Social Media, zyklusbasiertes Arbeiten und die innere Taylor Swift – Interview mit Zyklusberaterin Mandy Jochmann

In dieser Podcastfolge habe ich Mandy Jochmann zu Gast. Mandy ist Zyklusberaterin und spricht mit mir über zyklusbasiertes Arbeiten, das für sie mehr bedeutet als die Arbeit an den verschiedenen Zyklusphasen auszurichten. Außerdem geht es um Social Media und warum es manchmal gut ist, die innere Taylor Swift zu channeln.

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Love-Hate-Beziehung zu Social Media

[Alex]Ja, hallo Mandy. Schön, dass du da bist. Ich freue mich sehr und ich wollte dich gerade schon im Vorgespräch fragen, wie ist eigentlich gerade deine eigene Beziehung zu Social Media?

Und du hast gesagt Love-Hate und da habe ich gesagt, halte den Gedanken, erzähl mir jetzt offiziell davon. Also du bist Zyklusberaterin selbst und was für eine Beziehung hast du denn zu sozialen Medien?

[Mandy]Ja, beste Frage ever. Also erstmal moin. Ja, Social Media und ich. Also es ist so, ich glaube, wir waren mal sehr deeply in love. Ich glaube, ich mache Social Media, seitdem es gefühlt Social Media gibt.

Ich habe schon 2007 meinen ersten Facebook-Account aufgesetzt, weiß noch, wie ich in das Büro meiner Uni gelaufen bin und gesagt habe, so, wir müssen jetzt Instagram machen und wir müssen Twitter machen. Und meine Schulleiterin damals meinte, ey, du bist echt early bird, early adopter.

Und ich war auf Instagram 2011 und ich habe es geliebt. Also auch wenn ich mir heute noch meinen alten Account angucke, wo man nicht sich fotografiert hat, sondern sein Essen, die Laubblätter, also das Leben da draußen.

Ich habe es so wirklich geliebt und inhaliert und hatte dann so eine Phase mit „Go Girl! Run!“, mit Deutschlands größten Laufblog für Frauen, wo ich es auch einfach noch geliebt habe. Und es ist einfach seit vier, fünf Jahren, vier Jahren ungefähr, fünf, ja, dass es echt so eine Love-Hate-Geschichte ist.

Ich weiß noch, ich glaube, ich habe 2022, als du mal ein Seminar gegeben hast, damals mit Carina Herrmann, wie man aus Social Media quasi loskommt, da habe ich da schon gesessen und gedacht, ja, eigentlich möchte ich davon loskommen, aber irgendwas hält mich immer noch da.

Also ich bin da, aber ich war jetzt, glaube ich, drei Monate fast gar nicht online. Also ich bin noch auf Instagram und LinkedIn und ich merke, dass es mir gerade auch schwerfällt, wieder reinzukommen und ich immer so warte auf den letzten Absprung quasi.

Aber dadurch, dass ich noch jetzt eine Zeit lang Kundinnen hatte, die auf Instagram unterwegs sind, also ich habe eine Zeit lang noch im Online-Marketing gearbeitet und zwei Kundinnen gehabt. Aber ich glaube, ich bin auf dem abspringenden Ast.

[Alex]Es ist ein Prozess.

Auf Social Media wegen Taylor Swift?

[Mandy]Ja, ich habe ihn mal kurz beschrieben, ja genau, aber ich, ich sehe immer noch ganz viele Vorteile, aber gleichzeitig ist es so, ich sehe ja einfach, wie viel Energie und Kraft es mir auch zieht.

Und manchmal glaube ich, der Hauptgrund, warum ich noch bei Instagram bin, ist Taylor Swift, dass ich mir quasi noch immer anschaue, wie die Eras-Tour in Amerika zu Ende geht und ich glaube, danach gehe ich dann auch richtig.

[Alex]Ein sehr nachvollziehbarer Grund. Ist es auch ein Taylor Swift-Pulli, ich wollte vorher nicht so... Sieht man jetzt leider nicht, ganz sehr schön.

[Mandy]Genau, ich bin heute im Taylor-Swift-Kuschelpulli-Look hier unterwegs.

