Webdesign-Tipps von meiner Lieblingswebdesignerin: Interview mit Madlen Klemm
In dieser Podcastfolge habe ich Madlen Klemm zu Gast. Madlen ist Webdesignerin und auf Squarespace spezialisiert. Und wir werden heute darüber sprechen, wie Websites in schön gehen.
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Transkript lesen:
Rebellenherzen und Introvertiertheit
[Alex] Ja, hallo Madlen. Auf deiner Website steht dick und fett, dass du Websites für Rebellenherzen gestaltest. Hast du denn selbst ein kleines Rebellenherz?
[Madlen] Oh ja, sehr sogar. Und das ist auch tatsächlich der Grund, warum ich mich ausschließlich sehr, sehr gerne an Rebellenherzen richte, weil ich das einfach unglaublich liebe, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die Dinge machen wollen, die Dinge anders machen wollen und überhaupt einfach so ein bisschen abweichen von der Norm, sage ich mal, im positiven Sinne.
Und genau, ich liebe das sehr. Und ja, vielleicht habe ich auch ein kleines Rebellenherz so in mir drin. Ich muss sagen, ich bin eigentlich eher introvertiert und das schlägt halt so in der Brust ganz tief drin. Und ich habe halt so meine Träume und Visionen und die werde ich auch irgendwann mal angehen. Ja.
[Alex] Aber das muss sich auch nicht ausschließen, finde ich, so introvertiert sein und eine kleine Rebellin sein. Also ich kann das voll nachempfinden und mich hat das ja auch total gecatcht. Wir haben ja auch Anfang des Jahres zusammengearbeitet für meine Website.
Was sind denn das denn so für Leute, die zu dir kommen? Also nur mal so ein paar Beispiele, aus welchen Nischen kommen dann die Menschen zu dir?
Vielfältige Kundennischen
[Madlen] Also es ist total unterschiedlich. Also ich kriege ganz, ganz oft Anfragen von Copywritern tatsächlich. Also die kommen sehr, sehr gerne irgendwie zu mir. Aber tatsächlich arbeite ich am meisten für Berater aus allen möglichen Branchen.
Ich habe ganz, ganz viele Pädagogen in letzter Zeit gehabt. Also das letzte Jahr waren fast nur Pädagogen, die selber ausbilden oder da irgendwie unterwegs sind.
Ansonsten auch so spirituelle Coaches habe ich auch einige, Yoga-Lehrer. Also so ist eigentlich relativ breit gestreut. Aber es sind vor allem halt Online-Unternehmer.
Die Bedeutung schöner Websites
[Alex] Ja, heute wollen wir ja über das Thema schöne Websites reden oder Websites in schön. Denn ich glaube, dass jede oder jeder, der selbstständig ist, das so kennt, dass eine Website ja wie so ein eigenes Zuhause ist. Zumindest empfinde ich das so, so ein digitales Zuhause.
Und wie das ja auch in der normalen Wohnung oder im Haus ist: Man will es ja auch irgendwie schön haben und heimelig und so, dass man sich wohlfühlt.
Und es kann aber auch sein, und zumindest ist es bei mir so, dass sich viele beschweren, dass sie so aus der Website herausgewachsen sind, dass sie sich damit nicht mehr wohlfühlen.
Woran kann das so deiner Erfahrung nach liegen, wenn man sich mit seiner Website nicht wohlfühlt?
[Madlen] Ja, es ist wahrscheinlich wirklich wie mit der Wohnung, dieses Bild. Also irgendwann, man ist ja, man fängt halt an mit einer Website und hat wahrscheinlich begrenzte Mittel, baut sich halt irgendwas zusammen. Hauptsache, es funktioniert erstmal. Man hat halt erstmal ein Aushängeschild, aber irgendwann, wenn man sich weiterentwickelt, dann hat man ja auch viel mehr Eindrücke wahrscheinlich von anderen Webseiten, von anderen Online-Unternehmen und ja, hat dann vielleicht einfach mehr den Drang, sich wirklich professioneller aufzustellen und sich wahrscheinlich auch einfach mehr selbst zu zeigen.
Also wer man ist und wen man tatsächlich ansprechen will, das kommt ja erst mit der Zeit, dass man so diese Erfahrung sammelt, dass man genau das auf einer Website auch zeigen kann. Wie in der eigenen Wohnung. Man richtet sich halt so nach und nach ein, hängt richtig schöne Bilder auf, kauft sich ein besseres Sofa als vorher.
