner Biologie und mit meiner Psychologie, mit meiner Soziologie letzten Endes.

TikTok und Datenschutz

Aber das andere ist auch, TikTok ist wirklich sehr, sehr, sehr, sehr undurchsichtig, was die Daten angeht.

Sie beziehen sich auf Daten, sie können auf Daten im Smartphone zugreifen, so wie es andere Übeltäter, Meta, Instagram, Facebook nicht können.

Sie machen auch sehr viel, aber so wie TikTok machen sie es nicht.

Wir wissen tatsächlich nicht, was mit diesen Daten passiert. Es ist eine chinesische App und man munkelt, dass es quasi eine App ist, durch die China sich weltweit noch mehr eine Machtposition erkämpfen möchte, in diesem weltweiten Kampf angeblich, den es da draußen gibt unter den Technologiekonzernen und unter den Ländern, die Technologien vorantreiben.

Deswegen ist es auch kein Wunder, dass sehr, sehr viele Staaten die App komplett verboten haben. Indien, ich glaube, auch viele europäische Staaten haben die App verboten, was bestimmte Beamten angeht, die bestimmte Positionen haben. Sie dürfen nicht die App auf Ihrem Smartphone installiert haben und auch nicht auf ihrem privaten Smartphone tatsächlich.

Und in den USA murkelt man ja darüber zurzeit, wir hören es ja alle auch in den Nachrichten, dass vielleicht auch ein komplettes Verbot ansteht, was die App angeht. Und ich glaube nicht, dass die Amerikaner übertreiben.

[Alex] Das ist jetzt so ein bisschen allgemein gewesen über Social Media, kannst du vielleicht nochmal ein bisschen uns hinter die Kulissen mitnehmen, wie du das so empfindest? Weil du bist ja schon seit, weiß ich gar nicht, zwölf, vierzehn, fünfzehn Jahren selbstständig – schon lange auf jeden Fall – und hast da bestimmt eine ganze Reise hinter dir mit sozialen Medien. Also wie hast du das immer empfunden, die Nutzung?

Rinis Erfahrungen mit Social Media

[Rini] Ich glaube, wir müssen ein bisschen in der Zeit zurückgehen, also die erste Welle des Internets, als wir so wahrgenommen haben: Wow, es gibt das Internet, ich kann das Internet nutzen!

Das war ja ein Traum, was man alles machen konnte, vor sozialen Netzwerken, damals hießen sie ja noch Netzwerke. Die Möglichkeiten, die wir hatten im Studium, in der Recherche, Reiseplanung, was auch immer, Kommunikation natürlich.

Ich konnte jetzt mit jemandem kommunizieren, der in Australien ist und mit dem ich vielleicht zehn Jahre nicht telefoniert hatte und so weiter.

Und die zweite Welle waren die sozialen Netzwerke, die so in 2011, 2012 richtig, richtig stark angekommen sind, auch als Apps auf den Smartphones.

Und als die sozialen Netzwerke dann angefangen haben, habe ich sehr, sehr früh erkannt, was sie alles Gutes tun können zu diesem Zeitpunkt. Ich war im Marketing unterwegs und ich habe schnell erkannt, dass soziale Netzwerke wie Facebook und dann später auch Instagram durch diese Direktheit und diese Transparenz fabelhafte Tools wären fürs Marketing.

Und deswegen habe ich mich da stark gemacht und auch darauf spezialisiert und habe Social-Media-Marketing angeboten in meiner Selbstständigkeit.

Und am Anfang war es wirklich super.

Also diese Kommunikation, die da war, es gab nicht den ausgefeilten Algorithmus, der wirklich die Inhalte so maßgeschneidert hat und der wirklich auch diese ganzen Filterblasen geformt hat, wie sie wir heute kennen.

Das gab es damals so in dieser Form nicht. Und je mehr die Zeit verging und je mehr ich online war und je tiefer ich da reinkam ins Social-Media-Marketing und in die Netzwerke, die dann zu sozialen Medien umbenannt wurden, wie sie ja auch heute bekannt sind, habe ich gesehen, also irgendwie habe ich das Gefühl gehabt, ich beschreibe es auch im Buch, dass es irgendwie zu viel wird.

Also ich kann es dir auch nicht mit anderen Worten, die irgendwie greifbar sind, beschreiben. Ich hatte das Gefühl: Wo geht das alles hin, wenn all diese Menschen, all diese Marken frei kommunizieren, es unreguliert bleibt, all dieser Lärm, all diese Reize, was passiert in unserem Kopf mit diesem Ganzen, mit dieser ganzen, wenn wir uns dem ausgesetzt sind, jeden Tag 24-7, wie ich es war, dürfen Kinder es überhaupt nutzen?

Also ich habe all diese Gedanken, es kam mir vor wie der Turm von Babel tatsächlich, wo sehr, sehr viele Menschen miteinander sprechen wollen, kommunizieren wollen, aber es kommt am Ende nichts raus.

Und dann habe ich mich schnell, für mich selbst habe ich entschlossen, mich zu distanzieren und eine digitale Balance in mein Leben zu bringen, indem ich da einen achtsamen Umgang für mich entschlossen habe.

Und dann – also am Anfang habe ich es für mein Wohlempfinden entschlossen und habe da einen Weg über die Achtsamkeit gefunden, eine Balance erstmal in meinem Arbeitsleben zu haben, um nicht mehr 24-7 online und erreichbar zu sein – habe ich aber schnell festgestellt:

Okay, ich bin nicht die Einzige, der es damit nicht gut geht. Ich bin nicht die Einzige mit diesen Gedanken, dass: „Moment mal, hier läuft etwas schief. Wir haben es irgendwie komplett unkontrolliert gelassen. Wir wissen nicht, was gerade hier passiert mit den ganzen Menschen, mit den ganzen Gehirnen, mit diesem ganzen Verhalten, mit den Konzernen dahinter, mit den Daten und so weiter.“

Und dann habe ich mich für die digitale Achtsamkeit stark gemacht und gesagt: „Okay, so kann es wirklich nicht weitergehen!“

Weil es kamen auch die ersten Studien, die gezeigt haben, was passieren kann. Diese Studien häufen sich seitdem umso mehr.

Und heutzutage, heute, es gibt auch ein ganz tolles neues Buch darüber von Jonathan Haidt, The Anxious Generation, das ist ein bekannter Psychologe, der sich mit dem Thema der Social Media und der digitalen Nutzung auseinandersetzt, also die Auswirkungen auf unsere Gesundheit und auf unser Sozialleben.

Heute kann man, also es gibt auch erste Studien, die eine Kausalität beweisen könnten, aber es gibt haufenweise Studien, die eine Korrelation zeigen und das weltweit.

Und besonders bei jungen Mädchen, bei Jugendlichen, wie ein Trend auf einmal da ist ab 2012, wo die Depressionsrate stark nach oben geht, wo die Anxiety-Rate stark nach oben geht, weltweit, nicht nur in den USA. Das ist sehr, sehr wichtig zu betonen. Und auch andere Dinge, die bis hin zum Suizid gehen.

Also das sind ganz, ganz ernste Fakten. Das ist schwarz auf weiß. Das passiert weltweit.

Und was ich auch gerne sage, wir alle, ich glaube, jeder, der gerade zuhört, jede, die gerade zuhört, hat es vielleicht schon gespürt, dass irgendetwas da nicht in Ordnung ist. Dass man sich meistens – meistens, nicht immer –, nach der Social-Media-Nutzung schlechter fühlt als vorher. Oder im direkten Umfeld hat man von jemandem gehört, der wirklich Probleme damit hat, mit dieser übermäßigen Nutzung. Wir brauchen oft tatsächlich nicht diese harten Fakten. Wir leben in Deutschland, wir lieben Studien, wir lieben Zahlen. Es gibt sie und wir sollten sie ernst nehmen.

Ich bin ein bisschen weggekommen von deiner Frage. Entschuldige, aber ich kann mich da nicht beherrschen.

[Alex] Das ist ja auch wichtig. Und ich glaube, dass auch gerade diese Fakten und die Studienlage ja auch sehr viel dann mit einem selbst macht, wenn man das dann liest und weiß und vielleicht sich dann auch bestätigt fühlt in dem, was man eh schon an sich wahrnimmt.

Und ich glaube, also ich kann das auch nur bestätigen, dass einige eben auch solche diffusen Gefühle haben, die sie vielleicht gar nicht so richtig benennen können oder kategorisieren können. Aber man fühlt, dass irgendwas nicht so ganz passt.

Und das, finde ich, sollte man halt ernst nehmen, weil wenn man das eben zu lange ignoriert, dann rächt sich das irgendwann. Und die Studien, die zeigen das ja einfach so schön.

Regulierung von Technologieunternehmen

[Rini] Ja, ich glaube, wir befinden uns gerade in einer Zeit, wo wirklich auch die Regierungen und Menschen, die Entscheidungen treffen, was jetzt die Regulatorien hinter diesen Plattformen und Konzernen angeht, etwas machen. Angefangen in den USA, aber nicht nur.

Wie damals in den 50er oder 60er Jahren, ich weiß nicht, wann es passiert ist, was die Tabakindustrie angeht. Früher war es ja selbstverständlich, dass jemand geraucht hat.

Niemand hat sich Gedanken darüber gemacht, wie schlecht das Rauchen sein könnte für den Körper.

Und als die ersten Studien dann da waren, musste sich die Tabakindustrie ändern und wurde reguliert, stark reguliert. Und ist natürlich heute die stärkste, regulierte Industrie überhaupt, was auch sehr gut ist natürlich. Ich glaube, wir sind gerade am Anfang, bevor das passiert.

Auch die Nutzung von sozialen Medien, was auch eine Sucht sein kann, ist noch nicht offiziell als eine deklariert, aber könnte sehr, sehr schnell zu einer deklariert werden in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten, dass wir kurz davor sind, genauso ein Phänomen zu erleben.

Und genauso wie beim Rauchen ist es auch mit dem Konsum von Social Media. Niemand möchte uncool sein. Niemand möchte sagen, Social Media sind doof, mache ich nicht oder ich bin süchtig nach Social Media oder ich bin süchtig nach meinem Smartphone, weil jeder meint, es ist selbstverständlich, acht Stunden am Tag auf TikTok zu sein oder acht Stunden am Tag eine Bildschirmzeit zu haben auf dem Smartphone. „Ich möchte hier nicht zurückbleiben. Ich möchte hier nichts verpassen. Ich muss hier dranbleiben.“

Und mit diesen Dingen arbeiten ja auch die Firmen dahinter, mit diesem Zugehörigkeitsgefühl, mit diesem Nichts-verpassen-Wollen. Das Ganze spielt letzten Endes aufs Nervensystem hinaus. Ich möchte mich sehen, ich möchte mich geborgen fühlen, ich möchte nicht im Stress sein. „Oh, da gehe ich doch lieber und schaue, was passiert ist, anstatt dass ich hier rumrätsel und rate.“ Das Nervensystem möchte das, es möchte sicher gehen. „Schau doch lieber mal nach, dann sind wir sicher, dann sind wir beruhigt.“ Und mit diesen ganzen Sachen arbeiten die Apps dahinter leider.

Kann Achtsamkeit helfen?

[Alex] Ich würde das gerne noch mal unterstreichen wollen, weil: Es ist ja nicht so, als hätte es solche Umwälzungen noch nie gegeben, also wenn wir uns den Buchdruck angucken oder die Industrialisierung angucken. Das gab es alles schon. Und ich bin jetzt natürlich keine Historikerin, bin mir aber sehr sicher, dass Menschen damals auch überfordert waren. Aber ich glaube eben, was es das erste Mal jetzt in der heutigen Zeit gibt, ist, dass es eben diese Attention Engineers gibt – Menschen, deren Job es ist, Apps süchtig machend zu designen.

Und das finde ich so krass, also dass wir dann auch alle FOMO haben und schwer davon loskommen können. Das liegt nicht an uns, sondern das ist so designt.

Und ich glaube, das ist ganz wichtig zu verstehen, was da eigentlich für Systeme, für Strukturen dahinter stecken. Aber bevor sich das alles ändert und vielleicht reguliert wird, gibt es ja vielleicht eine Lösung oder eine Zwischenlösung. Ich weiß es nicht. Vielleicht kannst du das nochmal erläutern, wie du das für dich verstehst. Weil für dich ist ja Achtsamkeit ein Schlüssel für digitale Balance oder eine mögliche Lösung für digitale Balance. Wie funktioniert das genau für dich mit der Achtsamkeit?

[Rini] Ja, mit oder bei der Achtsamkeit ist es tatsächlich so, also für mich fängt alles mit der bewussten Reflexion an.

Also Achtsamkeit hilft mir, mir diese Zeit zu nehmen, mich auf mich zu konzentrieren und zu reflektieren und wahrzunehmen, was gerade in mir los ist.

Und dazu braucht es halt eben Stille oder eben kein Smartphone oder eben Zeit für mich in einem Raum, wo ich mich sicher fühle.

Und diese Wahrnehmung, diese Reflexion befragen: Wie geht es mir mit Social Media zum Beispiel? Wie geht es meinem Körper damit, wenn ich es nutze? Wie fühle ich mich danach? Was passiert da in mir? Wie geht es in meinem Kopf vor? Welche Gedanken kommen mir? Welche Gedanken habe ich? Wie rede ich mit mir? Wie wirkt sich Social Media, zum Beispiel auch, wenn wir selbstständig sind und Marketing machen, wie wirkt sich Social Media auf mein Business aus? Gut, schlecht, ganz neutral, also gar nicht. Wie wirkt es sich auf mein Leben aus, die Zeit, die ich meine, darin verbringen zu müssen? Wie geht es mir damit? Erstmal diese Wahrnehmung, diese Reflexion, diese ehrliche Reflexion machen. Und da hilft halt eben Achtsamkeit: wirklich wahrzunehmen, was passiert.

Und wenn ich diese Reflexion mache, mir Sachen aufschreibe am besten, weil durch dieses Aufschreiben gewinne ich Abstand und sehe auf einmal Sachen vor mir und nehme auch Sachen viel, viel besser wahr, bekomme ich Klarheit, wenn ich das vor mir sehe.

Und Achtsamkeit hilft, Dinge, die ich wahrnehme, nicht sofort zu werten, sondern sie anzunehmen und zu sagen: Okay, es geht mir nicht gut damit, ich fühle Neid. Okay, wie fühlt sich der Neid für mich an?

Im Coaching sage ich dann auch gerne: Wo spürst du den Neid in deinem Körper?

Und da kommen immer verschiedene Antworten, das ist immer sehr, sehr spannend. Oder ich spüre Wut, ich spüre Ärger. Also was passiert da? Und es zu akzeptieren, wertefrei zu akzeptieren.

Und nachdem ich das alles gemacht habe und da durch bin, dann kann ich sagen: Okay, wo geht es mir nicht gut damit und wie kann ich es besser machen, was kann ich ändern? Also ich trete dann in Aktion und sage, okay, was möchte ich jetzt ändern?

In der Zeit, die ich verbringe, auf den Plattformen, die ich nutze, also wie möchte ich, dass es mir geht und dann kann ich auch entscheiden, was kann ich mehr von dem machen, das mich näher an ein Leben, an einen Lebensstil bringt, den ich möchte, der zu mir passt und der auch zu meinen Werten passt letzten Endes, der wirklich etwas ist, was ich haben möchte?

Und wie kann ich weg von dem gehen, was ich eben nicht mehr haben möchte?

Ich glaube, Achtsamkeit hilft in dieser Klärung, aber auch in dieser Annahme der Situation, die gerade ist, weil das machen oft viele nicht, im Sinne von, was ich vorhin gesagt habe, ich darf nicht, ich muss, was Technologie angeht, immer mit dabei sein, immer vorne mit dabei sein. So im Sinne von, wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Nein, ich reflektiere darüber, ich denke darüber nach. Brauche ich ChatGPT? Warum nutze ich ChatGPT? So eine andere Technologie, auf die sich viele auch draufgestürzt haben, wie damals auf Social Media, ohne zu reflektieren. Brauche ich Instagram? Kommen Kunden über Instagram?

Was sind die Kanäle, durch die Kunden zu mir finden? Ist es meine Website? Sind es Empfehlungen? Sind es Events? Ist es ganz was anderes? Ist es mein Newsletter?

[Alex] Ich selbst bin so ein bisschen zur Achtsamkeitsskeptikerin ja mutiert in letzter Zeit, weil ich da so die Gefahr sehe, dass wir alle zu unpolitischen Menschen werden, so ein bisschen überspitzt formuliert.

Aber mich interessiert tatsächlich, wie du das siehst. Also siehst du die Gefahr da auch? Oder wie können wir das vermeiden, dass wir so werden, wenn du das so siehst? Oder stimmt das gar nicht?

[Rini] Also wenn wir jetzt annehmen würden: Wenn jemand achtsam ist, ist der auch unpolitisch, müsste man ja dann davon ausgehen, dass jeder, der unachtsam ist, politisch ist.

Und ich kenne sehr, sehr viele Menschen, die unachtsam und unpolitisch sind. Also ich glaube nicht, dass es so leicht ist, das zu sagen, aber ich verstehe, wie du es meinst und wie auch andere Skeptiker es meinen, weil oft, besonders über Social Media, wird hier dieses Bild vermittelt, ich meditiere, ich mache eine Kakao-Zeremonie, ich mache Yoga, ich mache Waldbaden, komme bei mir an und alles, was um mich geschieht, ist mir egal. Mich interessiert nicht, ob irgendwo Kriege sind, ob Menschen irgendwo leiden, was mit der Umwelt passiert. Also ich konzentriere mich nur auf mich, auf mein Ego, dass es mir gut geht und alle anderen, in Anführungszeichen, können mich mal. So funktioniert Achtsamkeit aber nicht.

Weil achtsam zu sein heißt, dass ich wahrnehme, was in mir passiert, was mir gut tut natürlich.

Und indem ich aber achtsam mit mir bin und indem es mir gut geht, ist es automatisch so, dass ich achtsam auch mit meinem Umfeld bin.

Also wer Achtsamkeit praktiziert, kann nicht nur mit sich achtsam sein. Das geht einfach nicht. Es ist keine Grenze, die irgendwo aufhört, wo ich sage, das interessiert mich nicht, was zum Beispiel jetzt im Nahostkonflikt passiert. Das geht einfach nicht.

Wenn ich achtsam mit mir selber bin, bin ich achtsam mit meiner Umwelt, bin ich achtsam mit den Menschen um mich und mit den Tieren um mich.

Ich bin achtsam mit allem, was mich umgibt. Nur so kann Achtsamkeit wirklich Achtsamkeit sein. Nur so kann ich Achtsamkeit üben.

Und wenn ich sage: Okay, mir tun die News nicht gut, mir tun die Neuigkeiten nicht gut, ich schalte die Benachrichtigungen ab oder ich habe keine Apps mehr auf meinem Smartphone, das heißt nicht, dass ich nicht achtsam genug bin und in dieser bewussten, in dieser achtsamen, ausbalancierten, wie man es auch immer nennen kann, Mediennutzung rufe ich aktiv immer noch Neuigkeiten auf, aber ich entscheide, was ich aufrufe, ich entscheide, wo ich mir diese Neuigkeiten hole, weil wenn ich unachtsam bin und sie mir über Social Media hole, kann es schnell sein, dass ich in irgendwelchen Filterblasen unterwegs bin und nur meine eigene Meinung immer wieder sehe in dieser Filterblase.

Wenn ich aber achtsam bin mit meiner Mediennutzung und sage, okay, ich hole mir hier die News und ich hole mir hier die News und dann rufe ich noch diese Website auf und dann kaufe ich mir noch diese Zeitung, so erlebe ich es, habe ich mehr Perspektiven, die ich höre und die ich lese.

Und ich glaube, in einer Demokratie geht es auch darum, dass ich wirklich nicht nur für mich bin. Ich habe zwar meine eigene Meinung zu einem Thema, aber ich weiß, was um mich passiert und was andere denken. Nur so kann ich einen offenen Dialog führen.

Und das kultiviert man eben mit Achtsamkeit.

Klarheit in der Informationsnutzung

[Alex] Also es geht im Grunde auch um Klarheit. Wie will ich informiert bleiben?

Also dass ich das mir einmal bewusst mache und dass ich mich dem nicht ausliefere und denke, naja, ich folge jetzt halt auf Instagram der Tagesschau und anderen Nachrichtenportalen und kriege da eben alle zehn Sekunden was Neues rein, sondern ich gucke erst mal, was konsumiere ich da oder was will ich konsumieren, was brauche ich, um informiert zu bleiben, und so weiter. Also damit kann ich quasi die Achtsamkeit mit so einer Informiertheit verbinden.

[Rini] Ja, und natürlich gibt es Menschen, die sich nicht informieren möchten, die unpolitisch bleiben möchten, weil es ihr Entschluss ist. Und da kann man ja auch nichts dagegen sagen, weil es kann jemand sein, der wirklich zu diesem Zeitpunkt für einen gewissen Zeitraum sich wirklich zurückziehen muss von allem und von allen aus gewissen Gründen, meistens gesundheitlichen Gründen. Und dann kann ich es auch voll verstehen.

Aber ich glaube, es geht nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt, dass man sich komplett von allem zurückzieht. Dass man sich diese Pause nimmt und sagt, okay, ich schotte mich jetzt tatsächlich ab, ich gehe für eine Woche in eine Hütte in den Wald und erhole mich.

Aber wer das 365 Tage im Jahr macht, der ist nicht nur unachtsam, für den gibt es ein anderes schönes Wort, das fängt mit einem großen A an und endet mit einem H. Das sage ich jetzt nicht hier. Das ist ein anderes Benehmen, das ist ganz was anderes. Also ich glaube nicht, dass man es mit Achtsamkeit und unpolitisch sein, ich glaube, das geht irgendwie zu weit.

[Alex] Aber ich finde es spannend, dass für dich so Achtsamkeit auch das Politische mitdenkt. Also ich muss sagen, ich finde Frieden mit dieser Interpretation, weil das natürlich, also ich sehe das genauso, wenn ich anfange und bestimmte Werte mir gegenüber vertrete, kann ich da ja nicht aufhören, nur, weil ich mit anderen Menschen dann in Beziehung trete oder wenn ich mir die Gesellschaft oder die Erde angucke, wenn es mir wichtig ist, dass ich im Frieden mit mir bin, dann ist mir auch wichtig, dass andere im Frieden mit sich sind und mit anderen Menschen und dann tue ich vielleicht auch was dafür.

Warum hast du dein Netflix-Abo gekündigt?

Also damit gehe ich auf jeden Fall d'accord. Ich habe bei dir was gelesen auf der Website, das hat mich ja fast schon geschockt.

[Rini] Oh mein Gott.

[Alex] Und zwar, dass du dein Netflix-Abo gekündigt hast und jetzt noch nicht mal mehr Stranger Things gucken kannst.

[Rini] Nein, zum siebten Mal dann wahrscheinlich nicht mehr.

[Alex] Oh mein Gott. Hat das auch was mit Achtsamkeit zu tun oder wie kommt das?

[Rini] Das hat mit Kreativität zu tun gehabt. Also ich hatte Netflix, Apple Plus TV, Spotify, Amazon Prime. Ich hatte alles.

Es gibt doch so viele – Disney Plus und sowas – das hatte ich nicht. Also ich hatte diese vier, wenn ich mich recht daran erinnere, ja.

Ja, und ich glaube, es war auf Spotify. Ich war auf Spotify, ich ging jeden Tag auf Spotify und habe meine Podcast-Benachrichtigungen angeschaut, welcher Podcast ist neu und habe ihn mir dann abgespeichert. Und irgendwann hatte ich so eine ellenlange Liste an Podcast-Folgen, die ich angeblich mir anhören wollte und natürlich nicht die Zeit immer dafür finde.

Und irgendwann, ich war in der App und irgendwann hatte ich wieder so ein Gefühl, das ist doch krass wie Social Media.

Ich bin hier auf dieser Plattform, okay, um Musik zu hören oder Podcasts mir anzuhören, wie dein fabelhaften Podcast. Und ein Algorithmus schlägt mir jetzt Musik vor auf einmal, wie auf Social Media eben die Inhalte. Und das hört irgendwie nie auf.

Und jetzt ist auch noch Bewegtbild da und hier und da und jenes. Und dann habe ich mir Gedanken darüber gemacht. Und dann habe ich gedacht, nee, ich will das nicht mehr. Ich will, dass mir ein Algorithmus mehr Inhalte vorstellt, was ich mir anhören soll. Und dann habe ich halt weiter gedacht, okay, das Gleiche ist bei Netflix.

Und das Gleiche ist bei Amazon Prime natürlich und das Gleiche ist auf Apple TV.

Und ich so, nee, ich höre jetzt damit auf, ich mache mal ein Experiment, ich kündige all meine Abos und schaue, was passiert, wie es mir damit geht.

Dann habe ich natürlich wieder Beobachtungen gemacht, alles schön aufgeschrieben in meinem Experiment, wie es mir damit geht. Und es ging mir gut, ich habe es nicht vermisst, ich hatte kein FOMO, kein Fear of Missing Out.

Musik ist mir nach wie vor sehr wichtig. Und ich habe mir meine alten iTunes-Einkäufe angeschaut. Und ich hatte hunderte von Titeln dort seit mehr als 15 Jahren, als ich noch ein, wie hießen die, ein iPod-Shuffle oder wie das kleine Rechteck hieß, das man sich anknipsen konnte an die Kleidung, so ein kleines Ding, mit dem bin ich immer laufen gegangen. Ich bin nie mit einem Smartphone laufen gegangen.

Und da habe ich mir gedacht, ja, ich habe so viel Musik von damals. Und dann habe ich da reingehört und ich habe so alte Juwelen wiederentdeckt. Ja, genau dieses Album. Und seitdem höre ich nur noch Musik, die ich gekauft habe, die ich für mich selbst ausgesucht habe. Und ich habe mir so ein kleines Budget zurechtgelegt, jeden Monat 30 Euro.

Und mit diesen 30 Euro darf ich mir Musik kaufen. Jeden Monat. Und ich weiß, dass ich durch diese, es ist jetzt nicht die Welt, aber durch diese meine 30 Euro werden die Künstler viel besser unterstützt als über Spotify und, deswegen halte ich noch daran fest, dass ich habe nichts geändert, ich bin immer noch ohne diese ganzen Abos und erfreue mich an der Musik, die mir wirklich gefällt und die ich entdecke.

Durch Podcasts, durch Artikel, durch Künstler, die mir schon gefallen und ich irgendwie dann andere Künstler finde, mit denen sie zusammengearbeitet haben.

Und das hatte dann damit zu tun, weil ich meinen Kopf so frei wie möglich haben möchte. Deswegen hat es mit Kreativität zu tun.

Ich möchte meinen Kopf so offen und so frei von irgendwelchen Algorithmus getriebenen Feeds frei halten, sodass ich meine Kreativität frei entfalten kann, auch wenn es nur darum geht, welche Musik ich höre, weil es ist wichtig, mit was ich mich füttere. An künstlerischen Dingen.

Und weil ich ja selber auch male und schreibe und deswegen ist es wichtig. Ja, und ich bereue es nicht und kann es nur jedem empfehlen.

[Alex] Ich finde es so total wertschätzend einfach den Menschen gegenüber, die dann ihre Musik machen. Ich meine... Wir alle wissen, wie schlecht die Streams da entlohnt werden.

[Rini] Ich habe das echt nochmal recherchiert, Spotify im Vergleich zu iTunes-Einkäufen. Und dann war für mich glasklar, ich höre damit auf. Und die Podcasts höre ich jetzt über die Apple-Podcasts-App auf meinem iPhone. Also funktioniert nach wie vor.

Ich habe alle Podcasts quasi abonniert dann auch im Apple-Abo über Apple-Podcasts. Und dann läuft das.

Und was Filme und Serien angeht. Es gab so viel auf Netflix. Und es gab oft Tage, wo ich nichts zum Ansehen hatte. Und ich dachte mir, das kann doch nicht sein. Bei so einem Programm, so einem großen Programm, dass ich nichts finde. Und deswegen, ich schaue mehr Fernsehen, wenn ich was schauen möchte. Also ich schaue Sachen über die Mediatheken an. Da gibt es sehr, sehr viel Angebot nach wie vor. Und ich habe auch nicht so viel Zeit zum Filme schauen inzwischen. Und ja, bis jetzt funktioniert es ganz gut.

Wie sieht eine achtsame Social-Media-Nutzung aus?

[Alex] Ja, spannend auf jeden Fall. Wir können Achtsamkeit ja auch auf soziale Medien anwenden. Wie sieht für dich so eine achtsame private Social-Media-Nutzung aus?

Oder wie könnte sie aussehen, wenn ich sage, ich möchte da ein bisschen mehr Achtsamkeit reinbringen?

[Rini] Ja, das achtsame Social-Media-Marketing, da haben wir ja im Buch auch sehr viel darüber, da habe ich auch im Buch darüber sehr viel geschrieben. Was jetzt privat angeht, ich glaube, das sind, was die achtsame Nutzung angeht, die gleichen Ansätze im Sinne von, diese Reflexion zu haben, diese Wahrnehmung zu haben:

Wie geht es mir mit meiner Social-Media-Nutzung überhaupt? Also wie geht es mir, nachdem ich Instagram oder TikTok zugemacht habe? Wie geht es mir damit? Welche Gefühle kommen in mir auf? Und kann ich mich überhaupt am Ende des Tages an irgendeinen Inhalt erinnern, den ich konsumiert habe?

Der Blick in die Screen-Time hilft und schockt immer.

Und ich würde tatsächlich jedem raten, wenn wir uns diese Stunden anschauen, die wir online verbringen, sie hochzurechnen auf Tage im Jahr. Dann ist es greifbarer.

[Alex] Oder Stunden zumindest schon.

[Rini] Mindestens Stunden. Aber wir kommen sehr schnell auf Tage im Jahr. Und ich glaube, da ist wirklich so ein Moment des Erwachens.

Und das andere ist auch zu schauen danach natürlich, welche Apps brauche ich überhaupt, die auf meinem Smartphone sind.

Brauche ich alle Social-Media-Apps?

Und wenn ich die Zeit reduzieren möchte, kann ich vielleicht die Apps am Wochenende löschen und kann ich vielleicht die Apps komplett löschen und über den Laptop nutzen, was nicht so attraktiv ist wie über das Smartphone?

Und ich glaube, es ist wichtig zu wissen, dass, wenn jemand jetzt zuhört, dem oder der es nicht gut geht mit der Social-Media-Nutzung und den Verdacht hat, ich könnte süchtig sein, ich könnte wirklich richtig abhängig davon sein, man ist nicht allein.

Es geht so vielen Menschen so, aber niemand sagt etwas. Niemand macht den ersten Schritt und sagt, hey, ich habe ein Problem damit. Ich verbringe acht Stunden auf TikTok. Ich vergeude mein Leben. Ich bin 19 Jahre alt und studiere nicht und lese nicht und mache nichts und bin nur auf TikTok. Ich glaube, darüber offen zu reden, sich einzugestehen und da ist halt eben Achtsamkeit dieser wertvolle Helfer des Reflektierens, des Annehmens ohne zu werten.

Diese Klarheit, die dann da ist und diesen Schritt zu gehen und zu sagen, ja, ich habe ein Problem und ich muss jetzt etwas für mich, für meine Gesundheit, etwas dafür tun.

Instagram verlassen

[Alex] Ich glaube, aber für Selbstständige ist es vielleicht noch ein Ticken schwieriger sogar, weil da ja auch noch dieser Gedanke ist, ich muss das machen.

Also wenn ich mir jetzt vorstelle, ich nutze TikTok gar nicht für mein Marketing, sondern einfach nur als Privatmensch, dann kann ich vielleicht eher sagen, okay, ich höre jetzt auf damit.

Aber wenn ich es fürs Marketing brauche, wenn alle sagen, wenn du selbstständig bist, dann brauchst du Instagram, dann brauchst du Werbeanzeigen auf Instagram, dann brauchst du TikTok oder XY, ist es natürlich irgendwann super schwer, da so einen Cut zu machen. Wie hast du das geschafft?

Weil du hast ja auch jetzt vor einigen Monaten – richtig? – dann Instagram endgültig verlassen.

[Rini] Ja, ich glaube, das war letztes Jahr. Also ich habe oft zwischendurch den Account deaktiviert gehabt. Jetzt ist er schon, ich glaube, fast ein Jahr deaktiviert. Ja, also ich habe den Account nicht gelöscht, aber es ist deaktiviert.

Wir haben es vorhin auch ein bisschen bei einer anderen Frage angeschnitten. Wenn wir selbstständig sind und Social Media nutzen für unser Marketing, ich glaube, das hast du auch oft sehr, sehr oft gesagt und betont, und sich die Frage zu stellen, okay, ich nutze Social Media, ich sehe, es geht mir nicht gut damit. Entweder vom Psychologischen, von diesem Druck und dieser Belastung, die da ist, oder von der Zeit und der Energie, die ich aufwende. Es geht mir nicht gut damit, ich empfinde es als Last, zu schauen, was bringt mir Social Media überhaupt? Bringt es mir etwas?

Also wenn ich sehe, es kommen Kunden über Social Media, es kommen wirklich Kunden über Instagram oder Facebook oder Snapchat oder TikTok, was auch immer, dann kann ich mir ja anschauen, okay, es kommen Kunden, ich möchte jetzt diesen Fluss nicht stoppen, aber wie kann ich besser, obwohl es ja nicht meine Aufgabe wäre, aber die der Konzerne, aber das ist ein anderes Thema, wie kann ich besser meine Zeit und meine Energie aufteilen, sodass es mir gut damit geht? Was ist das Mindeste, was ich machen muss, um diesen Fluss beizubehalten?

Und wenn ich aber sehe, dass nichts kommt über Social Media, dass wenig kommt, dass ich einfach nur wirklich dieses FOMO-Gefühl habe oder das Gefühl, ja, ich muss da sein, weil alle da sind, dann ist es Zeit, vielleicht etwas zu ändern und wirklich mit dem Gedanken zu spielen, sich davon zu entfernen.

[Alex] Und dann kommt natürlich der Gedanke, was mache ich stattdessen? Also was kann ich stattdessen nutzen oder halt sehen, über welche Kanäle, über welche anderen Methoden und Aktivitäten kommen denn die Kunden zu mir und die dann noch verstärken, noch mehr von dem tun, was uns und dem Business gut tut.

[Alex] Ich habe jetzt für das Buch recherchiert und da eine Studie gefunden, dass die meisten Marketer gar nicht sagen können, was soziale Medien in den letzten Endes bringt fürs Marketing.

Also die meisten messen es gar nicht oder sie wissen nicht wie und sie könnten gar nicht sagen, was es für Ergebnisse bringt.

Und ich glaube, das wäre so das Erste, was man machen könnte, wenn man überlegt, jetzt soziale Medien, ja, nein, dass man einfach anfängt zu messen.

Also ich bin selbst kein Zahlenfetischist, aber wenn man wirklich vor der Entscheidung steht, dann glaube ich, hilft es, einfach schwarz auf weiß zu sehen: soziale Medien bringen nichts oder sie bringen wenig. Oder von mir aus auch, sie bringen etwas und zwar in dem Bereich.

Also, dass man sich einfach eine Klarheit darüber verschafft, welche Rolle soziale Medien eigentlich im eigenen Marketing spielen.

Ich glaube, dass viele das gar nicht wissen. Also, sie ruhen sich auf diesen Gedanken aus, wir brauchen soziale Medien, wenn wir selbstständig sind. Aber was das jetzt konkret für mich und mein Marketing bedeutet – ich glaube, viele haben keine Ahnung.

Und das wäre so das Erste, was man machen kann. Einfach mit Fakten belegen und dann, glaube ich, kann man sich viel besser entscheiden.

[Rini] Ja, genau. Viele große Unternehmen, Marken, man kann sich als Selbstständiger und Selbstständige nicht mit diesen großen Marken vergleichen, weil diese großen Marken, diese Konzerne, Firmen, für die ich auch aktiv gearbeitet habe und immer noch teilweise arbeite, haben große Teams dahinter.

Und da haben wir viele Kampagnen und diese Kampagnen werden auf eine Art und Weise gemacht, wo wir nachvollziehen können, wird dieser Rabattcode, der nur auf Instagram gegolten hat, wie viele Male wurde der eingereicht, eingegeben im Online-Shop.

Es gibt andere Firmen, die machen Social Media nur für die Brand Awareness, die wollen einfach nur präsent sein, aber sie haben das Geld, die Menschen, die Ressourcen dafür, das machen zu können.

In der Selbstständigkeit sind unsere Ressourcen beschränkt. Und deswegen müssen wir sehen, wie du vorhin auch gesagt hast, wie ich gesagt habe, was ist das, was am sinnvollsten ist in dem Sinne für das Business und letzten Endes auch für mich, für meine Gesundheit, für meinen Wohlergehen. Also was bringt mir was letzten Endes?

Die Rolle der Bücher im Marketing

[Alex] So, ich glaube, jetzt würde ich mal gerne den Schwenk machen zu deinen Büchern.

[Rini] Oh je, okay. Bücher.