[Alex]Vielleicht, Klammer auf, ich habe mir tatsächlich nie diesen Taylor-Swift-Hype verstanden. Und vor einem halben Jahr habe ich mir gedacht, das kann nicht sein. Ich bin immer für Musikhypes zu haben. Also ich war immer so ein riesiger Boygroup-Fan und alles. Und dann habe ich gedacht, ich bringe mir jetzt diesen Taylor-Swift-Hype bei und habe einfach einen Monat lang nur Taylor Swift gehört. Und jetzt bin ich auch drin. Also sehr schön. Ich mag es. Aber gut, das ist alles nicht unser Thema.

[Mandy]Ich habe gesagt, wir werden damit anfangen, hören wir nie wieder auf.

Zyklusbasiertes Arbeiten einfach erklärt

[Alex]Ja, genau. Wir wollen ja heute über die Verbindung reden von zyklusbasiertem Arbeiten und Menstruationszyklus und sozialen Medien.

Ein sehr, sehr spannendes Thema, finde ich. Und deswegen habe ich dich ein bisschen nach deinem eigenen Verhältnis zu sozialen Medien gefragt. Aber um jetzt mal zu diesem eigentlichen Thema zu kommen, kannst du vielleicht für diejenigen, die noch ganz am Anfang stehen bei diesem Thema zyklusbasiertes Arbeiten, kurz beschreiben, was das ist und auch vielleicht die vier Phasen kurz ansprechen, worum es da genau ging. Was ist so dein Grundgedanke dahinter?

[Alex]Das mache ich sehr, sehr gerne. Für mich ist die größte Herausforderung, kurz zu bleiben.

[Alex]Wir können auch länger machen. Daran soll es nicht scheitern.

[Mandy]Aber ja, zyklusorientiertes Arbeiten bedeutet im Endeffekt, dass... Also ich früher hätte ich so erklärt, ja, es bedeutet, dass du deine Arbeit nach deinen Zyklusphasen ausrichtest, dass du weißt, okay, welche Stärken hast du in welchen Zyklusphasen, aber ich habe da auch einen Prozess hinter mir und würde mittlerweile sagen, dass es darum geht, die eigenen Bedürfnisse bewusster wahrzunehmen, wirklich von Tag zu Tag, von Phase zu Phase und die im Alltag und in der Arbeit auch zu priorisieren und auch miteinander in Einklang zu bringen.

Also meine eigenen Bedürfnisse mit dem, was ist jetzt in der Arbeit zu tun, was steht irgendwie an und das ist ja auch nochmal ein Unterschied, ob ich selbstständig arbeite, ob ich im Team arbeite oder ob ich in einem Unternehmen auch arbeite oder angestellt und deswegen finde ich es so schön, dass es einfach wirklich um diese eigenen Bedürfnisse geht.

Und gerade als Mensch, der mit einer Gebärmutter geboren wurde, verändern die sich. Und das ist so mein größtes Aha-Erlebnis, was ich mit dem Zyklus hatte, dass ich eben nicht jeden Tag gleich bin, dass ich nicht jeden Tag gleich leistungsfähig bin.

Oder die krasse Energie, die ich gestern noch hatte, um meine To-dos wegzurocken, kann sein, dass ich die fünf Tage später eben nicht mehr habe. Und darum geht es eben im zyklusorientierten Arbeiten. Das wahrzunehmen, sich danach auszurichten.

Und als Menschen, die mit Gebärmutter geboren worden sind, haben wir einfach diesen wunderbarsten Vorteil, dass wir eben einen Zyklus haben, der sich in vier Phasen unterteilen lässt. Und ich stelle immer gerne noch mal voran, warum gibt es eigentlich diesen Zyklus? Also was ist das Ziel vom Zyklus? Und das ist, wenn wir es mal ganz einfach runterbrechen, neues Leben zu erschaffen. Und das kann auf biologischer Ebene sein, dass man vielleicht ein Kind bekommt.

Dass quasi ein neuer Mensch entsteht oder erschaffen wird. Aber, und das ist das Tolle, dass man auch raussuchen kann und dass unser Zyklus eben auch auf Metaebene da unterstützend sein kann, etwas Neues zu erschaffen.