Ja, und wenn man sich das dann auch leisten kann irgendwann, dann kommt wahrscheinlich der Wunsch, dass man sich da einfach ein bisschen professioneller aufstellen möchte.
[Alex] Du hast es schon gesagt, am Anfang hat man vielleicht begrenztes Budget, gerade wenn man so einsteigt in die Selbstständigkeit und viele machen das dann so selbst. Ich habe auch damals vier, fünf Monate an so einer ganz furchtbaren Website gebastelt. Was sind denn so häufige Fehler beim Designen einer Website, wenn man das selbst macht?
[Madlen] Also ganz oft sehe ich, dass Leute so ganz viel Text in ganz wenig Raum reinquetschen. Also viele versuchen dann immer, ganz, ganz viel zu erzählen und kommen halt inhaltlich nicht so richtig auf den Punkt. Und es ist halt einfach viel Masse an Text.
Und man muss halt ein bisschen bedenken, dass wir im Internet eine ganz andere Lesegewohnheit haben als zum Beispiel in Magazinen oder Büchern. Da lesen wir von oben bis unten einfach alles ganz entspannt durch. Im Internet haben wir alle keine Zeit und keine Lust, uns lange damit zu beschäftigen. Und wir scannen Webseiten im Prinzip nur noch. Wir lesen die Überschriften, dann vielleicht noch den ersten Absatz. Aber wenn das irgendwie langweilig ist oder überfordernd ist fürs Auge, dann haben wir keine Lust, uns damit zu beschäftigen.
[Alex] Das war auch witzig, weil als wir zusammengearbeitet haben, hast du ja auch bei mir so drauf geachtet, dass wir immer so Päckchen machen für den Text. Das fand ich immer sehr hilfreich, jetzt auch für die Zukunft, wenn ich meine eigenen Seiten dann gestalte. Und jetzt abgesehen vom Text, wenn du jetzt mal so an die Optik denkst, ans Design denkst, ans Visuelle denkst, was kann man da auch zu Beginn oft falsch machen?
[Madlen] Dass man vielleicht auch einfach keine richtigen Bilder verwendet. Oft sehe ich, ich hatte das auch ganz am Anfang auf meiner Website, da hatte ich nur so ein Bild aus dem Urlaub mit Bergen und Meer im Hintergrund. Das sieht ganz lustig aus und nett und sympathisch, aber es ist dann halt im Business-Kontext vielleicht nicht ganz so professionell. Das sehe ich tatsächlich auch immer noch, immer wieder. Ich habe auch Kunden, die kommen mit Urlaubsfotos dann erstmal an oder mit Porträtfotografen-Bildern. Das passt halt einfach nicht.
Oder dass man einfach unpassende Schriften verwendet, viel zu klein, viel zu groß, viel zu verschnörkelt. Also ich mag so Schreibschriften voll gerne, aber es gibt so Schriften, die kann man einfach nicht gut lesen. Die kann man verwenden, sollte man dann aber nicht für Überschriften nehmen, die jetzt wichtig sind. Die kann man als Akzent-Schrift benutzen oder als Deko-Element, aber die sollten halt echt nicht für die wichtigen Teile benutzt werden.
Was noch ein häufiger Fehler ist, ist grundsätzlich einfach zu wenig Raum den Inhalten zu geben. Das ist so ein bisschen, wie wenn ich in einen Laden komme und im Primark zum Beispiel ist alles vollgebamselt mit Zeug und Gedöns. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Man fängt einfach irgendwo an zu gucken.
Und auf einer Website ist es halt ähnlich, wenn alles so voll geknallt ist. Man ist völlig überfordert. Ich weiß nicht, vielleicht zu Seiten wie Booking.com oder so. Die sind halt extra so gemacht, dass die so vollgeknallt sind, aber bei einer Business-Website sollte das schon eher sein, als wenn du in einen, keine Ahnung, in so einen teuren Taschenladen kommst.
Du kommst da rein, siehst die Tasche da auf dem Thron oder auf diesem Podest oder so, dann hast du halt Zeit, rumzugehen, dir das genau anzugucken. Und ja, so sollte es halt mit der Website sein.
[Alex] Ja, das ist auch witzig, weil das schafft vielleicht auch so ein luxuriöses Gefühl, wenn ich halt einfach so die wichtigsten Dinge so wie auf so einem Podest quasi stelle und so hervorhebe und wie in diesen Geschäften, wo es einfach absurd viel Platz für ganz wenige Dinge gibt. Aber das ist, glaube ich, ein ganz gutes Bild, an dem man sich orientieren kann. Okay, also das sollte man nach Möglichkeit am Anfang nicht machen.