[Alex] Ich habe es ja schon im Intro gesagt. Ich habe dich für mein Buch interviewt, du bist aber selbst auch fleißig am Buchschreiben, du hast schon einige veröffentlicht.

Vielleicht kannst du ja mal erzählen, welche Rolle Bücher bei dir spielen in deinem Marketing und vielleicht auch, was du überhaupt geschrieben hast.

[Rini] Ja, also ich habe tatsächlich mir aufgeschrieben, was ich alles geschrieben habe, damit ich nichts vergesse.

Das erste war der Rauhnächte-Begleiter und ist immer noch der Rauhnächte-Begleiter, der als PDF rauskommt jedes Jahr seit 2020.

Und es könnte sein, es könnte sein, ich bin mir noch immer noch nicht sicher, ob er dieses Jahr auch als gedrucktes Buch rauskommt.

Und dann natürlich das Buch, das im Selbstverlag erschienen ist, Digitale Achtsamkeit für Selbstständige, wo auch ein Interview von dir hier drinnen ist und wo du auch mir geholfen hast und quasi das Lektorat gemacht hast, sage ich mal.

Und das war sehr, sehr wertvoll für mich.

Und dieses Buch hat es auch in die Longlist für den Self-Publisher, für den Preis des Self-Publisher-Verbandes geschafft.

Und das letzte im Selbstverlag ist ein Gedichtband. Der Gedichtband nennt sich 50, ein Geburtstag in Gedichten. Und das ist quasi ein Buch, das ich zu meinem 50. Geburtstag rausgebracht habe, ein Gedichtband. Und ein neues ist in the Making. Ich bin noch in der Anfangsphase.

Bücherschreiben ist wichtig, erst mal für mich selbst als Kreative.

Es hilft mir in meiner Weiterentwicklung beim Schreiben und überhaupt auch in meinem Leben, würde ich sagen.

In meiner Selbstständigkeit bringen Bücher auch ihren Anteil in den monatlichen Umsatz rein. Natürlich ein kleiner Anteil, aber immerhin ein Anteil.

Und die Bücher sind für mich ein Outlet, wo ich wirklich Platz und Raum habe, so zu schreiben und so zu sein, was ich natürlich auch im Blog mache, aber halt eben in diesem langen Format eine Idee wirklich auszubreiten, zu Ende zu denken und kreativ zu gestalten, wie ich es machen möchte.

Das ist wirklich für mich so eine kreative Spielwiese und natürlich auch ein Tool, über das ich, weil die Bücher bis jetzt Gott sei Dank sehr gut angenommen werden, auch bekannter geworden bin als Autorin, als Coach, als jemand, der sich einsetzt für digitale Achtsamkeit und auch für ein achtsameres Leben überhaupt.

Und ich will auch den Prozess des Schreibens nicht missen.

Das ist für mich ein ganz, ganz wichtiger und schöner Teil vom Sein, nicht nur vom Selbstständigsein.

[Alex] Das finde ich total schön, weil ich glaube, viele wollen ihr Buch in der Hand halten, aber wollen dann nicht schreiben oder haben dann irgendwie Probleme mit dem Schreibprozess. Wie sieht das bei dir genau aus? Also hast du Rituale, Schreibgewohnheiten? Wie kommst du zu deinen fertigen Büchern?

[Rini] Mhm. Es ist jetzt tatsächlich so, morgen mache ich einen Live-Workshop tatsächlich über das Schreiben. Es geht um, wie man eine Buchgliederung schreibt. Wie du ja weißt, ein ganz, ganz wichtiger Teil vom Schreiben eines Buches.

Also ich glaube, das Wichtigste ist, wenn man schreiben möchte, dass man schreibt.

Also nur wenn man schreibt, kann man noch besser darin werden.

Und ich schreibe oft, ich schreibe regelmäßig, ich schreibe fast täglich, ob für den Blog, für den Podcast, für die Newsletter oder eben für ein Buch. Und das ist auch der wichtigste Tipp: dranbleiben, schreiben.

Und ich habe kein konkretes Ritual. Was ich aber mache, ist, ich schreibe mir, ich stelle tatsächlich, dass dieses Schreibdate, diese Zeit, kommt in den Kalender als erstes rein.

Also genauso wie meine Marketingaktivitäten. Bei mir, ich mache ja dieses Timeblocking, habe ich auch im Buch darüber geschrieben, wie ich dieses Zeit- und Energiemanagement mache.

Bei mir kommt alles in den Kalender rein. Mein Marketing, die Schreibdates, die ich habe, also alles kommt rein. Ich weiß, okay, Montag von 9 bis 11 Uhr ist Schreibdate und da schreibe ich entweder den Blogartikel oder den Podcast oder die Newsletter oder eben beginne das nächste Kapitel im Buch meinetwegen, wenn ein Buch geschrieben wird.

Und das Wichtigste ist dabei, dass, also ich schreibe gerne sehr, sehr früh morgens. Ich habe immer den Gedanken, in der Früh habe ich noch alle Wörter im Kopf und wenn der Tag so weitergeht am Abend, sind alle Wörter verbraucht und ich habe nichts mehr. Ist alles doch irgendwie da. So ein ganz komischer Gedanke. Und deswegen schreibe ich gerne sehr früh morgens.

Und Smartphone ist in einem ganz anderen Zimmer, Deep Work ist angesagt, Kaffee gehört dazu, wirklich so einfache Sachen.

Im Winter mache ich auch meistens eine Kerze an, weil das ist dann schön kuschelig, in der Früh, wenn alles noch sehr dunkel ist draußen, und dann schreibe ich einfach.

Und wenn ich keine Idee habe zum Schreiben, schreibe ich trotzdem irgendwas. Wörter, Stichpunkte, irgendwas und dann kommt es zusammen irgendwie. Also das Schreiben entsteht beim Schreiben.

[Alex] Ja, mein Geheimtrick sind ja Listen. Also wenn ich nicht weiß, was ich schreiben soll, dann mache ich mir einfach Listen. Oder merke ich bei Punkt, weiß ich nicht, 13 oder 17, ah ja, darüber könnte ich schreiben. Also einfach nicht aufhören zu schreiben.

[Rini] Ja, genau.

[Alex] Gerade dein Buch zur digitalen Achtsamkeit hat ja 300 Seiten.

[Rini] Ja.

[Alex] Das ist eine Menge. Ich hab ja gerade 400 Seiten geschrieben und weiß. Man ist schon ein bisschen beschäftigt. Wie bist du denn am Ball geblieben?

Kennst du das auch, dass man irgendwo im Mittelteil dann auf einmal denkt, was mache ich hier? Hattest du das auch oder hattest du nie so Motivationslöcher?

[Rini] Ja, ich erinnere mich. Also ich habe August 2022 angefangen und März 2023 war es zu Ende geschrieben. Und ich hatte dazwischen, ich glaube, so drei oder vier Wochen, wo ich gar nichts geschrieben habe. Ähm, ich erinnere mich aber tatsächlich nicht mehr, ob es ein Motivationstief war oder ob ich ganz einfach keine Zeit hatte, weil ich, äh, noch viele Kundenprojekte nebenbei hatte in dem Jahr.

Ich habe tatsächlich, also ich habe mich gefreut aufs Schreiben. Ehrlich, ich bin halt ein Nerd. Also ich mag das sehr, wenn ich so an Projekten arbeite, wenn ich so tief arbeiten darf, wenn ich wirklich reintauchen kann und recherchieren kann und mir Sachen anschauen kann. Das mag ich sehr. Und ich habe mir das Montag bis Freitag eingeplant. Jeden Tag kam es in den Kalender rein. Außer am Wochenende. Am Wochenende hatte ich schreibfrei, immer. Und bei mir funktioniert sowas. Also so diese Disziplin, die befreit mich eher, als dass sie mich einschränkt.

Und es hat fabelhaft funktioniert. Und auch so über Weihnachten oder so habe ich auch nicht geschrieben, so an Feiertagen. Aber sonst kam das immer rein. Und es gab Tage, wo ich wusste, ich habe nur eine Stunde zum Schreiben. Und dann gab es Tage, wo ich wusste, okay, ich habe den ganzen Vormittag. Und dann habe ich halt mehr geschrieben. Ja, das war eine schöne Zeit.

Die Vorteile des Selfpublishing

[Alex] Also es ist einfacher, aus Gewohnheit zu schreiben.

Wenn ich mich nicht jeden Tag damit beschäftigen muss: Schreibe ich heute oder schreibe ich heute nicht? Und wenn diese Entscheidung einmal getroffen ist, dann ist klar: Ich setze mich hier und schreibe.

Du hast dich ja bei all deinen Büchern für Selfpublishing entschieden. Wo siehst du die Vorteile beim Selfpublishing?

Wie hast du das empfunden?

[Rini] Ein ganz wichtiger Wert für mich ist Unabhängigkeit und Freiheit und Kreativität und noch ein paar andere.

Von dem her, glaube ich, liegt es nahe, dass ich mir nicht gerne reinreden lasse, was meine Texte angeht, inhaltlich.

Also wenn es komplett in die falsche Richtung geht, natürlich, wir haben auch an ein paar Stellen zusammen Sachen aufgezeigt, die ich korrigiert hatte. Aber es geht halt darum, ich wollte ein Buch schreiben über digitale Achtsamkeit und ich wollte tatsächlich die negativen Seiten von Social Media zeigen. Und so wie ich sie geschrieben habe, habe ich sie in einem deutschsprachigen Buch bis heute nicht gesehen.

Und die meisten Bücher, die darüber geschrieben wurden, also noch ist deins natürlich nicht raus, ich weiß nicht, was drinstehen wird.

[Alex] Ja, genau.

[Rini] Aber ich wollte genau meine eigene Meinung dazu vertreten und meine Sichtweise, und das natürlich auch mit Studien und mit Umfragen, untermauern.

Und ich denke, wenn ich das Exposé an die Verläge geschickt hätte, heißt es so Verläge?

[Alex] Verlage, glaube ich.

[Rini] Verlage, ja, schau. Ja, auch aus dem Grund, glaube ich, weil ich eben mich so sehr radikal geäußert habe, wäre wahrscheinlich das Buch so in dieser Form nicht angenommen worden, sage ich mal.

Und das war der Hauptgrund, also diese kreative Freiheit, dass ich tatsächlich so schreiben kann, wie ich schreiben möchte und darf und es auch mache.

Und für mich ist es auch wichtig, den Prozess mehr oder weniger unter Kontrolle zu haben, auch zeitlich, weil bei einem Verlag hast du ja eine lange Vorlaufzeit, bis etwas endlich zur Verfügung steht.

Im Selfpublishing geht alles relativ schneller.

Und man hat auch direkten Einfluss. Ich habe mein Buchcover selbst gemacht, ich habe die Formatierung selbst gemacht, ich habe alles selbst gemacht. Und ich brauche diesen Grad der Freiheit, aber auch der Kontrolle über die Sachen, die ich in die Welt bringe.

Beim Gedichtband das Gleiche, auch weil ich zum ersten Mal Gedichte herausgebracht habe. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie sie angenommen werden, weil es ist noch sehr, sehr frisch.

Bis jetzt ist auch hier das Feedback sehr gut. Aber wie gesagt, es ist das erste Mal, dass ich sowas mache. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, tatsächlich an Verlage heranzugehen.

Vielleicht würde ich das auch für die zweite Auflage für „Digitale Achtsamkeit für Selbstständige“ machen. Aber ich bin echt, ich weiß es nicht. Also ich habe meine Zweifel, ob ich diesen Weg gehen möchte oder ob ich tatsächlich lieber so frei bleiben möchte, wie ich frei bin. Und auch dieses ganze Marketing-Spektakel und PR und so weiter.

Vieles nimmt natürlich der Verlag ab und auch, dass es im Buchhandel dann zur Verfügung steht, das ist natürlich ein mega Vorteil vom Verlag, was ich jetzt im Selfpublishing nicht habe, obwohl auch Buchhandlungen bei mir bestellt haben, aber natürlich ist es nicht das Gleiche, wenn man mit einem Verlag zusammenarbeitet und was Marketing und PR angeht, ja, ich bin da eher achtsam unterwegs, und ich weiß nicht, ob es für mich etwas wäre. Ich weiß es nicht.

Mit digitaler Balance starten

[Alex] Abschließend eine allerletzte Frage. Wenn jetzt jemand zuhört, der oder die total von Social Media, von Netflix, Spotify oder was auch immer überfordert ist und merkt, irgendwas muss sich ändern. Was wäre denn so ein guter Punkt, um zu starten, auch wenn es so ein mini kleiner Schritt ist zur digitalen Balance hin?

[Rini] Ja, es sind tatsächlich kleine Schritte, die aber sehr, sehr wichtig sind am Anfang und auch sehr, sehr tief gehen können. Ich glaube, das Wichtigste am Anfang ist, es sich selbst einzugestehen. Und zu sagen, ja, ich habe ein Problem damit. Wo wir wieder bei der Wahrnehmung, Reflexion, wieder bei dieser Achtsamkeit sind. Ich habe tatsächlich ein Problem damit.

Und dann aber auch zu sehen, und auch diese ganzen Fragen, die ich vorhin schon erwähnt habe: Was passiert mit mir? Wann geht es mir nicht gut? Welche Plattform macht das?

Aber dann auch tatsächlich, wenn wir uns damit beschäftigen und es auch vielleicht auch mit jemandem teilen und sagen „Hey, ich habe ein Problem damit, wie geht es denn dir damit?“, merken wir dann tatsächlich schnell, dass wir nicht allein sind. Und dass es okay ist, dass wir ein Problem damit haben.

Also es ist nichts falsch mit dir, mit mir, mit uns, wenn wir ein Problem damit haben. Die sozialen Medien haben ein Problem in der Art und Weise, wie sie entwickelt werden, nicht wir. Und das zu verstehen, ist, glaube ich, ein ganz, ganz wichtiger Schritt, zu sagen:

Hey, es ist nichts falsch mit mir, ich habe keine Schwäche, ich bin ein ganz normaler Mensch, es ist ganz normal, dass ich ein Problem damit habe.

Und dann, wenn ich den Entschluss treffe, diese Medien zu verlassen, die Apps zu löschen, Accounts zu löschen, meine Bildschirmzahlen zu reduzieren, das Wichtigste ist dann, auch sich Gedanken zu machen: Okay, ich möchte weniger von dem, aber von was möchte ich mehr? Also mit was möchte ich diese Zeit, diese Energie, diesen Aufwand, diese Gedanken, diese Gefühle ersetzen? Was habe ich mir vielleicht schon sehr, sehr lange vorgenommen, auch wenn es nur ein einfaches Hobby ist wie Stricken oder mit dem Partner mehr Zeit verbringen oder mit dem Hund mehr rausgehen, was auch immer, so ganz einfache Sachen, da muss nichts Großes sein.

Was habe ich mir schon ewig vorgenommen, mache es aber nie? Den Keller aufräumen. So ganz einfache Sachen. Und dann natürlich auch wichtigere Sachen, wo es halt dann auch richtig zur Sache geht, um Themen wie Werte. Wie möchte ich mein Leben leben? Was habe ich bisher vielleicht von mir weggeschoben, an negativen Emotionen, mich abgelenkt davon? Was läuft vielleicht nicht so gut in meinem Leben? Kann ich mir das anschauen? Möchte ich mir das anschauen? Brauche ich Hilfe dabei?

Also es fängt wirklich viel an zu arbeiten, wenn wir da rauskommen aus diesem Irrkreis, aus dieser konstanten Ablenkung.

[Alex] Ja, Rini, vielen, vielen Dank, dass du heute hier warst.

Das hat mich mega gefreut, mit dir zu sprechen, wie immer.

[Rini] Danke dir für die Einladung. Danke für deinen Podcast. Danke, dass du dich diesem sehr wichtigen Thema widmest, ohne Social Media zu arbeiten, zu leben, zu sein. Und ja, danke, dass ich hier sein durfte.

Shownotes

Rinis Website

Rinis Buch: Digitale Achtsamkeit für Selbstständige

Rinis Buch: 50 – ein Geburtstag in Gedichten

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Buch „No Social Media!“

Buch „Don’t be evil“

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Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin

Sachbuch schreiben als Selbstständige*r – Interview mit Anja Niekerken

In dieser Podcastfolge habe ich Anja Niekerken zu Gast. Anja berät ihre Kund*innen nicht nur zu Content-Marketing, sondern hat auch schon selbst mehrere Bücher geschrieben, sowohl im Selfpublishing als auch im Verlag. Und wir werden heute zusammen darüber sprechen, wie Selbstständige und Einzelunternehmer*innen ein Sachbuch schreiben.

In dieser Podcastfolge habe ich Anja Niekerken zu Gast. Anja berät ihre Kund*innen nicht nur zu Content-Marketing, sondern hat auch schon selbst mehrere Bücher geschrieben, sowohl im Selfpublishing als auch im Verlag.

Und wir werden heute zusammen darüber sprechen, wie Selbstständige und Einzelunternehmer*innen ein Sachbuch schreiben.

Folge anhören:

Transkript lesen:

Welche Vorteile hat ein eigenes Buch?

[Alex] Ja, hallo Anja, du bist Autorin, hast schon mehrere Bücher geschrieben und veröffentlicht, und deshalb meine allererste Frage: Warum ist es aus deiner Sicht überhaupt so eine gute Idee für Einzelunternehmer*innen, für Selbstständige, ein Sachbuch zu schreiben? Welche Gründe gibt es dafür?

[Anja] Ja, also der Hauptgrund ist relativ schnell und einfach beschrieben. Denn gerade in Deutschland ist es schon noch so, dass Autorität von Autor oder Autorin kommt.

Also in dem Moment, wo du ein Buch geschrieben hast, glauben dir auf einmal alle, dass du weißt, wovon du sprichst. Es ist total egal, ob das Buch schlecht ist oder sonst irgendwas. Es gibt ein Buch, wenn es dann noch aus dem Verlag ist und du sagst: So, ach so, ja Mensch, XY ist mein Thema und über XY habe ich ein Buch geschrieben im, keine Ahnung, Droemer-Knaur-Verlag zum Beispiel. Dann ist die Wahrscheinlichkeit um einiges höher oder steigt exorbitant, dass du gebucht wirst. So einfach ist das.

[Alex] Das klingt auf jeden Fall gut. In Zeiten, wo natürlich alle irgendwie überlegen, wie sie verkaufen können, wie sie über ihre Angebote reden können. Das bedeutet, mit einem Buch kann ich meine Expertise festigen, kann ich meine Expertise nach außen quasi untermauern, richtig?

[Anja] Genau. Also letztendlich ist es so: Wenn du das Buch dann draußen hast, zum Beispiel, ich gebe dir einfach mal ein Beispiel, das ist immer einfacher am Beispiel, das zu machen.

Ich habe ursprünglich mal als Trainerin für Führungskräfte angefangen. Und als Trainerin für Führungskräfte, die meisten, die das machen, werden es wissen, du machst dann auch relativ viel Kaltakquise. Dann machst du vorher einen Termin und musst dich dann erst mal vorstellen und erzählen. Und wenn du in dem Moment, wo du dann sagst, wenn du telefonierst, „Ich schicke Ihnen mal eben mein Buch zu“, dreht sich das Gespräch um 180 Grad. „Ach, Sie haben ein Buch geschrieben. Ach, das ist ja interessant.“

Oder wenn du einfach das Buch hinschickst und danach telefonierst und sagst: „Haben Sie mein Buch bekommen?“ – „Ja, ja, habe ich.“ – „So wollen wir da mal kurz drüber sprechen? Wie fanden Sie das Buch? Und ach, übrigens, wir könnten auch ein Training machen. Wie sieht es denn mit Ihren Trainings aus?“ Ist eine ganz andere Nummer, als wenn du anrufst und sagst so: „Ja, ich würde ja gerne ein Training bei Ihnen machen.“ Und dann sagen die: „Warum? Was können Sie denn besser?“ Diese Frage bekommst du mit einem Buch nicht mehr.

Kann ein eigenes Buch ein Marketingtool sein?

[Alex] Und hast du auch Erfahrung damit, ob sich so ein Buch auch als Marketingtool nutzen lässt?

[Anja] Ja, total. Also genau so letztendlich funktioniert es dann auch mit der Presse.

Was wir ja alle wollen in irgendeiner Form, wenn wir eine Expertise haben, zum Beispiel Hundetrainerin. Also wenn ich jetzt sage: Okay, ich bin Hundetrainerin, ich möchte natürlich in die bekannten Zeitschriften rein. Klar. Die Frage ist aber, warum sollten die Zeitungen über dich berichten? Es gibt keinen Grund, weil es gibt tausend Hundetrainer*innen, die gibt es wie Sand am Meer. Aber wenn du gerade ein Buch rausgebracht hast, dann kannst du sagen: Mensch, ich habe hier gerade ein Buch rausgebracht über die Erziehung in den ersten drei Wochen, die sträflich unterschätzt wird zum Beispiel. Und dann hast du einen Aufhänger. Dann kannst du das der Presse schicken und sagen, wollen wir mal miteinander sprechen? Das ist gerade mein Thema. Das Buch ist auch gerade draußen.

Und dann bekommst du Einladung. Und das potenziert sich dann natürlich auch wieder. Also ich bin zum Beispiel, ich bin relativ viel in der Presse und nur durch meine Bücher.

[Alex] Wie viele Bücher hast du denn jetzt schon geschrieben?

[Anja] Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau. Ich glaube, es sind 15 oder 16, aber ich weiß es nicht genau, weil jetzt mein neues Buch auch demnächst an den Start geht. Von daher: Ich kann es nicht genau sagen.

Im Verlag das kann ich genau sagen, weil das sind nicht so viele, das waren nur vier bisher, also vier Verlagsbücher, aber dann der Rest im Selfpublishing, das ist schon …, ich weiß es nicht mehr.

[Alex] Und das neue Buch, worum geht es da?

[Anja] Ums Content-Marketing. Also es geht um Marketing und wie du Content-Marketing aufbaust, also mit deinem eigenen Content Marketing machst. Und natürlich geht es auch darum, dass ein Buch auch ein Content-Marketing-Instrument ist.

Wie finde ich die richtige Idee für ein eigenes Buch?

[Alex] Jetzt, wo du so viele Bücher schon geschrieben hast, wie kommst du denn überhaupt auf die ganzen Ideen? Also vielleicht hören ja Menschen zu, die sagen: Ja, klingt prinzipiell gut, kann ich mir vorstellen, ich schreibe ja gerne, aber worüber?

[Anja] Naja, also ich sage mal, bei mir, meine Expertise ist ja Sachbuchschreiben. Also ich kann dir jetzt nicht erzählen, wie du einen Roman schreibst, das weiß ich nicht, habe ich selber noch nie gemacht. In der Theorie wüsste ich es, aber ich habe es noch nie gemacht und deswegen erzähle ich solche Sachen grundsätzlich erstmal nicht, sondern nur das, was ich tatsächlich auch kann.

Und beim Sachbuch, naja, du hast ja eine Expertise. So deine Expertise ist Social-Media-freies Marketing. Schreib darüber ein Buch! Wie macht man Social-Media-freies Marketing in der heutigen Zeit? Das ist doch das Buchthema. Würde ich sofort ein Buch zu schreiben oder würde ich dir sofort empfehlen, da ein Buch zu zu schreiben.

Und bei mir ist es halt, ja, Content-Marketing ist mein Schwerpunktthema. Es wurde einfach Zeit, dass ich ein Content-Marketing-Buch schreibe. Deswegen habe ich das jetzt einmal gemacht. So die Grundlagen des Content-Marketing, so wie ich es verstehe.

Ich könnte aber auch übers Bloggen schreiben. Ich kann übers Sachbuchschreiben schreiben. Das habe ich auch gemacht. Ich habe ein Buch, das heißt „Von der Idee zum Sachbuch“, weil mich immer die Leute gefragt haben, wie schreibt man denn so ein Sachbuch?

Und dann kann ich dazu sagen: Ja, dann kauf das Buch, dazu gibt es sogar auch noch ein Workbook und wenn du das beides zusammen machst, dann kommst du auf jeden Fall schon mal einen Schritt weiter.

Und Ideen finden ist, wenn du, wie gesagt, eine Expertin bist, Experte, dann ist das überhaupt kein Thema. Weil du weißt, worüber du die ganze Zeit sprichst.

Was ein bisschen schwierig ist, also so die Idee dann nachher so zu verdichten und das dann auch in eine Struktur zu packen, das ist dann nochmal ein anderer Schritt.

Aber die ersten Ideen, da gehe ich von aus, dass alle deine Hörerinnen und Hörer schon auch wüssten, worüber sie schreiben könnten.

[Alex] Ja, und wie komme ich dann aber in diesen Auswahlprozess? Also woher weiß ich dann, welche der vielen Ideen, die ich vielleicht habe, gut ist? Also was eignet sich für ein Buch?

[Anja] Ja, das ist wirklich eine sehr gute Frage, weil daran scheitern dann eben die meisten, weil sie zu viele Sachen in ein Buch packen wollen.

Ich nehme jetzt mal mein Beispiel, also Content-Marketing, das ist ja ein Riesenthema. Ich kann ja die ganzen Marketing-Theorien nehmen. Ich kann also so alles, was Content-Marketing ist, beschreiben oder, oder, oder.

Das habe ich aber nicht gemacht. Ich habe mich auf das fokussiert, was ich hauptsächlich mache und mit welcher Content-Marketing-Strategie meine Zielgruppe ohne großen finanziellen Aufwand da reinkommt. Und zwar sind das Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen. Das heißt, du hast kein Budget oder nur ein sehr kleines Budget und wie kannst du dich über Content-Marketing bekannter machen?

Das grenzt natürlich die Themen ein, weil das heißt, große Anzeigenkampagnen oder solche Sachen fallen weg und, und, und.

Das heißt, ich habe mich auf das fokussiert, was meine Zielgruppe auch sofort umsetzen kann. Sprich, beim Sachbuch gehst du von den Problemen deiner Zielgruppe aus und dann schränkst du deine Ideen schon ganz anders ein.

Weil, wenn wir uns mal überlegen, wie gehen wir in so eine Buchhandlung oder wie gucken wir bei Amazon, warum tun wir das, warum suchen wir ein bestimmtes Sachbuch? Weil wir ein Problem haben. Und das heißt, ich habe eine Frage im Kopf. Wie kann ich als Solo-Selbstständige*r einfaches Content-Marketing machen, was mir richtig viel bringt? So, das ist die Frage im Kopf.

Und das Buch muss genau diese eine Frage beantworten. Und an dieser Frage hangelst du dich lang. Und deswegen ist Zielgruppenanalyse beim Sachbuchschreiben das A und O.

Zielgruppe fürs Buch finden

[Alex] Ich wollte es gerade sagen. Also ich glaube, dass es eine Aufgabe ist, die viele ein bisschen vernachlässigen, nach hinten schieben und denken: Naja, das findet schon Leser oder das interessiert im Grunde auch viele oder alle sogar. Keine Ahnung.

[Anja] Ja, „Das interessiert alle“ ist der größte Fehler. Ganz, ganz, ganz schlimm. In dem Moment, wo jemand bei mir im Kurs oder im Coaching sagt: Das interessiert alle oder wenn ich sage, wer ist denn die Zielgruppe? „Ja, das können alle lesen.“ Sage ich sofort: Nein, nein, das machen wir mal nicht so. Und das Schlimme ist ja, dass die Leute dann auch immer denken, also weil es ist ja die Kernzielgruppe oder die Fokuszielgruppe und dann denken die Leute immer, alle anderen lesen es nicht oder dürfen es nicht lesen oder wollen es nicht lesen. Das stimmt aber nicht.

Man muss sich das so vorstellen, wie wenn man einen Stein ins Wasser schmeißt. Und du schmeißt letztendlich genau auf deine Fokuszielgruppe. Und dann zieht das ja diese konzentrischen Kreise. Und die anderen erwischst du auch alle. Aber je weniger Fokus du hast, dann gibt es auch keine konzentrischen Kreise. Das schließt sich gegenseitig aus. Wenn du für alle schreibst, schreibst du für niemanden und dann will es keiner wissen.

[Alex] Und wie kann ich da so ein bisschen recherchieren oder auch so auf Suche gehen, was meine Zielgruppe interessiert, was genau ihre Probleme sind, wenn ich das noch nicht weiß?

[Anja] Ja, also gut, okay, wenn ich das noch nicht weiß, das ist meistens auch das Thema, wenn man auch gerade mit Marketing anfängt. Und dann weiß man auch nicht, was soll ich für Content machen oder, oder, oder.

Ein guter Tipp ist, das ist nun mal auf Social Media oder auf YouTube mal zu gucken, gibt es zu dem, was ich machen will, Filme auf YouTube zum Beispiel? Gibt es Tutorials, irgendwas? Und dann einmal in die Kommentare gucken, was wird dazu gefragt. Was fragen die Leute dazu?

Oder auf Social Media, auf Instagram zum Beispiel. Bei der Konkurrenz gucken, was fragen die Kund*innen der Konkurrenz? Was schreiben die unter die Posts? So finden sie den Post toll und sich dann diese Themen einmal rausschreiben und wenn Fragen kommen, die Fragen auch wortwörtlich aufschreiben. Das sind die Probleme in deiner Zielgruppe.

[Alex] Es gibt ja auch, weil du Social Media gesagt hast, es gibt ja auch noch so Tools, die auf Google-Fragen zurückgreifen. Also „Answer the Public“ zum Beispiel. Es gibt noch ein anderes, das mir gerade nicht einfällt. Also da kann man, wenn man keine Social-Media-Kanäle hat, da auch gucken.

Gibt es Schreibblockaden wirklich?

Du hast, ich habe ein bisschen in deinem Blog gestöbert, und du hast in einem Blogartikel die These aufgestellt, die ich tatsächlich nicht so häufig sehe, die ich aber total teile, nämlich, dass es deiner Ansicht nach keine Schreibblockaden gibt. Warum? Oder meinst du das irgendwie anders?

[Anja] Nee, das meine ich nicht anders. Die gibt es tatsächlich nicht. Also zumindest nicht in der Form, wie man sich das immer vorstellt. Das ist ein Hollywood-Phänomen. So ist es dieser Autor oder diese Autorin, die irgendwie verzweifelt das Buch abgeben muss und denen nichts einfällt und, und, und. Der Witz ist, das hat kein erfolgreicher Autor, keine erfolgreiche Autorin. Mein Podcast war ja ursprünglich mal der Erfolgreich-Schreiben-Podcast und ich habe ganz viele Autorinnen und Autoren interviewt und diese Frage auch immer gestellt. So, was machst du bei Schreibblockaden? Von Sebastian Fitzek über Nicole Staudinger. Also ich habe wirklich ganz viele große Autor*innen auch interviewt und die haben alle gesagt: Habe ich nicht.

Also die haben alle keine Schreibblockaden. Klar fällt es dir mal ein bisschen schwerer oder so, mal ist eine Szene sperriger oder da gehst du dann drüber. Und das ist bei mir auch so. Mal fällt mir ein Kapitel schwerer, mal fällt mir ein Kapitel leichter. Aber diese Schreibblockade an sich hast du nicht, weil wenn du ein Buch schreibst, dann bereitest du das ja vor. Also man stellt sich so einen Buchschreibprozess, wenn man das noch nie gemacht hat, stellt man sich so vor, man fängt bei Satz 1 an und schreibt dann einfach das Buch runter und dann ist das Buch fertig. Aber so ist das nicht. Ein Buch und selbst ein Roman ist eine Bastelarbeit im Sinne von: Man muss sich erst die ganzen Bausteine zusammensuchen und dann macht man einen Entwurf wie so ein Architekt, der das Haus erstmal vorzeichnet, und dann baut man es nach.

Und wenn du deinen Entwurf praktisch hast beziehungsweise deine Struktur, wenn du weißt, für wen du schreibst, wenn du weißt, welche Fragen du beantwortest, das schreibst du dir ja alles vor.

Und wenn du das dann hast, dann schreibst du nur noch an dieser Struktur entlang und dann ist das Buch fertig. Die Vorarbeit ist viel, viel, ich würde nicht unbedingt sagen aufwendiger, aber viel, viel wichtiger.

Also das Schreiben dauert dann einfach lange, aber diesen wichtigen Part, den du zu Anfang machst, wenn du den gut gemacht hast, ist überhaupt kein Problem.

[Alex] Das war mir übrigens genauso. Ich habe jetzt auch mein erstes Verlagsbuch geschrieben und ich habe ein bisschen gestaunt, wie lange wir an der Gliederung zusammen rumgemacht haben. Also Wochen, Wochen, ja. Ich war richtig erstaunt, weil ich das nicht gedacht hatte.

Aber der Vorteil war tatsächlich: Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl: Ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll. Weil alles im Vorhinein so ausdeklariert war. Das, dann danach das, danach das und so weiter. Also ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen. Eine sehr ausführliche Gliederung sogar, wenn man nur das für sich macht und vielleicht das gar nicht beim Verlag einreichen will, weil man im Selfpublishing was macht. Also es ist auf jeden Fall eine gute Sache.

[Anja] Ja, auf jeden Fall. Also ich würde da gerne einmal noch einhaken, weil auch wenn du im Selfpublishing das machst, schreibe vorher das Exposé, weil im Exposé musst du genau das machen, musst die Gliederung machen, musst wissen, für wen ist das, welche Fragen beantwortet das. Du gliederst dann auch vorher schon, wann will ich welche Studie mit einbauen und, und, und. Und wenn du das gemacht hast, dann ist das Schreiben ein Witz danach.

Rituale fürs Schreiben

[Alex] Ja. Wie sieht denn dein eigenes Schreiben aus? Also zum Beispiel: Wo schreibst du, wann schreibst du, wie schreibst du, hast du da Routinen, Rituale, Gewohnheiten?

[Anja] Ja, also bei mir ist es wirklich so: Ich schreibe morgens, ich mache morgens die Augen auf und dann fängt mein Buch schon an. So in dem Moment, ich habe die Augen noch nicht ganz auf und dann rattert mein Kopf schon los und macht so klack, klack, klack, klack.

Dann kommen die ersten Sätze und dann muss ich zusehen, dass ich sofort auf meine Couch …, also ich schreibe hier vom Sofa aus, ich habe meinen Laptop auf dem Schoß. Und dann gehe ich sofort praktisch auf die Couch, Laptop auf dem Schoß, komme mir noch einen Kaffee und fange dann an zu schreiben. Dann schreibe ich ein, zwei Stunden und dann bin ich fertig für den Tag. Also, genau so mache ich es.

Und ein Buch vorher zu gliedern, das ist ein bisschen andere Arbeit. Das ist ja eher so eine strategische Arbeit, eine theoretische Arbeit. Ich arbeite zum Beispiel auch mit Post-its, sodass ich Post-its immer umsortiere und teilweise das im ganzen Raum liegen habe, weil ich ganz gerne Sachen auch ablaufe. Das hilft mir zum Beispiel immer. Und wenn ich die Struktur mache, mache ich halt so mal so, mal so, zu jeder möglichen Tageszeit arbeite ich da dran. Aber schreiben, wenn es dann an Schreiben geht: morgens.

Jeden Morgen setze ich mich eine Stunde hin, manchmal zwei und schreibe dann meine Seiten runter. Und so bin ich dann auch relativ schnell fertig. Also reine Schreibzeit für so ein Buch, jetzt das letzte, habe ich in vier Wochen geschrieben. Also das geht dann relativ schnell.

Selbstzweifel beim Schreiben

[Alex] Und Selbstzweifel kennst du gar nicht beim Schreiben? Also dass du denkst: Oh Gott.

[Anja] Nee, die kenne ich erst danach, witzigerweise. Also bei mir kommt es immer erst danach. Also beim Schreiben finde ich mich immer toll. Also ich halte mich für die tollste Schreiberin der Welt während des Schreibens.

Und ich habe auch so eine Einstellung: Ist mir egal, ich lasse das jetzt so. Das ist nicht immer gut, und deswegen habe ich das im Nachhinein. Wenn ich dann die Sachen sehe, dann gucke ich da drauf und denke so. „Warum haben denn die Lektoren nichts gesagt? Sag mal, spinnt ihr? Das kann man doch nicht so schreiben.“

Und also ich muss mich immer dazu zwingen, danach dann auch nochmal zu überarbeiten und Bücher auch besser zu machen. Das ist nicht so meine Welt. Und dadurch habe ich das dann, wenn ein Buch mal so ein, zwei Jahre liegt und ich dann wieder reingucke, dann denke ich so: „Oh Gott, ist das unangenehm. Das war ich nicht. Das habe ich nicht geschrieben.“

[Alex] Das kenne ich auch total. Hast du auch längere Bücher geschrieben? Also länger als vier Wochen? Oder ist das immer so die Zeit, die du brauchst?

[Anja] Nö, ich habe auch, also ich glaube maximal habe ich mal zwölf Wochen, glaube ich, geschrieben. Also reine Schreibzeit.

Das ist natürlich mit den Verlagsbüchern ist das immer ein bisschen was anderes. So wenn du ein Verlagsbuch schreibst, das ist jetzt … die letzten zwei habe ich einfach abgegeben und dann war es das auch. Also das war relativ einfach.