Die vier Phasen des Zyklus

In unserem Fall zum Beispiel ein neues Projekt oder eine neue Idee voranzutreiben. Und das ist das, was ich so toll am Zyklus auch einfach finde.

Was ich schon gesagt habe, ist, und du ja auch, es gibt vier Phasen. Das wissen viele noch so aus dem Biounterricht und so ganz grob, aber dann hört es auch ganz oft auf.

Und ich muss auch sagen, ich habe das lange auch in die Ecke geschoben, ja, Schwangerschaft und kannte diese anderen Aspekte gar nicht, die der Zyklus mitbringt.

Diese vier Phasen erleben die meisten vor allem dann, wenn sie nicht hormonell verhüten, also wenn sie wirklich einen natürlichen Zyklus haben.

Und ich arbeite sehr viel auch mit dem Phasenmodell nach Dr. Miriam Stark, weil der eben auch eine psychologische Komponente hat.

Und wir im Zyklus viele Menschen einfach auch körperliche und mentale Blockaden erleben und die sich sehr oft auch auf psychologischer Ebene heilen lassen. Genau.

Wenn wir diese vier Phasen einmal im Schnelldurchlauf durchlaufen, ist es so, um es mal grob zu erklären, dass diese hormonellen Zustände, die wir auf biologischer Ebene erleben, die versetzen uns in unterschiedliche emotionale Verfassungen.

Also in jeder Phase erleben wir eine andere Verfassung und diese emotionalen Verfassungen, die wiederum bringen diese zyklischen Superkräfte, von denen man vielleicht schon mal gehört hat, mit sich und die wir wirklich, wenn wir sie auch kennen und gleichzeitig, was ich gerade schon sagte, gibt es Menschen, die eben da auch Blockaden erleben und da dürfen psychologische Themen gesehen werden.

Also unser Zyklus serviert uns das so ein bisschen wie auch dem Tablett und deswegen ist ganz oft, wenn man anfängt, auch mit Zyklus orientiert und arbeiten, kann es sein, dass man die erlebt und dass man sich diese Themen auch erstmal anschauen darf. Und das sind eben Dinge, wobei ich die Menschen unterstütze. Genau, also es gibt diese vier Phasen.

Das ist die Follikelphase, da findet auf biologischer Ebene die Eizellreifung statt. Und da wird vor allem ganz viel Östradiol produziert, was dazu führt, dass die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut wird.

Und dazu auch führt, wenn wir schon bei Taylor Swift sind, ich benutze diese Beispiele sehr gerne, das ist so der Moment, wo Taylor Swift auf die Bühne oder andersrum nochmal, wo Taylor Swift sich quasi vorbereitet, und auch gerne, wo man selbst gerne im Außen ist, also sie macht sich ready für ihren großen Auftritt.

Und wir gerne im Außen sind, wo wir so eine Aufbruchs- und Aufschwungsstimmung nach der Periode erleben, so ein körperlicher Neubeginn und diese frische, junge Energie, das aktiviert in uns diesen jungen, archetypischen Anteil und der verfügt über die Superkräfte Lernen und Spielen.

Also das ist vor allem auch, wenn wir über die Arbeit sprechen, so die Phase, wo wir auch sehr kognitiv, sehr leistungsfähig sind, wo wir Multitasking machen können, wo Weiterbildungen super sind und wo wir auch sehr strukturiert wahrscheinlich unterwegs sind.

Und dann geht diese Phase über in die wunderbare Eisprungphase. Das ist Phase 2. Und das ist, wenn das Östradiol, was produziert wird durch die Eizellreifung, seinen höchsten Stand erreicht hat.

Und jetzt wird quasi so diese eine Eizelle, die da herangereift ist, also das ist ganz spannend, die reifen auch immer in Zehnergrüppchen, sodass wirklich auch die Crème de la Crème dann aussortiert wird. Weil die Crème de la Crème dann zum Sprung, zum Eisprung aussortiert wird. Und diese eine satteste Eizelle, die springt dann vom Eierstock rüber in den Arm der Gebärmutter.

Und das ist so der Moment, wo ich mir dann vorstelle, so jetzt, it's the opening, Taylor Swift kommt auf die Bühne und rockt halt die Stage.