Vielleicht können wir ja jetzt drüber reden, was wir stattdessen machen können, also wie wir beim Designprozess vorgehen können. Und die allererste Frage wäre überhaupt: Wo startet man? Also „Website“ ist so ein großes Projekt. Ich glaube, dass da vielen einfach der Kopf raucht. Also du hast schon Bilder angesprochen, Schriften angesprochen, ja, Texte angesprochen, so, so viel. Aber was wäre so ein guter Ausgangspunkt für eine Website?
[Madlen] Also am besten fragt man sich auch erst mal selber, wen man ansprechen will und wie man sich selber auch zeigen möchte. Also es fängt viel bei einem selber an.
Das ist natürlich eine Herausforderung und viele drücken sich auch so ein bisschen davor. Ich kann das auch total verstehen, aber es ist schon wichtig, dass man einmal guckt: Wen will ich ansprechen und wie ticken die denn eigentlich diese Leute? Also, was sind deren Sehgewohnheiten, welchen Influencern folgen die? Und daran kann man sich erstmal so ein bisschen orientieren.
Also ein gutes Beispiel ist vielleicht, wenn ich jetzt spiritueller Coach bin, dann gucke ich erstmal: Wer sind denn die großen Influencer? Das sind natürlich so Laura Seiler und keine Ahnung, da gibt es bestimmt noch mehr. Und wie sieht das dann alles bei ihr aus? Und dann orientiere ich mich erstmal so ein bisschen da dran.
Das heißt jetzt nicht, dass man das einfach kopieren sollte, wie das da alles bei ihr auf der Website oder im Branding oder so aussieht, sondern man guckt einfach: Wie ist denn so die Stimmung in ihrem Marketing? Sind das eher knallige Farben? Sind das eher warme Farben? Und dann kann man sich da erstmal ein Moodboard zusammenstellen. Erstmal gucken, okay, was gefällt mir denn eigentlich und wo ist die Schnittstelle zwischen der Zielgruppe, Laura Seiler und mir?
Und das fügt man alles so ein bisschen zusammen und entwickelt daraus im besten Fall so eine eigene Linie. Pinterest hilft dabei auch ganz, ganz gut. Das nutze ich immer total gerne, weil man da auch mal so ein bisschen aus dieser eigenen, aus dieser eigenen Gedankenwelt rauskommt. Man ist immer so ein bisschen fremdgesteuert auch. Fremdgesteuert klingt total oberdramatisch, aber dass man...
[Alex] Man kriegt einfach ja viel Inspiration dort. Die schlagen ja auch einem einfach verwandte Pins und sowas vor. Also das stimmt schon. Es gibt ja diese Serendipität. Also man findet etwas, wonach man nicht gesucht hat. Ich glaube, dafür ist Pinterest ja total bekannt.
[Madlen] Man kriegt einfach nochmal ganz andere Eindrücke, ganz andere Richtungen vorgeschlagen und das hilft total einfach, nochmal einen neuen, kreativen Blick zu bekommen kommen auf Ideen. Genau, wenn man so ein Moodboard gestaltet hat, das macht auch sehr viel Spaß nebenbei.
[Alex] Das stimmt, das kann ich bestätigen.
[Madlen] Genau, und dann findet man vielleicht auch schon die ersten Schriften und die ersten Ideen und Inspirationen. Und genau, damit würde ich erst mal starten, bevor ich jetzt erst mal wild drauflos wurstel. Denn dieses Wilde, also das machen ja viele, mache ich auch bei Themen, die ich jetzt noch nicht so gut kenne, auch manchmal. Und dann merkt man aber während des Machens, irgendwie ist jetzt alles wieder blöd und ich muss wieder von vorne anfangen.
Und da lohnt sich die Arbeit vorher schon doch einmal zu machen. Und sich da immer ein bisschen überlegt: Wo soll es denn hingehen?
[Alex] Ich war auch voll überrascht, als wir dann meine Website gemacht haben, wie viel Zeit und wie viele Fragen du eigentlich für diese erste Phase mir so geschickt hast. Also man kann sich da schon reinknien, wenn man will. Wer bist du? Was bietest du an? Was magst du? Was gefällt dir? Was gefällt dir nicht? Was machst du, weiß ich nicht, im Urlaub oder keine Ahnung? Also super viele Fragen.