Aber mein erstes Verlagsbuch, da habe ich auch wirklich am meisten gelernt. Also wenn du gerade dein erstes geschrieben hast, danach wird es einfacher auch mit Verlagen. Man weiß einfach dann, wie es geht und was sie haben wollen oder auch wie man das macht.

Und Verlagsbücher dauern einfach länger, weil man bekommt es dann aus dem Lektorat zurück. Da muss man da nochmal wieder drüber und da muss man dies nochmal einarbeiten und das nochmal einarbeiten. Das ist einfach ein anderer Arbeitsrhythmus, als jetzt selber im Selfpublishing das zu machen.

Weil dann schreibe ich das Buch runter, dann gebe ich es ins Lektorat, dann kommen die Sachen wieder, dann korrigiere ich das, spreche da vielleicht mit der Lektorin auch nochmal drüber und dann geht das raus. Das ist eine viel schnellere, viel einfachere Arbeit, weil im Verlag halt auch noch so viele Leute mitsprechen. Das dauert, also so ein Verlagsbuch vom ersten Entwurf, bis es dann wirklich rausgekommen ist, dauert ein Jahr in der Regel.

Wie bleibe ich beim Buchschreiben am Ball?

[Alex] Ja, das ist für mich auch so. Hast du denn einen Tipp für Leute, denen es irgendwie schwerfällt, da am Ball zu bleiben? Also wenn wir da so über Monate oder vielleicht sogar ein Jahr reden, wie kann man sich motivieren?

[Anja] Also erst mal, wenn es im Verlag halt ist, du hast einen Vertrag, den musst du erfüllen. Also da steckt ja auch ein Stück Zwang. Ja, ist ja so. Und du bekommst ja auch Termine. Also du bekommst da ja einen Termindruck. Da, denke ich, sich selber zu motivieren, ist dann nicht so das Problem. Weil, wie gesagt, so andere Leute von dir abhängig sind und, und, und. Das muss man sich erst mal trauen, das nicht zu machen. Also da muss man schon, finde ich, sehr stumpf sein, Termine nicht zu halten und zu reißen.

Oder dann muss die Angst sehr groß sein. Das kann natürlich auch sein. Wenn du Angst hast, dann hast du kein Motivationsproblem, sondern dann musst du erst mal an deine Angst ran. Ich glaube, das ist ein anderes Thema.

Motivationsprobleme, denke ich oder erfahrungsgemäß haben das auch meine Leute, die mit mir zum Beispiel zusammen ein Buch schreiben, haben das in der Regel eher im Selfpublishing. Weil dann beschubst du dich ja nur selbst, sag ich mal. So und es dann nicht machen und liegen lassen und nicht weitermachen – das ist häufig ein Problem.

Und das ist ein Thema: Will ich das wirklich? Will ich wirklich so ein Buch mal in der Hand halten? Ja oder nein? Und das muss ich mich täglich fragen und mir dann gegebenenfalls diese Frage auch mal in den Kalender einstellen. Jeden Tag. Will ich das mit dem Buch? Will ich das wirklich? Und dann wäre es jetzt Zeit, da wieder ranzugehen. Es ist eine reine Disziplin. Genauso wie ein Marathon laufen. Will ich den Marathon laufen, ja oder nein? Wenn ja, geh trainieren.

[Alex] Es ist ja auch eigentlich ziemlich unglamourös, das Schreiben. Also ich setze mich einfach hin und schreibe und keine Ahnung, man denkt ja manchmal, wenn man so Serien oder Filme guckt, dass das Schreiben ja, also ich werde von der Muse geküsst und dann hämmere ich da in die Tasten und keine Ahnung. Und so ist es nicht.

Und ich glaube, viele sind dann erst mal … sie wollen ein Buch haben, aber sie wollen es nicht schreiben. Weißt du, was ich meine? Dieser Prozess ist dann nicht so interessant, nicht so spannend, wie sie sich das irgendwie vorgestellt haben. Ich habe zumindest einige Kundinnen, die haben ganz, ganz lange diesen Wunsch, ein Buch zu schreiben, aber wenn es dann so ums Schreiben geht, dann ist da irgendwie wie so eine Blockade. Also dann schreiben sie nicht und denken sich: Aber ich muss doch jetzt eher das machen. Also die haben dann immer wieder Gründe, nicht zu schreiben. Das finde ich dann ziemlich spannend, dass es dann im Alltag nicht so klappt.

[Anja] Naja, also es ist wirklich, also ist die Frage, will ich das wirklich? Und alles, was ich wirklich will, ist leider immer mit Arbeit verbunden. Und ich fand das Stichwort ganz gut, was du gesagt hast: Die Leute hätten gerne ein Buch und würden das dann gerne in die Kamera halten und sagen oder so hochhalten und sagen: Hier, guck mal, ich bin Autorin oder ich bin Autor.

Und das verstehe ich. Genauso wie beim Marketing wollen wir auch alle jeden Tag 100 Anfragen bekommen und 10.000 Euro pro Tag verdienen. Das ist ja gar keine Frage. Wenn irgendjemand sagt, nee, will ich gar nicht, dann halte ich das für gelogen. Natürlich wollen wir das und mit ganz wenig Arbeit. Am liebsten irgendwie, keine Ahnung, mit einem Buch und dann rennen mir die Leute die Bude ein. Auch das ist nicht so.

Und auch da muss ich dann dranbleiben, das Buch nach vorne bringen und auch im ganz normalen Marketing. Ich muss halt meine Blogartikel schreiben, ich muss meinen Podcast machen und jeden Tag immer wieder ran. Ich laufe auch nicht einfach so einen Marathon. Oder auch ein Instrument spielen. Alle Leute wollen gerne tollen Instrument spielen. Ich auch. Ich würde so super gerne gut Gitarre spielen. Ja, schade. Kommt nicht von alleine. Muss man was für tun, so ein Scheiß. Und dann muss ich mich entscheiden. Das ist eine Entscheidung.

[Alex] Die man jeden Tag dann treffen muss.

[Anja] Ja, auf jeden Fall. Und irgendwann, witzigerweise nicht mehr, guck mal, ich habe mein erstes Buch mit … 2017 … 2018 ist mein erstes Verlagsbuch rausgekommen. Da war ich 48. Ich habe mein erstes Verlagsbuch mit 47 geschrieben. Also ich habe auch eine Weile gebraucht, bis ich es tatsächlich hingekriegt habe, diesen Buchschreibeprozess auch wirklich zu machen.

Und jetzt bin ich drin. Und seitdem schreibe ich, also ich habe mein erstes Buch geschrieben 2016 oder 2017. Das war das dann im Selfpublishing. Und seitdem, wie gesagt, da war ich 46, 47. Und seitdem habe ich diese ganzen Bücher geschrieben. Wenn du erst mal drin bist und Marathonläufer behaupten, das ist genauso, wenn du im Marathon-Training erst mal drin bist, dann ist überhaupt kein Thema.

Selfpublishing vs. Verlag

[Alex] Jetzt haben wir das schon jetzt mehrmals erwähnt und du hast es jetzt auch nochmal gesagt, dass du beides machst. Also sowohl Selfpublishing als auch Verlag. Und meine Beobachtung ist, dass das manchmal auch so ein bisschen gegeneinander ausgespielt wird. Aber warum machst du beides? Also was sind da so die Hintergedanken?

[Anja] Ja, nee, das stimmt so nicht. Oder wie meinst du, gegeneinander ausgespielt, dass die einen sagen, das eine ist besser und das andere ist besser?

[Alex] Genau.

[Anja] Beides hat absolute Berechtigung. Beim Verlag hast du den Vorteil, dass du eben erstmal keine Kosten hast, weil das Lektorat wird übernommen und, und, und. Und wenn du im größeren Verlag schreibst, also wie zum Beispiel im Droemer-Knaur-Verlag, wenn du das sogar schaffst, bekommst du sogar einen Vorschuss. Das heißt, du bekommst das sogar bezahlt, deine Schreibzeit. Das ist das Erste. Das ist der eine große Vorteil für dich, für deine Arbeit.

Der nächste große Vorteil ist, dass dieser Verlag die Reputation bringt. Gerade als Experte, Expertin, wenn ein großer Verlag auf dich gesetzt hat, dann ist das Reputation, die kannst du dir nicht kaufen. So viele Testimonials kannst du dir im Marketing nicht besorgen, wie ein Buch im großen Verlag hat.

Also ich habe zum Beispiel meine beiden Führungsbücher bei Springer Gabler geschrieben und wenn du zu Leuten sagst, ich mache Führungskräftetrainings und ich habe zwei Bücher im Springer Gabler Verlag veröffentlicht, dann ist das ein Selbstgänger.

Ja, es ist schwieriger zu sagen, ja, ich habe zwei Führungsbücher veröffentlicht im Selfpublishing. Das ist schon ein bisschen schwieriger, weil Selfpublishing keinen so guten Ruf hat, weil man natürlich, also weil jeder, jede da veröffentlichen kann und da auch viel Dreck einfach veröffentlicht wird.

Auch jetzt gerade mit Chat-GPT, diese ganzen Chat-GPT-Bücher, das ist ja die Pest, das ist ja unglaublich.

Und das merken natürlich die Leute und das fällt auf das Selfpublishing zurück.

Aber Selfpublishing hat natürlich auch wahnsinnige Vorteile, weil es richtig schnell ist. Und weil du in deinem eigenen Rhythmus veröffentlichen kannst, weil ein Verlag nicht mit reinredet, weil machen wir uns nichts vor, Verlage sagen dir auch schon ganz klar: Nee, das hätten wir ganz gerne nicht in dem Buch drin und wenn das dein Herzstück ist in dem Buch, hast du ein Problem. Du musst es trotzdem schreiben, weil du hast einen Vertrag und, und, und.

Und das alles hast du im Selfpublishing nicht. Aber du musst im Selfpublishing natürlich genauso professionell vorgehen wie bei einem Verlagsbuch. Das heißt, du musst ein Lektorat haben, du musst ein Korrektorat haben, du musst dein Cover-Design professionell machen lassen, den Satz professionell machen lassen, weil die Bücher müssen genauso professionell daherkommen wie ein Verlagsbuch. Und dann ist das wieder eine gute Sache.

Und es hat eben den Vorteil, und du verdienst natürlich sofort direkt am ersten Buch und natürlich auch viel mehr. Also an so einem Verlagsbuch hast du einen Centbetrag pro verkauften Buch. Und beim Selfpublishing sind das dann natürlich je nach Preis, also so zwischen 5 und 10 Euro. Aber du musst eben auch dann alles selber machen. Auch das ganze Marketing. Musst du aber beim Verlagsbuch in der Regel auch ganz oft.

Wie findet man einen passenden Verlag fürs Buch?

[Alex] Das heißt, das allererste Buch, das du geschrieben hast, das war im Selfpublishing, richtig? Und danach im Verlag. Wie hast du denn den Verlag gefunden? Hat er dich gefunden oder hast du da ein Exposé hingeschickt?

[Anja] Ne, also der erste Verlag, da habe ich Exposés geschrieben. Und zwar habe ich, ich weiß es gar nicht, 50, 60 Exposés geschrieben und an Verlage rausgehauen ohne Ende. Ich wusste auch nicht, dass man mit einem Agenten schreiben kann oder so, das wusste ich alles nicht.

Aber ich wusste, wie man Exposés schreibt, da hatte ich mich schlau gemacht. Und dann habe ich halt massenhaft Exposés geschrieben und die dann an Verlage, die für das Buch in Frage kämen, geschickt. Und ein Verlag hat gesagt, ja, machen wir.

[Alex] Cool. Also Initiative ergreifen lohnt sich?

[Anja] Auf jeden Fall. Also, was man nicht machen sollte, da rate ich auch allen von ab und mir ist es damals auch geraten worden und für diesen Tipp bin ich heute immer noch dankbar, das ist: das Buch fertig schreiben und ein fertiges Manuskript an Verlage schicken.

Das wird nicht gelesen. Und zwar muss man sich das so vorstellen: Im Verlag kommen jeden Tag körbeweise Exposés und Manuskripte an. Je größer der Verlag, umso mehr ist es.

Maximal, so bei Droemer-Knaur zum Beispiel, sitzen da fünf Student*innen und sortieren aus. Und die sortieren aus, die lesen die nicht. Die sortieren nach visuellen Kriterien.

So: Erfüllt das Exposé unsere Kriterien, ja oder nein? Und bei „ja“ geht es auf den einen Stapel und bei „nein“ in den Papierkorb. Und bei einem Manuskript heißt es sofort „Nein, weg“.

[Alex] Also erstmal die formalen Anforderungen erfüllen, da auch ganz kritisch sein, dass man die erfüllt?

[Anja] Genau, weil danach, also nach dieser ersten Stufe, dann geht es zu den Leuten, die das entscheiden oder betreuen würden.

Und die gucken da auch nur flüchtig drüber. Also es ist wie eine Bewerbung letztendlich. So, und die gucken da flüchtig drüber und dann gucken sie näher rein. Und danach müssen sie mit diesem Exposé, es muss so gut sein, weil danach müssen sie mit dem Exposé zu den Entscheider*innen. Und das ist in der Regel einmal Leitung, Sachbuch und der Vertrieb. Weil der Vertrieb muss sagen: Ja, es verkauft sich. Also ganz oft, dass die Leitung, Sachbuch sagt: Oh ja, toll, tolles Thema, machen wir. Und der Vertrieb sagt: Nö, können wir nicht verkaufen. Und dann wird es nicht gemacht.

[Alex] Wie schreibe ich denn ein gutes Exposé? Hast du zwei, drei Tipps?

[Anja] Ja, also so ein Exposé, also das ist zum Beispiel, also in meinen Schreibkursen ist das der Hauptteil, wie man so ein Exposé schreibt.

Also grundsätzlich erstmal ein Exposé zu schreiben, das ist der erste Tipp: Mach ein Exposé und schreibe das Buch auch vorher nicht.

Sondern in ein Exposé gehört die Gliederung und ein Beispielkapitel, und schreibe auch vorher nicht mehr, weil die Verlage eben mitsprechen und es ist viel einfacher, eine Gliederung oder ein Beispielkapitel zu ändern als ein ganzes Buch, wenn ein ganzes Buch angenommen wird.

Aber schreib auch, während die Exposés unterwegs sind, nicht schon los. Mach das nicht, sondern warte, bis die Antworten kommen und dann schreibst du erst los. Also das ist der erste Tipp.

Und dann für ein gutes Exposé ist wirklich wichtig, dass du dich in die Lage versetzt der Leute, die das lesen. Was haben die für ein Thema? Was brauchen die, um zu entscheiden? Die brauchen nicht deine tolle Buchidee. Das brauchen die gar nicht, um zu entscheiden. Was die brauchen ist ...

Kann sich das verkaufen? Ist das ein Thema, was sich verkauft im Buchhandel?

Also wenn dein Buch irgendwo bei Thalia steht, kann dieses Buch, kann dieses Thema gegen alle anderen, die da stehen, anstinken? Hat das eine Chance?

Das ist eine Frage, die sich da gestellt wird. Und die nächste Frage, die sich gestellt wird, ist gar nicht so sehr, wie toll du schreiben kannst oder so. Sondern die nächste Frage ist, kann er oder sie das auch leisten? Also liefern die dann auch, wenn wir den Vertrag machen?

Weil so dann ein halbes Jahr hat der Katalog Vorlauf, dass der Buchhandel das bestellen kann und, und, und. Und das sind die ganzen Fragen, die sich im Verlag gestellt werden.

Wie toll dein Buchthema ist und wie toll deine Idee ist und wie verliebt du in diese Idee bist, interessiert da niemanden.

Also das ist hart, aber das ist so. Und wenn du dir das ein bisschen klar machst: „Ach so, ich muss denen erzählen, warum oder wie die mein Buch am besten an den Mann, an die Frau bringen können“, dann bist du schon ganz weit vorne.

[Alex] Wie gehst du denn vor, wenn du jetzt beides machst, sowohl Selfpublishing als auch Verlag, dass du dich entscheidest in einem konkreten Fall, was dann besser ist? Also bietest du erstmal was dem Verlag an und wenn er es nicht will, sagst du, mach ich es im Selfpublishing?

[Anja] Nee, nee, nee. Also, ja, also, weil ich mache es nicht so, aber ich empfehle das durchaus meinen Kursteilnehmenden, empfehle ich das, also sozusagen:

„Versuch es erstmal im Verlag und wenn die es nicht nehmen, ey, du kannst immer noch Selfpublishing machen, das ist ja überhaupt kein Thema.“

Ich mache es nicht so, was aber jetzt nun auch schon daran liegt, dass ich ja schon auch Buchverträge habe beziehungsweise auch weiß, also welche Ideen …, ich klopfe die halt vorher ab, ich telefoniere dann mit den Leuten entsprechend. Und dann weiß ich, ah, okay, das kann ich im Verlag machen, ja oder nein.

Grundsätzlich mache ich die populärwissenschaftlichen Themen, die eine breitere Zielgruppe haben, also so Persönlichkeitsentwicklung, also unter dem Dach Persönlichkeitsentwicklung, besseres Leben, besser führen, das sind so die drei Punkte, unter diesen Rubriken schreibe ich im Verlag.

Weil Verlage dann auch sagen: Ja klar, das können wir machen. Ich könnte auch meine Marketing- oder Schreibbücher, könnte ich auch im Verlag machen, mache ich aber nicht. So das, was ich selber unterrichte, was ich selber weitergebe, wo die Bücher wirklich reine Content-Marketing-Instrumente sind, das mache ich im Selfpublishing. Und ich habe aber den Vorteil, dass ich ja Verlagsautorin bin. Ich habe ja diese Verlagsreputation schon. Wenn ich sie nicht hätte, würde ich das wahrscheinlich auch erstmal versuchen, im Verlag zu machen.

[Alex] Egal, wofür ich mich jetzt entscheide, ob jetzt für Verlag oder Selfpublishing, ich möchte natürlich, dass meine Bücher gelesen werden und ich denke mal, Menschen, die zuhören, geht es da ähnlich.

Hast du da ein paar Tipps vielleicht, weil wir jetzt in einem Social-Media-freien Podcast sind, wie das auch ohne Social Media gehen könnte? Also wie mache ich mein Buch bekannt? Wie kriege ich Leserinnen und Leser für mein Buch?

[Anja] Also Presse ist natürlich ein großes Thema. In dem Moment, wo ich weiß: Okay, ich schreibe mein Buch. Also wichtig ist, dass du deinen Buch-Launch ordentlich machst. Das heißt, nicht zur Presse gehst im Sinne von „Oh, mein Buch ist draußen“ und eine allgemeine Presseerklärung schreibst, bringt gar nichts. Kannst du vergessen, landet in der Rundablage.

Was du machen musst, ist Pressekontakte knüpfen, möglichst schon vorher. Das heißt, erst mal deine Recherche machen, bei der Presse gucken, online, auch gern, also muss nicht Print sein, also auch online funktioniert sehr gut.

Und dann guckst du, wer schreibt über das Thema. Welche Zeitung oder welche Medien sind das? Und dann recherchierst du, welche Personen dahinter stecken, weil in der Regel ist es ja so, dass Journalist*innen ja auch mitgenannt werden.

So, und dann guckst du dir die Sachen an und dann schreibst du die entsprechend an, so nach dem Motto, so ey, ich habe den und den Artikel von dir gelesen, ganz wichtig, so immer erst wertschätzen, was ist. „Ich habe den und den Artikel von dir gelesen und hat mir wahnsinnig gut gefallen, besonders der und der Teil. Ich arbeite gerade an einem Buch über das und das Thema. Ich habe den Eindruck, das könnte interessant für dich sein. Hast du Lust, dann und dann was mit mir zusammen zu machen? Das Buch kommt dann und dann raus. Oder wollen wir mal in Kontakt bleiben?“ Und so die Leute zu kontaktieren.

Und ich sage mal, auch das ist wieder eine Fleißarbeit. Da musst du schon 20, 30, 40 Journalist*innen anschreiben. Aber wenn drei davon hängenbleiben und wenn du es gut machst, ist das so, dann hast du einen Artikel in der, weiß ich nicht, in Brigitte Online oder Zeit Online, wenn es gut, wenn es hochkommt oder irgendjemand anders berichtet über dich.

Und das kannst du wieder als Reputation für die nächste Stufe nehmen. Also wenn du die dann hast, dann gehst du wieder zurück an die, die Nein gesagt haben.

Achso, hier übrigens, hier ist der neue Artikel von, so, was hältst du davon? Und so funktioniert das.

[Alex] Ja, also die OPA-Strategie – other people's audience – ist immer gut.

[Anja] Ja, immer. Oder in Podcasts gehen. Es gibt so viele Buch-Podcasts oder aber auch Podcasts von anderen Expert*innen, wo dein Thema passen könnte. Und wenn du gerade ein Buch dazu geschrieben hast, dann haben die auch wieder einen Aufhänger, mit dir darüber zu sprechen.

Wichtig ist immer zu überlegen, in welche Medien könnte ich reingehen und was bringt es denen, über mein Buch und mich zu sprechen? Also welchen Mehrwert bietet das für die? Das ist immer die Grundfrage.

Lässt sich der Erfolg eines Buchs vorhersagen?

[Alex] Kannst du mit deiner Erfahrung sagen, das ist jetzt vielleicht so als abschließende Frage, was Bücher, die erfolgreich werden, gemeinsam haben? Oder ist es für dich auch immer so eine Überraschung, wenn ein Buch gut ankommt oder nicht gut ankommt?

[Anja] Ja, es ist für mich immer noch eine Überraschung. Und was mich wundert, ist zum Beispiel „Das Kind in dir muss Heimat finden“. Dass das seit Jahren auf Platz 1 der Sachbuchcharts ist, verstehe ich nicht. Also es ist ein gutes Buch, ist ja gar keine Frage. Und dass es auf Platz 1 gelandet ist, war klar. Weil das Kind in dir muss Heimat finden, Zeitgeist 100% getroffen. Also das Thema ist voll in den Zeitgeist gegangen.

Aber dass es so lange sich so gut hält, keine Ahnung warum, weiß ich nicht. Und kann dir auch niemand, also wird dir niemand im Verlag erzählen können, warum das so ist. Das heißt, weil, also das Buch ist gut und es ist gut geschrieben. Also mein Ding ist es jetzt nicht so, aber es ist ein gutes, gut geschriebenes Buch von einer Psychologin, die auch weiß, wovon sie spricht.

Die Stephanie Stahl ist jetzt nicht irgendwie einfach eine Populärwissenschaftlerin, sondern eben auch eine Psychologin.

Also es heißt, Proof of Concept ist da. Also da stimmt schon mal alles, kannst du überall einen Haken dran machen. Davon gibt es aber tausend andere Bücher auch. Und warum jetzt gerade das? Ne, man weiß es nicht. Also man weiß es wirklich nicht. Also es sind so ein paar Sachen.

Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft oder Erfolg ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.

Und da kommen natürlich auch viele Sachen zusammen. Zum Beispiel, wenn dann im ersten Schritt der Buchhandel da gut drauf springt, also so der Abverkauf oder die Bestellung im Buchhandel gut laufen, dann geht der Verlag hin und erhöht dann die Auflage. So ist die normale Vorgehensweise.

Und dann muss die Marketingabteilung draufgehen und das Marketing nachziehen. So, das ist der nächste Schritt. Und manchmal machen die Marketingabteilungen das oder der Verlag entscheidet sich dazu und manchmal machen sie es nicht, weil andere Sachen dann Priorität haben und dann hat man die Manpower nicht oder, oder, oder und da wird alles zusammengespielt haben bei der Stefanie und ja und wie gesagt und dann hat sich das, also war das dann so wie so eine Lawine. Da ist so ein Stein ins Rollen gekommen und diese Lawine hält bis heute an, aber warum das so ist, weil da wird auch nicht viel Werbung mehr für gemacht für das Buch. Sondern das ist jetzt so ein sich selbst speisende Energie.

Und bei anderen ist es halt so, ich habe mit Sebastian Fitzek ja drüber gesprochen, ich glaube, „Der Augensammler“ war sein erstes Buch. Das ist jetzt eben kein Sachbuch, sondern ein Thriller.

Und ich glaube, die Startauflage waren 2000 Stück damals. Und dann hat Sebastian noch seine E-Mail-Adresse hinten reingemacht, weil er dachte, naja, bei 2000 verkauften Büchern, lass mal 200 Leute schreiben, das kriege ich hin, das kann ich beantworten.

So, und dann ist dieses Buch eingeschlagen. Also es ist nicht so super beworben worden, aber das Buch hat angefangen, sich zu verkaufen. Der Verlag ist draufgesprungen, hat immer mehr Marketing dafür gemacht. Und dann hatte er, glaube ich, im ersten Jahr, weiß ich nicht, wie viele tausend Bücher und wie viele Neuauflagen dann bekommen. Und das hat sein E-Mail-Programm gesprengt und, und, und. Aber er hat damit auch nicht gerechnet. Und es sah am Anfang auch nicht so aus, weil, wie gesagt, 2000 Stück Startauflage.

Und man weiß es dann am Ende nicht, warum es so ist. Also was du brauchst, ist auf jeden Fall eine solide, gute Basis. Mit einem Chat-GPT-Buch, mal so eben, wird das nix. Also das steht definitiv fest, aber wenn die Grundlage stimmt, dann kann das gut funktionieren. Aber man muss sich auch klar machen, bei 90 Prozent der Bücher stimmt die Grundlage. Also ein Stück Glück ist immer dabei.

[Alex] Ja, das ist auch irgendwie spannend und auch irgendwie schön und macht das Thema Buchschreiben ja auch zu etwas so witzigem, erfüllendem und aufregendem, dass man das auch nie so wirklich vorhersagen kann.

Ja, Anja, ich danke dir vielmals, dass du heute hier warst und uns so viel über das Schreiben und über Bücher erzählt hast. Vielen Dank.

[Anja] Vielen Dank, dass ich da sein durfte.

Shownotes

Anjas Workbook: Sachbuch und Sachbuch-Ideen-Test 

Anjas Podcast: Von unbekannt zu ausgebucht

Wie man ein gutes Sachbuch-Expose schreibt

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Buch „No Social Media!“

Buch „Don’t be evil“

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Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin

Webdesign-Tipps von meiner Lieblingswebdesignerin: Interview mit Madlen Klemm

In dieser Podcastfolge habe ich Madlen Klemm zu Gast. Madlen ist Webdesignerin und auf Squarespace spezialisiert. Und wir werden heute darüber sprechen, wie Websites in schön gehen.

In dieser Podcastfolge habe ich Madlen Klemm zu Gast. Madlen ist Webdesignerin und auf Squarespace spezialisiert. Und wir werden heute darüber sprechen, wie Websites in schön gehen.

Folge anhören:

Transkript lesen:

Rebellenherzen und Introvertiertheit

[Alex] Ja, hallo Madlen. Auf deiner Website steht dick und fett, dass du Websites für Rebellenherzen gestaltest. Hast du denn selbst ein kleines Rebellenherz?

[Madlen] Oh ja, sehr sogar. Und das ist auch tatsächlich der Grund, warum ich mich ausschließlich sehr, sehr gerne an Rebellenherzen richte, weil ich das einfach unglaublich liebe, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die Dinge machen wollen, die Dinge anders machen wollen und überhaupt einfach so ein bisschen abweichen von der Norm, sage ich mal, im positiven Sinne.

Und genau, ich liebe das sehr. Und ja, vielleicht habe ich auch ein kleines Rebellenherz so in mir drin. Ich muss sagen, ich bin eigentlich eher introvertiert und das schlägt halt so in der Brust ganz tief drin. Und ich habe halt so meine Träume und Visionen und die werde ich auch irgendwann mal angehen. Ja.

[Alex] Aber das muss sich auch nicht ausschließen, finde ich, so introvertiert sein und eine kleine Rebellin sein. Also ich kann das voll nachempfinden und mich hat das ja auch total gecatcht. Wir haben ja auch Anfang des Jahres zusammengearbeitet für meine Website.

Was sind denn das denn so für Leute, die zu dir kommen? Also nur mal so ein paar Beispiele, aus welchen Nischen kommen dann die Menschen zu dir?

Vielfältige Kundennischen

[Madlen] Also es ist total unterschiedlich. Also ich kriege ganz, ganz oft Anfragen von Copywritern tatsächlich. Also die kommen sehr, sehr gerne irgendwie zu mir. Aber tatsächlich arbeite ich am meisten für Berater aus allen möglichen Branchen.

Ich habe ganz, ganz viele Pädagogen in letzter Zeit gehabt. Also das letzte Jahr waren fast nur Pädagogen, die selber ausbilden oder da irgendwie unterwegs sind.

Ansonsten auch so spirituelle Coaches habe ich auch einige, Yoga-Lehrer. Also so ist eigentlich relativ breit gestreut. Aber es sind vor allem halt Online-Unternehmer.

Die Bedeutung schöner Websites

[Alex] Ja, heute wollen wir ja über das Thema schöne Websites reden oder Websites in schön. Denn ich glaube, dass jede oder jeder, der selbstständig ist, das so kennt, dass eine Website ja wie so ein eigenes Zuhause ist. Zumindest empfinde ich das so, so ein digitales Zuhause.

Und wie das ja auch in der normalen Wohnung oder im Haus ist: Man will es ja auch irgendwie schön haben und heimelig und so, dass man sich wohlfühlt.

Und es kann aber auch sein, und zumindest ist es bei mir so, dass sich viele beschweren, dass sie so aus der Website herausgewachsen sind, dass sie sich damit nicht mehr wohlfühlen.

Woran kann das so deiner Erfahrung nach liegen, wenn man sich mit seiner Website nicht wohlfühlt?

[Madlen] Ja, es ist wahrscheinlich wirklich wie mit der Wohnung, dieses Bild. Also irgendwann, man ist ja, man fängt halt an mit einer Website und hat wahrscheinlich begrenzte Mittel, baut sich halt irgendwas zusammen. Hauptsache, es funktioniert erstmal. Man hat halt erstmal ein Aushängeschild, aber irgendwann, wenn man sich weiterentwickelt, dann hat man ja auch viel mehr Eindrücke wahrscheinlich von anderen Webseiten, von anderen Online-Unternehmen und ja, hat dann vielleicht einfach mehr den Drang, sich wirklich professioneller aufzustellen und sich wahrscheinlich auch einfach mehr selbst zu zeigen.

Also wer man ist und wen man tatsächlich ansprechen will, das kommt ja erst mit der Zeit, dass man so diese Erfahrung sammelt, dass man genau das auf einer Website auch zeigen kann. Wie in der eigenen Wohnung. Man richtet sich halt so nach und nach ein, hängt richtig schöne Bilder auf, kauft sich ein besseres Sofa als vorher.

Ja, und wenn man sich das dann auch leisten kann irgendwann, dann kommt wahrscheinlich der Wunsch, dass man sich da einfach ein bisschen professioneller aufstellen möchte.

[Alex] Du hast es schon gesagt, am Anfang hat man vielleicht begrenztes Budget, gerade wenn man so einsteigt in die Selbstständigkeit und viele machen das dann so selbst. Ich habe auch damals vier, fünf Monate an so einer ganz furchtbaren Website gebastelt. Was sind denn so häufige Fehler beim Designen einer Website, wenn man das selbst macht?

[Madlen] Also ganz oft sehe ich, dass Leute so ganz viel Text in ganz wenig Raum reinquetschen. Also viele versuchen dann immer, ganz, ganz viel zu erzählen und kommen halt inhaltlich nicht so richtig auf den Punkt. Und es ist halt einfach viel Masse an Text.

Und man muss halt ein bisschen bedenken, dass wir im Internet eine ganz andere Lesegewohnheit haben als zum Beispiel in Magazinen oder Büchern. Da lesen wir von oben bis unten einfach alles ganz entspannt durch. Im Internet haben wir alle keine Zeit und keine Lust, uns lange damit zu beschäftigen. Und wir scannen Webseiten im Prinzip nur noch. Wir lesen die Überschriften, dann vielleicht noch den ersten Absatz. Aber wenn das irgendwie langweilig ist oder überfordernd ist fürs Auge, dann haben wir keine Lust, uns damit zu beschäftigen.

[Alex] Das war auch witzig, weil als wir zusammengearbeitet haben, hast du ja auch bei mir so drauf geachtet, dass wir immer so Päckchen machen für den Text. Das fand ich immer sehr hilfreich, jetzt auch für die Zukunft, wenn ich meine eigenen Seiten dann gestalte. Und jetzt abgesehen vom Text, wenn du jetzt mal so an die Optik denkst, ans Design denkst, ans Visuelle denkst, was kann man da auch zu Beginn oft falsch machen?

[Madlen] Dass man vielleicht auch einfach keine richtigen Bilder verwendet. Oft sehe ich, ich hatte das auch ganz am Anfang auf meiner Website, da hatte ich nur so ein Bild aus dem Urlaub mit Bergen und Meer im Hintergrund. Das sieht ganz lustig aus und nett und sympathisch, aber es ist dann halt im Business-Kontext vielleicht nicht ganz so professionell. Das sehe ich tatsächlich auch immer noch, immer wieder. Ich habe auch Kunden, die kommen mit Urlaubsfotos dann erstmal an oder mit Porträtfotografen-Bildern. Das passt halt einfach nicht.

Oder dass man einfach unpassende Schriften verwendet, viel zu klein, viel zu groß, viel zu verschnörkelt. Also ich mag so Schreibschriften voll gerne, aber es gibt so Schriften, die kann man einfach nicht gut lesen. Die kann man verwenden, sollte man dann aber nicht für Überschriften nehmen, die jetzt wichtig sind. Die kann man als Akzent-Schrift benutzen oder als Deko-Element, aber die sollten halt echt nicht für die wichtigen Teile benutzt werden.

Was noch ein häufiger Fehler ist, ist grundsätzlich einfach zu wenig Raum den Inhalten zu geben. Das ist so ein bisschen, wie wenn ich in einen Laden komme und im Primark zum Beispiel ist alles vollgebamselt mit Zeug und Gedöns. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Man fängt einfach irgendwo an zu gucken.

Und auf einer Website ist es halt ähnlich, wenn alles so voll geknallt ist. Man ist völlig überfordert. Ich weiß nicht, vielleicht zu Seiten wie Booking.com oder so. Die sind halt extra so gemacht, dass die so vollgeknallt sind, aber bei einer Business-Website sollte das schon eher sein, als wenn du in einen, keine Ahnung, in so einen teuren Taschenladen kommst.

Du kommst da rein, siehst die Tasche da auf dem Thron oder auf diesem Podest oder so, dann hast du halt Zeit, rumzugehen, dir das genau anzugucken. Und ja, so sollte es halt mit der Website sein.

[Alex] Ja, das ist auch witzig, weil das schafft vielleicht auch so ein luxuriöses Gefühl, wenn ich halt einfach so die wichtigsten Dinge so wie auf so einem Podest quasi stelle und so hervorhebe und wie in diesen Geschäften, wo es einfach absurd viel Platz für ganz wenige Dinge gibt. Aber das ist, glaube ich, ein ganz gutes Bild, an dem man sich orientieren kann. Okay, also das sollte man nach Möglichkeit am Anfang nicht machen.

Vielleicht können wir ja jetzt drüber reden, was wir stattdessen machen können, also wie wir beim Designprozess vorgehen können. Und die allererste Frage wäre überhaupt: Wo startet man? Also „Website“ ist so ein großes Projekt. Ich glaube, dass da vielen einfach der Kopf raucht. Also du hast schon Bilder angesprochen, Schriften angesprochen, ja, Texte angesprochen, so, so viel. Aber was wäre so ein guter Ausgangspunkt für eine Website?

[Madlen] Also am besten fragt man sich auch erst mal selber, wen man ansprechen will und wie man sich selber auch zeigen möchte. Also es fängt viel bei einem selber an.

Das ist natürlich eine Herausforderung und viele drücken sich auch so ein bisschen davor. Ich kann das auch total verstehen, aber es ist schon wichtig, dass man einmal guckt: Wen will ich ansprechen und wie ticken die denn eigentlich diese Leute? Also, was sind deren Sehgewohnheiten, welchen Influencern folgen die? Und daran kann man sich erstmal so ein bisschen orientieren.

Also ein gutes Beispiel ist vielleicht, wenn ich jetzt spiritueller Coach bin, dann gucke ich erstmal: Wer sind denn die großen Influencer? Das sind natürlich so Laura Seiler und keine Ahnung, da gibt es bestimmt noch mehr. Und wie sieht das dann alles bei ihr aus? Und dann orientiere ich mich erstmal so ein bisschen da dran.

Das heißt jetzt nicht, dass man das einfach kopieren sollte, wie das da alles bei ihr auf der Website oder im Branding oder so aussieht, sondern man guckt einfach: Wie ist denn so die Stimmung in ihrem Marketing? Sind das eher knallige Farben? Sind das eher warme Farben? Und dann kann man sich da erstmal ein Moodboard zusammenstellen. Erstmal gucken, okay, was gefällt mir denn eigentlich und wo ist die Schnittstelle zwischen der Zielgruppe, Laura Seiler und mir?