[Alex]Oder ich bin Taylor Swift.

[Mandy]Genau, oder ich bin Taylor Swift. Ja, genau. Ich habe dann auch mal dieses, are you ready for it? Genau und diese Phase 2, so dieser Peak des Östradiols, das löst in uns den mütterlichen archetypischen Anteil aus und der verfügt über die Superkräfte, dass wir mühelos lieben und genießen können und dürfen.

Und das Schöne ist, dass es einmal dieses Lieben und Genießen auch anderen zugutekommen zu lassen, also im Job bedeutet das, es ist einfach der Zeitpunkt für Mutmomente, auch wenn man eher zum Beispiel introvertiert ist, empfehle ich auch immer meinen Klientinnen, leg dir da die Sachen hin, wo du so ein bisschen huu.

Das ist großartig fürs Netzwerken, um Vorträge zu halten, aber auch um diplomatische Gespräche zu führen und auch im Privaten dieses, ich liebe die ganze Welt, wirklich allen zukommen zu lassen.

Und gleichzeitig ist es die Einladung dazu, sich auch selbst dieses Lieben und Genießen zukommen zu lassen. Nicht immer nur alle anderen zu bemuttern, sondern auch sich selbst, gut um sich selbst zu sorgen. Das kann auf körperlicher oder mentaler Ebene der Fall sein.

Und dann gibt es die dritte Phase und das ist auch die längste Phase und die, wo ein Großteil der Menschen auch die meisten Herausforderungen erleben. Das ist die Lutealphase, die Phase 3. Und die unterteilt sich spannenderweise auch nochmal in zwei Teile. Der erste Teil ist der Teil, wo nach dem Eisprung die Follikelhülle zurückbleibt, in der die Eizelle herangereift ist. Und die wird jetzt zu einem Gelbkörper und produziert das Hormon Progesteron.

Also Östradiol sinkt jetzt wieder, was wir in der ersten Zyklushälfte hatten, und Progesteron tritt auf den Plan. Das ist der Moment, wo Taylor von der Bühne geht.

Und dieses Progesteron sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut sich jetzt mit Blut anfüllen kann. Und gleichzeitig sorgt es auch dafür, dass wir so wirklich biologisch, und es ist absolut normal, so ein Rückzugsbedürfnis empfinden, dass wir uns quasi von diesem Außen, von dieser Stage, die Bühne, alles ist hell, dass sich alles so ein bisschen nach hinten zieht und dass wir es jetzt vielleicht ein bisschen ruhiger haben wollen.

Das ist so ein guter Zeitpunkt für Innenschau und gerade auch in der ersten Hälfte nennt man das auch immer progesterones Nestbauhormon. Das ist so die Zeit, in der man vielleicht eher Bock hat, so die Ablage aufzuräumen und auch so ein bisschen das kluge Köpfchen jetzt so ein bisschen ausschalten darf beziehungsweise im Flugmodus nebenbei rattern lassen darf.

Und es vielmehr darum geht, ja auch reinzukommen in unsere anderen Weisheitszentren. Das sind Herz, Bauch und Gebärmutter.

Und der zweite Teil auf biologischer Ebene ist dann nämlich so, dass nach zehn Tagen nach dem Eisprung bemerkt unser Körper, ob jetzt eine Befruchtung stattgefunden hat. Oder nicht. So, ob seine mühevollen Bemühungen, ob die gefruchtet haben, wir gehen jetzt mal davon aus, eine Befruchtung stattgefunden.

Und das bedeutet, dass der Progesteronspiegel jetzt auch wieder sinkt. Und dieser hormonelle Shift, also dieses Rückzugsbedürfnis und auch dieses, dass jetzt quasi auch das Progesteron wieder absinkt, das lässt uns magisch werden.

Also das ist dieser archetypische magische Anteil und der hat direkten Zugang zu unserer Intuition und unserer Kreativität, dass wir die in dieser Phase maximal ausleben, auch gerade zum Ende hin.