Aber als ich das dann gemacht habe, dachte ich so: Hm, hätte ich jetzt nicht gedacht, aber das bringt einen tatsächlich weiter, um einfach besser zu verstehen, was einem gefällt. Und du hast ja jetzt schon zum Beispiel die Farben angesprochen. Mich hast du ja zum Beispiel gefragt: Was ist deine Lieblingsfarbe oder welche Farbe magst du? Also ist das so ein guter Anfang, dass man sagt, welche Farben gefallen einem selbst? Weil ich habe irgendwie früher immer gedacht, es muss irgendwie so stimmig sein und stilvoll sein und habe es dann gar nicht so mich getraut, wirklich an meine Lieblingsfarben ranzugehen.
[Madlen] Ja, stimmt, guter Punkt. Also natürlich die Lieblingsfarben. So als Selbstständige sind ja auch alle so ein bisschen Personal Brands und da können wir natürlich auch unser Branding danach ausrichten, wie wir sind und was uns gefällt.
Und das ist tatsächlich einer der einfachsten Wege, erstmal zu gucken, was finde ich selber gut und manche wissen das trotzdem nicht, dann kann man einfach mal in den Kleiderschrank gucken, was für Klamotten trägt man denn gerne, also welche Farben oder welche Strukturen haben die oder, was auch mega cool ist, einfach mal zu gucken, was hat man so für Deko im Zimmer. Das ist oft, hat man ein Farbschema, was man bevorzugt, was man vielleicht gar nicht so bewusst kauft. Also es ist ein guter Weg erstmal zu schauen, was man selber mag.
[Alex] Und dann kann man dann ja zu der Farbe passend andere Farben sich überlegen. Es gibt ja bestimmt mittlerweile auch Generatoren und sowas und Tools, mit denen man das machen kann. Oder halt die Webdesignerin kann das dann auch machen.
[Madlen] Ja, genau. Da gibt es inzwischen ein paar ganz coole Webseiten. Da kann man sich Farbpaletten zusammenstellen. Du kannst dann da deine eigenen Farben reinsetzen. Genau. Und da gibt es dann passende Farbwerte dazu.
[Alex] Hast du auch noch einen Tipp, wie man passende Schriften findet?
[Madlen] Nee, tatsächlich nicht. Also das ist dann tatsächlich ein bisschen schwieriger, die Schriften zu finden, denn es gibt eine unfassbare Auswahl an Schriften, aber man kann sich das ein bisschen an dem Schriftbild orientieren.
Also du bist zum Beispiel eine Autorin und da lag es irgendwie nahe, Schriften zu nehmen, die man so mit Autoren oder mit Schreiben zumindest identifiziert. Wir haben für deine Website so eine eine Schreibmaschinen-Schrift gewählt und eine Handschrift als Akzent und genau, so kann man das dann halt irgendwie spiegeln, was man hat. Wenn man jetzt jemand ist, der sehr minimalistisch ist, vielleicht Minimalismus-Coach, der nimmt dann einfach eine Schrift, die schnörkellos und clean und ordentlich ist.
Ja, also so gehe ich da vor. Ich habe jetzt tatsächlich, fällt es mir ein bisschen schwer, da einen Tipp für selber machen zu geben. Aber ich würde es halt einfach so machen, wie man halt selber ist. Ich bin halt ordentlich und aufgeräumt. Ich suche eine Schrift, die ist ordentlich und aufgeräumt. Wenn ich kreativ und wild bin, dann gucke nach einer Schrift, die kreativ und wild ist.
[Alex] Wie viele Schriften nutzt du immer für eine Website? Mehr als eine, oder?
[Madlen] Ja, also eine Schrift nehmen ist absolut legitim. Damit macht man es sich sehr einfach. Also was gut ist, dann hat man nicht die Problematik, eine passende Schrift zu finden. Aber ich selber nutze immer so zwei bis drei.
Eine Schrift für die Überschrift, die ist dann meistens ein bisschen auffälliger. Eine sehr fette Schrift oder eine sehr extrovertierte Schrift einfach, die so ein bisschen ins Auge fällt.
Für den Fließtext nehme ich immer gerne eine gut lesbare Schrift. Da gibt es so ein paar, die nehme ich nicht, greife meistens auf die gleichen Schriften zurück, weil die einfach funktionieren und beim Fließtext geht es einfach nur darum, dass der gut zu lesen ist.
Und dann nehme ich immer noch eine dritte Schrift als Akzent. Das sind dann meistens so Handschriften oder irgendwie so Schreibschriften. Schnörkeliges Gedönse. Das ist so ein bisschen mein Stil.
[Alex] Das hat ja auch damals bei uns fast am längsten gedauert, bis wir uns auf die Schriften geeinigt haben, weil das einfach so krass komplex ist. Es muss alles zusammenpassen, gut lesbar sein und so weiter.