Und das fügt man alles so ein bisschen zusammen und entwickelt daraus im besten Fall so eine eigene Linie. Pinterest hilft dabei auch ganz, ganz gut. Das nutze ich immer total gerne, weil man da auch mal so ein bisschen aus dieser eigenen, aus dieser eigenen Gedankenwelt rauskommt. Man ist immer so ein bisschen fremdgesteuert auch. Fremdgesteuert klingt total oberdramatisch, aber dass man...

[Alex] Man kriegt einfach ja viel Inspiration dort. Die schlagen ja auch einem einfach verwandte Pins und sowas vor. Also das stimmt schon. Es gibt ja diese Serendipität. Also man findet etwas, wonach man nicht gesucht hat. Ich glaube, dafür ist Pinterest ja total bekannt.

[Madlen] Man kriegt einfach nochmal ganz andere Eindrücke, ganz andere Richtungen vorgeschlagen und das hilft total einfach, nochmal einen neuen, kreativen Blick zu bekommen kommen auf Ideen. Genau, wenn man so ein Moodboard gestaltet hat, das macht auch sehr viel Spaß nebenbei.

[Alex] Das stimmt, das kann ich bestätigen.

[Madlen] Genau, und dann findet man vielleicht auch schon die ersten Schriften und die ersten Ideen und Inspirationen. Und genau, damit würde ich erst mal starten, bevor ich jetzt erst mal wild drauflos wurstel. Denn dieses Wilde, also das machen ja viele, mache ich auch bei Themen, die ich jetzt noch nicht so gut kenne, auch manchmal. Und dann merkt man aber während des Machens, irgendwie ist jetzt alles wieder blöd und ich muss wieder von vorne anfangen.

Und da lohnt sich die Arbeit vorher schon doch einmal zu machen. Und sich da immer ein bisschen überlegt: Wo soll es denn hingehen?

[Alex] Ich war auch voll überrascht, als wir dann meine Website gemacht haben, wie viel Zeit und wie viele Fragen du eigentlich für diese erste Phase mir so geschickt hast. Also man kann sich da schon reinknien, wenn man will. Wer bist du? Was bietest du an? Was magst du? Was gefällt dir? Was gefällt dir nicht? Was machst du, weiß ich nicht, im Urlaub oder keine Ahnung? Also super viele Fragen.

Aber als ich das dann gemacht habe, dachte ich so: Hm, hätte ich jetzt nicht gedacht, aber das bringt einen tatsächlich weiter, um einfach besser zu verstehen, was einem gefällt. Und du hast ja jetzt schon zum Beispiel die Farben angesprochen. Mich hast du ja zum Beispiel gefragt: Was ist deine Lieblingsfarbe oder welche Farbe magst du? Also ist das so ein guter Anfang, dass man sagt, welche Farben gefallen einem selbst? Weil ich habe irgendwie früher immer gedacht, es muss irgendwie so stimmig sein und stilvoll sein und habe es dann gar nicht so mich getraut, wirklich an meine Lieblingsfarben ranzugehen.

[Madlen] Ja, stimmt, guter Punkt. Also natürlich die Lieblingsfarben. So als Selbstständige sind ja auch alle so ein bisschen Personal Brands und da können wir natürlich auch unser Branding danach ausrichten, wie wir sind und was uns gefällt.

Und das ist tatsächlich einer der einfachsten Wege, erstmal zu gucken, was finde ich selber gut und manche wissen das trotzdem nicht, dann kann man einfach mal in den Kleiderschrank gucken, was für Klamotten trägt man denn gerne, also welche Farben oder welche Strukturen haben die oder, was auch mega cool ist, einfach mal zu gucken, was hat man so für Deko im Zimmer. Das ist oft, hat man ein Farbschema, was man bevorzugt, was man vielleicht gar nicht so bewusst kauft. Also es ist ein guter Weg erstmal zu schauen, was man selber mag.

[Alex] Und dann kann man dann ja zu der Farbe passend andere Farben sich überlegen. Es gibt ja bestimmt mittlerweile auch Generatoren und sowas und Tools, mit denen man das machen kann. Oder halt die Webdesignerin kann das dann auch machen.

[Madlen] Ja, genau. Da gibt es inzwischen ein paar ganz coole Webseiten. Da kann man sich Farbpaletten zusammenstellen. Du kannst dann da deine eigenen Farben reinsetzen. Genau. Und da gibt es dann passende Farbwerte dazu.

[Alex] Hast du auch noch einen Tipp, wie man passende Schriften findet?

[Madlen] Nee, tatsächlich nicht. Also das ist dann tatsächlich ein bisschen schwieriger, die Schriften zu finden, denn es gibt eine unfassbare Auswahl an Schriften, aber man kann sich das ein bisschen an dem Schriftbild orientieren.

Also du bist zum Beispiel eine Autorin und da lag es irgendwie nahe, Schriften zu nehmen, die man so mit Autoren oder mit Schreiben zumindest identifiziert. Wir haben für deine Website so eine eine Schreibmaschinen-Schrift gewählt und eine Handschrift als Akzent und genau, so kann man das dann halt irgendwie spiegeln, was man hat. Wenn man jetzt jemand ist, der sehr minimalistisch ist, vielleicht Minimalismus-Coach, der nimmt dann einfach eine Schrift, die schnörkellos und clean und ordentlich ist.

Ja, also so gehe ich da vor. Ich habe jetzt tatsächlich, fällt es mir ein bisschen schwer, da einen Tipp für selber machen zu geben. Aber ich würde es halt einfach so machen, wie man halt selber ist. Ich bin halt ordentlich und aufgeräumt. Ich suche eine Schrift, die ist ordentlich und aufgeräumt. Wenn ich kreativ und wild bin, dann gucke nach einer Schrift, die kreativ und wild ist.

[Alex] Wie viele Schriften nutzt du immer für eine Website? Mehr als eine, oder?

[Madlen] Ja, also eine Schrift nehmen ist absolut legitim. Damit macht man es sich sehr einfach. Also was gut ist, dann hat man nicht die Problematik, eine passende Schrift zu finden. Aber ich selber nutze immer so zwei bis drei.

Eine Schrift für die Überschrift, die ist dann meistens ein bisschen auffälliger. Eine sehr fette Schrift oder eine sehr extrovertierte Schrift einfach, die so ein bisschen ins Auge fällt.

Für den Fließtext nehme ich immer gerne eine gut lesbare Schrift. Da gibt es so ein paar, die nehme ich nicht, greife meistens auf die gleichen Schriften zurück, weil die einfach funktionieren und beim Fließtext geht es einfach nur darum, dass der gut zu lesen ist.

Und dann nehme ich immer noch eine dritte Schrift als Akzent. Das sind dann meistens so Handschriften oder irgendwie so Schreibschriften. Schnörkeliges Gedönse. Das ist so ein bisschen mein Stil.

[Alex] Das hat ja auch damals bei uns fast am längsten gedauert, bis wir uns auf die Schriften geeinigt haben, weil das einfach so krass komplex ist. Es muss alles zusammenpassen, gut lesbar sein und so weiter.

Wie lange dauert denn deiner Erfahrung nach so der ganze Designprozess, also Webdesignprozess von „Ich erstelle mir ein Moodboard“ bis zu „Ich habe jetzt hier meine Website fertig online gestellt“? Ich meine, klar, du bietest es an, dass man das in wenigen Tagen quasi macht, aber wenn man das jetzt so selber macht, mit welcher Zeit sollte man rechnen?

[Madlen] Also es kommt immer so ein bisschen darauf an, wie... Wie viel man bereit ist, da rein zu investieren. Also viele Leute lassen sich da einfach sehr viel Zeit, weil das anstrengende Themen sind und da legt man das halt wieder beiseite.

Aber wenn man jetzt wirklich durchzieht, dann kann man das in einem Monat schaffen. Also vier bis sechs Wochen, wenn man da wirklich durchzieht. Aber es ist sehr, sehr krass schon. Also wenn man da jetzt nicht viel Zeit hat und das nur nebenbei macht, dann kann das schon so zwei, drei Monate dauern. Oder bei manchen dauert das auch ein Jahr. Also es kommt auf einen selber an.

[Alex] Ja, vielleicht, weil man halt eben dann auch so in die Tiefe gehen kann, wenn man will, bei so ganz vielen Themen.

Nun ist eine schöne Website natürlich irgendwie schön, aber noch besser ist vielleicht, dass sie auch zu uns passt und so unsere Persönlichkeit auch widerspiegelt.

Und du hast zum Beispiel gerade gesagt, jetzt, weil es bei mir ums Schreiben geht, haben wir dann irgendwie so Schriften verwendet, die an Schreibmaschinen zum Beispiel sich orientieren und so weiter. Und die Frage wäre jetzt, was kann man denn grundsätzlich dafür tun, dass wir unsere Persönlichkeit in unsere Website bringen?

Also wir können dann ja sowohl mal über das Visuelle reden, als auch über die Texte. Das heißt, welche Möglichkeiten haben wir denn, was Bilder oder was Videos zum Beispiel angeht auf unserer Website? Wie können wir da Persönlichkeit reinbringen?

[Madlen] Also in Videos kann man Persönlichkeit reinbringen, indem man einfach so ist, wie man ist, und nicht versucht, professionell zu klingen. Also ist meine Meinung jetzt. Ich kann verstehen, wenn Leute den Wunsch haben, sehr professionell rüberzukommen. Je nach Business ist es ja auch wichtig, dass man seriös wirkt. Und ich finde aber, wenn man einfach so spricht und so ist, wie man ist, und auch seine Marotten einfach akzeptiert, dann ist das sehr, sehr cool und wirkt total nahbar und zieht dann halt auch die Leute an, die man haben will, die einfach ähnlich sind, die das irgendwie sympathisch finden. Auf Bildern, denke ich, ist es wichtig, dass man da, vielleicht einen guten Brandfotografen einfach hat, der die eigene Persönlichkeit irgendwie so ein bisschen rauskitzelt.

Da bin ich jetzt nicht der Super-Experte, also meine Fotos muss ich auch mal neu machen, die sind auch nicht mehr ganz so aktuell, da habe ich auch noch eine ganz komische Frisur und sehe total schüchtern aus, was auch irgendwie zu mir passt. Also diese Schüchternheit, die macht mich auch ein bisschen aus, aber irgendwie habe ich das Gefühl, das passt jetzt nicht mehr so ganz.

[Alex] Ja, hast dich auch weiterentwickelt?

[Madlen] Ja, am Anfang war ich mega schüchtern.

[Alex] Und was die Texte angeht? Wie können wir da Persönlichkeit reinbringen? Ist das ähnlich wie bei den Videos auch?

[Madlen] Ja, schon. Ich versuche das auch in meinen Texten auf dem Blog, dass ich halt einfach so freischnauze schreibe. Ich liebe das selber bei anderen, wenn die so in Bildern sprechen, wenn man so bildhafte Vergleiche hat.

Schriftlich gelingt mir das ganz gut. Wenn ich so erzähle, fällt mir das manchmal schwer, weil mir da nichts so richtig einfällt in dem Moment, aber genau und sowas finde ich gut oder, wenn man auch eine Meinung hat und die auch vertritt, also wenn man jetzt sagt, keine Ahnung, WordPress finde ich blöd oder so, dann kann man das durchaus machen, also aber halt alles so in Maßen, es darf natürlich nicht unverschämt werden oder so, sondern alles dass man diplomatisch sich ausdrückt bei solchen Sachen und dass man vielleicht auch mal was Persönliches Preis gibt, also jetzt nicht super Privates, aber, keine Ahnung, so kleine Details aus dem Alltag vielleicht mal zeigt oder so oder drüber schreibt oder das halt irgendwie mit dem Text unterbringen kann.

In meinem Newsletter schreibe ich zum Beispiel oft auch über meinen Sohn oder finde halt so bildhafte Vergleiche, was gerade wieder im Alltag los war und wie ich das mit dem Business hinkriege und sowas halt. Das ist für viele interessant und es zeigt halt sehr viel Persönlichkeit, denke ich.

[Alex] Ich habe, glaube ich, bei dir in einem Blogartikel gelesen, dass es einen Unterschied macht, ob man Aristoteles oder Marilyn Manson zitiert.

[Madlen] Ja, das stimmt. Zitate ist ein Riesending für viele. Viele verwenden unglaublich gerne Zitate auf ihrer Website. Und ja, genau, die Wahl der Quelle quasi, die macht auch schon einen großen Unterschied.

[Alex] Aber das ist, jetzt wo ich das gerade so sage, ich sehe voll selten, dass Leute halt, weiß ich nicht, Musiker zitieren oder irgendwelche Komiker oder keine Ahnung. Meistens werden ja wirklich so große Businessleute zitiert oder Philosophen oder was auch immer. Deswegen wäre es vielleicht mal eine coole Idee, so Menschen zu zitieren, die man nicht so auf dem Schirm hat, auf einer Businessseite.

[Madlen] Stimmt.

[Alex] Fange ich vielleicht auch damit an.

[Madlen] Ja, mach mal. Also gerade Musiker, ich finde, also Songtexte, es gibt so krasse Songtexte, da wird in einer Zeile so viel gesagt, da wird in einer Zeile die ganze Geschichte erzählt. Ja, stimmt, das fehlt eigentlich in dieser ganzen Welt.

[Alex] Gell? Die wollen immer so smart tun und immer große Männer zitieren, aber vielleicht kann man auch einfach Musiker zitieren, ja.

[Madlen] Ja, voll.

[Alex] Viele trauen sich ja auch gar nicht, so persönlich zu werden, weil die denken, ich muss halt vor allem professionell werden und so, oder wirken in den Texten. Was rätst du da deinen Kundinnen? Also bringen Sie so von Hause aus quasi immer persönliche Texte mit oder gibt es da auch Leute, die sich das nicht so trauen?

Persönlichkeit in Texten

[Madlen] Das ist echt unterschiedlich. Also meine Kundinnen sind so teils, teils. Also ich hatte ja in letzter Zeit viele Pädagogen und die haben tatsächlich sehr, sehr oft sehr persönliche Texte mitgebracht.

Das fand ich total gut und ich mache das dann bei meinen Kunden immer so, ich sortiere das dann immer so ein bisschen für die Website. Deine Frage war jetzt aber eine ganz andere, was ich mache, wenn meine Kunden zum Beispiel jetzt keine persönlichen Texte mitbringen. Ja, ich zwinge jetzt keinen dazu.

Ich sage denen halt einfach ganz oft: Schreib erst mal, schreib einfach mal so von der Leber weg und dann kann man das ja erst mal irgendwo auf der Website einsetzen. Und man kann, also auf einer Webseite ist es ja nicht in Stein gemeißelt, man kann das immer wieder ändern und das versucht so ein bisschen den Druck rauszunehmen. Also es ist ja, eine Website ist kein Buch oder so, was jetzt gedruckt ist, und einfach mal machen, einfach mal raufschreiben und dann gucken, wie es sich anfühlt, und ja, wenn es blöd ist, dann macht man es halt wieder runter.

Ich glaube, das ist auch einfach so ein Prozess. Meine erste Website als Selbstständige, die sah auch ganz anders aus als jetzt und die war auch sehr professionell und sehr wenig Persönlichkeit und das kommt halt einfach mit der Zeit. Ich hatte halt extrem Drang einfach, anders zu sein auch irgendwie und andere Menschen anzuziehen. Ich wollte halt nicht mehr den Handwerker von nebenan als Kunden, sondern halt wirklich die Leute, die eine Vision haben und die mutig sind und ja.

Squarespace vs. WordPress

[Alex] Du hast das schon angesprochen. Ich weiß nicht, ob du dich darunter selbst verstanden hast, dass du WordPress nicht magst oder dass jemand WordPress nicht mag. Du bist ja Squarespace-Webdesignerin, richtig? Du hast aber früher mit WordPress gearbeitet. Wo würdest du denn sagen, so ganz sachlich, liegen denn so die größten Unterschiede zwischen den beiden Systemen?

[Madlen] Ja, also WordPress ist einfach viel, viel technischer, techniklastiger. Man muss sich da viel mehr mit Plugins und Hosting und Domain und ganz viel Firlefanz auseinandersetzen.

Und als ich mit WordPress noch gearbeitet habe, hatte ich halt oft technische Probleme, die mich einfach genervt haben.

Ich hatte halt oft das Problem, dass Schriften nicht mehr geladen haben oder dass irgendein Plugin wieder nicht mehr DSGVO-konform war. Man musste eine Alternative suchen. Dann funktionierte die mit den anderen Plugins nicht und das hat mich wirklich in den Wahnsinn getrieben. Das war jetzt alles nicht sehr sachlich, ich weiß.

Aber genau das ist der größte Unterschied zu Squarespace, denn da hat man das alles nicht. Also da fällt dieser Technik-Kram halt einfach weg. Darum kümmert sich Squarespace einfach und ja. Man kann sich auf die Inhalte der Website konzentrieren, wie sie aussieht und ja, auf die ganze Marketing-Strategie und muss nicht immer Probleme lösen, technischer Natur.

[Alex] Ich kann das auch nur bestätigen. Ich habe, als ich WordPress noch genutzt habe und jeden Monat musste man dann ja so ein Update von irgendwas machen, mir hat es fast jedes Mal die Website zerschossen. Also die war dann immer für ein paar Stunden weiß, bis ich dann panisch Hilfe irgendwo gesucht habe und das musste dann jemand anderes machen und deswegen, es ist schon was anderes mit Squarespace.

Ist das denn jetzt auch der Grund gewesen, warum du dich jetzt auf Squarespace spezialisiert hast oder gab es einen anderen Grund?

[Madlen] Nee, das ist genau der Grund. Also ich habe damit auch lange gewartet, weil es gab letztes Jahr so ein ganz großes Update bei Squarespace und davor fand ich Squarespace jetzt auch nicht so gut. Da war das so ein bisschen sperrig, auch von der Bedienung, aber seit es dieses Update gibt, da war für mich klar, ich wechsle jetzt komplett. Ich mache nie wieder WordPress.

[Alex] Ist es dieses Fluid-Design-Ding?

[Madlen] Ja, genau, diese Fluid-Engine. Ja, damit lassen sich Seiten super easy gestalten. Ja, das ist so schön.

[Alex] Aber der Transparenz halber muss man ja auch sagen, Squarespace hat einige Nachteile auch. Also es hat nicht nur Vorteile. Was wären das zum Beispiel Nachteile?

[Madlen] Also die für mich größten Nachteile sind der Serverstandort in den USA.

Das ist natürlich für viele auch ein Nachteil, der die dann abhält, Squarespace zu nutzen. Aber die ganzen Nachteile, die das so mit sich bringt, die kann man, also einige davon kann man umgehen. Zum Beispiel würde ich jetzt die Domain nicht mit Squarespace selber verwenden, denn dann liegen viele Daten wirklich auf US-Servern, weil die Domain immer verknüpft ist mit dem Mail-Server. Und da, wo die Domain liegt, da liegen dann halt auch quasi deine Mails.

Und deswegen mache ich das bei meinen Kunden immer so, dass ich die Domain bei einem deutschen Provider anlege, was weiß ich, 1&1 oder so und dann hat man die ganzen Mails auch auf dem deutschen Server und, ja, so diesen ganzen Tracking-Kram, den kann man auch ausschalten auf den Squarespace-Seiten. Also da ist man dann auch vor geschützt.

[Alex] Und dann sind die ja anonymisiert, die ganzen Daten, IP-Adressen. Genau. Wenn jetzt jemand zuhört, der oder die vielleicht sich jetzt auch selbst gerade entscheiden muss, WordPress oder Squarespace, welche Punkte sollte man da berücksichtigen bei der Entscheidung?

[Madlen] Also WordPress braucht ein bisschen mehr Einarbeitungszeit. Man muss ein bisschen technikaffin sein und auch Lust haben, da richtig reinzuwursteln. Das ist bei Squarespace natürlich auch so, wenn das ein neues Programm ist, geht das jetzt auch nicht so easy peasy. Man muss sich da auch ein bisschen reinknien, um das zu verstehen. Aber es ist halt viel, viel einfacher als WordPress.

Ja, also ich glaube, das ist der größte Unterschied, dass man bei WordPress einfach mehr Zeit braucht, um das alles zu verstehen und auch mehr Nerven.

[Alex] Und vielleicht auch bei den monatlichen Updates und so weiter, da ja auch die Zeit braucht. Ja, genau.

[Madlen] Und ein Unterschied ist natürlich auch, Squarespace ist so ein Abo-Modell. Das ist so ein Software-as-a-Service-Ding.

Also man bezahlt halt einen gewissen Betrag im Monat. Dafür braucht man sich aber nicht kümmern. Und bei WordPress ist man, wenn man das selber hostet, hat man keine Kosten. Das ist halt theoretisch umsonst, außer die Domain und der Provider und alles.

Websites, die verkaufen

[Alex] Jetzt haben wir ja über hübsche Websites geredet und über Websites mit Persönlichkeit und auch das System dahinter und abschließend würde ich vielleicht nochmal gerne über Websites reden, die verkaufen. Denn letzten Endes sind wir ja alle selbstständig und wollen unsere Angebote an die Leute bringen.

Deshalb: Wie kann uns deine Website grundsätzlich helfen beim Verkaufen? Was ist da wichtig?

[Madlen] Ja, erstmal ist wichtig, dass sie so gestaltet ist, dass sie dir selber gefällt und deiner Zielgruppe, also dass da eine gute Schnittmenge ist und, dann ist sie natürlich auch gut, wenn die strategisch aufgebaut ist, dass die Leute quasi eine gute Kundenreise haben, dass sie raufkommen, dich erstmal kennenlernen und dass du dann so nach und nach deine Angebote vorstellst.

Und genau, dann ist sie natürlich auch so ein bisschen der Schnittpunkt zwischen dem Moment, wo die Leute dich das erste Mal sehen, also oft googeln ja Leute entweder, landen auf einem Blogbeitrag oder sie kennen dich durch Social Media, kommen dann auf deine Website und genau, du hast dann da deine Angebote auf der Website und im besten Fall bleiben die Leute dann irgendwie in deiner Welt, indem sie dein Newsletter abonnieren.

Und genau, so geht das dann einfach weiter. Du hast dann halt die Möglichkeit, die Leute quasi erstmal in deiner Welt zu behalten und eine Kundenreise zu kreieren.

Dann hilft eine Webseite natürlich auch in deinem Automationsflow. Also wenn du viele Kunden irgendwann hast, dann brauchst du irgendwann ein paar Automationen, die dir einfach Arbeit abnehmen, wie zum Beispiel so ein Buchungskalender oder so. Die kann man da super integrieren. Man spart unheimlich viel Zeit, wenn man so ein Ding hat, denn ich weiß nicht, vielleicht kennst du das auch, aber am Anfang hatte ich sowas nicht und musste mit allen Kunden immer fünfmal hin und her schreiben, bis ich dann irgendwie mal einen Termin gefunden habe mit denen. Und genau, mit so einem Buchungskalender kann man das umgehen.

Design für Verkaufsseiten

[Alex] Und wenn wir jetzt so die Verkaufsseite angucken, also wo wir dann wirklich auf der Seite über das Angebot sprechen, was kann man denn mit dem Design tun, damit man Menschen mehr so an die Hand nimmt?

[Madlen] Mit dem Design? Ja, also da würde ich sagen, würde ich diesen Bogen wieder zu den Päckchen schlagen, den wir ganz am Anfang immer hatten. Es ist halt voll wichtig, dass man so gewisse Inhalte in kleine Pakete packt.

So eine Verkaufsseite ist ja auch nach einem bestimmten Schema aufgebaut. Man erklärt halt erstmal den Leuten, was haben sie denn für ein Problem. Und dann führt man die so nach und nach und nach immer weiter zu dem Angebot hin. Also, dass man jeden Bereich quasi in ein Päckchen packt. Ja, genau. Also das ist halt nicht alles, wie eine lange Textwurst ist, weil da hat man halt, wie gesagt, das Problem, das kann keiner konsumieren. Man braucht halt wirklich diese einzelnen Bereiche, um zu verstehen, aha, hier geht es um mein Problem. Hier geht es darum, wie Alex mir helfen kann. Ah, wo kann ich denn jetzt buchen und so weiter. Also dass das halt alles visuell so aufbereitet ist, dass man, auch wenn man das nur überfliegt, die Website, dass man das sofort versteht, was da jetzt passiert, was hier im Inhalt ist und was ich ja machen kann vor allem.

[Alex] Ja, Madlen, vielen Dank, dass du heute hier warst.

Shownotes

Madlens Website

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Buch „No Social Media!“

Buch „Don’t be evil“

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Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin

Copywriterin ohne Social Media? Interview mit Caroline Metz

Holla, the wood fairy, wen hab ich denn heute bei mir im Podcast? Es ist Caroline Metz. Caro ist Copywriterin und nicht auf Social Media aktiv. Wie das als Dienstleisterin funktioniert und wie Caro stattdessen Menschen auf sich aufmerksam macht und Geld verdient, das wird sie uns heute erzählen.

Holla, the wood fairy, wen hab ich denn heute bei mir im Podcast? Es ist Caroline Metz. Caro ist Copywriterin und nicht auf Social Media aktiv. Wie das als Dienstleisterin funktioniert und wie Caro stattdessen Menschen auf sich aufmerksam macht und Geld verdient, das wird sie uns heute erzählen. 

Folge anhören:

Transkript lesen:

Instagram-Start und Vanlife-Träume

[Alex] Ich freue mich sehr, dass du da bist, Caro. Und ich hätte da auch gleich schon eine allererste, ganz wichtige Frage an dich zu Beginn. Hast du heute schon was auf Instagram gepostet?

[Caro] Hallo Alex, nein, ich habe nichts auf Instagram gepostet, weil ich meinen Instagram-Kanal überhaupt nicht betreibe.

[Alex] Das heißt, du hast keinen?

[Caro] Doch, doch, genau. Es gibt diesen, sorry, ich habe einen Kanal. Einfach, um Werbung zu schalten, falls ich das mal irgendwann mache oder irgendwie mal einen Angriff nehme.

Das heißt, ich habe einen Handle, aber da ist nichts drauf. Da ist nichts los.

[Alex] Und das ist ja erstmal so ein bisschen ungewöhnlicher, weil du ja, wie ich schon im Intro gesagt habe, auch eine Dienstleistung anbietest als Copywriterin und es heißt ja, dass man dann unbedingt auf Social Media unterwegs sein muss.

Und ja, wir werden jetzt heute auch drüber reden, wie das dann ohne Social Media bei dir so funktioniert, aber wir wollen es ein bisschen spannender machen, deswegen vielleicht zum Start, wie kam es überhaupt dazu? Also hast du noch nie Social Media genutzt für deine Selbstständigkeit oder gab es einen bestimmten Auslöser?

[Caro] Also für das Copywriting selbst habe ich tatsächlich Social Media noch nie genutzt.

Ich habe aber davor relativ viel auf Instagram gemacht, weil ich, sag ich mal, vor ein paar Jahren, da bin ich mit meinem Mann, Hund und Bus quasi ein bisschen durch Europa gefahren und dachte, ich werde jetzt hier Vanlife-Influencerin und habe mir dann da alle mögliche Mühe gegeben und auch relativ viel über so Instagram-Marketing und so gelesen und Hashtag-Recherche gemacht und halt diesen ganzen Krams.

Aber da musste man natürlich jetzt nicht wirklich Content strategisch kreieren, sondern einfach nur ständig auf der Suche sein nach „Oh, wie kann man das irgendwie schön präsentieren? Wie kann man jetzt hier noch ein schönes Foto machen?“ und nachdenkliche, inspirierende Sprüche irgendwie in die Caption hauen.

Und das hat nicht so wahnsinnig gut funktioniert. Und dann haben wir quasi das Vanlife auch so ein bisschen unterbrochen, sind wieder quasi ganz normal nach Hause, haben wieder eine Festanstellung angefangen.

Dann habe ich das so ein bisschen versucht mit Malen. Ich habe relativ viel gemalt und es gibt auch eine ziemlich große, so kreative Bubble auf Instagram.

Ich habe da sehr viel verfolgt, hatte dann auch quasi einen Account, wo ich dann sehr viel von meinen Bildern geteilt habe. Aber ja, auch das ist nie wirklich was geworden, weil ich da nicht wirklich strategisch rangegangen bin.

Und dann bin ich zu Corona gekündigt worden und habe gedacht: So, ich mache mich jetzt selbstständig in so einer Coach-Energie-Richtung und habe da dann angefangen, wieder einen neuen Instagram-Kanal zu ziehen.

Und ich fand das einfach alles super anstrengend und darüber ist halt auch nicht ein einziges Gespräch zustande gekommen oder so.

Es haben zwar Leute gefolgt, hat auch mal jemand kommentiert, aber ich fand es alles super anstrengend.

Caros Start als Copywriterin ohne Social Media

Und als ich dann mit Copywriting angefangen habe, war ich tatsächlich auch in der Position, dass ich dachte: Ich habe die Zeit überhaupt nicht und es ist mir auch ehrlich gesagt zu langweilig die ganze Zeit, ich nenne es jetzt mal, vielleicht klingt das ein bisschen blöd, aber ich nenne es jetzt mal so, „Anfängercontent“ zu machen, zu erklären: Was mache ich hier eigentlich? Was ist eine Landingpage? Was ist Copywriting? Also da hatte ich irgendwie gar keine Lust drauf.

[Alex] Und als du dann angefangen hast mit Copywriting, wann war das dann genau? Vor wie vielen Jahren?

[Caro] Das war Anfang 2022. Davor war ich schon ungefähr ein halbes Jahr, ein dreiviertel Jahr davor als virtuelle Assistenz selbstständig.

Habe auch schon alles Mögliche mit Texten, Blogartikel und SEO und so Kram gemacht.

Ich habe da auch schon Verkaufstexte geschrieben, aber ich wusste nicht, dass das Copywriting heißt und ich hatte auch nicht so richtig eine Ahnung, was ich da mache, sondern habe halt irgendwie so ein bisschen abgeguckt, was andere Leute da machen.

Aber Anfang 2022 habe ich, nee, Ende 2021 habe ich dann die Fortbildung dazu gemacht und ab Anfang 2022 habe ich mich dann quasi als Copywriterin positioniert.

[Alex] Okay, also so vor zwei Jahren. Und wie war das dann, als du dann angefangen hast? Wie bist du dann an deine allerersten Aufträge gekommen?

[Caro] Tatsächlich waren meine ersten Aufträge einfach die Kunden, die ich hatte als VA. Die habe ich in Facebook-Gruppen gewonnen. Also in diesen ganzen VA-Facebook-Gruppen habe ich dann da halt so einen Canva-Lebenslauf hochgeladen, darüber tatsächlich ziemlich leicht Kunden gewonnen und bin mit denen dann so gewachsen.

Und irgendwann haben die mich halt, ich sag mal, ich habe halt angefangen, bei denen Blogartikel zu schreiben.

Dann habe ich auch erzählt: Hey, ich mache jetzt so eine Ausbildung, Fortbildung zum Copywriting.

Und das waren halt alles Online-Coaches mit Kursen, die dann gesagt haben: Oh cool, dann kannst du ja jetzt mal in der Verkaufsseite schreiben.

Und dann bin ich da quasi, hatte ich schon die ersten Kunden und dann tatsächlich über Empfehlungen ganz viel.

Kund*innen gewinnen mit Empfehlungen

[Alex] Okay, das höre ich ganz oft bei Dienstleistungen. Also, dass, wenn man den Job halt gut macht, dass das so ein System wird, dass dann einfach Leute über einen reden und wieder weitere Leute zu einem schicken, sodass man dann letzten Endes auch von den ganzen Empfehlungen eigentlich mit denen ganz gut zurechtkommt.

Haben denn deine Kolleginnen oder Kundinnen dich jemals so gefragt, warum du nicht auf Social Media bist? Also, fanden die das ein bisschen komisch? Ist das aufgefallen überhaupt oder interessiert das niemanden?

[Caro] Das hat wirklich niemanden interessiert. Ich habe auch relativ lange so gar nicht mal eine Website gehabt und dann wurde einfach die E-Mail-Adresse weiter empfohlen. Also es hat wirklich gar niemanden interessiert. Da hat mich noch nie jemand darauf angesprochen.

[Alex] Ja, weil das ist ja auch, glaube ich, etwas, was man so meinen könnte, wenn man eine Dienstleistung anbietet, dass man dann eine Website braucht und einen Blog braucht und einen Newsletter braucht und damit geht es ja auch.

Aber ich finde es spannend zu sehen, dass man auch ganz ohne starten kann, eben mit Beziehungen oder mit Kontakten. Also was für eine Rolle würdest du jetzt diesen ganzen Netzwerken und Kontakte pflegen, zuschreiben?

[Caro] Definitiv die größte Rolle. Also bei mir ist das eigentlich wirklich der große Faktor, von dem fast alle meine Kunden kommen und, was mein Gefühl darüber immer ist, was ich auch bei mir, wo ich mich dabei ertappe, ist, dass man denkt: „Ich habe es ja nur über Empfehlungen bekommen“, dass man das wie „Das war ja jetzt zu leicht, dafür muss ich ja gar nichts machen“, also, dass man das nicht als ernstzunehmende Kundengewinnungsstrategie ansieht oder bewertet, weil quasi eine richtige Kundengewinnungsstrategie ist ja nur, wenn man halt einen Content-Funnel davor aufgebaut hat.

Also, ich meine, auch Empfehlungen zu bekommen, da kann man ja sehr strategisch vorgehen.

Man kann ja, also da gehört ja viel dazu, eine gute Arbeit zu leisten.

Es gehört viel dazu, quasi die gute Beziehung zu leisten. Man kann einfach auch zu seinen Kunden hingehen und sagen: „Hey, kennst du jemanden? Ich habe gerade wieder Kapazität.“ Und die Leute kennen in der Regel immer irgendjemanden. Also meinES Wissens ist das echt die Größte.

[Alex] Können wir da vielleicht noch ein bisschen mehr in die Tiefe gehen, also wie man empfohlen wird? Ich glaube, das ist so ein ganz spannendes Thema. Du hast jetzt zum Beispiel irgendwie einen Auftrag gekriegt und da ist der Auftrag beendet. Und was machst du dann in der Regel?

[Caro] Also ich muss natürlich jetzt so sagen, dass mein Job sehr dankbar ist, weil ich ja Launch-Copywriterin bin. Das heißt, wenn ein Launch vorbei ist, kommt auch ein neuer Launch.
Und Kunden, die einmal mit mir zusammengearbeitet haben, launchen auch meistens nicht neue Produkte, sondern halt mehrere Produkte.

Das heißt, habe ich erstmal einen Kunden gefunden, bleiben die relativ lange bei mir. Also die meisten Kunden, die ich habe, mit denen bin ich wirklich schon seit einem Jahr, über einem Jahr irgendwie mit zusammen.

Ich bin fast mehr wie die feste Texterin, die feste Copywriterin, so im Team, halt die Go-To-Copywriterin, zu der sie halt kommen, wenn sie alles brauchen.

Weswegen ich ja auch gar nicht so eine große Content-Strategie eigentlich fahren muss.

Also ich könnte gar, also als Dienstleisterin, könnte ich jetzt gar nicht die Leute alle betreuen.

Also ich sag mal, hätte ich jetzt noch die extra Zeit, die ich jetzt in Social Media oder sonst was stecken würde, um da jetzt noch viel mehr Kundengespräche und Erstgespräche zu generieren, ich hätte gar nicht die Zeit, die Leute zu betreuen.

Ich bin voll ausgebucht mit den Kunden, die ich schon habe, und kann mit dem Gespräch natürlich die Zeit sparen und tatsächlich, das muss ich jetzt mal so ehrlich zugeben, ich mache gar nicht so wahnsinnig viel dafür, dass ich empfohlen werde.

Meine Kunden, auch wieder ein positiver Nebeneffekt von meiner Positionierung, sind halt Launchers.

Das heißt, die Kunden, die mich engagieren, sind an einem Punkt, dass sie schon ein sehr erfolgreiches Unternehmen einfach haben und die sind nicht am Anfang, die sind so weit, dass sie quasi schon erfolgreich launchen und jetzt an dem Punkt sind, dass sie sagen: So und jetzt würden die Texte gerne auslagern.

Das macht niemand, der gerade erst angefangen hat.

Das heißt, diese Kunden bewegen sich auch wieder in Kreisen, in Masterminds, in anderen Onlinekursen, wo dann das Thema wieder aufkommt.

Und dann erzählen die einfach: Ja, ich habe eine ganz tolle Copywriterin.

Und es gibt halt auch nicht so wahnsinnig viele, die man kennt, die auch als Dienstleister arbeiten von Copywritern. Die meisten Copywriter, die man kennt, die bieten nur Copywriting-Ausbildungen an. Aber das macht, glaube ich, einfach meine Nische sehr, sehr dankbar.

Ist es unprofessionell, als Dienstleisterin keine sozialen Medien zu nutzen?

[Alex] Ja, also Mut zur Nische. Und wenn man dann wirklich so eine konkrete Sache hat, die auch nicht so oft angeboten wird, dann ist es ein Vorteil.

Viele haben ja auch irgendwie die Sorge, dass es unprofessionell wirken könnte, wenn man jetzt eine Dienstleistung anbietet und keine sozialen Medien nutzt. Wie siehst du das? Hat das was mit Professionalität zu tun?