Das finde ich auch so für Kreativitätsprozesse unglaublich spannend. Und ganz oft kommt an der Stelle, werde ich dann gefragt, ja, aber habe ich sonst keinen Zugang zu meiner Intuition und meiner Kreativität? Natürlich hast du die, aber wir sind quasi hormonell gedopet, dass da uns dieser Zugang einfach, der ist dann direkt da.

Und im Job können wir das eben auch nutzen, was ich gerade sagte, so gerade am Anfang der Lutealphase ist halt geil für, bei mir ist immer Buchhaltung.

Also wirklich, seit ich mich zyklusorientiert arbeite, gebe ich meine Buchhaltung regelmäßig und ohne Pain ab. Aber es ist auch toll für schnelles, assoziatives Brainstormen, also auch alles Kopf mitrattern darf, das heißt auch mal aus dem Kopf rauszukommen beim Brainstorming und wie gesagt rein ins Herz, in den Bauch und da mal zu fühlen, okay, was kommt da?

Und das sind ganz oft ganz andere Ideen als vielleicht in der ersten Zyklushälfte. Und da auch gerade dieser Kreativität und Intuition einfach auch diesen Raum zu geben, sich ausleben zu dürfen. Und was ich schon sagte, da erleben halt viele Menschen auch PMS, das sogenannte prämenstruelle Syndrom.

Und auch wenn man das erlebt, dann darf man da auch auf psychologischer Ebene nochmal schauen, welche Themen können dahinterstehen. Und dann gehen wir rüber. Progesteron fällt wirklich in den Keller, Östradiol auch. Also wir erleben wirklich den hormonellen Tiefstand. Und wenn Progesteron wirklich den tiefsten Stand erreicht hat, dann ist das das Zeichen für die Gebärmutter-Schleimhaut. Let it go. Also sie löst sich, die Blutung setzt ein.

Und gleichzeitig, das finde ich auch immer so faszinierend, beginnt im anderen Eierstock schon wieder die Eizellreifung. Also da beginnt schon der nächste Zyklus. Und dieser hormonelle Tiefstand, den wir jetzt erleben, der lässt uns vor allem auf körperlicher Ebene sehr, sehr träge werden. Das kennen die meisten von uns. Und uns vielleicht auf eine gewisse Art auch alt fühlen. Also das ist der archetypische Anteil, ist eben der alte Anteil. Und das ist jetzt die Zeit, um uns mit diesen Superkräften mit der Weisheit der Inneren zu verbinden, aber auch, um Themen quasi loszulassen.

Es ist ganz schön, das ist so das, was gerade in Phase 3 am Ende hochgewirbelt wird. Das ist jetzt, wo wir plötzlich wieder den Durchblick haben. Also wenn wir am Ende von Phase 3 denken, oh Gott, es wird hier nie was mit meiner Selbstständigkeit, ist das wahrscheinlich dann so, ja komm, das läuft schon und alles ist gut. Das ist immer so ein typisches Beispiel auch für den Partner. Ist das wirklich der Richtige? Und dann in der Menstruation weißt du, es ist alles gut, guck mal, da kümmert sich vielleicht jetzt gerade gut um mich.

Und das Spannende ist, und das hat bei mir auch so einen riesen Change gebracht, die Menstruation nicht nur als eine Phase zu verstehen, in der wir nicht leistungsfähig sind, sondern mal zu hinterfragen, was heißt Leistungsfähigkeit?

Und ist Leistungsfähigkeit immer wie ein Duracell-Häschen durch die Gegend zu rennen und alle Aufgaben perfekt zu erledigen und immer on fire zu sein? Oder ist Leistungsfähigkeit auch dieses, sich in die Horizontale zu bringen, mal zu schauen, okay, welche Aufgaben sind jetzt wirklich wichtig und auch mal, ich will jetzt nicht sagen, Fünfe grade sein zu lassen, weil das ist es nicht, aber wirklich mal zur Ruhe zu kommen und dem Körper das zu geben, was er braucht. Und da enden wir wieder bei bedürfnisorientiertem Arbeiten.

Wenn ich wahrnehme, Alter, mein ganzer Körper braucht gerade diese Ruhe, wie kann ich sie ihm geben, auch in der Vereinbarkeit mit meinem Job, und sich dann bewusst zu machen, wie kann ich diese Phase auch nutzen.