Wie lange dauert denn deiner Erfahrung nach so der ganze Designprozess, also Webdesignprozess von „Ich erstelle mir ein Moodboard“ bis zu „Ich habe jetzt hier meine Website fertig online gestellt“? Ich meine, klar, du bietest es an, dass man das in wenigen Tagen quasi macht, aber wenn man das jetzt so selber macht, mit welcher Zeit sollte man rechnen?
[Madlen] Also es kommt immer so ein bisschen darauf an, wie... Wie viel man bereit ist, da rein zu investieren. Also viele Leute lassen sich da einfach sehr viel Zeit, weil das anstrengende Themen sind und da legt man das halt wieder beiseite.
Aber wenn man jetzt wirklich durchzieht, dann kann man das in einem Monat schaffen. Also vier bis sechs Wochen, wenn man da wirklich durchzieht. Aber es ist sehr, sehr krass schon. Also wenn man da jetzt nicht viel Zeit hat und das nur nebenbei macht, dann kann das schon so zwei, drei Monate dauern. Oder bei manchen dauert das auch ein Jahr. Also es kommt auf einen selber an.
[Alex] Ja, vielleicht, weil man halt eben dann auch so in die Tiefe gehen kann, wenn man will, bei so ganz vielen Themen.
Nun ist eine schöne Website natürlich irgendwie schön, aber noch besser ist vielleicht, dass sie auch zu uns passt und so unsere Persönlichkeit auch widerspiegelt.
Und du hast zum Beispiel gerade gesagt, jetzt, weil es bei mir ums Schreiben geht, haben wir dann irgendwie so Schriften verwendet, die an Schreibmaschinen zum Beispiel sich orientieren und so weiter. Und die Frage wäre jetzt, was kann man denn grundsätzlich dafür tun, dass wir unsere Persönlichkeit in unsere Website bringen?
Also wir können dann ja sowohl mal über das Visuelle reden, als auch über die Texte. Das heißt, welche Möglichkeiten haben wir denn, was Bilder oder was Videos zum Beispiel angeht auf unserer Website? Wie können wir da Persönlichkeit reinbringen?
[Madlen] Also in Videos kann man Persönlichkeit reinbringen, indem man einfach so ist, wie man ist, und nicht versucht, professionell zu klingen. Also ist meine Meinung jetzt. Ich kann verstehen, wenn Leute den Wunsch haben, sehr professionell rüberzukommen. Je nach Business ist es ja auch wichtig, dass man seriös wirkt. Und ich finde aber, wenn man einfach so spricht und so ist, wie man ist, und auch seine Marotten einfach akzeptiert, dann ist das sehr, sehr cool und wirkt total nahbar und zieht dann halt auch die Leute an, die man haben will, die einfach ähnlich sind, die das irgendwie sympathisch finden. Auf Bildern, denke ich, ist es wichtig, dass man da, vielleicht einen guten Brandfotografen einfach hat, der die eigene Persönlichkeit irgendwie so ein bisschen rauskitzelt.
Da bin ich jetzt nicht der Super-Experte, also meine Fotos muss ich auch mal neu machen, die sind auch nicht mehr ganz so aktuell, da habe ich auch noch eine ganz komische Frisur und sehe total schüchtern aus, was auch irgendwie zu mir passt. Also diese Schüchternheit, die macht mich auch ein bisschen aus, aber irgendwie habe ich das Gefühl, das passt jetzt nicht mehr so ganz.
[Alex] Ja, hast dich auch weiterentwickelt?
[Madlen] Ja, am Anfang war ich mega schüchtern.
[Alex] Und was die Texte angeht? Wie können wir da Persönlichkeit reinbringen? Ist das ähnlich wie bei den Videos auch?
[Madlen] Ja, schon. Ich versuche das auch in meinen Texten auf dem Blog, dass ich halt einfach so freischnauze schreibe. Ich liebe das selber bei anderen, wenn die so in Bildern sprechen, wenn man so bildhafte Vergleiche hat.
Schriftlich gelingt mir das ganz gut. Wenn ich so erzähle, fällt mir das manchmal schwer, weil mir da nichts so richtig einfällt in dem Moment, aber genau und sowas finde ich gut oder, wenn man auch eine Meinung hat und die auch vertritt, also wenn man jetzt sagt, keine Ahnung, WordPress finde ich blöd oder so, dann kann man das durchaus machen, also aber halt alles so in Maßen, es darf natürlich nicht unverschämt werden oder so, sondern alles dass man diplomatisch sich ausdrückt bei solchen Sachen und dass man vielleicht auch mal was Persönliches Preis gibt, also jetzt nicht super Privates, aber, keine Ahnung, so kleine Details aus dem Alltag vielleicht mal zeigt oder so oder drüber schreibt oder das halt irgendwie mit dem Text unterbringen kann.