[Caro] Sehe ich überhaupt nicht. Würde ich überhaupt nicht teilen, diese Ansicht.

Ich, also wenn man dann einen Social-Media-Account hat, da muss der halt auch richtig krass professionell aussehen.

Also wenn ich manchmal andere Dienstleisterinnen mir anschaue und dann, also ich sag mal, ein Instagram-Account lebt halt auch von Grafik, von der Bildsprache.

Und wenn ich mir dann sehe, mir das anschaue und denke „Okay, da gibt sich zwar jemand sehr viel Mühe, aber das sieht nicht sonderlich professionell aus“, dann wirkt es für mich eher negativ.

Dann denke ich mir eher so, dann mach es lieber nicht.

Dann mach lieber, wenn dir Grafik nicht so liegt, dann lass es lieber bleiben, weil dann wirkt es eher ein negatives Bild, als dass du darüber wirklich Kunden gewinnst.

[Alex] Hast du es denn irgendwo auf deiner Website zum Beispiel erwähnt, dass du nicht auf Social Media bist oder redest du einfach gar nicht drüber?

[Caro] Ich rede da einfach überhaupt nicht drüber. Also ich habe ja quasi diesen Account und immer mal wieder, ich sage mal, einmal alle drei Monate logge ich mich da irgendwie ein, um, ich glaube, wenn ich irgendwas checken will, wenn ich irgendwas prüfen muss oder wenn ich irgendwo hinten im Facebook-Business-Manager bin, sehe ich, oh, da hat mir jemand eine Nachricht geschrieben auf meinem Instagram-Account.

Und dann denke ich auch, warum folgen mir da Leute? Da ist halt kein einziger Post, also das ist nichts. Und trotzdem folgen mir da Leute, weil das für sie scheinbar irgendwie dazugehört.

Aber auf meiner Website gibt es da keinen Link, es gibt auch keine Erwähnung davon. Ich spreche einfach gar nicht drüber.

Social Media und ADHS

[Alex] Und fehlt dir Social Media? Also hast du irgendwie mal den Gedanken „Oh, wenn ich jetzt nur Instagram hätte oder wenn ich jetzt nur auf LinkedIn wäre, dann könnte ich XY machen“ oder spielt das keine Rolle?

[Caro] Also ich muss halt dazu sagen, dass ich ADHS habe.

Und seit ich da die Diagnose habe und einfach weiß, wie ich damit umgehe, kann ich auch sehr viel besser nachvollziehen, wie schlecht mir Instagram eigentlich tut.

Also bei mir ist da eine unglaublich hohe Vergleicheritis. Und ich sage mal, dieser ganze Algorithmus ist natürlich dafür ausgelegt, dass man halt die App nicht mehr zumacht.

Und da spricht halt mein dopamingesteuertes Gehirn unglaublich doll darauf an.

Und da kann es halt wirklich passieren, dass mir am Tag zwei, drei Stunden weggegangen sind, einfach durch Doomscrolling, bis ich halt irgendwann gesagt habe: Es geht nicht mehr, ich fühle mich danach auch nicht gut.

Und ich habe dann irgendwann mal von einem Content Creator, den ich sehr gut fand, der hat mal ein sehr kluges Video gemacht, was bei mir hängen geblieben ist, wo er auch selber gesagt hat, ja, er war jetzt mal ein paar Monate offline, weil er sich über viele Sachen, auch über die ganze Content Creation so ein bisschen Gedanken machen musste.

Und er der Meinung ist, dass das menschliche Gehirn nicht dafür ausgelegt ist, diese Bandbreite an Emotionen zu fühlen, die wir fühlen, wenn wir durch Social Media scrollen, weil man halt von einem Post, der einen zu Tränen rührt, zum nächsten Post, wo eine lustige Katze ist, zum nächsten Post, der irgendwie politisch aufruft, also da sind ja so viele tiefe Emotionen eigentlich, die da angeregt werden, innerhalb von Sekunden, da dachte ich, hat er eigentlich recht, dann muss ich mich auch nicht wundern, wenn ich mich danach eigentlich voll geschlaucht fühle, wenn ich halt zwei Stunden durch Instagram gescrollt bin.

Deswegen habe ich dann vor, ich würde sagen, anderthalb Jahren oder sogar schon, habe ich meine App auf dem Handy einfach gelöscht und ich bin mega happy. Ich vermisse es überhaupt nicht.

Ich muss halt ab und zu mal bei Instagram reingehen, um irgendwie mir die Accounts von meinen Kunden anzuschauen und merke da schon, wie schnell ich wieder drin bin, wie schnell mir wieder ein lustiges Video angezeigt wird und wie schnell ich aber auch, auch sobald ich Content von meinen Wettbewerber*innen sehe, sofort mich wieder vergleiche und mich sofort wieder schlecht fühle. Und ja, deswegen vermisse ich es überhaupt nicht.

Es gibt ab und zu mal so Momente, wo ich denke: Oh, so lustigen Content machen, irgendwie Memes machen oder lustige Reels machen, wenn man mal eine Idee hat.

Aber ich weiß, dass ich dafür auch nicht die, also dann habe ich vielleicht einmal im halben Jahr eine lustige Idee. Dafür lohnt es sich jetzt nicht, einen Instagram-Account zu machen.

Podcast als Social-Media-freie Marketing-Strategie

[Alex] Dann lass uns doch jetzt mal über dein Marketing reden. Du hast schon gesagt, du wirst ja häufig empfohlen für deine Dienstleistung. Aber es ist ja quasi nichts, was du so kontrollierst, wenn ich das richtig verstehe. Du hast da keine Strategie, sondern es passiert einfach, weil du eine dankbare Nische hast und weil die Menschen zufrieden sind mit deiner Arbeit.

Aber trotzdem machst du ja darüber hinaus noch ein paar Dinge.
Vielleicht kannst du da mal so erstmal einen groben Überblick geben, was du darüber hinaus noch machst in deinem Marketing?

[Caro] Ja, also ich habe einen Podcast, der, dessen bin ich mir auch bewusst, nicht unbedingt ideal auf Kundengewinnung ausgelegt ist, sondern das ist halt mein Passion Project.

Da rede ich halt über ethisches Marketing. Wie kann man Launchen anders aufziehen? Wie kann man vielleicht ohne Druck verkaufen? Also Themen, die mich interessieren und die in meinen Augen auch, ich sag mal, fortgeschrittenerer Content sind, als jetzt halt zu erzählen: „Die sieben Schritte, die du brauchst, um deine perfekte Sales-Page zu schreiben“

Was vielleicht Content wäre, den meine Kunden eher ansprechen würden.

Trotzdem habe ich ganz, ganz viele Leute, die mir schreiben „Oh, dein Podcast ist so cool. Ich liebe deinen Podcast“, die deswegen halt in meinen Newsletter kommen und dann irgendwannauch mal was, kleinere Angebote, Workshops oder was ich halt darüber hinaus nehme, Done-for-you-Copywriting-Anbieter auch kaufen.

Und dann mache ich definitiv, bemühe ich mich sehr um Gastauftritte. Also, dass ich halt in andere Podcasts komme, dass ich auch mal Blogartikel, Gastartikel schreibe und so.

Fokus auf ethisches Marketing

[Alex] Ich finde übrigens deinen Podcast auch ziemlich spannend. Also du sagst, es ist jetzt vielleicht nicht so auf den Anfängerkunden ausgerichtet, aber dieser Fokus auf ethisches Marketing, wie kam es denn dazu?

[Caro] Mir hat das halt einfach total gefehlt. Ich fand, sowas gab es noch nicht im deutschen Raum.

Und es sind halt die Themen, die mich umtreiben. Es sind halt die Themen, über die ich irgendwie reden will, die ich irgendwie besprechen möchte, wo ich weiß, hey, da habe ich so eine Frage und ich möchte da irgendwie nachgehen und möchte dann auch irgendwie ein Medium haben, wo ich quasi einen Anlass für habe, mich damit näher zu beschäftigen, das auseinanderzunehmen und dazu zu recherchieren.

Ich könnte es auch in einem Blogartikel machen, Aber ich schreibe halt sowieso den ganzen Tag und ich habe irgendwie mehr Lust auf das Podcast-Medium.

[Alex] Ich frage jetzt mal ganz provokant, ist Copywriting und ethisches Marketing nicht ein Widerspruch? Oder wie siehst du das? Oder geht Verkaufen auch in ethisch?

[Caro] Ich sehe Verkaufen als Widerspruch, weil, also das ist, glaube ich, wieder so diese ganze Identifikation, Definitionssache.

Also jemand, der Verkaufen als grundsätzlich moralisch verwerflich einschätzt, der wird, also für den ist quasi ethisches Marketing ein Oxymoron, was sich quasi ausschließt.

Deswegen, also Copywriting heißt ja erst mal nur Texte schreiben.

Und das kann ich natürlich in einer Art und Weise machen, die die Leute jetzt nicht in ihrer Scham und ihrem Schmerz abholt, sondern halt auf eine positive Art und Weise.

Also ich habe keinen Widerspruch.

[Alex] Ich glaube nur, dass halt viele Verkaufen mit diesen typischen Strategien verbinden, die halt unethisch anmuten könnten. Und dass es deshalb auch einfach so wichtig ist, dass es auch so einen Podcast wie deinen gibt, dass man mal überlegt, wie Launchen vielleicht auch anders gehen könnte oder worüber man überhaupt nachdenken könnte, vielleicht als Online-Kursanbieterin, wie man das alles gestalten könnte.

Doch nochmal zurück zum Thema Podcast. Wie sieht deine Podcast-Strategie jetzt genau aus? Du meinst, das ist dein Passion-Project, also hast du da keinen, weiß ich nicht, Content-Plan oder wie wählst du die Themen aus oder ist das mehr so Bauchgefühl, wie läuft das dann bei dir ab?

Podcast-Rhythmus und Gästeeinladungen

[Caro] Also wenn ich ein spezifisches Ding habe, was ich gerne verkaufen möchte, sowas wie: Ich weiß, es gibt dann diesen Workshop oder ich weiß, ich veranstalte eine Summit oder so, dann plane ich natürlich ganz strategisch die Podcast-Themen davor ein.

Aber ansonsten lasse ich einfach meiner Kreativität freien Lauf, weil das für mich dann eben auch die Art und Weise ist, wie ich die Freude daran behalte.

[Alex] Und wie oft veröffentlicht du neue Folgen? Also ist es so, dass du dir da irgendwie das Ziel setzt, da jede Woche was Neues rauszubringen?

[Caro] Ja, eigentlich ist schon eine wöchentliche Veröffentlichung mein Ziel. Habe ich auch eine Zeit lang sehr gut geschafft.

Jetzt gerade ist gerade wieder Launch-Hochzeit und ich hatte eine längere Zeit, wo es mir gesundheitlich nicht so gut ging.

Und dann habe ich einfach nicht die Reserven, nicht die Zeit.
Und dann ist es auch für mich okay.

Dann fokussiere ich mich vielleicht eher darauf, auch mal Leute in den Podcast einzuladen, dass ich sage: „Hey, die Person finde ich spannend, die spricht über das Thema, ich will unbedingt, dass das in meinen Podcast reinkommt.“ Und dann lade ich halt jemanden ein.

Dann kommt dadurch, da muss ich mich nicht hinsetzen und quasi eine Folge skripten, sondern dann kann jemand anderes mit seinen tollen Inhalten in meinem Podcast Platz einnehmenund dann mache ich das so.

Aber ja, eigentlich wöchentlicher Rhythmus ist schon mein Ziel.

Podcast und Newsletter als vertrauensbildende Kanäle

[Alex] Du hast den Podcast jetzt über ein Jahr, habe ich extra nachgeguckt. Und du musst uns dann hinter die Kulissen mitnehmen, was der Podcast dir in deinem Marketing letzten Endes bringt. Also du hast gesagt, manche Leute schreiben dir dann, die finden den Podcast so cool und so. Welche Rolle spielt er dann genau in deinem Marketing?

[Caro] Also für mich ist ein Podcast definitiv eher ein Werkzeug, um Beziehungen aufzubauen.

Das heißt, ich merke, dass auch zum Beispiel Leute, die weiterempfohlen werden an mich, dann eben vorher mal in den Podcast reinhören und sich das irgendwie genauer angucken. Leute, die auf mich aufmerksam werden.

Also ich bin zum Beispiel auch in einem Onlinekurs für Copywriting als Copycoach tätig. Und das natürlich auch, also dadurch ist ja wie ein verlängerter Gastauftritt, ein ewig andauernden Gastauftritt, wo ich meine Expertise demonstrieren kann.

Auch darüber kommen regelmäßig Leute in meinen Newsletter zum Beispiel und dann halt auch in den Podcast.

Also das sind, glaube ich, meine zwei großen Hebel, eigentlich der Newsletter und der Podcast.

Und die sind beide dafür da, um Beziehungen aufzubauen.

Und also ich glaube, die Leute, die mich im Endeffekt dann tatsächlich buchen, die, ich weiß ehrlich gesagt gar nicht. Also ich sage mal, die Kunden, die mich für Done-For-You-Copywriting buchen, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, was für eine große Rolle der Podcast dabei spielt.

Da hat jetzt, glaube ich, noch nie jemand zu mir im Erstgespräch gesagt: Ja, ich habe dich angeschrieben, weil ich habe deinen Podcast gehört und fand den so cool.

Aber ich weiß definitiv, dass viele Leute aus meinem Newsletter, die noch eine Stufe drunter stehen unter „Ich bin bereit, ein paar tausend Euro in die Hand zu nehmen, damit jemand anderes meine Verkaufstexte schreibt“ oder die es vielleicht auch gerne auch selber lernen möchten oder die sich einfach generell für das Thema ethisches Marketing interessieren, dass die definitiv den Podcast relativ viel hören.

Und dass sich da eine sehr enge Beziehung aufbaut zu den Leuten.

Bedeutung von Gastauftritten in anderen Podcasts

[Alex] Das ist schon erwähnt, eine weitere Säule bei dir im Marketing sind Gastauftritte. Warum ist das so wichtig?

[Caro] Also ich persönlich mag einfach definitiv das Medium Podcast total gerne, weil ich finde, dass es so schön, ich sag jetzt mal, leicht zu produzieren ist.

Also gerade bei Blogartikel, ich weiß, du machst ja quasi super viel über Blogartikel und da ich aber den ganzen Tag schreibe, das ist ja quasi das, womit ich mir Geld verdiene, sehne ich mich irgendwie ein bisschen nach dem Ausgleich, nach einer anderen Art und Weise, wie ich auftreten kann.

Und deswegen ist Podcast für mich so dienlich, weil ich dann eben einfach, ich sag mal, nur reden muss und nicht halt auch noch einen Blogartikel schreiben, der auch wieder viel Zeit braucht.

Dann ist es natürlich einfach total praktisch, wenn man vor die Audience von jemand anderem kommt, der auch genauso tickt wie man selbst, die vielleicht eben an einem ähnlichen Produkt irgendwie interessiert sind.

Und ich finde es einfach auch super schön, diese Vernetzung.

Also ich merke halt, dass ich dadurch viel mehr Leute kennenlerne, indem ich halt andere Leute einlade in meinen Podcast, mit denen ich sonst überhaupt keinen Kontakt gehabt habe.

Also ich bin da auch wirklich teilweise ein bisschen mit der Tür ins Haus gefallen. Wie zum Beispiel bei dir, als ich dich in meinen Podcast eingeladen habe.

Immer so: Hey, ich sag einfach mal, willst du in meinen Podcast kommen?

Und vorher hatten die mich vielleicht gar nicht auf dem Schirm und dadurch hat man aber plötzlich, also ne, kommt man halt in den Austausch und in den Kontakt und man fühlt sich auch nicht mehr so alleine in der großen Welt des Onlinemarketings.

Pitchen für Gastauftritte und Networking-Tipps

[Alex] Die OPA-Strategie. Immer wieder gut, other people's audiences. Wenn du jetzt, also du hast gesagt, du lädst andere Menschen in deinen Podcast ein, aber aber du bist dann eben auch bei anderen Podcasts zu Gast. Kommen dann diese Menschen auf dich zu oder pitchst du auch mal dein Thema? Also gehst du dann auf Leute zu und sagst: Hey, darf ich in deinen Podcast kommen? Wie machst du das?

[Caro] Ja, also im Moment ist es definitiv eher ein: Ich pitche mich an andere Podcasts, weil mich noch gar nicht so wahnsinnig viele Leute auf dem Schirm haben tatsächlich.

Oder es ist halt ein: Ich pitche einen Podcast-Swap, dass man einfach direkt sagt: Hey, hättest du Lust in meinen Podcast kommen, zu dem und dem Thema? Was natürlich super dienlich ist, weil da muss ich mich nicht einfach nur selber anpreisen und sagen „Hey, darf ich bitte bei dir?“, sondern man kann es halt anbieten wie: „Hey, du kommst bei mir, ich komme bei dir mit rein?“

Das ist natürlich sehr praktisch, aber ja, bei manchen Podcasts frage ich auch einfach so an und gucke mir halt wirklich die Folgen an.

Ich gucke mir wirklich an: Haben die vielleicht schon mal mit einem Copywriter gesprochen?

Wenn ja, über welche Themen haben die gesprochen? Was für Themen könnten die interessieren, worüber ich reden könnte? Also mach dann auch gleich Themenvorschläge und so. Versuch das den Leuten so schmackhaft wie möglich zu machen, um mich einzuladen.

Erfolgreiche Anfragen für Podcast-Gastauftritte

[Alex] Nun gibt es, glaube ich, viele Menschen, die sich schwer damit tun, so den Anfang zu machen, wie du das jetzt gerade beschrieben hast, um sein eigenes Thema zu pitchen. Und da du ja selbst auch einen Podcast hast und Copywriterin bist, vielleicht an dich mal die Frage, wie müsste denn eine Anfrage an dich formuliert sein, damit du als Podcast-Produzierende denkst: Ja, diesen Menschen lade ich jetzt unbedingt in meinen Podcast ein!

Also wie schreibt man Anfragen? Wie pitcht man sein Thema?

[Caro] Also ich glaube ehrlich gesagt, dass die meisten Leute sich viel zu viel Stress machen, weil man als Podcaster, ja, gerade wenn man regelmäßig Gäste einlädt, auch immer auf der Suche ist nach coolen Gästen, die man hat. Und viele Podcaster, also ich meine, ich auch, bin ja auch beschäftigt einfach mit meiner Arbeit. Ich kann nicht die ganze Zeit durchs Internet streunen und mir interessante Leute angucken und ständig irgendwie Leute einladen.

Also bin ich ja auch total dankbar dafür, wenn einfach jemand von selber sagt: Hey, ich würde gerne in deinen Podcast kommen.

Deswegen, das wäre, glaube ich, mein erster Gedanke, überhaupt erstmal eine Nachricht schreiben. Ist schon super viel wert, gerade halt auch bei kleineren Podcasts.

Man muss ja nicht immer sofort auf die, die dir in den Apple-Charts quasi direkt als erstes vorgeschlagen werden, reingehen.

Man kann ja auch in kleinere Podcasts reingehen und erwischt dadurch irgendwie auch eine kleinere, meist sogar aktivere Zielgruppe.

Und dann persönlich ist, glaube ich, so eine typische Struktur, die ich auch irgendwo gefunden habe und der ich auch folge, erstmal ein bisschen auf die Person eingehen, vielleicht auch auf eine Folge eingehen, die einem besonders gefallen hat, die einen besonders angesprochen hat.

Obwohl ich das immer so ein bisschen, ich will nicht einfach nur, so Lobhudelei machen, nur um zu sagen, hey, ich finde das total toll, damit du mich nett findest.

Es muss Leute dann schon irgendwie im Bestfall ernst gemeint sein und vielleicht kann man so eine Nachricht auch mal einen Monat vorher schicken.

Einfach sagen „Hey, die Folge fand ich cool!“, ohne direkt den Pitch hinterher zu machen, damit die Person sich vielleicht schon mal auf dem Schirm hat, wenn dir halt eine Folge richtig gut gefallen hat.

Also das wäre auch eine Variante. Und dann, ja, wie gesagt, ich persönlich gucke mir halt vorher immer genau an, worüber haben die Leute schon gesprochen.

Was sind quasi Themen, die schon vorgekommen sind? Und dann mache ich mir halt Gedanken, was könnten drei Themen sein, über die ich jetzt relativ problemlos sprechen könnte, die für die Audience von diesem Podcast spannend sind?

Und ich hatte auch schon Pitches, wo ich dann dachte: Ja, also du hast mir zwar zwei Themenvorstellungen gegeben, aber ganz ehrlich, darüber habe ich halt schon gesprochen in Folge, so vor drei Folgen und vor sechs Folgen.

Also irgendwie: ist zwar spannend, aber hatte ich jetzt schon drin, interessiert mich jetzt gerade nicht noch ein zweites Mal.

Deswegen betone ich nochmal dieses sich vorher wirklich genau angucken. Darüber, weiß ich nicht, wurde in den letzten 10, 20 Folgen gesprochen. Und gerade auch mit den Interviewpartnern.

Social Media als Dienstleisterin – ja oder nein?

[Alex] Finde ich einen super Tipp, also die Arbeit einfach selbst machen. Ich habe auch manchmal so Anfragen, da wollen Leute einen Gastartikel bei mir veröffentlichen und fragen: Ja, was für ein Thema würde denn passen?

Und dann muss ich mir dann natürlich die Arbeit machen und mir überlegen, was für ein Thema an meine Website passen könnte oder zu meinem Blog passen könnte. Und deswegen: Immer brav die Arbeit machen, selbst die Recherche machen.

Da, glaube ich, spart man dem anderen Menschen viel Zeit und hat mehr Wohlwollen auf seiner Seite auf jeden Fall.

Ja, jetzt vielleicht die Abschlussfrage: Was würdest du den anderen Dienstleister*innen raten? Also wenn sie jetzt überlegen: Ich habe eine Dienstleistung. Könnte ich wirklich Social Media verlassen oder muss ich gar nicht erst damit anfangen? Was sollen sie in ihrem Nachdenken berücksichtigen?

[Caro] Also für mich stellt sich bei Social Media halt immer die Frage: Macht mir das Spaß?

Weil ich sehe jetzt in Social Media und in Instagram nicht unbedingt die große Hölle und für jeden ist das total furchtbar.

Für mich persönlich ist es halt nicht das Richtige, weil es mir auch einfach keinen Spaß macht und weil es mich viel zu sehr Zeit kostet.

Aber ich glaube schon, dass Social Media für manche Leute funktionieren kann, wenn man denn da richtig Bock drauf hat. Es ist halt irgendwie eine Entscheidung, die man treffen muss.

Ich persönlich kann nicht verstehen, wenn Leute sich das ans Bein binden, die ganze Zeit denken, oh, das ist mir überhaupt kein Spaß, das ist mir so eine richtige Qual, also mehr als zwei Posts pro Woche schaffe ich einfach nicht, dann denke ich: Ja, aber muss man es ja dann überhaupt machen? Also doch dann lieber einen Kanal finden, wo man das mit Freude macht, als einen Kanal so halbherzig zu machen, weil auch das kriegt man ja als Kunde mit, auch das spürt man ja als Kunde.

Und dann denke ich: Ja, brauche ich jetzt ein Instagram-Profil, wo halt irgendwie auf jedem Post drei Likes sind und null Kommentare, also bringt mir das halt wirklich was?

Oder mache ich dann lieber irgendwie ein fixes Nine-Grid oder so dahin, wo ich halt einmalig meine Angebote vorstelle, dass das Profil halt nicht leer ist, man findet mich und man weiß, wo man quasi dann eher sich an mich wenden kann, halt die Website oder so, statt sich das jetzt so ans Bein zu binden, wenn es einem keine Freude macht.

Das sind so meine Gedanken dahinter. Und ich glaube, da muss man einfach ein bisschen ehrlich mit sich sein, wie viele Kunden kommen denn überhaupt über Instagram? Lohnt sich der Aufwand überhaupt?

[Alex] Ja, das ist auch ein gutes Schlusswort, Caro. Ich danke dir vielmals, dass du heute hier warst.

[Caro] Sehr gerne. Danke für die Einladung, liebe Alex.

Shownotes

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Unser gemeinsames Interview in Caros Podcast

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Buch „Don’t be evil“

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Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media, Interview Alexandra Polunin

SEO und Squarespace-Websites: Interview mit Victoria Weber

Wenn wir über Social-Media-freies Marketing reden, ist natürlich das Thema SEO nicht weit. Und genau darüber möchte ich in dieser Podcastfolge mit Squarespace-Expertin Victoria Weber sprechen. Ganz konkret wird es darum gehen, wie Suchmaschinenoptimierung mit Squarespace-Websites funktioniert. 

Wenn wir über Social-Media-freies Marketing reden, ist natürlich das Thema SEO nicht weit. Und genau darüber werde ich heute mit Squarespace-Expertin Victoria Weber sprechen. Ganz konkret wird es darum gehen, wie Suchmaschinenoptimierung mit Squarespace-Websites funktioniert. 

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Transkript lesen

Wie rankst du für dein Thema „Squarespace“ so weit oben?

[Alex] Ja, hallo Victoria. Mein Eindruck ist, egal was ich zu Squarespace google, deine Website ist meist auf der ersten Seite und ziemlich weit oben in den Suchergebnissen. Und neulich habe ich gedacht, so: Ha, Victoria ist gar nicht so weit oben. Und dann war das deine Agenturseite. Also eins von den beiden ist es. Und jetzt so die erste Frage, wie machst du das? Hast du ein Geheimrezept oder was ist da los bei dir?

[Victoria] Ja, das ist eine gute Frage. Also das Gute ist schon mal: Ziel erreicht. Ich hatte tatsächlich genau das vor, dass ich halt so einen Nischenbereich sozusagen abdecken wollte von sämtlichen Perspektiven. Und deswegen hat mein Blog zu diesem Thema inzwischen, ich glaube, bald 300 Artikel oder so, wo aber noch nicht die 400 Ideen drin sind, die ich noch auf der Liste habe. Also, da kommen, glaube ich, noch mehr.

Aber zurück zu deiner Frage. Also, es ist so, dass ich relativ früh, als ich angefangen habe, mich mit diesem Webdesign-Thema zu beschäftigen, auch als ich gewusst habe, okay, ich spezialisiere mich auf das Tool Squarespace, was viele ja immer nicht kennen. Das ist eine Alternative zu WordPress. Das heißt, nicht selbst gehostet, sondern dass man das halt so schön bei einem Anbieter hat. Und früher hat man das Baukastensystem genannt. Heute würde ich es eher so einen Editor nennen, sozusagen. Und dann habe ich einfach gesagt: Okay, ich habe so viel zu dem Thema zu sagen. Ich schreibe zu allem, was ich denke, was ich weiß und so weiter, Blogposts.

Und am Anfang war das noch so relativ unstrukturiert und strategielos. Und dann habe ich aber irgendwann angefangen, mich mit diesem SEO-Thema zu beschäftigen. SEO – Suchmaschinenoptimierung, also: Wie komme ich bei Google nach oben? Wie liefere ich Texte, die die Leute auch gerne lesen wollen? Und dann hatte ich wirklich so zum Ziel, egal was man sucht, ich möchte da erscheinen. Und es hat ein bisschen gedauert, aber jetzt bin ich relativ gut aufgestellt.

Wie lange dauert es, bis man mit SEO Erfolge sieht?

[Alex] Wie lange hat es denn gedauert? Und du sagst, es hat ein bisschen gedauert?

[Victoria] Also es ist so, wenn man mit einer ganz neuen Website anfängt und eine neue Domain hat und so weiter, dann ist es ja bei Google ganz oft so, dass man erstmal so ein bisschen, ich nenne das „Street Credibility“ aufbauen muss.

Das heißt, man muss im Prinzip erstmal beweisen: Okay, kann man was? Und da geht es darum, natürlich auch externe Links zu sammeln und so weiter. Und ganz, ganz am Anfang hat einfach alles, was ich gemacht habe, ich glaube so, ich habe mir damals vorgenommen, nach sechs Monaten den ersten Kunden quasi in Anführungszeichen passiv über den Blog zu akquirieren. Es hat, glaube ich, acht oder so gedauert. Ich habe das dann großzügig so runtergerundet und gesagt: Ja, ja, das hat geklappt.

Aber es war nicht so von heute auf morgen.

Und das ist, glaube ich, zum Beispiel ein Unterschied zu so schnellen Medien wie jetzt beispielsweise Instagram, wo man theoretisch schon schneller auch gefunden werden kann, weil man ja zumindest schon mal da ist. Man kann überall kommentieren und keine Ahnung.

Und mir war aber gleich von Anfang an bewusst, ich bin in meiner damaligen Lage auch mit so kleinen Kindern und so wusste ich: Boah, ich kann jetzt nicht schön in irgendwelche Kameras die ganze Zeit Storys machen oder so. Ganz oft habe ich dann einfach so verranzt, mitten in der Nacht Artikel geschrieben. Und das hat ganz gut dazu gepasst.

Und ich hatte halt von Anfang an wirklich auch diesen Gedanken, dass ich langfristig da, erscheinen möchte. Und deswegen bin ich am Ende auch bei Suchmaschinenoptimierung, also quasi Bloggen gelandet, weil ich einfach wusste, dass es am Anfang einen Sack Arbeit ist und dann aber das Ergebnis hält sich einfach über Jahre statt Tage. Und das fand ich sehr angenehm.

Sind Squarespace und SEO eine gute Kombi?

[Alex] Du hast es schon angesprochen, du bist ja quasi auf Squarespace spezialisiert. Das heißt, SEO und Squarespace sind eine gute Kombi? Weil man hört ja manchmal so ein bisschen das Gegenteil, aber das ist nicht der Fall?

[Victoria] Ja, also das ist so immer eine Sache. Es ist natürlich so, dass man, also wenn man jetzt gerade so eine WordPress-Website hat, was vielleicht auch viele haben, die hier zuhören, da kann man einfach, dadurch, dass es ein selbst gehostetes System ist, kann man halt in 100% aller Bereiche eingreifen.

Aber das machen die meisten Leute eh nicht, weil die meisten Leute halt keine Programmierer sind. Und bei Squarespace oder auch anderen nicht selbst gehosteten Tools ist es natürlich so, dass die Anbieter auch Teile sozusagen ein bisschen blockieren, also man kommt nicht in jeden Bereich, in jeden Code-Bereich der Website rein.

Und das heißt, in der Theorie, wenn man wirklich 100% in alles eingreifen will, dann ist das nicht möglich, aber für, ich sag mal, 80-90% aller Leute, die ich kenne, reicht das komplett und die meisten sind sowieso schlecht damit beraten, sich jetzt in irgendwelchen hoch quasi konkurrierenden Nischen zu schlagen sozusagen.

Das heißt, wenn ich jetzt ein SEO-Berater bin, der unter SEO-Beratern noch die letzten 3,2 Milliprozent oder sowas rausholen muss, dann würde ich sagen: Okay, müsste man jetzt vielleicht so ein Tool nehmen.

Aber alle Leute, mit denen ich zu tun habe, für die reicht das vollkommen.

Und also bei mir ist da auch kein Abbruch in Sicht sozusagen.

Und ich habe es auch gerade, können wir vielleicht später noch drüber reden, jetzt haben wir auch gerade so eine neue Website im Gange und das funktioniert eins zu eins genauso wie vor vier Jahren.

Also es ist nicht so, dass es eine alte Technik oder eine alte Taktik oder sowas ist.

[Alex] Ja genau, das wollte ich auch nochmal sagen, weil: Du hast ja nicht nur diese eine Website, du hast ja auch noch ein Schmuck-Design-Business und eine Agentur und jetzt einen neuen Podcast oder das ist nicht mal allzu neu, aber auch relativ frisch. Das heißt, und natürlich auch viele Kundinnen von deiner Agentur. Das heißt, du hast viele Daten, auf die du zurückgreifen kannst und sagen kannst, Squarespace und SEO ist kein Widerspruch.

[Victoria] Genau. Also da sind immer alle ein bisschen geschockt. Ich habe auch sehr, sehr viele Domains. Also ich glaube, andere Leute kaufen sich irgendwie, keine Ahnung, Parfüm oder Handtaschen. Ich kaufe Domains.

Das ist meine Guilty Pleasure. Und genau, ich habe einen Podcast, der heißt Creator Way. Da geht es darum, also Creator im Sinne nicht von Influencern, sondern einfach Leute, die sich mit so Content-Businesses quasi was aufbauen.

Das sind alle möglichen von LinkedIn-Menschen bis zu dir. Du warst da auch schon zu Gast. Und da habe ich von Anfang an überlegt: So, hm, wie machen wir das? Und ich habe beschlossen, dem Ding eine komplett eigene Website zu geben.

Das ist halt jetzt ein eigener Blog, ein eigenes Content-Format sozusagen und einen eigenen Newsletter.

Und das heißt, da haben wir zum Beispiel, das ist ganz interessant, da habe ich vor ein paar Wochen noch einen Vortrag drüber gehalten, da haben wir mal einfach analysiert, was da so passiert.

Und da war es zum Beispiel so, da haben wir das erste, mindestens das erste halbe Jahr ungefähr, einfach nur pro Woche zweimal die Shownotes des Podcasts draufgesetzt und sonst eigentlich nicht viel gemacht.

Und dann sieht man halt auch einfach, da passiert nicht viel.

Und dann, sobald wir eben angefangen haben zu sagen: Okay, jetzt ist es ein SEO-Projekt, jetzt machen wir da mal Sachen drauf, die auch für Google relevant sind, obwohl wir ja vorher zweimal pro Woche Content theoretisch draufgesetzt haben, hat es halt nichts gebracht. Und dann, als wir gesagt haben, so jetzt kommt da was Ordentliches drauf, in Anführungszeichen, was auch für SEO optimiert ist, jetzt geht das Ding eben hoch.

Und gerade letzte Woche haben wir jetzt so die ersten Tage, wo, ich weiß gar nicht, ob es von 60 Klicks pro Tag ist, ist es dann auf 130.

Ich hoffe jetzt, dass ich nichts falsch erzähle, müsste ich gleich nochmal nachgucken.

Aber, also jetzt merkt man halt so die Ergebnisse.

Aber das ist eigentlich so relativ einheitlich bei allen Projekten, wo ich bis jetzt drin war. Wenn man eine neue Domain hat, wenn man sich dann dran setzt, dass es ein halbes Jahr schon dauert, bis man merkt: jetzt passiert richtig was.

Und ein halbes Jahr, glaube ich, ist für viele Leute halt schon unangenehm lange.

Es dauert, bis SEO Ergebnisse bringt – Was können wir in der Zwischenzeit machen?

[Alex] Ja, es ist ja dann auch immer die Frage, was macht man in der Zwischenzeit? Wie war das denn bei dir, als du dann angefangen hast? Du wusstest, du willst jetzt eher auf dieses Langfristige. Also du hast ja mal das Beispiel gebracht: Nudeln versus Avocado.

[Victoria] Du hast die gemerkt?

[Alex] Ich habe sie gemerkt, weil ich das so witzig fand. Und was machst du dann, wenn du halt die ganze Zeit Nudeln hast?

[Victoria] Also ganz am Anfang in meinem Webdesign-Bereich habe ich tatsächlich auch Leute kalt angeschrieben. Aber ich habe das nicht so gemacht, wie das alle kennen, so in den DMs, so: Hey, hast du noch Kapazitäten frei?

Sondern ich habe halt in meinen Augen seriös und ansprechend und halt personalisiert die Leute gefragt, so: Hey, hier das und das. Und habe so tatsächlich die ersten Kunden bekommen.

Weil man kann ja nicht ein halbes Jahr lang von Luft und Liebe dann, also ich musste ja irgendwie die ersten Aufträge bekommen.

Und dann habe ich eben geguckt, im Webdesign-Bereich, wer könnte eine Website gebrauchen, habe denen so ein personalisiertes Ding geschickt, aber auch nicht irgendwie den gleichen Text an 20.000 Leute, sondern ich habe es halt so gemacht.

Und da habe ich relativ schnell auch dann die erste bekommen.

Ich glaube, das war, boah, ich weiß gar nicht, in welchem Jahr.

Aber das hat geklappt. Und irgendwann hat sich das dann eben so langsam abgelöst.

Also das heißt, ich habe dann immer, ich würde wahrscheinlich heutzutage noch, wenn ich irgendjemanden coolen sehe und denke so, hey, cool, würde ich tatsächlich, auch wenn wir eigentlich ausgebucht sind, den weiterhin wahrscheinlich schreiben. Ich finde das auch nicht negativ. Ich finde es eigentlich nur negativ, wenn man das quasi auf so eine Spam-artige Art macht, da kriege ich auch selber sehr viel.

[Alex] Das finde ich auch witzig, weil so habe ich tatsächlich auch meine zweite virtuelle Assistentin bekommen. Die hat sich dann quasi initiativ bei mir beworben mit so einer ganz witzigen Mail. Und ich fand das überhaupt nicht spammy. Ich fand das voll witzig. Ich habe mich voll amüsiert und mich voll gefreut. Und dann haben wir voll lang zusammengearbeitet auch. Ich glaube, das unterschätzt man. Also, dass man einfach auch gar nicht so dieses klassische Social-Media-Marketing braucht oder was auch immer, sondern halt einfach Kontakte zu Menschen sind immer noch super wichtig, egal, was wir machen.