Und das ist zum Beispiel, dass ich diese Phase ganz toll nutzen kann, um nochmal zurückzublicken auf vergangene Aufgaben und Projekte, weil ich jetzt so eine Metaperspektive habe, weil ich jetzt weder in die, ich bin draußen auf der Bühne und performe Richtung bin oder dieses Rückzugsbedürfnis und wieder auftanken.

Ich kann schon so ein bisschen in die Zukunft visionieren, wo soll es irgendwie hingehen? Also gerade so Business Development sind halt Themen, die da einfach total gut funktionieren. Vielleicht ist das eine Zeit, wenn ich im Team arbeite, wo ich delegieren darf, auch in der Familie. Da darf mal jemand anderes kochen und sich um den Einkauf kümmern, weil solche kleinen, kleinen Sachen interessieren mich in der Periode ganz oft nicht so. Also das ist vor allem auch gut, um einfach Dinge zu erledigen, die keine großen kognitiven Mühen brauchen. Und ich habe da einmal das Bild von dir, als du mal in meinem Podcast warst im Kopf.

Wie du mit deinem Kirschkernkissen auf dem Sofa liegst und die da gerade irgendwie dran sind. Genau, und auch hier erleben ja viele Menschen Herausforderungen, Schmerzen, Periodenbeschwerden.

Und auch da lohnt es sich hinzuschauen, okay, was kann auf psychologischer Ebene dahinterstehen? Aber ganz oft ist es auch diesen Bedürfnissen, die wir in diesen Phasen haben, Raum zu geben. Genau, und was ich schon gesagt habe, ist, während der Blutung beginnt sozusagen dann wieder ein neuer Zyklus und darf dann eben auch genutzt werden.

So, das war die Kurzform.

Verknüpfung von Zyklus und Marketing

[Alex]Ja, das waren jetzt natürlich auch sehr viele biologische Infos oder körperliche Infos. Und die Frage ist ja jetzt, wo ist da der Link zu so einem ganzen Business- und Marketing-Setting? Kannst du das vielleicht mal so ganz pointiert herausarbeiten?

[Mandy]Ja, das kann ich. Ich finde halt, dass diese Ebene unglaublich interessant und wichtig ist, weil ganz viele eben nicht wissen, was an ihrem Körper passiert.

Deswegen führe ich die eben auch gerne ein bisschen ausführlicher aus.

Um diesen Link zu schaffen, ist es einfach unglaublich großartig, weil du eben auch deine Marketingprojekte mit deinem Zyklus quasi erarbeiten kannst und da reinspüren kannst.

Also ich liebe das auch total, mache ich das mit Kundinnen, die jetzt zum Beispiel dieses Thema Positionierung oder Neupositionierung haben, dass ich halt nicht sage, okay, setze ich jetzt mal einen Tag hin und erarbeite das mal, wo du hin willst, sondern wirklich diese Qualität der Phasen mitzunehmen. Also man kann das auch wie ein Projekt aufbauen. Und auch da, wenn man sich auch die Zeit dafür nehmen möchte.

Also zyklusbasiertes Arbeiten ist eben auch oft, dass man sich auch mal Zeit für Dinge nehmen kann, dass man nicht immer alles übers Knie bricht oder es muss jetzt sofort erledigt werden. Und dass man zum Beispiel an dem Beispiel auch total schön in der ersten Phase schaue ich erstmal, ich recherchiere, ich nehme wahr, was ist irgendwie im Außen, was machen vielleicht andere, gehe auf die Recherche. Auf die Recherchejagd, wollte ich gerade sagen, geh auf Recherche.

Und dass ich dann vielleicht in der zweiten Zyklushälfte dann eher nochmal so einen Deep Dive mache und schaue, okay, was will ich wirklich, was ist wirklich das, was meins ist?

Manchmal kann man auch gut die Periode als Ausgangspunkt nehmen, dieses wo will ich hin auch?

Oder dann, wenn wir den anderen Weg, wie ich ihn gerade beschrieben habe, gehen, dann kannst du in der Periode auch nochmal schauen, okay, ist es wirklich das, was ich will? Und sich selber auch, oder auch das Projekt in all diesen Phasen wahrzunehmen, auch das Projekt in all diesen Facetten reinzuspüren, um einfach ein wunderschönes Gesamtpaket zu schnüren, das dann auch wirklich zu einem selbst passt.