In meinem Newsletter schreibe ich zum Beispiel oft auch über meinen Sohn oder finde halt so bildhafte Vergleiche, was gerade wieder im Alltag los war und wie ich das mit dem Business hinkriege und sowas halt. Das ist für viele interessant und es zeigt halt sehr viel Persönlichkeit, denke ich.
[Alex] Ich habe, glaube ich, bei dir in einem Blogartikel gelesen, dass es einen Unterschied macht, ob man Aristoteles oder Marilyn Manson zitiert.
[Madlen] Ja, das stimmt. Zitate ist ein Riesending für viele. Viele verwenden unglaublich gerne Zitate auf ihrer Website. Und ja, genau, die Wahl der Quelle quasi, die macht auch schon einen großen Unterschied.
[Alex] Aber das ist, jetzt wo ich das gerade so sage, ich sehe voll selten, dass Leute halt, weiß ich nicht, Musiker zitieren oder irgendwelche Komiker oder keine Ahnung. Meistens werden ja wirklich so große Businessleute zitiert oder Philosophen oder was auch immer. Deswegen wäre es vielleicht mal eine coole Idee, so Menschen zu zitieren, die man nicht so auf dem Schirm hat, auf einer Businessseite.
[Madlen] Stimmt.
[Alex] Fange ich vielleicht auch damit an.
[Madlen] Ja, mach mal. Also gerade Musiker, ich finde, also Songtexte, es gibt so krasse Songtexte, da wird in einer Zeile so viel gesagt, da wird in einer Zeile die ganze Geschichte erzählt. Ja, stimmt, das fehlt eigentlich in dieser ganzen Welt.
[Alex] Gell? Die wollen immer so smart tun und immer große Männer zitieren, aber vielleicht kann man auch einfach Musiker zitieren, ja.
[Madlen] Ja, voll.
[Alex] Viele trauen sich ja auch gar nicht, so persönlich zu werden, weil die denken, ich muss halt vor allem professionell werden und so, oder wirken in den Texten. Was rätst du da deinen Kundinnen? Also bringen Sie so von Hause aus quasi immer persönliche Texte mit oder gibt es da auch Leute, die sich das nicht so trauen?
Persönlichkeit in Texten
[Madlen] Das ist echt unterschiedlich. Also meine Kundinnen sind so teils, teils. Also ich hatte ja in letzter Zeit viele Pädagogen und die haben tatsächlich sehr, sehr oft sehr persönliche Texte mitgebracht.
Das fand ich total gut und ich mache das dann bei meinen Kunden immer so, ich sortiere das dann immer so ein bisschen für die Website. Deine Frage war jetzt aber eine ganz andere, was ich mache, wenn meine Kunden zum Beispiel jetzt keine persönlichen Texte mitbringen. Ja, ich zwinge jetzt keinen dazu.
Ich sage denen halt einfach ganz oft: Schreib erst mal, schreib einfach mal so von der Leber weg und dann kann man das ja erst mal irgendwo auf der Website einsetzen. Und man kann, also auf einer Webseite ist es ja nicht in Stein gemeißelt, man kann das immer wieder ändern und das versucht so ein bisschen den Druck rauszunehmen. Also es ist ja, eine Website ist kein Buch oder so, was jetzt gedruckt ist, und einfach mal machen, einfach mal raufschreiben und dann gucken, wie es sich anfühlt, und ja, wenn es blöd ist, dann macht man es halt wieder runter.
Ich glaube, das ist auch einfach so ein Prozess. Meine erste Website als Selbstständige, die sah auch ganz anders aus als jetzt und die war auch sehr professionell und sehr wenig Persönlichkeit und das kommt halt einfach mit der Zeit. Ich hatte halt extrem Drang einfach, anders zu sein auch irgendwie und andere Menschen anzuziehen. Ich wollte halt nicht mehr den Handwerker von nebenan als Kunden, sondern halt wirklich die Leute, die eine Vision haben und die mutig sind und ja.
Squarespace vs. WordPress
[Alex] Du hast das schon angesprochen. Ich weiß nicht, ob du dich darunter selbst verstanden hast, dass du WordPress nicht magst oder dass jemand WordPress nicht mag. Du bist ja Squarespace-Webdesignerin, richtig? Du hast aber früher mit WordPress gearbeitet. Wo würdest du denn sagen, so ganz sachlich, liegen denn so die größten Unterschiede zwischen den beiden Systemen?