[Victoria] Ja, und man tut sich also, ich kriege dadurch, du hast ja eben erwähnt, ich habe jetzt einige Projekte am Laufen, wir kriegen pro Tag so viel Zeug angespült, auch E-Mails, das ist der Wahnsinn. Und wie krass man sich schon hervortut, wenn man einfach eine ordentliche Anrede schreibt für einen personalisierten, also im Prinzip der Standard einer E-Mail.

Eine personalisierte Anrede, ein ordentlicher Rechtschreibfehler-freier Text, wie selten das allein schon ist.

Also tatsächlich bei dem Volumen, was trotzdem reinkommt, da kann man sich schon echt hervorheben, wenn man einfach eine nette E-Mail schreibt.

Und die Leute, die ordentlich schreiben und eine ordentliche Anfrage schicken, die kriegen auch immer eine Antwort. Also zumindest bei mir ist das so.

[Alex] Ich habe auch manchmal so Mails, da merkt man, dass halt so gecopyt und pastet wurde. Also dass die Formatierung dann ganz anders ist in den verschiedenen Teilen. Und dann denke ich schon, Mann, Mann, Mann. Also genau, deswegen wie du sagst, einfach nur minimale Mühe sich geben und dann reicht es auch oft, dass man dann einfach eine Antwort bekommt.

[Victoria] Ja, ganz kurz dazu noch, das habe ich nämlich gerade auch gehabt, weil wir haben natürlich auch jetzt inzwischen so ein bisschen Standardantworten, die wir machen und ich habe aber jetzt auch die Auflage gegeben, auch meinen quasi Kollegen, dass die immer, wenn die mit Copy-Paste-Sachen arbeiten, dass sie es erst in ein externes Dokument kopieren und dann das einfügen, damit die Formatierung halt gleich bleibt, weil es spricht ja nichts gegen Copy-Paste, wenn man das nur so ein bisschen anpasst. Also, aber da muss man halt so ein bisschen. Aber das ist ein Nebenthema.

Hat Squarespace Vorteile gegenüber WordPress, was SEO angeht?

[Alex] Genau. Aber wir waren ja beim Thema SEO und Squarespace und vielleicht mal andersrum gefragt. Also Squarespace ist jetzt nicht schädlich für SEO, aber es ist vielleicht auch gut? Also gibt es auch Vorteile gegenüber WordPress?

[Victoria] Also ich bin so der große Squarespace-Anhänger sozusagen, weil ich einfach festgestellt habe, dass der Unterschied ganz oft einfach auch darin besteht, dass man da Bock drauf hat.

Das heißt, es bringt mir nicht so viel, wenn ich theoretisch alles könnte, aber es so kompliziert ist, dass ich es nicht mache.

Das heißt, selbst wenn man jetzt argumentiert, Squarespace ist vielleicht nur 95 Prozent so hyperoptimiert wie andere Tools und auch ein paar Millisekunden besser, wenn aber das Tool so einfach aufgebaut ist, dass ich mich dafür selber reinbewege und das auch regelmäßig mache ... Dann macht es das für mich um ein zehnfaches wett, weil ich glaube, dass die allermeisten Leute gerade im SEO-Bereich eigentlich gar nicht das Problem haben, diese Hyperoptimierung, wo man im sehr fortgeschrittenen Bereich ist, sondern überhaupt erstmal: Ich veröffentliche Content, ich gucke mir die Sachen an und so weiter und ich glaube, dass da Squarespace eine Riesenhürde rausgenommen hat, auch was das gesamte Website, also auch so Unterseiten und so weiter angeht.

Ich bin der Meinung, wenn man halt eine Website hat oder auch so ein Online-Unternehmer ist, dann muss man halt eine Idee haben und zack, innerhalb von zwei Sekunden theoretisch sich hinsetzen können, die Seite aufmachen und sagen: Ich mache jetzt eine neue Landingpage. Ich mache ein neues Produkt und so weiter.

Und ich kenne halt sehr, sehr viele Leute, und das soll jetzt auch nichts gegen WordPress sein, wer damit gut klarkommt, alles easy, aber wer nicht damit klarkommt, ich habe sehr oft gesehen, dass Leute einfach Sachen verschoben haben und gesagt haben: Boah Mist, ich will eigentlich, aber wenn ich das mache, dann zerschießt sich bei mir alles oder ich muss erstjemanden fragen, der mir dann das und das programmiert.

Und diese Langsamkeit kann man meiner Meinung nach in so einem Business überhaupt nicht gebrauchen und das ist eigentlich so der einzige Vorteil, den man gegenüber großen Unternehmen oder auch größeren Unternehmen hat, die sind halt langsam und normalerweise sind wir halt sehr schnell und sehr wendiger als so kleiner Player.

Und wenn man sich diesen Vorteil halt nimmt, dachte ich immer ein bisschen so: Oh.

Und das war halt für mich persönlich so dieser Aufhänger, wo ich, ich glaube 2017 habe ich das erste Mal so ein Squarespace-Ding gebaut und ich war einfach nur so baff, weil ich dachte so: Kann das so einfach gewesen sein?

Weil davor hatte ich auch immer mit anderen Tools, es war alles kompliziert, hat lange gedauert, viele Updates, das Typische. Und dann ging es halt zum ersten Mal super einfach und ich war dann fast so ein bisschen misstrauisch, so: Wo ist der Haken?

Und ich habe für mich bis jetzt keinen SEO-Haken gesehen. Ich weiß aber, wenn man in den letzten Prozenti-Optimierungsstückchen ist, dass man dann wahrscheinlich auf jeden Fall, wenn man perfekt das ausprogrammiert und so weiter, natürlich noch ein bisschen schneller rausholen kann.

Aber ansonsten würde ich sagen, dass ich persönlich da bis jetzt überhaupt gar keine Einbußen oder irgendwas hatte.

Im Gegenteil, ich habe sogar Seiten, die die ranken vor, keine Ahnung, chip.de und bild.de und was weiß ich, weil Google netterweise auch immer mehr in Richtung Content geht.

Also die letzten Millisekunden habe ich im Gefühl, ist gerade bei so Anfragen, wo die Leute wirklich was tiefgehend wissen wollen und auch ein bisschen Meinung wollen, gar nicht mehr so krass.

Wie kommst du auf Ideen für SEO-Artikel?

[Alex] Mhm. Ich höre auch oft von SEO-Beraterinnen, und das ist auch meine Erfahrung, die These, dass es bei SEO eigentlich auch viel weniger um das Technische geht, als vielmehr darum, die Suchintention zu verstehen.

Also, wenn ich verstehe „Das wollen die Leute lesen, wenn sie das und das suchen“, habe ich eigentlich schon die halbe Miete.

Und deswegen, glaube ich, kann man immer diese technischen Sachen auch eher so am Anfang so ein bisschen nach hinten schieben und einfach gucken, dass man die Keywords und die Suchintention richtig kriegt. Und, genau. Genau. Aber da können wir ja schon vielleicht in die SEO-Strategie gehen. Also ein bisschen allgemeiner über SEO reden, jetzt ein bisschen like von Squarespace.

Du hast das schon am Anfang angesprochen, dass du 300 Texte veröffentlicht hast und irgendwie 400 Ideen hast oder sowas. Und tatsächlich, ich habe mir vor dem Interview überlegt: Wen kenne ich, der oder die so viele Texte bei sich veröffentlicht?

Und da fällt mir kaum jemand ein, also Online-Unternehmer*in. Und deswegen: Also wie kommst du auf diese ganzen Ideen, wenn du sagst, du hast noch 400 in petto? Also wie machst du das?

[Victoria] Okay, also ich muss noch dazu sagen, das muss ja auch der Transparenz halber gesagt werden, im letzten Jahr oder in den letzten anderthalb Jahren habe ich nicht mehr alle Artikel selbergeschrieben.

Aber ich glaube, so mindestens bis 200 oder ungefähr so, glaube ich, habe ich die immer noch alle selber geschrieben.

Das heißt, heutzutage ist es so, ich habe ab diesem Jahr zum Beispiel angefangen, auch YouTube-Videos zu machen.

Und weil ich es nicht schaffe, alles selber dann zu texten, Es ist auch oft so, dass aus den YouTube-Videos dann zum Beispiel wieder Texte gemacht werden oder so.

Nichtsdestotrotz, wenn ich die Zeit hätte, würde ich weiterhin so viel raushauen, weil die Ideen, da habe ich tatsächlich irgendwie keine Grenze.

Also ich habe, das ist auch oft so, ich habe einen SEO-Kurs, da buchen mich manchmal Leute, weil sie einfach nur 30 Ideen wollen oder so.

Also das ist gar kein Problem. Und am Anfang ging es aber vor allem bei mir darum, dass ich geguckt habe, okay, was sind denn so Fragen, die vor allem auch Kunden mich gefragt haben in diesem quasi Nischenbereich.

Und ich habe dann zum Beispiel ein paar der allerersten Artikel habe ich einfach so gemacht, dass ich überlegt habe: Okay, wenn ich den Leuten die Antwort per E-Mail schreibe, kann ich die nicht einfach noch verlängern, mit Bildern ausstatten, also mit Screenshots, und das als Blogartikel machen.

Das heißt, wer jetzt zum Beispiel sitzt und zuhört und sagt, boah, ich habe irgendwie so keine Ideen, der erste Fundgrubenbereich ist eigentlich immer erst so: Was fragen einen Kunden? Was fragen einen Leute im Erstgespräch? Was sind so typische Bedenken der Leute und sowas?

Und das muss eigentlich noch nicht mal erstmal so super SEO-optimiert sein, aber dass man einfach schon mal so reinkommt und sagt, okay, ich veröffentliche jetzt nicht nur noch für mein E-Mail-Ding, sondern auch für die Welt sozusagen.

Und das habe ich zum Beispiel relativ früh auch gemacht. Ich hatte mal mal einen Monat, wo ich jeden Tag einen Blogpost geschrieben habe. Das war so eine Challenge.

Und da habe ich nicht lange Artikel geschafft. Und da habe ich halt zum Beispiel einfach solche Kurzdinger gemacht, wo ich gesagt habe, okay, ich nehme mir jetzt einfach mal die 30 Fragen vor, die ich am meisten bekomme.

Und dann gibt es eine ausführliche oder mittelausführliche Antwort darauf.

Wie finde ich die richtigen Keywords für SEO?

Und das war so der erste Punkt. Und der zweite ist, dass ich glaube, dass ganz viele Leute, gerade so im Expertenbereich, sehr viel anfangen, mit Keywords zu hantieren, die sehr weit hinten liegen.

Also dort, wo die Leute schon sehr viel Info haben müssen. In meinem Fall wäre das zum Beispiel Squarespace-Webdesign.

Da muss man schon wissen, dass man Squarespace will. Da muss man schon wissen, dass man jemanden möchte, der das für einen erledigt.

Das heißt, da sind schon fünf quasi Stufen abgedeckt, bis man zu diesem Keyword kommt.

Aber gerade, wenn man ein bisschen weiter zurückgeht und auf so Symptomartikel geht, also ich nenne das so Symptomartikel, dann kommt man oft viel weiter.

Das heißt, wenn jetzt zum Beispiel, also bei mir landen ganz oft in den Kursen so Leute, die machen so irgendwelche speziellen, zum Beispiel ein spezielles Coaching für XYZ, was so einen ganz besonderen Namen hat.

Und dann sagen sie: Ja, ich möchte für dieses Suchwort gefunden werden.

Und dann sage ich: Ja, aber dieses Suchwort sucht halt keiner.

Und dann geht man zum Beispiel nochmal drei Schritte zurück und guckt: Okay, was sind denn so Symptome, die das Problem beschreiben?

Also wenn wir jetzt zum Beispiel, jetzt brauche ich mal kurz ein plakatives Beispiel, Schlafberatung oder sowas, da könnte man jetzt argumentieren, okay, „Schlafcoach“ würde vielleicht schon jemand suchen, aber da würde man dann zum Beispiel zurückgehen und sagen, wonach suchen die Leute?

Ich kann abends nicht einschlafen oder mitten in der Nacht aufwachen, Albträume, solche Geschichten.

Das heißt, man würde dann einfach nochmal drei Schritte zurückgehen und ich glaube, das ist eine Sache, wenn man da erstmal anfängt, dann ist in meiner Welt da kein Deckel für.

[Alex] Dann tanzt man quasi vor sich hin, weil du sagst, drei Schritte zurückgehen.

Genau, ich finde auch gerade, weil du jetzt Coaches erwähnt hast, kann ich auch nur bestätigen, dass die Menschen, die zu mir kommen und Coaches sind, sich extrem schwer damit tun, tatsächlich Keywords zu finden, weil sie, glaube ich, auch so, ich sag mal so, die großen Fragen des Lebens abhandeln, ja, und dann halt sehr schnell auch so bei großen allgemeinen Plätzen sind, sowas wie, keine Ahnung, Prokrastination oder Perfektion, aber das Problem ist ja auch, wer sucht denn schon danach? Also vielleicht, aber da gibt es ja auch viel Konkurrenz dann zu so großen allgemeinen Themen.

Das heißt, wie schaffe ich das denn als Coach, so ein bisschen konkreter zu werden? Wie gehe ich diese Schritte dann genau zurück?

[Victoria] Also was ich ganz oft mache, und das ist für diejenigen eigentlich, glaube ich, relevant, die schon mal mit so einem Keyword-Tool gearbeitet haben, ist, dass man also durchaus auch beiso großen Sachen erstmal anfängt, dass man so einfach eingibt und schaut: Okay, dieses Keyword.

Und dann sehen die allermeisten Leute, das ist Sachen für Fortgeschrittene, also große Ein-Wort- oder Zwei-Wort-Keywords mit viel Volumen, die sind meistens sehr heiß umkämpft. Das heißt, da ist meistens wenig zu holen als Einsteiger oder Anfänger.

Aber meistens ist es so, dass viele Keyword-Tools einem dann auch so Unterfragen ausspucken, wo man dann zum Beispiel sagt, okay, Perfektionismus, da gibt es dann zum Beispiel irgendwelche die kleinen Neben-Subthemen, die für dich selber jetzt vielleicht nicht so super spannend sind, aber die doch einen Teil des Themas abdecken.

Und das ist auch eine Sache, die ich auch immer den Leuten quasi sage, dass man erst diese kleinen, wenig umkämpften Subthemen abgrast, weil die großen Themen, die sind viel schwieriger.

Also direktes Beispiel, bei mir war es auch so, ich wollte natürlich gerne für das Wort Squarespace ranken. Ist mir auch gelungen – nach ungefähr drei Jahren bin ich jetzt relativ, ziemlich weit oben. Aber das hat drei Jahre gedauert.

Aber wofür habe ich zuerst gerankt? Keine Ahnung, Cookie-Banner bei Squarespace oder Schriften bei Squarespace oder keine Ahnung, einfach so ganz kleine Unterthemen, die super spezifisch sind und wo die Leute dachten: Ah ja, krass, dass da überhaupt jemand drüber geschrieben hat.

Und das alles hat dafür gesorgt, dass Google nach und nach verstanden hat: Ah ja, okay, die reden den ganzen Tag über Squarespace, dann sollten wir vielleicht langsam mal deren Haupt-Squarespace-Artikel auch hochschieben, weil die scheint ja davon Ahnung zu haben.

Und deswegen darf man auch, glaube ich, nicht so daran verzweifeln, dass man so die ganz großen Fragen oder die ganz kleinen Enddinger, sondern in der Mitte ist meiner Meinung nach der ganz, ganz große Raum.

Und ich mache oft so Keyword-Sessions mit Leuten und dann bin ich immer wieder total amazed, wenn ich sehe, da ist alles grün. Also in meinem Bereich ist leider oft oft viel sehr, sehr rot.

Aber es gibt wirklich im deutschsprachigen Raum in dieser Mitte sehr, sehr, sehr viel Platz, immer noch heutzutage.

Wie komme ich von Keywords zum SEO-Text?

[Alex] Kannst du uns dann mal so mitnehmen in den Vorgang? Du hast jetzt eine Idee für einen Artikel, du hast vielleicht ein Keyword und was passiert dann? Was sind dann so deine Schritte oder was empfiehlst du dann deinen Kund*innen?

[Victoria] Also ich gucke immer erst quasi so gesunder Menschenverstand, was würde ich jetzt selber dazu denken und was würde ich dazu sagen wollen, also quasi meine Perspektive.

Und dann empfehle ich immer zu gucken, wenn man jetzt diesen Suchbegriff eingibt, entweder in einem Tool oder direkt bei Google, zu schauen, was sind denn so die Top-10-Ergebnisse, weil Google liefert einem normalerweise auf dem Silbertablett, was gewünscht wird.

Und du hast eben diese Suchintention angesprochen. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Nike-Schuh google, dann will ich den wahrscheinlich kaufen oder will eine Übersicht von günstigen Nike-Schuhen oder sowas haben. Das heißt, das ist so eine Suche, wo ganz klar ein Kauf dahinter ist.

Was das Problem ist bei zumindest meinen Kunden, ist, dass die immer direkten Kauf vermuten und direkt immer ihre Verkaufsseiten sozusagen promoten wollen.

Das aber gerade in diesem Bereich, wo es um Inhalt geht, auch so Wissen und so weiter, ist in ganz, ganz vielen Fällen einfach Informationen gewünscht, dass man zum Beispiel sagt, man liefert Informationen und das findet man aber relativ einfach raus, indem man einfach die Keywords bei Google eingibt und dann guckt: Was sind die Top-10-Ergebnisse? Sind das Listen? Sind das Anleitungen? Sind das vielleicht sogar YouTube-Videos? Sind das Verkaufsseiten, wo Online-Shops ihre Sachen präsentieren? Sind das Wikipedia-Artikel? Und dann bekommt man einen relativ guten Eindruck, was denn eigentlich der Mensch will, der das sucht.

Das heißt, wenn zum Beispiel jetzt bei diesem Schuhbeispiel: Es bringt jetzt nichts, wenn ich einen Fachartikel über Schuhe schreibe, wenn jemand, der Schuhe sucht, eigentlich nur die Dinger kaufen will.

Das heißt, das ist im Prinzip was, was auch viele blöd finden und auch manchmal nicht wahrhaben wollen. Dass man halt, wenn man für quasi, also wenn man SEO-optimierte Sachen schreibt, dann schreibt man nicht nur noch das, was einem ungefähr quasi in den Kram passt, sondern man guckt halt wirklich, was wollen die Leute und wie nennen die das auch.

Und das kann auch oft bedeuten, dass man dann Sachen angreifen muss, die halt ein bisschen schwieriger sind.

Also in meinem Bereich ist es zum Beispiel so, dass viele Leute heutzutage noch „Homepage“ sagen, aber in Wirklichkeit ist die Homepage nur die Startseite und das heißt eigentlich „Website“, aber nicht mit EI, sondern mit I und dann weiter und so weiter.

[Alex] Danke, danke, danke. Da habe ich sogar einen Artikel darüber, über dieses Thema.

[Victoria] Ja, genau. Und das sind einfach so Sachen, da muss man halt einfach auch mal gucken, auf welches Sprachniveau möchte ich mich quasi begeben und wie möchte ich die Sachen ansprechen.

Und zu deinem Ding eben zurück mit diesen auch gerade Coaches, die sich schwer tun. Ganz viele haben so große Probleme, aus deren Fachjargon rauszukommen.

[Alex] Ja.

Und das ist im Prinzip immer die Frage, mit welchen Leuten, was sind meine Kunden? Und wenn wir jetzt zum Beispiel über SEO reden, gehen wir jetzt davon aus, dass deine Hörer das wissen.

Aber ich habe so viele Leute in der wahren Welt, wenn ich SEO sage, dann gucken die mich an und sagen. Was? SEO? Was? Und ich so, oh, nochmal drei Schritte zurück.

Das heißt, wenn ich zum Beispiel jetzt jemanden überzeugen wollen würde, SEO zu starten, der jetzt nicht in diesem Online-Thema so bewandert ist, dann müsste ich erstmal sagen: Guckmal hier bei Google, da gibt es so Ergebnisse. Wie kommt man in diesen Ergebnissen hoch? Und da rede ich nicht von Ranken und von Suchintentionen und Zeugs, sondern da fange ich halt auf einer ganz anderen Sprachebene an.

Und ganz oft sind die Leute, die so „expertig“ sind, viel zu sehr in diesen Fachausdrücken und auch Fachlösungen und so weiter und vergessen total, dass deren Kunden eigentlich gar keine Ahnung haben.

Das Einzige, was jemand weiß, der zum Beispiel zu so einem Schlafcoach geht und sich noch nicht damit beschäftigt hat, ist: Ja Mist, ich wache jede Nacht auf oder ich liege nachts wach und meine Gedanken kreisen oder was auch immer.

Und die sagen ja nicht, oh, ich habe eine Reduktion meiner Schlafvolatilität und mein RM-Movement ist nicht.

Also so sind viele von den Texten, die ich dann sehe in diesem Fachjargon und die Leute, die wollen eigentlich nur wissen so, ey, ich will schlafen. Alter, wie kriege ich das hin?

Tool-Tipps für SEO

[Alex] Ja, das ist auf jeden Fall ein wichtiges Thema.

Also Sprache anpassen an den Sprachgebrauch der Menschen, die man erreichen will.

Hast du denn noch so ein, zwei Tool-Tipps, weil du meintest, Du guckst jetzt irgendwie in einem SEO-Tool und da ist es rot oder grün oder was auch immer. Also was nutzt du da für Tools?

[Victoria] Also früher habe ich ganz viel Ubersuggest benutzt. Das ist so ein Tool von Neil Patel, heißt der. Das hatte früher richtig viel auch gratis zugänglich. Inzwischen wird das immer mehr runtergeschraubt. Und für mein bezahltes Tool bin ich inzwischen bei Keyword Finder von Mangools.

Und das finde ich ist eigentlich so sehr cool, weil es eine nette Oberfläche hat.

Und auch unter diesen ganzen Tools, da gibt es unendlich teure, finde ich noch relativ erschwinglich. ist, deswegen ist das so mein Favorit aktuell.

Ich finde aber, dass Ubersuggest trotzdem noch ein bisschen besser ist für so relativ nahe Synonyme, also wenn man in einem Bereich ganz viel Verschiedenes abdecken will, finde ich Ubersuggest besser.

Keyword Finder ist eher so besser für den groben Überblick, würde ich sagen. Aber das ist so mein Go-to-Tool.

[Alex] Nutzt du KI bisher?

[Victoria] Also ja, am Anfang haben wir da mega viel mit experimentiert. Wie gesagt, ich sage jetzt wir, weil ich inzwischen wirklich nicht mehr alles nur noch allein mache, aber gerade für so Übersichten oder auch alternativen Titeln oder „Schreibe mir nocheinen besseren SEO-Titel von drei“ oder sowas, finde ich es ganz gut.

Ich habe aber festgestellt, dass der einzige Weg ist, die Artikel besser zu machen als die anderen oder auch relevanter zu machen, am Ende der persönliche Touch. Das heißt, es ist eigentlich ein Hilfstool, aber kein Schreibtool für mich slash uns.

Es kann auch sein, dass da jetzt Leute zuhören, die sagen: Ah, du hast noch nicht den richtigen Prompt.

Und ich habe tatsächlich jetzt ein Tool gefunden, was ich ganz spannend finde, wo ich aber noch nicht sicher bin, ob ich das empfehlen kann.

Deswegen nenne ich jetzt mal nicht den Titel, weil ich da gerade ganz viel teste, wo ich auch damit experimentiere, dass ich einfach Sachen rein diktiere.

Weil ich finde, diese Tools, wo selber Text erzeugt wird, wie zum Beispiel Chat-GPT, wenn man dem sagt, hey, mach mal einen Blogartikel oder so, finde ich, ist schwierig, aber ich finde, Sachen, wo man wirklich auch reinredet, wenn ich zum Beispiel sage, so hier und dann ist das und dann ist das. Und das macht mir aus meinem eigenen quasi Sprachrhythmus einen Blogartikel. Das finde ich wiederum spannend. Da gucke ich gerade ziemlich viel rein.

Sind Blogs out?

[Alex] Wenn wir über SEO-Texte reden, reden wir ja auch über suchmaschinenoptimierte Blogartikel. Nun haftet ja irgendwie dem Blog so ein Retro-Image an. So nach dem Motto, keine Ahnung, alle sind jetzt auf TikTok oder auf Instagram und jetzt kommen wir daher mit unserem Blog und und SEO.

Und bei dir habe ich jetzt an mehreren Stellen gehört oder gelesen, dass Blogs jetzt für dich wieder ein bisschen mehr trendy sind. Was meinst du dann damit?

[Victoria] Ja, das ist tatsächlich eine Sache, die ich auf Social Media beobachtet habe.

Also ganz konkret, ich weiß nicht, du bist wahrscheinlich nicht bei Threads, ich auch nicht super aktiv, aber ich habe mich mal angemeldet zum Gucken.

Und da gab es so voll die Neujahrswelle, dass da also überall, und ich bin natürlich in meiner eigenen Bubble und so, aber überall also: Ja, und dann mache ich jetzt meinen Blog neu und ja, ich schreibe jetzt wieder Artikel und so weiter.

Also wirklich an ganz, ganz vielen Fronten, auch bei LinkedIn und an diversen Sachen.

Und dann habe ich auch wirklich festgestellt, dass auch bei uns jetzt wieder vermehrt Anfragen kommen.

Also ich habe jetzt gerade zum Beispiel so einen SEO-Kurs-Launch und so weiter gehabt, wo auch wieder im Vergleich zuletzt mehr wieder deutlich größeres Interesse da war.

Und ich habe einfach das Gefühl, dass diese Social-Media-Müdigkeit, die du ja auch in diversen Formaten bezeichnest, dass da einfach auch dieser Wunsch nach so ein bisschen mehr solides Fundament wieder da ist.

Auch je mehr jetzt immer kommt, dann ist wieder TikTok, dann jetzt Threads, dann ist hier wieder was Neues und so weiter. Und es sagen zwar immer alle, dass SEO mittelfristig stirbt und da wird ja auch jetzt gerade sehr viel passieren mit diesen AI-Ergebnissen, was auch Google selber liefern wird und so weiter.

Aber das, was zumindest bei mir und bei uns immer noch am besten läuft, ist Fachinfo, aber mit viel Meinung und mit viel persönlichem Winkel.

Das ist meiner Meinung nach was, was einfach lange Text auch braucht. Da kann mir keiner was erzählen, dass er da was anderes hat.

Die einzige Ausnahme, die ich sehen würde, ist YouTube.

Also ich glaube, YouTube ist ein ernsthafter, in Anführungszeichen, Konkurrent gegen die Textergebnisse. Aber YouTube ist ja im Prinzip auch eine Suchmaschine.

Das heißt, es ist im Prinzip kein Social-Media-Kanal so für sich und deswegen mache ich persönlich jetzt dieses Jahr verstärkt auch die Mischung, weil ich weiß, dass viele Leute einfach eher so der Guck- und Hörtyp sind.

Ich persönlich bin absolut der Lesetyp.

Also jedes YouTube-Video müsste meiner Meinung nach in einen Text gegossen werden, damit ich das noch besser verdauen kann, weil ich einfach so visuell textmäßig bin.

Aber ich glaube, da ist wirklich gerade auch so ein bisschen was im Wandel, dass viele Leute merken, so, ah ja, okay, da gibt es Menschen, die ranken, also die erscheinen für Ergebnisse und ich hampel hier die ganze Zeit rum und übermorgen muss ich schon wieder rumhampeln.

Also das ist, glaube ich, so ein bisschen, und ich habe es besonders zum Jahresanfang, also jetzt hier Januar 2024, mega gemerkt.

[Alex] Was ich auch noch beobachte ist, also vor allem im Coaching-Bereich, dass auch wieder so das Bedürfnis da ist nach ein bisschen mehr Komplexität.

Also, weil Social Media oft auch irgendwie die Formate vorgibt, die dann Zeichenbegrenzungen haben, bestimmte Formate eben bevorzugt ausgespielt werden, sodass sich, glaube ich, da auch viele so ein bisschen begrenzt fühlen in dem, was sie zeigen können.

Also, keine Ahnung, so typisches Beispiel: Trauma, breche ich jetzt mal auf drei Slides runter oder auf irgendeine Fünf-Finger-Challenge. Ja, hast du ein Trauma? Nimm meinen Finger runter, wenn du das und das hast.

Also, da ist halt ein Blog natürlich auch einfach so ein Medium, wo man ein bisschen mehr Komplexität zulassen kann und Dinge auch von verschiedenen Seiten beleuchten kann.

[Victoria] Ja, also ich sehe auch mega viele Vorteile drin, auch vor allem mit dem Thema. Es ist ja auch nicht exklusiv. Das heißt, man kann ja auch sagen, da hatte ich zum Beispiel in meinem Podcast gerade so ein Interview zum Thema Micro-Content.

Man kann halt super aus langen Sachen auch kurze machen, wenn man das zusätzlich möchte, aber umgekehrt ist es halt ein bisschen anstrengender sozusagen.

Das heißt, wenn man erst mal so den fundierten, tiefen Content hat, dadurch dann so Snacks zu machen, ist meiner Meinung nach relativ einfach.

Oder ich habe jetzt auch zum Beispiel ganz viele Blogartikel noch mal in YouTube-Videos ein bisschen abgespeckt, gegossen sozusagen. Finde ich viel, viel einfacher. Hatte ich vor kurzem auch eine Diskussion mit Jonas Ahle. Der ist zum Beispiel auch jemand, der erst einen Blog gemacht hat. Jetzt macht er für YouTube und hat auch einen Podcast. Der ist im Webflow-Bereich unterwegs.

Der meinte auch, er würde heutzutage immer noch jedem empfehlen, erst mal zu schreiben, weil man auch da seine Gedanken ordnet, weil man weiß, man kann auch auch mal so ein bisschen in die Tiefe sein Zeug sortieren.

Und ich bleibe dabei, dass es heute immer noch mega ist.

Wie bleibt man beim Bloggen und SEO am Ball?

[Alex] Cool. Jetzt vielleicht abschließend noch eine Frage. Wie bist du denn überhaupt beim Bloggen und beim SEO so am Ball geblieben? Weil es ist einfach so eine mega langfristige Geschichte. Wie hast du zwischendurch nicht aufgegeben? Was hat dich motiviert?

[Victoria] Das ist eine sehr gute Frage. Und das ist lustigerweise auch immer der Abschluss von meinen Vorträgen, wenn ich darüber rede, dass eigentlich das große Problem nicht die Technik ist, nicht der Content, nicht die Keywords, sondern die Motivation.

Weil die meisten Leute ja heutzutage so dieses Instant Gratification gewohnt sind und dazu trainiert zum Beispiel Social Media ganz krass mit diesen Ping und hier ein rotes Ding und so weiter.

Und ich persönlich habe einfach mir so kleine Mini-Erlebnis-Feier-Gelegenheiten eingebaut.

Also ganz konkret habe ich zum Beispiel am Anfang meinen SEO-Erfolg sozusagen daran gemessen, natürlich sieht man so, wie die Grafiken so hochgehen, aber für mich war eigentlich so das direkte Ziel, meine E-Mail-Liste zu vergrößern.

Und mein E-Mail-Anbieter damals, ich weiß gar nicht, ob ich da noch bei Mailchimp war oder so, hat auf jeden Fall nicht erlaubt, dass da irgendwelche Notifications kommen, und dann habe ich mir mit so einer Integration mit Zapier, habe ich mir so eine Konfetti-E-Mail gebastelt, die mir jedes Mal Konfetti in den Posteingang geschickt hat, wenn ich einen neuen E-Mail-Abonnenten hatte und das war halt am Anfang so, keine Ahnung, so alle zwei Wochen mal eine Person. Ich so: Yay!

Und am Ende habe ich diesen Ticker ausgeschaltet, weil es halt mehrere pro Tag waren und ich dachte so: Jetzt ist aber zu viel.

Und das heißt, ich habe als, das ist ein Beispiel, ich habe einfach immer so Sachen eingebaut, wo ich gesagt habe, ich muss mir kurzfristige Belohnungen schaffen, um einfach mich bei Laune zu halten.

Und das empfehle ich im Prinzip auch allen, die sowas machen, dass man, wenn man jetzt vielleicht nicht so der langfristige Typ ist und gerne was sehen will, dass man einfach irgendwieso Meilensteine für sich einbaut oder auch zum Beispiel Google hat inzwischen, das war wahrscheinlich damals schon so kleine Feier-E-Mails, wo die sagen so: Hey, du hast jetzt zum ersten Mal 30 Klicks in 30 Tagen erreicht oder so. Das schickt Google schon von selber.

Aber sowas von der Art her kann man sich auch wirklich selber bauen.

Und ich würde auch nicht nur nach Ergebnis gehen, sondern auch nach Input.

Also wenn man zum Beispiel sagt, man setzt sich irgendeine Belohnung fest, wenn man fünf Blogartikel geschrieben hat oder irgendwie sowas.

Und was vielen hilft, das ist bei mir persönlich, wo ich nicht so der Typ dazu bin, aber was ganz vielen hilft, sind auch so Gruppengeschichten.

Und da bietest du ja, glaube ich, auch einiges an mit diesen Schreibzirkeln und Sachen.

Also dass man sich wirklich andere Leute sucht, die dann sagen, so: Hey, hier, Montag um acht, wir sind jetzt alle, wir treffen uns und wir schauen uns die Artikel an.

Ich glaube, dieser Gruppenzwang hilft halt ganz vielen Leuten total.

[Alex] Ja, wie beim Sport. Die einen brauchen es, die anderen nicht.

[Victoria] Genau, genau. Und das ist eine mega Typ-Sache. Bei mir ist es zum Beispiel so, ich gehe am liebsten ganz alleine joggen, es sollen mich quasi keine ansprechen. Und andere, die sagen, hey, ich gehe in eine Jogging-Gruppe oder irgendwie sowas.

Und das ist, glaube ich, auch bei diesem Thema so. Und wenn man sich da sowas sucht wie, ich weiß gar nicht, machst du das auch zum Thema Blog-Artikel und so?

[Alex] Ja, klar.

[Victoria] Also hier der direkte Hinweis, einfach mal bei Alex erzählen.

[Alex] Nicht abgesprochen, aber ja.

[Victoria ] Nicht abgesprochen, aber meldet euch an.

[Alex] Genau. Ja, Victoria, dann vielen, vielen Dank, dass du heute da warst und so unverschämt Werbung für meinen Schreibcircle gemacht hast. Dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag und bis bald.

[Victoria] Danke, ciao.

Shownotes:

Victorias Website

Victorias Podcast „Creator Way“

Victorias Blogartikel: Blog vs. Social Media ist wie Nudeln vs. Avocado

Ubersuggest

KWFinder von Mangools

Website

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SEO ohne Google? Interview mit Laura Filz

In dieser Podcast-Folge habe ich SEO-Texterin und -Beraterin Laura Filz zu Gast. Laura steht für das Thema „Grünes SEO“ und wir werden heute über Google reden und warum es sinnvoll sein könnte, bei der Suchmaschinenoptimierung weniger auf Google zu setzen.

In dieser Podcast-Folge habe ich SEO-Texterin und -Beraterin Laura Filz zu Gast. Laura steht für das Thema Grünes SEO, und wir werden heute über Google reden und warum es sinnvoll sein könnte, bei der Suchmaschinenoptimierung weniger auf Google zu setzen.

Folge anhören:

Transkript lesen:

Grünes SEO und Datenschutz

[Alex] Hallo Laura, du nennst dich grüne SEO-Texterin und -Beraterin und ich würde als allererstes gerne darüber sprechen, inwiefern SEO überhaupt „grün“ sein kann. Also: Kannst du vielleicht kurz erklären: Was genau meinst du mit dem Begriff grünes SEO, was das für dich genau bedeutet?

[Laura] Ja, hi Alex, schön, dass ich hier sein darf. Also grünes SEO hat für mich da unterschiedliche Facetten, die ich damit meine.

Zum einen meine ich SEO ohne Google Analytics zu nutzen, einfach weil es, ja, wenn ich dieses Tool nutze, nicht datenschutzkonform ist.

Deshalb mache ich das ohne und bringe das auch so meinen Kunden und Kundinnen bei. Dann sehe ich auch dieses Grüne, weil ich mit SEO Angebote sichtbar mache, die eben sinnvoll sind und die Welt ein bisschen besser machen. Also, ja, dass nachhaltige Angebote sind ressourcenschonende, hilfreiche, einfach sinnvolle Angebote.

Und mittlerweile hat es auch noch so den Aspekt, das war auch so ein Prozess, sage ich mal, was da alles mittlerweile in diesem Grünen drin ist, dass SEO einfach für mich auch ein Instrument ist, um mein Business entspannter zu machen, weil ich mich dadurch unabhängig mache von dem Social-Media-Hamsterrad und mich einfach da ein bisschen entspannen kann, wenn ich eben auch mal nicht irgendwie die ganze Zeit präsent und online sein will.