[Madlen] Ja, also WordPress ist einfach viel, viel technischer, techniklastiger. Man muss sich da viel mehr mit Plugins und Hosting und Domain und ganz viel Firlefanz auseinandersetzen.
Und als ich mit WordPress noch gearbeitet habe, hatte ich halt oft technische Probleme, die mich einfach genervt haben.
Ich hatte halt oft das Problem, dass Schriften nicht mehr geladen haben oder dass irgendein Plugin wieder nicht mehr DSGVO-konform war. Man musste eine Alternative suchen. Dann funktionierte die mit den anderen Plugins nicht und das hat mich wirklich in den Wahnsinn getrieben. Das war jetzt alles nicht sehr sachlich, ich weiß.
Aber genau das ist der größte Unterschied zu Squarespace, denn da hat man das alles nicht. Also da fällt dieser Technik-Kram halt einfach weg. Darum kümmert sich Squarespace einfach und ja. Man kann sich auf die Inhalte der Website konzentrieren, wie sie aussieht und ja, auf die ganze Marketing-Strategie und muss nicht immer Probleme lösen, technischer Natur.
[Alex] Ich kann das auch nur bestätigen. Ich habe, als ich WordPress noch genutzt habe und jeden Monat musste man dann ja so ein Update von irgendwas machen, mir hat es fast jedes Mal die Website zerschossen. Also die war dann immer für ein paar Stunden weiß, bis ich dann panisch Hilfe irgendwo gesucht habe und das musste dann jemand anderes machen und deswegen, es ist schon was anderes mit Squarespace.
Ist das denn jetzt auch der Grund gewesen, warum du dich jetzt auf Squarespace spezialisiert hast oder gab es einen anderen Grund?
[Madlen] Nee, das ist genau der Grund. Also ich habe damit auch lange gewartet, weil es gab letztes Jahr so ein ganz großes Update bei Squarespace und davor fand ich Squarespace jetzt auch nicht so gut. Da war das so ein bisschen sperrig, auch von der Bedienung, aber seit es dieses Update gibt, da war für mich klar, ich wechsle jetzt komplett. Ich mache nie wieder WordPress.
[Alex] Ist es dieses Fluid-Design-Ding?
[Madlen] Ja, genau, diese Fluid-Engine. Ja, damit lassen sich Seiten super easy gestalten. Ja, das ist so schön.
[Alex] Aber der Transparenz halber muss man ja auch sagen, Squarespace hat einige Nachteile auch. Also es hat nicht nur Vorteile. Was wären das zum Beispiel Nachteile?
[Madlen] Also die für mich größten Nachteile sind der Serverstandort in den USA.
Das ist natürlich für viele auch ein Nachteil, der die dann abhält, Squarespace zu nutzen. Aber die ganzen Nachteile, die das so mit sich bringt, die kann man, also einige davon kann man umgehen. Zum Beispiel würde ich jetzt die Domain nicht mit Squarespace selber verwenden, denn dann liegen viele Daten wirklich auf US-Servern, weil die Domain immer verknüpft ist mit dem Mail-Server. Und da, wo die Domain liegt, da liegen dann halt auch quasi deine Mails.
Und deswegen mache ich das bei meinen Kunden immer so, dass ich die Domain bei einem deutschen Provider anlege, was weiß ich, 1&1 oder so und dann hat man die ganzen Mails auch auf dem deutschen Server und, ja, so diesen ganzen Tracking-Kram, den kann man auch ausschalten auf den Squarespace-Seiten. Also da ist man dann auch vor geschützt.
[Alex] Und dann sind die ja anonymisiert, die ganzen Daten, IP-Adressen. Genau. Wenn jetzt jemand zuhört, der oder die vielleicht sich jetzt auch selbst gerade entscheiden muss, WordPress oder Squarespace, welche Punkte sollte man da berücksichtigen bei der Entscheidung?
[Madlen] Also WordPress braucht ein bisschen mehr Einarbeitungszeit. Man muss ein bisschen technikaffin sein und auch Lust haben, da richtig reinzuwursteln. Das ist bei Squarespace natürlich auch so, wenn das ein neues Programm ist, geht das jetzt auch nicht so easy peasy. Man muss sich da auch ein bisschen reinknien, um das zu verstehen. Aber es ist halt viel, viel einfacher als WordPress.