Das sind so die unterschiedlichen Facetten. Plus, bei mir geht es ja auch um Texte in meinem Business, dann auch noch wirklich ethische Texte.

Dass ich versuche, eben, sag ich mal, auch so konventionelle Marketing-Sachen wie künstliche Verknappungen, Countdowns, extreme Angstszenarien, dass ich das eben nicht in den Texten für mich und auch nicht für meine Kundinnen und Kunden nutze. Das ist auch noch so ein Aspekt.

Nachhaltigkeit im Privatleben

[Alex] Und auf deiner Website habe ich gelesen, dass grünes SEO für dich auch was mit Nachhaltigkeit im Privatleben zu tun hat. Was genau meinst du denn damit?

[Laura] Ja, das ist dann quasi auch noch so ein Bereich in diesem Grün, einfach, dass ich in meinem Privatleben versuche, möglichst nachhaltig zu leben und eben auch in meinem Business.

Ja, privat können das ja ganz viele Sachen sein, wo ich jetzt meine Lebensmittel einkaufe und ob ich vielleicht meine Klamotten second hand kaufe.

Das sind so unterschiedliche Sachen, die ich mache. Und im Business eben auch, dass ich versuche, Tools zu nutzen, die klimafreundlich und auch datenschutzfreundlich sind, zum Beispiel wie einen grünen Webhost. Oder eine Alternative für Zoom mir suche. Das sind so Sachen, die ich versuche zu machen und wo ich aber auch immer direkt sage, ich mache das alles nicht perfekt.

Also ich bin da auch einfach im Prozess und lerne auch immer wieder ganz neue Sachen kennen durch andere Menschen, die da schon wieder ein Stück weiter sind.

Ja, und habe da auch noch meine Baustellen, ob das jetzt privat ist oder halt im Business.

Ethisches Marketing

[Alex] Das finde ich auch einen ganz wichtigen Punkt, weil ich glaube, dass wir halt super viele Menschen brauchen, die es so ein bisschen richtig machen oder in die richtige Richtung gehen und nicht wenige Menschen, die Dinge perfekt machen. Das ist ja beim Klimaschutz genauso.

Und beim ethischen Marketing finde ich das irgendwie auch voll den wichtigen Punkt, dass sich, glaube ich, viele nicht trauen, weil sie denken, ich bin ja nicht „perfekt ethisch“.

Und es ist aber so wichtig, irgendwie, dass alle einfach mal damit starten und einfach so den ersten Schritt gehen.

Was war denn so für dich, erinnerst du dich, was war denn so für dich der erste Schritt, wenn du in diesen Bereich gegangen bist?
Oder warst du von Anfang an so positioniert, dass du gesagt hast, dass du richtest dich so auf grünes Marketing, ethisches Marketing aus?

[Laura] Also das mit dem ethischen Marketing kam erst, ja, wann denn? Nach so ein Jahr, würde ich sagen, so langsam dazu. Am Anfang habe ich auch alles das konventionelle Marketing durchgezogen, sage ich mal, wie ich das dann auch gelernt habe.

Und habe dann aber gemerkt, irgendwie fühlt sich das teilweise nicht so gut an, passt irgendwie nicht so zu mir und habe dann einfach geguckt, wie kann ich es denn anders machen?

Also das kam erst dazu. Und ich hatte aber von Anfang an diesen grünen Fokus, also wirklich, ich habe mich direkt „Grüne SEO-Texterin“ genannt, „Grüne SEO-Beraterin“.

Da war aber dann eher die Idee, ich will nachhaltige Angebote, sinnvolle Angebote unterstützen mit meiner Arbeit. Also so noch auf die Zielgruppe beschränkt, dieses Grüne. Und auf meine Art, mein Business auszudrücken. Zu gestalten, nur eben noch nicht mit diesem ethischen Marketing.

Das kam dann, wie gesagt, erst dazu. Und da wollte ich eben noch ergänzen, was du gesagt hast, dass es wichtig ist, dass es eher viele Menschen gibt, die es so halbwegs gut machen, sage ich mal, oder es versuchen, möglichst gut zu machen.

Das finde ich auch, und ich erlebe das auch oft bei meinen Kunden und Kundinnen, dass die sich dann manchmal auch gar nicht so trauen, weil dann eben denken, sie sind noch nicht perfekt, sie machen das noch nicht 110 Prozent und fühlen sich dadurch dann eher abgeschreckt und gehindert. Und es soll ja motivieren und Spaß machen.

Und ja, dann ist es halt nicht 110 Prozent. Aber jeder versucht irgendwie sein Bestmögliches und ist da auf dem Weg, das einfach zu machen. Und das finde ich auch wahrscheinlich richtig, was du da eben noch gesagt hast.

Unterschiede zwischen SEO und Social Media

[Alex] Ja, wir werden auch gleich nochmal vielleicht genauer da reingehen an dieses Thema, weil ein guter erster Schritt könnte ja einfach mal sein, ein Tool zu tauschen.

Also wenn du sagst, Google Analytics ist problematisch, vielleicht kannst du dann ja einfach, da kommen wir gleich drauf zu sprechen, einfach ein paar Alternativen nennen und dann könnte man sein Business schon so ein bisschen, bisschen in die richtige Richtung einfach bewegen.

Aber vorher wollte ich dich gerne noch fragen, du hast ja auch einen Instagram-Kanal, hast du mir erzählt. Was siehst du denn jetzt so die Unterschiede vielleicht zwischen SEO und Social Media oder Instagram? Was sind für dich so die größten Unterschiede? Wie empfindest du das?

[Laura] Ja, genau auch da. Ich mache so eine Mischung. Also ich mache trotzdem ja dann auch noch Social Media. Ich habe einen Instagram-Kanal und versuche das aber auch so zu verändern.
Ja, so zu nutzen, was es mir gut tut, deshalb sehr reduziert.
Ja, die großen Unterschiede zwischen SEO und Social Media beziehungsweise Instagram sind einfach, dass ich bei SEO wirklich eine Sichtbarkeit habe, die nachhaltig und langfristig ist.

Also wenn ich da einmal sichtbar bin mit meinen Texten, mit Blogartikeln, mit meiner Website, dann können die monate- und jahrelang einfach mir durch diese Sichtbarkeit Besucher und Besucherinnen bringen.

Und bei Social Media habe ich einfach immer diesen Druck und diese Abhängigkeit, ich muss da präsent sein, ich muss konstant irgendwie gefühlt in die Kamera lächeln und gutgelaunt sein.

Also da ist einfach direkt dieser Bezug zu meiner Präsenz.
Und bei SEO ist das halt nicht so. Da kann ich auch mal, weiß ich nicht, mich acht Wochen zurücklehnen und es kommen eben trotzdem Anfragen, weil ich in den Suchergebnissen sichtbar bin.
Das ist einfach viel entspannter.

Persönliche Regeln für Instagram-Nutzung

[Alex] Hast du da für dich so auch verschiedene Strategien, wie du mit Instagram umgegangen bist? Also wo du sagst, du hast jetzt vielleicht einen Umgang gefunden, der für dich okay ist, weil du meintest, du nutzt es so, dass es für dich auch gut tut.
Ich glaube, viele, die zuhören, sind auch noch nicht so ganz bereit, von sozialen Medien wegzugehen, sondern suchen vielleicht einfach so ihren individuellen Weg.

[Laura] Ja, das mache ich ja auch. Also ich lösche es ja auch nicht. Ich habe es und werde es auch weiter erstmal behalten, weil es gibt auch Sachen, die machen mir da Spaß, wie das Erstellen von den Posts. Gleichzeitig merke ich einfach, wenn ich es zu viel nutze, raubt es mir unwahrscheinlich viel Energie und auch Zeit.

Genau, deshalb habe ich da so drei und mittlerweile sind es schon mehr persönliche Regeln aufgestellt.

Also ich nutze es nie am Handy. Ich habe die App nie am Handy installiert.

Ich habe es auch vorher halt nicht privat benutzt, sondern wirklich für mein Business ein Profil erstellt.

Und genau, habe da so ein Programm, dass ich es wirklich nur am Laptop nutze, wenn ich arbeite. Das ist für mich so die wichtigste Regel, die mir sehr gut tut.

Dann mache ich das eigentlich so zweimal die Woche nur, dass ich poste.

Natürlich gibt es da auch mal Abweichungen. Dann irgendwie, als ich meinen Online-Kurs gelauncht habe, dann waren es auch mal dreimal.

Oder es gibt dann eben auch mal wieder zwei Monate, da mache ich es gar nicht, weil ich merke, ich habe da jetzt gerade keinen Nerv für und keine Energie.

Und ich versuche, wenn ich dann online bin bei Instagram, nur beruflichen Inhalt zu konsumieren. Das ist schon sehr herausfordernd, weil ich dann doch auch immer wieder auf Profilen lande, die eigentlich jetzt gar nichts mit meinem Business zu tun haben. Aber das ist so die Idee. Und damit, finde ich, habe ich so einen ganz guten Weg gefunden. Natürlich hätte ich sicherlich viel mehr Sichtbarkeit bei Instagram, wenn ich auch Reels machen würde, das mache ich zum Beispiel nicht. Oder Storys mit meinem Gesicht mache ich auch nicht, weil ich einfach keine Lust drauf habe. Und dann auch einfach merke, der Preis ist mir halt zu hoch. Es fühlt sich einfach nicht authentisch an und macht mir halt keinen Spaß. Deshalb mache ich es dann auch nicht.

Gleichzeitig habe ich eben aber auch die Entspannung durch meine Sichtbarkeit in den Suchergebnissen bin ich eben nicht davon abhängig.

[Alex] Das finde ich auch noch einen wichtigen Punkt, weil ich lese das manchmal so, dass es so ein bisschen gegeneinander ausgespielt wird, also brauche ich jetzt Instagram oder einen Blog oder SEO oder so? Und es ist einfach auch alles so eine schöne Ergänzung und es schließt sich nicht aus, also man kann SEO betreiben und das Langfristige haben und dann natürlich auch einen Instagram-Kanal, wenn es einem irgendwie liegt und Spaß macht.

Kritik an Googles Geschäftsmodell

Ich kritisiere immer Meta, also das Unternehmen, das hinter Instagram oder Facebook steckt. Aber natürlich ist ja auch Google kein Kind von Traurigkeit und das ist dann so dein Metier. Und deshalb würde ich jetzt gerne mal so dazu übergehen zu gucken, inwiefern wir Google überhaupt brauchen für die Suchmaschinenoptimierung.

Vielleicht können wir mal damit starten, dass du vielleicht nochmal erklärst, was ist denn überhaupt problematisch an Google für diejenigen, die das vielleicht nicht so auf dem Schirm haben? Also was ist mit Ihrem Geschäftsmodell ein Problem aus deiner Sicht?

[Laura] Ja, also Google sammelt einfach unwahrscheinlich viele Daten. Also alles, was wir dort tun, wie wir uns da in der Suchmaschine verhalten, was wir lesen, anklicken und ja auch wirklich sehr detaillierte Daten über unser Profil, sag ich mal, was dort angelegt wird, sammelt dieses Unternehmen und wir wissen eigentlich gar nicht, was mit diesen Daten passiert.

Also es ist ja auch ein amerikanischer Datenschutz, der ist eh sehr wässrig.

Und, ja, wir wissen nicht, wer hat auf diese Daten Zugriff?

Dann finde ich halt auch generell so eine Monopolstellung, wie Google sie ja auch hat, ist eh sehr, ja, sehr schwierig, weil so eine Monopolstellung kann auch einfach schnell missbraucht werden.

Ja, Punkt Klima ist Google jetzt auch nicht vorne mit dabei.
Da gibt es Suchmaschinen wie zum Beispiel Ecosia, die auf Bing basiert, die sich wirklich für Klima und Nachhaltigkeit einsetzt.

Also das sind so ein paar kritische Punkte und für mich ist halt vor allem da der Datenschutz der größte Punkt und auch, es ist halt alles auf dich zugeschnitten. Also immer, wenn ich Google nutze, kriege ich auch Suchergebnisse, die eben, sage ich mal, zu meinem Verhalten passen.

Kann praktisch sein, kann aber auch einfach sehr, ja, du bist halt dann in einer Blase unterwegs. Also es ist nicht mehr wirklich neutral.

Und genau deshalb nutze ich auch viel Ecosia, eben diese Suchmaschine und habe da auch einen Blogartikel geschrieben zu eben diesen größten Unterschieden Google, Ecosia, worüber man nachdenken kann.

Google und Datenschutz

[Alex] Super, den verlinke ich auf jeden Fall. Ich war auch ganz überrascht, ich hab jetzt auch für diese Podcastfolge nochmal so geguckt, was Google denn eigentlich speichert über uns. Und hab zum Beispiel gesehen, ich hab nämlich noch einen alten YouTube-Kanal, dass da Videos von, weiß ich nicht, dutzenden Jahren so gespeichert waren, die ich mir angeguckt hab. Ich glaube, noch damals für meine Hochzeit als Vorbereitung oder so, irgendwas total Absurdes. Und das hat YouTube, was dann zu Google quasi gehört, noch gespeichert und das heißt, also wir können mal in diesem Dashboard einfach gucken, was da alles über uns eigentlich bekannt ist.

Es ist eine Menge und die haben Zugriff auf unseren Kalender, auf unsere Fotos, also wenn wir halt diese ganzen Google-Dienste nutzen, den ganzen Browser-Verlauf mit Chrome und so.

Also das ist wirklich, wirklich eine Menge und ich glaube, wer da noch nicht so sich reingelesen hat in das Thema, kann einfach mal im Dashboard selbst gucken, was da über einen selbst an Infos gespeichert ist.

Das ist auf jeden Fall ganz spannend.

[Laura] Ja, sehr erschreckend. Aber ich meine, klar, auch bei Instagram geben wir sehr viele Daten preis.

[Alex] Genau, aber auch hier ist mir bewusst, dass Google eben auch ein sehr problematisches Unternehmen ist, und gleichzeitig kann ich nicht von allen Unternehmen, die problematisch sind, mich lossagen. Jetzt habe ich mich quasi von Instagram und Facebook quasi losgesagt. Google ist da noch. Mein Wunsch ist, da mittelfristig mich zu „entgoogeln“. Insofern gucke ich da immer, was ich machen kann.

Aber auch hier: Wir können halt nicht so ein perfektes, ethisches Marketing machen und sagen, wir nutzen überhaupt gar keine Programme oder Tools mehr, die problematisch sind.

Das ist natürlich möglich, aber das ist, glaube ich, super schwierig, weil: Klar gibt es viele Open-Source-Lösungen, aber da braucht man auch teilweise mehr technisches Know-how als für diese Unternehmen, die einen das so schön eben darlegen.

Problematik von Google Analytics

[Alex] Aber du hast ja schon erwähnt am Anfang, ein Tool, auf das man auf jeden Fall verzichten kann, ist Google Analytic für die Suchmaschinenoptimierung. Und vielleicht gibt es noch mehr Tools, die problematisch sind an Google? Oder ist es vor allem das?

[Laura] Das ist vor allem Google Analytics, weil das ist ja ein Tool, wo ich meine Webseite mit verknüpfe.

Und dann werden ganz viele detaillierte Daten auch erhoben von allen Menschen, die auf meiner Website landen. Und diese Daten sind einfach auch sehr detailliert. Deshalb ist das wirklich so ein Tool, was ich definitiv von meiner Seite entfernen würde.

Deine Seite ist ja auch so deine Regeln. Und um da zu sagen, mache ich nicht mit, ich möchte die Daten hier schützen, soweit es geht.

Und auch selbst mit Cookie-Hinweis finde ich es auch nicht datenschutzkonform und auch ethisch fragwürdig, weil eben niemand weiß, was mit diesen Daten passiert.

Also wir sind gar nicht informiert genug, um entscheiden zu können oder um eine informierte Entscheidung treffen zu können. So, genau, das würde ich also rauswerfen, dieses Tool.

Es ist auch interessant, weil deine Seite durch Google Analytics langsamer ist.

Also, ich habe das schon ein paar Mal den Test gemacht, dass wirklich, wenn du das Tool entfernst, deine Ladezeit auch einfach besser ist, was ja wieder positiv ist für deine Sichtbarkeit in den Suchergebnissen.

Und ich weiß auch einfach von meinen Kunden und Kundinnen, die meisten sind auch mit diesen ganzen Zahlen überfordert. Die installieren das dann, weil es die meisten so machen.

Wir können auch kaum was mit diesen ganzen Zahlen anfangen und ich finde auch für die meisten kleinen Websites ist es auch einfach viel zu viel. Also ist es gar nicht nötig, so viele Informationen zu sammeln über die Besucher und Besucherinnen.

Alternative zu Google Analytics

Genau, eine schöne Alternative ist zum Beispiel da das kostenlose Plugin Cocoa Analytics, das ist für WordPress.

Da werden wirklich nur ganz wenig Zahlen erhoben, wenig Daten erhoben und trotzdem so wichtige wie, welche Seiten werden aufgerufen von wie vielen Menschen, woher kommen die.

Also genauso viel, finde ich, wie nötig ist und eben aber nicht mehr, also dass der Datenschutz da gewährleistet ist.

[Alex] Und für die Menschen, die ein bisschen mehr verstehen wollen, was auf ihrer Seite passiert, also ich denke da zum Beispiel: Klar ist es wichtig zu wissen, welche Inhalte werden gelesen oder woher kommen die Menschen, aber wenn ich zum Beispiel nachverfolgen möchte, woher kommen die Menschen, die mein Newsletter abonnieren? Das ist ja mit Google Analytics zum Beispiel möglich. Gibt es da Alternativen?

[Laura] Um zu gucken, woher diese Menschen kommen, die mein Newsletter abonnieren?

[Alex] Dass ich vielleicht so Segmente erstelle, dass ich Zielvorhaben anlege und da einfach so ein bisschen mehr Infos bekomme.

[Laura] Speziell um das nachzuverfolgen, wüsste ich es gerade nicht. Fällt mir jetzt gerade nicht ein. Das sind auch so. Das ist zum Beispiel jetzt auch was, was ich mich nicht frage.

[Alex] Genau, also ich glaube, du hast es ja schon so ein bisschen erwähnt. Also für die meisten ist es dann einfach nicht so relevant. Ich glaube, wenn man dann eher so in Richtung Online-Unternehmen-Funnel geht, dann interessieren einen solche Zahlen.

Aber für die meisten, die dann irgendwie starten oder einfach nur verstehen wollen, was interessiert die Menschen, werden dann halt andere Sachen wichtiger. Das Tool, das du zum Beispiel jetzt genannt hast, kann wirklich ausreichen. Genau.

Aber solltest du dir noch einfallen, kann ich es dann ja noch in den Shownotes mit verlinken und aufnehmen und dann können die Leute vielleicht dann selbst einfach gucken.

[Laura] Ja, genau. Ich denke nochmal drüber nach. Genau.

Ist SEO ohne Google möglich?

[Alex] Sehr gut. Können wir denn SEO völlig ohne Google machen? Oder geht das nicht?

[Laura] Also ich wollte gerade sagen, es geht schon, wobei dann auch wieder die Überlegung ist: Ich brauche ja für so eine Keyword-Recherche, die zu SEO gehört, die essentiell ist, Keyword-Tools und die ziehen ja alle auch die Daten von Google oder beziehen dort die Daten.

Also kann ich das nicht ganz entkoppeln.

Ich könnte natürlich meine Website für oder mit SEO optimieren und mich dann nachher nur auf Suchmaschinen wie Ecosia, Bing und so weiter fokussieren.

Aber trotzdem habe ich da diesen Google-Bezug einfach durch diese Daten, die ich für meine Keyword-Recherche brauche. Also ganz geht es nicht.

Und plus, es ist ja auch einfach noch so dieses Dilemma.

98 Prozent, glaube ich, der Menschen nutzen Google. Also es ist einfach wirklich noch so die große Mehrheit.

Da würde ich schon einfach sehr, sehr viele ausklammern, wenn ich das so komplett außen vor lasse.

Gleichzeitig ist es ja so, wenn ich SEO mache, mache ich das automatisch für alle Suchmaschinen.

Weil alle Suchmaschinen haben ja das gleiche Ziel. Die wollen ihren Nutzern und Nutzerinnen die beste Antwort liefern. Und trotzdem gibt es ja dann feine Unterschiede. Dass zum Beispiel bei Google die Aktualität wichtiger ist als bei Ecosia. Da gibt es dann so Feinheiten.

Nur ich mache es schon erstmal für alle Suchmaschinen, weil sie haben alle halt das gleiche Ziel.

Also das ist ja auch schön, dass ich da erstmal so alle mit bediene.

Alternativen zu Google für die Suche

[Alex] Ja. Und du hast schon angesprochen, dass es auch mehrere Suchmaschinen gibt. Also vielleicht können wir das auch nochmal so ein bisschen zusammenfassen. Ich als Privatmensch müsste dann quasi gar nicht auf Google suchen, sondern könnte eben Ecosia nutzen, hast du schon erwähnt.

Die haben halt den Vorteil, dass sie pro, ich weiß gar nicht, vier, fünf Suchanfragen oder so einen Baum pflanzen, richtig?

[Laura] Genau.

[Alex] Was gibt es noch für Möglichkeiten neben Ecosia?

[Laura] Es gibt DuckDuckGo, Yahoo! gibt es, Bing, also da ist auch eigentlich Ecosia basiert auf Bing. Das sind jetzt so die... Die ich noch kenne, da wird es sicherlich auch noch ein paar andere geben.

Genau, und ich nutze halt so weit wie möglich Ecosia. Ich komme da schon auch immer wieder an Punkte, wo ich dann sage, so, die Suchergebnisse finde ich jetzt gerade nicht hilfreich, ich springe wieder zu Google zurück.

Aber erstmal versuche ich das bei Ecosia, und das ist auch eine Suchmaschine, die hilfreich ist und uns auch tolle Antworten liefert.

Sie ist noch nicht ganz so weit wie Google, das ist schon so.
Also da siehst du dann schon auch Unterschiede.

Trotzdem bringt sie dich auch an deine Antwort, die du haben willst, an deine Informationen.

[Alex] Ja, das ist natürlich der Vorteil an so einer krassen Personalisierung, wie wir sie in Google haben, dass wir dann halt eben sehr personalisierte Ergebnisse bekommen. Aber das hat natürlich einen Preis, wie du gesagt hast.

[Laura] Genau, es hat einen Preis. Und ich finde, bei Ecosia ist es auch sogar nochmal gar nicht die Personalisierung, die da fehlt, sondern auch die Aufbereitung der Suchergebnisse manchmal.

Da habe ich, ja, es ist einfach so noch ein bisschen altbacken, wirkt es manchmal so. Okay. Ja, genau. Und dann ist eben, wie du auch sagst, die Frage, was ist es mir wert? Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen?

Typische Probleme bei Suchmaschinenoptimierung

[Alex] Ja. Ich würde mit dir abschließend gerne noch allgemeiner etwas über das Thema SEO sprechen. Denn ob grün oder nicht, letzten Endes bist du ja SEO-Beraterin.

Was sind denn so die häufigsten Gründe aus deiner Erfahrung, wenn jemand sagt, sagt:

Egal was ich mache, meine Website wird irgendwie einfach nicht gefunden oder meine Blogartikelranken einfach nicht oben.

Was sind so typische Probleme, die entstehen bei Suchmaschinenoptimierung?

[Laura] Also für mich ist so die Basis, die passen muss, die Keywords.

Und meistens würde ich dann sagen oder sehe ich das auch, dass es da dann schon hakt.

Also, dass die Keyword-Recherche nicht richtig umgesetzt wurde und vor allem der Aspekt, der auch immer wichtiger ist, die Suchintention.

Also, dass ich wirklich schaue, was möchten die Menschen zu dem Keyword sehen? Erfülle ich das? Also, wie passen meine Inhalte wirklich dazu?

Das ist wirklich so ein Punkt, der vielen noch gar nicht so bewusst ist oder, wo sich nicht genug mit beschäftigt wird und da würde ich erst immer ansetzen, zu gucken, ist die Keyword-Recherche sauber durchgeführt worden, passen die Keywords, passt die Suchintention, wurde sie erfüllt?

Also, ja, das ist einfach so ein Prozess, der einmal sauber erledigt werden sollte, sonst bringt halt alles andere drum herum wenig.

Egal, wie schnell meine Seite dann lädt oder wie nutzerfreundlich sie ist, Das ist so die Basis erstmal mit den Keywords, die stimmen muss.

[Alex] Und wie finde ich denn die Suchintention heraus?

[Laura] Ja, das ist eigentlich ziemlich einfach. Ich werfe einfach einen Blick in die aktuellen Suchergebnisse.

Also in die Seiten, die auf den ersten Plätzen stehen in der Suchmaschine.

Die sagen mir einfach ganz viel, was die Menschen denn zu diesem Keyword sehen wollen und was die für eine Antwort haben wollen.

Und da kann ich mir dann schon ganz viel von ableiten. Ob das jetzt ein langer Blogartikel sein soll oder vielleicht auch ein Video, ob die viele Bilder sehen wollen dazu.

[Alex] Und dann mache ich es einfach besser.

[Laura] Genau, dann machst du es einfach besser. Auf deine Art und Weise, dass es einzigartig ist, deine Persönlichkeit reinkommt und besser.

Bedeutung von Textlänge für SEO

[Alex] Sehr gut. Nun gibt es ja diesen, soll ich es „Mythos“ nennen, oder diese „Ansicht“, dass man besonders lange Texte braucht, um gut zu ranken. Stimmt das so deiner Erfahrung nach?

[Laura] Also nein, denn es kommt auf die Suchintention an. Also ja, die ist wirklich so entscheidend.

Es gibt einfach Keywords, da brauche ich vielleicht nur, weiß ich nicht, fünf bis zehn Sätze.

Da geht es um ganz knackige, kurze Informationen oder vielleicht auch so eine Definition oder so.

Und dann gibt es Suchintentionen, wo es wirklich um diese informativen, ausführlichen Blogartikel geht. Das ganze Thema einmal komplett abklappern.

Genau, das muss ich mir eben vorher anschauen, bevor ich da Arbeit und Zeit investiere und loslege. Soll ich das alles klar haben und analysiert haben, ja, damit ich da nicht irgendwie unnötig Arbeit reinstecke. Also es kommt, ja, es kommt drauf an.

Schritte für besseres Ranking

[Alex] Ja, und wenn ich jetzt umgekehrt überlege, was kann ich denn dafür tun, dass ich für ein bestimmtes Keyword auf Platz 1 ranke, dann würdest du eben sagen, Suchintention checken, was muss ich erstellen, damit ich quasi den besseren Content habe und was passiert dann? Also was kann ich noch beim Schreiben beachten oder bei der Aufbereitung der Artikel?

[Laura] Also ich finde gerade online ist es super wichtig, dass es gut zu lesen ist, gerade wenn du viel Text hast.

Also dass du wirklich schaust, dass der schön luftig aufbereitet ist, dass es eben nicht nur dieser Fließtext ist, sondern vielleicht mit Bildern, Aufzählungen, dass das Auge sich einfach auch was ausruhen kann, weil es am Bildschirm sonst schnell anstrengend ist zu lesen.

Ja, natürlich spielen da noch ganz viele Aspekte rein. Auch die Verlinkung von deinem Text einmal in deine eigene Website und dann auch zu gucken, dass andere von außerhalb auf deine Seite verlinken.

Natürlich dann die allgemeine Ladezeit, die dann wieder deine ganze Seite betrifft, wie du auch die Bilder dann benennst, also auch quasi SEO für Bilder dann machst in deinem Blogartikel, in deinem Text, den du da schreibst.

Also da gibt es unterschiedliche Aspekte, die du dann noch so abarbeiten solltest, Schritt für Schritt.

[Alex] Und ich glaube, ganz wichtig ist auch, dass es einfach so ein Work in Progress ist. Also dass niemand so perfekt mit SEO startet, sondern dass man auch Artikel jederzeit hinterher auch optimieren kann und verändern kann und ergänzen kann. Dass SEO im Prinzip nie abgeschlossen ist.

[Laura] Ja, genau. Und es gibt ja auch immer wieder Themen, Blogartikel, wo du auch einfach immer mal wieder was aktualisierst. Aktualisierst, dass die Links noch stimmen, gleich die Zahlen, Fakten, Themen, wo sich Sachen dann irgendwie wieder verändert haben. Also genau, es ist immer ein Prozess.

[Alex] Und das ist ja auch gut. Also Google findet das ja auch gut, wenn die sehen, da wird irgendwas aktuell gehalten.

[Laura] Genau, dass die Webseite nicht so im Winterschlaf ist, sondern dass sie lebt.

Zukunft von SEO und KI

[Alex] Ja, zum Schluss noch eine Frage. Ich würde gerne, mich würde deine Prognose interessieren, wie wird sich SEO angesichts von KI verändern? Was denkst du? Wie schätzt du das an?

[Laura] Ja, da wird ja viel drüber diskutiert. Also ich glaube, SEO wird weiterhin super relevant sein für Websites, für alles, was online, sag ich mal, los ist oder wo wir online sichtbar sein wollen.

Einfach, weil es ja schon auch unterschiedliche Tools sind, also Suchmaschinen und KI-Tools.

Vielleicht werden die Suchanfragen auch in Zukunft, sage ich mal, dahin gehen, dass sie eher kürzer sind, beziehungsweise auch die Antworten, die uns die Suchmaschinen vorschlagen.

Das gibt es ja auch schon so in der letzten Zeit, dass man das sieht, dass Google auch so Kurzanworten schon vorschlägt, ohne dass du eben auf die Seiten klicken musst.

Aber, ach, ich sehe das eigentlich relativ entspannt, weil ich einfach finde, die Suchmaschinen bringen uns so viel mehr Leistung oder ein so viel besseres Ergebnis als so ein KI-Tool, weil ich einfach auch direkt sehe, woher ist diese Information, was ist das für eine Quelle, ich kann entscheiden, welche Quelle ist glaubwürdig, vertrauenswürdig und beim KI-Tool bin ich ja da total aufgeschmissen, weil ich einfach immer nochmal gegenrecherchieren muss, die Informationen, die ich da kriege und Antworten.

Und das ist für mich so ein riesiger Unterschied und ein Punkt, weshalb auch in Zukunft Suchmaschinen und SEO weiterhin relevant sein werden.

[Alex] Das ist doch ein schöner Schlusswort. Laura, vielen Dank, dass du heute da warst.

[Laura] Ja, danke dir für die Einladung.

Shownotes:

Lauras Website

Lauras Blogartikel: Ecosia vs. Google: Die 7 größten Unterschiede

Plugin Koko Analytics

Website

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„Und dann habe ich Instagram vom Smartphone gelöscht“ – Interview mit SEO-Expertin Maike Burk von Satzgestalt

In dieser Podcastfolge habe ich SEO-Expertin Maike Burk zu Gast. Und Maike wird uns nicht nur SEO-Tipps geben, sondern auch ihre persönliche Geschichte erzählen, warum sie sich als Onlineunternehmerin von Instagram verabschiedet hat.

In dieser Podcastfolge habe ich SEO-Expertin Maike Burk zu Gast. Und Maike wird uns nicht nur SEO-Tipps geben, sondern auch ihre persönliche Geschichte erzählen, warum sie sich als Onlineunternehmerin von Instagram verabschiedet hat.

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Als Online-Unternehmerin von Instagram verabschiedet

[Alex] Hallo Maike, ich habe es ja schon in der Einleitung gesagt. Du hast dich als Online-Unternehmerin, ja als SEO-Expertin vor ein paar Monaten von Instagram verabschiedet. Und vielleicht magst du ja mal als erstes erzählen, wie es genau dazu gekommen ist. Denn du hast ja, wie ich gesehen habe, mehrere tausend Follower auf Instagram. Das heißt, man sagt ja nicht einfach mal über Nacht „Tschüss, Instagram“. Also genau: Was hat dich dazu gebracht, mal ein Päuschen einzulegen oder vielleicht sogar ganz wegzugehen? Erzähl mal!

[Maike] Ja, das ist wirklich eine Frage, die viele Ebenen hat. Oder eine Antwort, die viele Ebenen hat. Und es ist wirklich so, dass man das nicht mal eben über Nacht entscheidet. Es war tatsächlich auch ein ganz schöner Prozess bei mir. 

Ich glaube, wenn ich es kurz beantworten würde, würde ich sagen, es ist einfach der Faktor Zeit. Also ich habe meine Arbeitszeit reduziert, ich arbeite aktuell vier Tage die Woche, das heißt, ich habe den Freitag jetzt frei und dann habe ich halt gemerkt, naja, wenn ich aber denselben Workload habe und den aber einfach nur auf vier Tage verteile, dann komme ich irgendwie ganz schön in Stress. 

Und dann ist es auch passiert, dass ich irgendwie am Sonntagabend doch noch gearbeitet habe, damit ich montags nicht so belastet in die Woche gehe. Und dann habe ich gemerkt okay, ich muss Aufgaben streichen. 

Und da ich selber im Bereich Suchmaschinenoptimierung unterwegs bin, habe ich gedacht, ja, vielleicht kann ich einfach auch noch mal ein bisschen mehr Zeit darein investieren. Und ich habe eine Zeit lang so eine Schreibstunde gehabt, wo ich jeden Morgen erstmal eine Stunde Blogartikel geschrieben habe. Und das ist dann so im Alltag wieder irgendwie weniger geworden, seltener geworden. Dann war es eher die Ausnahme. Und ja, diese Zeit nutze ich jetzt eben mehr für meine Blogartikel oder wenn ich Launch-E-Mails schreibe oder so was, dann für solche Dinge, also auch flexibel. 

Aber ja, also der zeitliche Aspekt war ein ganz großer Punkt und ich bin immer so ein bisschen getriggert und gestresst, wenn ich viele Nachrichten bekomme. Also ich habe sowieso keine Pushnachrichten. Auf meinem – Handy sage ich immer noch – Smartphone und bei Insta habe ich die Plattform oft aufgerufen, damit ich Nachrichten checken kann oder gucken kann: Braucht jetzt irgendwer was von mir? Also ich bin immer so in der dienenden Haltung. Und das ist was, was mich über den Tag einfach sehr belastet. 

Und da gehört das E-Mail-Postfach auch ein bisschen dazu. Aber da habe ich schon ein bisschen reduziert, weil ich eine Assistentin habe, die sich meine E-Mails anschaut und mir nur das weiterleitet, was dann wirklich nötig ist, und meine E-Mail-Adresse, die halt nicht jeder hat. 

Also all diese Faktoren, also dieses Zeitthema und dieses ständige erreichbar sein. Und ich habe einfach versucht, so ein bisschen mehr Ruhe in meinen Alltag, in mein Leben rein zu bekommen. Habe sehr, sehr viele Dinge auch im Außen reduziert. Ich habe meine Wohnung ordentlich ausgemistet, ich habe meinen Konsum reduziert. Ich habe auch meinen digitalen Konsum privat schon sehr reduziert, also sehr wenig Zeit irgendwie, mit Serien oder Fernsehen habe ich sowieso seit 2010 keinen mehr. Aber ja, auch so YouTube-Videos in der Freizeit anschauen und solche Sachen, das habe ich alles extrem reduziert und es gibt gar kein Verbot oder sowas. Aber ich merke, dass mir diese Offline-Zeit einfach sehr, sehr gut tut.

[Alex] War das denn schon immer so, dass dieses Digitale so einen Effekt auf dich hat oder gab es da ein Ereignis, wie sich das jetzt verändert hat? Oder hat sich das so reingeschlichen?

[Maike] Ich weiß nicht, ob das so viel mit dem Digitalen zu tun hat. Ich glaube, es ist auch ein bisschen das Thema, für andere da zu sein und immer erreichbar zu sein und anderen zu helfen, wenn sie was von mir brauchen. Ich kann da schwer Nein sagen. Es ist schon sehr, sehr viel besser geworden. Und das Digitale hat das vielleicht dann einfach noch mal ein bisschen verstärkt. 

Ja, und es gab schon auch noch ein Ereignis 2022, wo ich einfach so ein einschneidendes Lebensereignis hatte, wo ich mich dann auch noch mal gefragt habe, so wie will ich meine Lebenszeit verbringen? Aber es ist auch ohne dieses Ereignis immer eine Frage gewesen, die ich mir gestellt habe, weil wenn ich mir die nicht gestellt hätte, hätte ich mich auch nicht selbstständig gemacht. 

Also ich bin immer so ein bisschen in der Vogelperspektive, was mein Leben angeht und kann bis heute mit Mitte 30 / Ende 30 sagen, dass ich nichts bereue in meinem Leben. Also ich habe immer die richtigen Entscheidungen getroffen, weil ich aber auch immer die Vogelperspektive eingenommen habe. Und ich möchte nicht am Ende von meinem Leben denken „Oh, ich hätte vielleicht mal weniger Zeit an meinem Handy oder an meinem Laptop verbringen sollen und mehr in die Berge gehen.“ Nee, dann gehe ich halt jetzt in die Berge. Ich bin jetzt gesund, Ich bin jetzt fit und ich habe keine großen Verpflichtungen, also mache ich das doch jetzt.

Wie ist der Instagram-Abschied konkret abgelaufen?

[Alex] Und wie bist du dann konkret vorgegangen? Also hast du die App gelöscht? Das Konto? Was ist da passiert?

[Maike] Also so ganz loslassen konnte ich nicht. Also das war tatsächlich auch wieder so eine Wanderung, auf der ich war im Spätsommer, im September, letztes Jahr. Und dann hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin von einer Freundin, die gesagt hat, ja, sie hat das alles gelöscht und so, aber halt privat. 

Und dann habe ich mich noch so verteidigt, na ja, also so eher so für mich irgendwie gerechtfertigt. Naja, aber ich mache das ja fürs Business und ja ganz anders und so und danach habe ich dann also so ein paar Tage später habe ich dann Insta quasi als App von meinem Smartphone gelöscht. Den Kanal habe ich noch nicht gelöscht und dachte „Ach, ich mache jetzt mal eine Woche ein Experiment“ und habe mir dann so einen Termin gesetzt für die nächste Woche, dass ich da eine Entscheidung treffe. Und diese Entscheidung habe ich halt nie getroffen. 

[Alex] Wann war das denn?

[Maike] Im September letztes Jahr.

[Alex] Also schon ein paar Monate her.

[Maike] Ja, schon ein bisschen her. Und es ist ja so: Wenn man keine aktive Entscheidung trifft, trifft man halt eine passive Entscheidung. Und ich bin da noch so ein paar Mal über den Laptop drauf gegangen und habe halt geguckt, ob irgendeine wichtige Nachricht drin ist. 

Ich habe aber auch so einen Autoresponder drin, dass man mich halt per E-Mail erreichen kann, wenn was Wichtiges ist. Und ja, insofern habe ich die Entscheidung so ein Stück weit vertagt und mache mir manchmal noch Gedanken darüber, wie ich das vielleicht anders machen könnte, damit ich nicht morgens, wenn ich aufstehe, gleich das Gefühl habe, ich muss jetzt eine Story machen, damit ich irgendwie gleich drin bin. 

Also das ist was, was für mich jetzt, glaube ich, mittlerweile nicht mehr funktionieren würde. Vielleicht könnte ich Postings vorbereiten und das auslagern. Das wäre noch so eine Option. 

Wie haben andere Menschen auf den Instagram-Abschied reagiert?

[Alex] Okay, da können wir vielleicht gleich mal gleich mal darauf zu sprechen kommen, vielleicht davor noch mal: Wie haben denn deine Kund*innen oder generell so die Menschen auf Insta reagiert? Haben sie dir irgendwie Nachrichten geschrieben?

[Maike] Ich weiß es halt gar nicht so genau. Also eine Nachricht habe ich noch gelesen, als ich dann noch mal reingegangen bin von einer Kundin von mir, mit der ich auch ab und zu Kontakt hatte über Insta. Und die hat dann halt gefragt, ob alles in Ordnung bei mir ist, weil ich habe mich ja auch nicht verabschiedet. Es war ja eher so dieses Experiment und zack, ciao, weg war ich. Und ansonsten habe ich jetzt nicht so viel von den Reaktionen mitbekommen. Ich glaube auch, manchmal dauert das eine Weile, bis die Leute überhaupt merken, dass man nichts mehr postet, oder?

[Alex] Ja, das habe ich jetzt schon öfter gehört. Also dass ein, zwei Wochen auch niemand irgendwie merkt und alle ja mit ihrem eigenen Kram beschäftigt sind und das vielleicht auch gar nicht so auffällt. Aber wovor ja doch einige Angst haben, ist, dass es negative Reaktionen gibt. Und die hattest du aber nicht bekommen?

[Maike] Habe ich nicht bekommen und vor denen hatte ich jetzt ehrlich gesagt auch nicht so Angst. Also, weil: Das ist meine Entscheidung und da stehe ich so in meiner Mitte, so Entscheidungen treffe ich für mich.

Was hat sich durch den Instagram-Abschied verändert?

[Alex] Und was hat sich denn jetzt genau verändert? Also, du hast gesagt, im September bist du von Instagram weg, jetzt haben wir Ende Februar, das sind ja schon einige Monate. Also was ist so beruflich und privat jetzt bei dir anders oder ist alles gleich?

[Maike] Also ich habe auf jeden Fall weniger Bildschirmzeit an meinem Smartphone. Ich kriege da immer so einmal die Woche oder so diesen Bericht und das ist jetzt schon human, würde ich sagen. Also es ist manchmal so eine Stunde oder eineinhalb, aber ich mache dann auch oft eine Stunde Yoga am Handy, also dann ist es vielleicht noch eine halbe Stunde. Das finde ich irgendwie sehr, sehr schön. Das motiviert mich auch, dran zu bleiben. 

Und so im Marketing-Alltag hat sich halt verändert, dass ich diese Schreibstunde wieder eingeführt habe und eigentlich jetzt auch die ganze Zeit durchgezogen habe. Also wenn, wenn nicht, dann gab es wirklich einen super guten Grund wie eine Launchvorbereitung oder so, aber dann schreibe ich ja auch, dann schreibe ich halt nicht Blogartikel. Genau, und ich sehe schon, also ich habe auch einen Podcast und da bin ich auch jetzt mehr am Ball. Da kommt eigentlich jede Woche eine Podcastfolge raus. Also da muss ich schon irgendwie krank sein oder in einem Projekt involviert ist, dass mal keine Folge kommt. Und da sieht man halt, dass die Kurve gut nach oben geht. Und beim Blog ist es halt auch so, dass ich einfach mir mehr Zeit nehme für meine Suchmaschinenoptimierung, was halt in meinem Themenbereich … also es gibt halt hunderte von Agenturen, die alle auch SEO-Profis sind und die einfach Content-Teams im Hintergrund haben. Also da habe ich schon sehr viel Wettbewerb und trotzdem sehe ich das in in meinen Rankings, dass sich das verbessert hat.

[Alex] Du hast ja am Anfang gesagt, dass ein Grund, warum du dann eine Instagram-Pause eingelegt hast, war die Zeit, also dass du einfach super viel auf Abruf oder dich so gefühlt hast, als würdest du auf Abruf stehen. Und was hat sich denn da verändert? Also wie sieht es denn jetzt zeitmäßig bei dir aus? Hast du das Gefühl, da ist mehr Ruhe eingekehrt in deinen Arbeitsalltag?

[Maike] Total viel mehr Ruhe also. Am Anfang war das total ungewohnt. Also ich habe schon so ein bisschen nach rechts und links geschaut. Will jetzt niemand was von mir? Oder ich habe dann öfter in mein E-Mail-Postfach auch geschaut. Ich glaube, da hat mein Gehirn das einfach noch ein bisschen kompensiert und ich habe mich fast so ein bisschen einsam gefühlt oder so sehr entkoppelt auch. 

Und dann dachte ich: Naja, okay, cool, dann kann ich ja jetzt konzentriert arbeiten.“ Und ja, ich bin schon, ich bin schon dann noch mal eine Stufe produktiver geworden. Ich kann mich einfach so zwei, drei Stunden super fokussiert an was dransetzen. Ich bin auch mehr so, ich ziehe Aufgaben quasi jetzt auch eher vor, die vielleicht vorher eher mal eine Hürde waren oder eine Hürde sind. Die erledige ich jetzt zuerst. Und ich bin schon sehr, sehr viel besser vorbereitet auf so für Deadlines. Also ich bin sehr gut in der Zeit und habe nicht die Marathontage aktuell. Also ich komm schon ganz gut irgendwie um fünf oder sechs raus und geh nach Hause und habe noch einen schönen freien Abend und das vier Tage die Woche. Also es ist ja schon sehr schön entspannt gerade.

Wie wirst du ohne Instagram gefunden?

[Alex] Ja, du hast schon ein bisschen angedeutet, wie dein Marketing jetzt aussieht ohne Instagram. Vielleicht können wir das mal so strategisch angehen. Also wenn wir jetzt mal an an das Thema Onlinesichtbarkeit rangehen. Also wie wirst du von anderen Menschen jetzt gefunden, wenn du jetzt nicht auf Instagram unterwegs bist? Ich würde mal stark vermuten durch SEO? Vielleicht kannst du da mal ein paar Worte zu deiner Strategie sagen.

[Maike] Also bei SEO ist es halt so, dass ich mich eher auf Themen fokussiere, die jetzt nicht so stark umkämpft sind. Also wenn ich jetzt optimieren würde auf den Begriff „SEO“ oder „Suchmaschinenoptimierung“ – ist halt einfach ein super hart umkämpfter Markt. Und im Gegensatz zu einem Social-Media-Kanal ist es halt so, dass es bei Google nur begrenzt Plätze auf Seite eins gibt und danach fallen die Klicks einfach sehr stark ab. Deswegen gehe ich eher auf nicht so stark umkämpfte Themen und habe da vielleicht dann nicht die Riesenreichweite, aber dafür so ein paar Rankings. Darüber kommen Leute. Es kommen also auch Kommentare auf meinem Blog. 

Sehr, sehr viele Leute kommen aber über den Podcast. Also ich glaube, das ist so meine Hauptmarketingquelle, 

[Alex] Ja, klar. Ich meine Spotify und Apple Podcasts sind ja im Grunde auch Suchmaschinen, wenn man so will. Menschen geben ja ein, wonach, was sie interessiert und stoßen dann auf den Podcast, der ja auch praktischerweise den Titel SEO im Namen hat. „SEO-Freunde“, genau.

[Maike] Ja, und dann habe ich noch einen Newsletter. Aber dafür müssen Leute mich ja schon gefunden haben.

[Alex] Genau, da sind wir quasi schon bei der nächsten Stufe. Also sie finden dich durch SEO, durch deinen Podcast vor allem. Und dann kommen sie auf deinen Newsletter.

[Maike] Genau. Ja, das ist das Ziel. 

[Alex] Das ist das Ziel. Das heißt, das ist so der Weg, auf den alles auf deiner Webseite dann ausgerichtet ist?

[Maike] Ja, ich habe noch so ein bisschen eine verstaubte Website. Wir sind gerade im Relaunch. Also wahrscheinlich werden wir dieses Jahr eine neue Website veröffentlichen und dann wird das noch mal stärker fokussiert, dass Leute sich im Newsletter eintragen. 

Jetzt habe ich gerade so eine Startseite, die eher so ein Schaufenster ist, wo man dann mal hier klicken kann, mal da klicken kann. Und da werde ich auf jeden Fall stärker den Newsletter fokussieren in Zukunft, ja.

[Alex] Und was machst du dann im Newsletter?

[Maike] Ich schreibe jede Woche montags einen Newsletter und manchmal kündige ich darin meine Podcastfolgen an, oder ich erzähle so Geschichten aus meinem Alltag und leite irgendwas davon ab, was man für SEO anwenden kann. Manchmal auch ein paar SEO-Neuerungen oder -Tipps. Ja, recht, recht gemischt und intuitiv eigentlich.

Lohnt es sich – angesichts von KI – noch, mit SEO zu starten?

[Alex] Ja, ich würde natürlich super gerne, weil du ja SEO-Expertin bist, noch ein paar Fragen loswerden zum Thema SEO und vielleicht mal auch mit dem Elefanten im Raum anfangen, nämlich mit KI. Also lohnt es sich überhaupt noch, mit SEO zu starten? Was würdest du sagen?

[Maike] Also ich sehe ein bisschen den Unterschied zwischen KI-generiertem Content und Suchmaschinen, wenn es jetzt um Themen geht, die viel Tiefgang haben. Also mit KI kann man sich also, wenn es jetzt um die Frage geht, man sucht eine Antwort auf eine Frage, nicht ich lasse mir jetzt Texte generieren, sondern als User.

Genau dann ist es so, dass man mit KI grundsätzlich eher so einfache Fragen beantwortet bekommt. Und wenn es jetzt um komplexere Antworten geht, also zum Beispiel „Wie baue ich einen Funnel auf –ein Tiny-Offer-Funnel?“ Dann werden wir eher Suchmaschinen dafür nutzen und persönliche Erfahrungen lesen wollen von Menschen, die das schon gemacht haben und aufgesetzt haben. 

Wenn ich aber jetzt irgendwie ein paar Fakten haben möchte oder wissen möchte „Wie groß ist der Erdumfang?“ oder sowas, dann wird sich wahrscheinlich da eher der KI-generierte Content durchsetzen, auch in den Suchmaschinen selber. Also Google arbeitet ja an einer eigenen KI-Integration an Google SGE. Ob das ausgerollt wird und wann, weiß man jetzt nicht so genau, aber die haben das vorgestellt und da wird es eben so sein, dass auf jeden Fall so einfacher zu beantwortende Fragen über KI generiert werden. Das ist aber ein Stück weit jetzt auch schon so. Es gibt ja jetzt auch schon diese Schnellantworten bei Google, wo man dann gar nicht mehr auf die Seiten klicken muss.

Das heißt, ich würde halt empfehlen, dass man so tiefergreifende Antworten auf der eigenen Website anbietet zu komplexeren Fragen von der Zielgruppe. Das wird so ein bisschen die Zukunft sein.

[Alex] Tiefer gehende Antworten, auch so persönliche Geschichten, persönliche Erfahrungen mit irgendwelchen Dingen. Meinst du denn auch, dass sich das, was Menschen lesen wollen, verändern wird? Also wenn ich mir jetzt überlege, dass zum Beispiel alle oder viele neue Texte entstehen, mit KI geschrieben, dass dann so die „Retro-Texte“ so ein bisschen mehr auch herausstechen wieder?

[Maike] Ich glaube schon, ja. Also ich glaube, je mehr Wettbewerb es gibt, und durch KI entstehen ja einfach auch noch mal mehr und mehr Texte, desto wichtiger ist es, mit persönlichen, menschlichen Texten hervorzustechen. Weil: Wir bleiben ja nicht im Gedächtnis, wenn wir irgendwie nur so ein paar Fakten aufzählen oder wenn die Texte immer gleich klingen. Aber wenn wir unsere persönliche Note reinbringen, dann schaffen wir ja eine Verbindung zu den Menschen, die unsere Inhalte lesen. Und dann bleiben wir auch eher … also so Anekdoten oder sowas oder persönliche Erfahrungen, die bleiben eher im Gedächtnis als ja KI-generierter Content. 

Aber ich kenne jetzt auch keinen Experten oder keine Expertin, der oder die sagt, dass man Blogartikel oder sowas zum Beispiel einfach komplett mit KI-Tools generieren lassen sollte. Also jeder empfiehlt da ja auch noch mal einen menschlichen Schliff zu geben.

[Alex] Es gibt ja einige Aufgaben, die kann man ja schon ganz gut von KI dann übernehmen lassen, wie zum Beispiel Metabeschreibungen erstellen lassen. Wie ist da deine Erfahrung? Taugen die was?

[Maike] Bei Metabeschreibungen habe ich jetzt noch nicht so den Dreh raus und ich habe mich da auch ein bisschen umgehört und jetzt noch niemanden gefunden, der mir da wirklich weiterhelfen konnte. 

Aber was ich super finde, ist so zum Beispiel zum Aufbau von Blogartikeln. Entweder wenn einem gar nichts einfällt, das komplett von vorne generieren zu lassen oder auch zu sagen: Hey, ich habe schon eine Idee für einen Aufbau – welche Aspekte würdest du noch mit dazu nehmen? Das sind dann schon ganz gute Ideen dabei oder so für FAQs oder dass man halt mal sagt: „Okay, hier ist ein Schema, so und so werden Überschriften erstellt. Und ich habe jetzt das Thema. Kannst du mir mal nach diesem Schema ein paar Überschriften generieren lassen?“ Also so Teilaspekte, also einzelne Bausteine von SEO, in dem Fall jetzt von Blogartikeln, kann man sich super gut mit KI unterstützen lassen. Aber ich würde jetzt niemals sagen: Schreib mir mal von A bis Z einen Blogartikel zu dem Thema.

[Alex] Okay, das ist ja schon mal eine gute Nachricht. Also wir können auch 2024 noch mit SEO starten. Gibt es dann trotzdem irgendetwas, was wir jetzt in diesem Jahr vielleicht ein bisschen stärker beachten sollten als vielleicht noch vor drei, vier Jahren?

[Maike] Also das Wichtigste bei SEO ist eine Mischung aus Empathie, Menschenverstand und dann so ein bisschen Strategie. Und da sehe ich im Moment jetzt noch nicht so die große Veränderung durch KI. Wir müssen dann halt mal schauen, wie das ist, wenn Google SGE ausgerollt wird. Da, also die Teilaspekte, die wir gerade schon besprochen haben, werden da wichtig sein. 

Bei Empathie ist es halt so, man muss die Zielgruppe verstehen, egal ob man KI nutzt oder ob man selber Texte schreibt. 

Bei der Strategie ist es halt so, ich kann jetzt irgendwie einen super guten Text schreiben, aber wenn ich Google nicht sage, das hier ist eine Hauptüberschrift, das ist eine Zwischenüberschrift, dann wird Google das nicht verstehen. Oder wenn ich bei Bildern nicht sage, was man darauf sieht, dann wird Google auch Schwierigkeiten haben, das zu verstehen. Das meine ich halt mit so ein bisschen Strategie noch mit reinbringen. Da haben sich, glaube ich, die Basics jetzt nicht so sehr verändert.

Was sind die ersten Schritte, wenn man mit Suchmaschinenoptimierung (SEO) starten möchte?

[Alex] Und was würdest du denn jemandem empfehlen, der oder die jetzt mit SEO starten will? Was wären denn so die ersten Schritte? Du hast schon gesagt, du guckst bei dir selbst, dass du Keywords findest, die vielleicht nicht so hart umkämpft sind. Also wäre dann so ein möglicher erster Schritt da, ein bisschen Zeit zu investieren in die Keywordrecherche?

[Maike] Auf jeden Fall eine Keywordrecherche machen, ja. Also ich würde mit einer Keywordrecherche anfangen. Einerseits für jetzt einzelne Seiten, die ich erstelle, also für Blogartikel zum Beispiel. Aber auch wenn ich in die Planung gehe von meiner Website, dann würde ich mit einer Keywordrecherche starten und mir überlegen und anschauen, welche Keywords kann ich auf welcher Unterseite zuordnen. 

Also zum Beispiel möchte ich lokal gefunden werden als Texterin in jetzt in meinem Fall zum Beispiel München? Dann könnte ich die Startseite beispielsweise darauf optimieren. Wenn ich jetzt erklären möchte „Was ist ein SEO-Text?“, dann würde ich einen Blogartikel dazu schreiben. Und so kann man halt eine Gliederung, einen Seitenaufbau erstellen mithilfe von einer Keywordrecherche. Wenn man die Seiten schon hat, kann man das auch noch im Nachgang machen. Aber der große Trafficbringer ist der Blog. Also außer man hat jetzt einen Onlineshop oder physische Produkte. 

Aber so Coaches, Berater, Dienstleister, für die ist einfach der Blog die Haupttrafficquelle, weil die Menschen suchen nach Lösungen im Internet und für Lösungen wollen sie nicht gleich ein Angebot angezeigt bekommen, sondern sie lesen sich dann Blogartikel durch. Sie wollen erstmal einen Rat haben und da das sind so 60 bis 80 % von den Suchanfragen bei Google gehen halt in diese, in diesen Infobereich und das ist ein Blog, einfach immer noch ein guter Startpunkt, um gefunden zu werden. 

Und die anderen Seiten kann man dann. Man hat dann eine Angebotsseite für die Menschen, die dann schon über Google gekommen sind. Die finden dann den Inhalt gut und interessant und schauen sich dann vielleicht mal die About-Seite an: „Ist die Person sympathisch? Was hatte denn sie im Angebot? Vielleicht trage ich mich mal zum Newsletter ein …“ Das sind dann so die nächsten Schritte. 

So ein bisschen wie beim Dating. Erstmal kennenlernen und dann: Okay, ich gebe dir meine E-Mail-Adresse. Und dann: Okay, ich schaue mir mal dein Angebot an.

[Alex] Wir können dann ja mal texten.

[Maike] Genau.

[Alex] Ich finde es auch total wichtig, was du sagst, weil: Es gibt ja auch voll viele Menschen, die wohnen vielleicht in einer großen Stadt, du hast München angesprochen, und wenn ich als Fotografin in München bin, bin ich mit Sicherheit nicht die einzige. Und dann reicht es halt oft nicht aus, dann die ganzen Seiten auf solche stärker umkämpften Keywords zu optimieren, sondern dann kommt eben so ein Blog ins Spiel oder vielleicht auch ein Podcast, wo ich dann die Podcastfolgen eben als Transkript bei mir auf der Website habe. Das sind ja alles tolle Möglichkeiten, da trotzdem noch gefunden zu werden, auch wenn man eigentlich so einen hart umkämpften Begriff vielleicht abdeckt. Siehst du das ähnlich, dass es auch vor diesem Hintergrund wichtig ist?

[Maike] Auf jeden Fall, ja. Wobei bei diesen lokalen Optimierungen, also wenn man an einem Standort gefunden werden will, das wird irgendwie sehr, sehr selten tatsächlich umgesetzt. Also da ist die Konkurrenz oft nicht so stark. 

Ich habe jetzt auch gerade eine Kundin, die hat man also in der Gastronomie, hat einen Laden in München und hat eine Website erstellt und noch gar nicht irgendwie an SEO gedacht und rankt schon ziemlich gut damit. Und jetzt stellen wir sicher, dass das so bleibt und dass sie dann noch mal mit einem anderen Begriff so im Cateringbereich auch noch gefunden wird. 

Und ja, das sehe ich immer wieder in der Praxis, das ist eigentlich der Punkt, den ich machen wollte, dass die lokale Suchmaschinenoptimierung eher so nebenher oder zufällig mitläuft. Und wenn man da sich dran setzt und ein bisschen was optimiert, dann hat man schon einen ordentlichen Vorsprung, weil viele das gar nicht umsetzen.

[Alex] Ja, gerade so lokal legen sich ja die Leute gerne mal eher so eine Facebookseite an. Also ich sehe das ganz häufig bei Restaurants, die haben dann meistens immer eine Facebookseite und überhaupt keine Website. Und das heißt, ich kann mich dann gar nicht so auf der Website informieren, was die für ein Angebot haben, was die für eine Speisekarte haben. Bei Facebook bin ich dann halt raus. Und das ist natürlich bei einer Website anders, weil: auf die kann dann jeder zugreifen.

[Maike] Genau, ja, da braucht man nicht extra einen Account für.

[Alex] Ja, genau. Nun ist da noch eine letzte Frage, vielleicht zu SEO. Bis die ganzen Maßnahmen greifen, dauert es ja immer so ein bisschen. Ja, also wenn ich jetzt heute mit einem Blog starte und ich fange von Anfang an irgendwie an mit Suchmaschinenoptimierung, wird es halt nicht über Nacht mir dann Leute auf die Website bringen. Das dauert ein paar Wochen, Monate, manchmal sogar noch ein bisschen länger. Und was empfiehlst du dann deinen Kund*innen in der Zwischenzeit zu tun? Also sind wir dann doch wieder zurück bei Social Media? Oder Was können die denn stattdessen machen?

[Maike] Also es kommt total auf den Markt an, wie schnell und wie gut man rankt, hat, ist einfach super nah dran am: Wie stark besetzt sind die Keywords, für die ich optimiere, schon? 

Also es gibt auch Fälle, wo man super schnell Rankings erzielen kann. Sehe ich immer wieder, aber man sollte einfach nicht damit rechnen. Man sollte eher damit rechnen, dass es eine Zeit dauern kann, so dass man einfach mit der richtigen Haltung an das Thema ran geht. Das ist wichtig. Genau. Und es stimmt. Bei mir war es eben auch so, als ich mich selbstständig gemacht habe, da war ich halt dann auf Insta, weil ich da relativ schnell Leute erreichen konnte. Jetzt bin ich halt SEO-Expertin, keine ganzheitliche Marketingexpertin. Ich kann da nur so von meinen Erfahrungen berichten. Das heißt: Also klar. Kann sein, dass man dann erstmal mit LinkedIn oder mit Facebook oder mit Insta oder mit Werbeanzeigen … Man kann natürlich auch Google-Ads starten, aber dafür muss man auch erstmal eine Website bauen. Das sollte man auch schon ein bisschen Zielgruppenverständnis haben, sonst verbrennt man halt auch das Geld, was man da in die Werbeanzeigen investiert. Von daher bin ich jetzt nicht so die Marketingexpertin für die super schnellen Lösungen.

Was machst du nun mit deinem Instagram-Kanal?

[Alex] Du deckst die langfristigen Lösungen ab. Auch das ist wunderbar. Jetzt vielleicht noch die allerletzte Frage: Was machst du denn jetzt mit Instagram? Also ist da schon eine finale Entscheidung gefällt oder was sind deine Gedanken? Was könnten die Optionen sein? Wie ist es?

[Maike] Also manchmal fehlt mir so ein bisschen das Visuelle in meinem Marketing, dass ich mal was zeigen kann, dass ich mal so einen Prozess zeigen kann, wenn ich ein neues Produkt entwickle. Aber es gibt zu viele Abers, als dass ich jetzt irgendwie spontan entscheiden würde: Ich gehe wieder zurück. Also ich kann das nicht leichtfertig machen. Wenn, dann muss ich mir das ganz genau überlegen und an dem Punkt bin ich gerade nicht. Also, da habe ich keine Antwort im Moment drauf.

[Alex] Okay, dann genieße auf jeden Fall noch deine Pause, Maike. Und danke, dass du da warst.

[Maike] Danke dir auch.

Shownotes

ChatGPT und SEO – Wie sieht die Zukunft aus?

Maikes Website

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Buch „No Social Media!“

Buch „Don’t be evil“

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Marketing ohne Social Media Alexandra Polunin Marketing ohne Social Media Alexandra Polunin

Sind Blogs out?

Wenn wir über das Thema Social-Media-freies Marketing sprechen, ist meist auch das Thema Blog nicht weit. Doch sind Blogs inzwischen nicht völlig oldschool und irgendwie total out? Darum soll es in dieser Podcastfolge gehen.

Wenn wir über das Thema Social-Media-freies Marketing sprechen, ist meist auch das Thema Blog nicht weit. Doch sind Blogs inzwischen nicht völlig oldschool und irgendwie total out? Darum soll es in dieser Podcastfolge gehen.

Folge anhören:

Transkript lesen:

Ich möchte dir in dieser Podcastfolge diese Frage nicht unbedingt abschließend beantworten. Denn ganz ehrlich, ich fühle mich nicht unbedingt in der Position, das zu entscheiden. 

Aber ich möchte diese Frage ein bisschen aufdröseln und mal gucken, was sich dahinter eigentlich verstecken könnte und letzten Endes die Frage beantworten, ob es sich für Selbstständige und Onlineunternehmer*innen immer noch lohnt mit dem Bloggen oder nicht.

Ja, wenn wir über Trends im Marketing sprechen, dann sind wir natürlich sehr schnell bei Social Media. Und wenn wir uns die letzten Jahre angucken, dann kam im Prinzip fast jedes Jahr eine neue Social-Media-Plattform nach Deutschland:

  • 2008: Facebook

  • 2009: LinkedIn und Twitter

  • 2010: Instagram

  • 2011: Google Plus, Snapchat und Twitch

  • 2012: Pinterest

  • 2015: Vero

  • 2018: TikTok

  • 2020: BeReal und Clubhouse

  • 2021: BlueSky

  • 2023: Threads

Das heißt, wenn jemand seit 2008 selbstständig wäre und offen für Social-Media-Trends wäre und sie gerne mal ausprobiert, dann hätte diese Person in den letzten 16 Jahren, also seit Facebooks Start, definitiv so einiges zu tun.

Denn Social-Media-Trends – sie kommen und gehen und kommen und gehen. Und an manche Plattformen erinnern wir uns vielleicht auch gar nicht mehr, weil sie so schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit versuchen sind. Ich sag nur: Clubhouse. 

Und andere wurden inzwischen ganz dicht gemacht, wie z.B. Google Plus.

Und natürlich würde es einen etwas seltsamen Eindruck machen, wenn jemand noch MySpace hinterhertrauern würde und ich glaube, dass ein Blog manchmal auch so ein MySpace-Image hat. Also: völlig oldschool irgendwie. 

Vielleicht liegt es daran, dass es Blogs ebenfalls schon seit Ewigkeiten gibt, seit den 90er-Jahren, um genau zu sein, und damit sogar noch früher als soziale Medien.

Und natürlich mag es angesichts der rasanten Entwicklungen von Social Media und von KI sich erst einmal ziemlich schräg anhören, Blogs zu nutzen, also eine Strategie die es, wie gesagt, seit ungefähr 30 Jahren schon gibt. 

Aber – das ist letzten Endes ein Gefühl und die Faktenlage sieht etwas anders aus. Und die möchte ich mir jetzt mal angucken mit dir.

Gucken wir uns zum Beispiel Clubhouse an. Diese Social-Audio-Plattform wurde zu Beginn der Pandemie so richig gehypet, dass alle, die was auf sich hielten, sich unbedingt irgendwo eine Einladung erbetteln mussten. Ich auch. Denn zu Beginn von Clubhouse kam man nur mit Einladung da rein. 

Und das lief auch eine Zeit so, dass es da spannende Gespräche gab und sogar Promis dabei waren wie Elon Musk oder Edward Snowden. 

Und das Problem an der Sache war: Dieser Hype ist genauso schnell erloschen, wie er gekommen war. Und bereits 2021 gab es eine Online-Studie von ARD/ZDF, in der zu Clubhouse festgestellt wurde und ich zitiere jetzt:

„Was wie ein substanzieller Hype aussah, führt in der Befragung der ARD/ZDF-Onlinestudie zu dem Ergebnis, dass Clubhouse bisher keine statistisch erfassbaren täglichen Nutzerinnen oder Nutzer finden konnte und bei der Nutzung mindestens einmal in der Woche nur in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen auf 2 Prozent kommt. In der Gesamtheit ist auch die mindestens wöchentliche Reichweite gleich null.“

Das heißt: 2020 gab es einen richtigen Clubhouse-Hype und 2021 ist es für Deutschland zumindest schwierig, da überhaupt noch jemanden zu erreichen.

Und deshalb kann man, wie ich finde, da durchaus sagen: Clubhouse gehört zu den Plattformen, die eher „out“ sind. Und Clubhouse-Marketing wird vermutlich auch keine nennenswerten Ergebnisse bringen. Denn wenn es niemanden gibt, der zuhört, wenn ich spreche, dann muss ich dann ja auch kein Marketing damit machen.

Ja, und wenn wir uns Blogs unter genau demselben Gesichstpunkt angucken, stellen wir eben fest, dass das Gegenteil der Fall ist.

Google hat weltweit 4,3 Milliarden Nutzer*innen. Das sind täglich 3,5 Milliarden Suchanfragen. Statistiken zeigen, dass Menschen jeden Tag etwa 3 bis 4 Suchanfragen starten. Und Google ist jetzt auch nicht die einzige Suchmaschine, es gibt, wie du vielleicht weißt ja auch noch Bing, Yahoo!, Ecosia usw. 

Für einzelne Länder hält sich Google leider bedeckt mit den Zahlen, das heißt: Ich hätte dir hier gerne Zahlen für Deutschland präsentiert, hab aber keine verlässliche Statistik gefunden. 

Aber auch die weltweiten Zahlen zeigen ja schon, dass Menschen durchaus immer noch Suchmaschinen wie Google nutzen.

Und wenn sie Suchmaschinen wie Google nutzen, haben sie ein bestimmtes Problem oder eine bestimmte Frage und dann suchen sie eine Lösung oder eine bestimmte Antwort. Und dann klicken sie auf die Suchergebnisse, meist auf die, die auf den ersten Suchergebnisseiten sind und vielleicht sogar auf die Top 3, also auf die drei ersten Suchergebnisse.

Und solange das so ist, ist ein Blog auch nicht wirklich out. 

Denn Blogartikel sind dann die Antworten oder die Lösungen für die Probleme oder Fragen der Suchenden.

Ich gib dir mal ein Beispiel von mir. 

Viele, die zu mir kommen, googeln sowas wie „selbstständig ohne social media“, „marketing ohne social media“ oder „onlinebusiness ohne social media“. 

Das heißt: Sie sind sehr häufig von sozialen Medien genervt und haben die Frage, ob sie auch ohne Social Media selbstständig sein könnten. Und in meinen Blogartikeln oder Podcastfolgen, zu denen es auf meiner Website immer auch eine Verschriftlichung gibt, finden sie dann eben die Antwort darauf, nämlich: 

Ja, das geht.

Und von diesem Ausgangspunkt geht es dann weiter für sie – zum Beispiel zum Newsletter. Oder sie schreiben mir direkt eine Nachricht und fragen nach einer Beratung usw.

Das heißt, die Frage ist jetzt nicht unbedingt, ob Blogs jetzt gefühlt in oder out sind. Die Frage ist, ob Menschen immer noch Suchmaschinen wie Google nutzen oder nicht. 

Und wie ich dir schon mit der Google-Statistik vorhin gezeigt habe, können wir immer noch festhalten, dass Milliarden Menschen weltweit und vermutlich Millionen Menschen in Deutschland – wie gesagt, konkrete Zahlen für Deutschland gibt es meines Wissens leider nicht – immer noch Suchmaschinen nutzen. 

Wir müssen natürlich das Thema KI berücksichtigen und gucken, ob sich das Suchverhalten der Menschen ändern wird. 

Es kann sein, dass wir in ein paar Jahren vielleicht ein ganz anderes Google haben werden und dass es dann eher darum gehen wird, mit seinen Texten Antworten zu geben, mit denen KI was anfangen kann. Aber das alles können wir noch nicht wirklich voraussagen. Was da passiert und wie schnell es vor allem auch passiert. 

Da können wir – Stand heute – mehr spekulieren als wirklich zuverlässige Aussagen zu treffen.

Das Wichtigste ist für mich: 

Solange Menschen googeln oder andere Suchmaschinen nutzen, solange ist ein Blog auch eine relevante Marketingstrategie, selbst wenn Blogs – verglichen mit TikTok und Instagram – oldschool erscheinen mögen. Oder sogar vielleicht out erscheinen mögen.

Manche beobachten sogar, dass, seit es mehr von diesem KI-generierten Content gibt, es Menschen wieder verstärkt zu Blogs und damit persönlichen Texten zieht. 

Einfach weil sie immer weniger Lust auf diesen austauschbaren Content haben, sondern gerne wieder was von Menschen lesen wollen und über Themen, die mal was anderes sind als die klassischen „Drei Tipps für irgendwas“, die sich im Reel vortanzen lassen.

Auch ich hab die Erfahrung gemacht, dass Menschen immer noch sehr gerne lange Texte lesen. Zu meinen beliebtesten Blogartikeln gehören vor allem kritische Texte, also, wo ich komplexe Sachverhalte unter die Lupe nehme und wirklich in die Tiefe gehe. Diese Texte werden nicht nur am häufigsten gelesen, sondern dafür bekomme ich auch die meisten E-Mails. 

Social-Media-Plattformen sind in ihrer Anlage natürlich eher unterkomplex, d.h. wir haben nicht soooo viel Platz, unsere Gedanken unterzukriegen. Wir müssen oft stark vereinfachen, damit es zu bestimmten Formaten passt.

Und gerade, wer komplexe Themen behandelt, ist da mit einem Blog einfach auch oft viel besser aufgestellt. 

Zum Beispiel wenn du Coach bist und, sagen wir mal, die großen Fragen des Lebens behandelst, dann kann es sein, dass die Formate auf Instagram es dir nicht unbedingt ermöglichen, komplexe Themen angemessen zu besprechen oder auch mal verschiedene Seiten gegenüber zu stellen, mehrere Perspektiven zu beleuchten. 

Ein Blog wiederum hat keinerlei Zeichenbegrenzungen und du kannst im Prinzip ja auch genauso Bilder und Videos und andere Medien nutzen wie auf Social Media auch und kannst damit dein Thema genau so komplex teilen, wie du das braucht.

Das heißt: 

Wenn du überlegst, ob es sich für dich lohnt, Zeit, Geld und Energie in einen Blog zu stecken, ist es nicht so entscheidend, ob Blogs gefühlt in oder out sind, sondern ob Menschen nach deinen Themen suchen und das kannst du in einem der vielen SEO-Tools ganz einfach nachgucken. 

Und zweitens ist entscheidend, ob du soziale Medien nicht manchmal als zu einengend empfindest, um deine Themen zu teilen, und dir nicht insgeheim eine Plattform wünschst ohne Formatvorgaben, ohne Zeichenbegrenzung, sondern einfach nur mit der Möglichkeit für dich, ganz, ganz tief in dein Thema einzutauchen und es mit Menschen, die sich wirklich dafür interessieren, zu teilen.

Shownotes:

ARD/ZDF-Onlinestudie zu Clubhouse

Website

Buch „No Social Media!“

Buch „Don’t be evil“

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Wenn dir ein wichtiges Thema im Podcast fehlt, sag mir gerne Bescheid. Ich freu ich mich auf deine Nachricht.