Ja, also ich glaube, das ist der größte Unterschied, dass man bei WordPress einfach mehr Zeit braucht, um das alles zu verstehen und auch mehr Nerven.
[Alex] Und vielleicht auch bei den monatlichen Updates und so weiter, da ja auch die Zeit braucht. Ja, genau.
[Madlen] Und ein Unterschied ist natürlich auch, Squarespace ist so ein Abo-Modell. Das ist so ein Software-as-a-Service-Ding.
Also man bezahlt halt einen gewissen Betrag im Monat. Dafür braucht man sich aber nicht kümmern. Und bei WordPress ist man, wenn man das selber hostet, hat man keine Kosten. Das ist halt theoretisch umsonst, außer die Domain und der Provider und alles.
Websites, die verkaufen
[Alex] Jetzt haben wir ja über hübsche Websites geredet und über Websites mit Persönlichkeit und auch das System dahinter und abschließend würde ich vielleicht nochmal gerne über Websites reden, die verkaufen. Denn letzten Endes sind wir ja alle selbstständig und wollen unsere Angebote an die Leute bringen.
Deshalb: Wie kann uns deine Website grundsätzlich helfen beim Verkaufen? Was ist da wichtig?
[Madlen] Ja, erstmal ist wichtig, dass sie so gestaltet ist, dass sie dir selber gefällt und deiner Zielgruppe, also dass da eine gute Schnittmenge ist und, dann ist sie natürlich auch gut, wenn die strategisch aufgebaut ist, dass die Leute quasi eine gute Kundenreise haben, dass sie raufkommen, dich erstmal kennenlernen und dass du dann so nach und nach deine Angebote vorstellst.
Und genau, dann ist sie natürlich auch so ein bisschen der Schnittpunkt zwischen dem Moment, wo die Leute dich das erste Mal sehen, also oft googeln ja Leute entweder, landen auf einem Blogbeitrag oder sie kennen dich durch Social Media, kommen dann auf deine Website und genau, du hast dann da deine Angebote auf der Website und im besten Fall bleiben die Leute dann irgendwie in deiner Welt, indem sie dein Newsletter abonnieren.
Und genau, so geht das dann einfach weiter. Du hast dann halt die Möglichkeit, die Leute quasi erstmal in deiner Welt zu behalten und eine Kundenreise zu kreieren.
Dann hilft eine Webseite natürlich auch in deinem Automationsflow. Also wenn du viele Kunden irgendwann hast, dann brauchst du irgendwann ein paar Automationen, die dir einfach Arbeit abnehmen, wie zum Beispiel so ein Buchungskalender oder so. Die kann man da super integrieren. Man spart unheimlich viel Zeit, wenn man so ein Ding hat, denn ich weiß nicht, vielleicht kennst du das auch, aber am Anfang hatte ich sowas nicht und musste mit allen Kunden immer fünfmal hin und her schreiben, bis ich dann irgendwie mal einen Termin gefunden habe mit denen. Und genau, mit so einem Buchungskalender kann man das umgehen.
Design für Verkaufsseiten
[Alex] Und wenn wir jetzt so die Verkaufsseite angucken, also wo wir dann wirklich auf der Seite über das Angebot sprechen, was kann man denn mit dem Design tun, damit man Menschen mehr so an die Hand nimmt?
[Madlen] Mit dem Design? Ja, also da würde ich sagen, würde ich diesen Bogen wieder zu den Päckchen schlagen, den wir ganz am Anfang immer hatten. Es ist halt voll wichtig, dass man so gewisse Inhalte in kleine Pakete packt.
So eine Verkaufsseite ist ja auch nach einem bestimmten Schema aufgebaut. Man erklärt halt erstmal den Leuten, was haben sie denn für ein Problem. Und dann führt man die so nach und nach und nach immer weiter zu dem Angebot hin. Also, dass man jeden Bereich quasi in ein Päckchen packt. Ja, genau. Also das ist halt nicht alles, wie eine lange Textwurst ist, weil da hat man halt, wie gesagt, das Problem, das kann keiner konsumieren. Man braucht halt wirklich diese einzelnen Bereiche, um zu verstehen, aha, hier geht es um mein Problem. Hier geht es darum, wie Alex mir helfen kann. Ah, wo kann ich denn jetzt buchen und so weiter. Also dass das halt alles visuell so aufbereitet ist, dass man, auch wenn man das nur überfliegt, die Website, dass man das sofort versteht, was da jetzt passiert, was hier im Inhalt ist und was ich ja machen kann vor allem.
[Alex] Ja, Madlen, vielen Dank, dass du heute hier warst.