Und nicht, dass ich jetzt, also das erlebe ich ganz oft mit meinen Klientinnen, also bei mir selbst und auch mit meinen Klientinnen, dass die halt sagen, okay, wenn ich so da rangehe, dann passt das für mich einfach auch über einen längeren Zeitraum.

Also es ist nachhaltig, das ist langfristig. Das ist nicht so, dass ich da in drei Monaten oder in fünf, sechs Monaten wiederstehe und mir denke, oh Gott, war das jetzt irgendwie? War das jetzt wirklich das Richtige? Sondern dass die wirklich das Gefühl haben, okay, das kommt jetzt auch aus mir heraus. Also auch diesen Wunsch, den ja auch viele haben, das soll mir entsprechen. Und es ist halt nicht dieses schnell, schnell. Also es ist auch so ein sehr tiefgründiges Arbeiten, gerade auch in dem Bereich, in dem wir beide unterwegs sind.

[Alex]Ich finde das auch voll den wichtigen Gedanken, weil ich finde gerade Marketing zum Beispiel oder Selbstständigkeit ist ja nichts Kognitives oder nichts ausschließlich Kognitives, sondern das manifestiert sich ja auch im Körper. Also gerade wenn wir zum Beispiel Social Media haben, ich bin auf Instagram und sehe all die tollen Accounts, das spüre ich ja in mir, das macht ja irgendwas in mir.

Und wenn ich so Marketing- und Business-Themen eben nicht nur mit dem Kopf bearbeite, sondern so mit dem ganzen Körper, ich mag das Wort ganzheitlich nicht, aber schon mit verschiedenen Aspekten, dann kann ich mir das voll gut vorstellen, dass es halt einfach auch so eine nachhaltige Entscheidung dann zum Beispiel für etwas ist, etwas zu tun oder nicht zu tun.

[Mandy]Total. Und weil du auch gerade Social Media und Instagram ansprichst, das weiß ich noch ganz genau, also Spoiler, du warst ja auch mal in meinem Podcast, als wir vor zwei Jahren darüber geredet haben, wie du das auch für dich erlebt hast, habe ich in dem Zusammenhang ganz viel darüber nachgedacht, okay, wie nehme ich auch Social Media im Laufe meines Zyklus wahr?

Und ich finde das unglaublich spannend und ich glaube, da können wahrscheinlich viele Hörerinnen und Hörer, also vor allem Hörerinnen, relaten, das mal zu beobachten. Also man kann das wirklich an diesem Taylor-Swift-Beispiel halt super gut sehen.

Das ist so, gerade in der ersten Zyklushälfte ist das, wo ich vielleicht präsenter sein möchte. Und gerade die zweite Zyklushälfte ist die, wo ich vielleicht sehr anfällig bin für negative Kommentare, aber auch dieses schnelle Durchlaufen, dieser schnellen Durchlauf an Informationen und Entertainment, den man da ja, das Entertainment Anführungsstrichen, aber es ist ja auch eine gewisse Form von Entertainment, den ich da habe, dass ich da auch ganz anders drauf reagiere.

Und das war für mich damals auch total spannend und hat eben auch dazu geführt, dass ich da viel, viel bewusster auch mit mir und meinen Ressourcen und Energien bin, wahrzunehmen, okay, in der zweiten Zyklushälfte... War ich dann damals sehr viel weniger dort unterwegs zum Beispiel auch.

[Alex]Das heißt, es ist auf jeden Fall eine gute Idee, so seinen Social-Media-Konsum, wenn man denn noch da ist, mit dem Zyklus irgendwie zu verlinken und sich selbst zu beobachten, wann es einem schwerer und leichter fällt, dort zu sein.

[Mandy]Zum einen das und zum anderen das auch mal wahrzunehmen. Was macht das mit mir? Also das ist ja das, wo ja auch Achtsamkeit für mich total beginnt. Der erste Schritt ist immer wahrzunehmen, was ist jetzt hier gerade? Oder auch zu hinterfragen, ist jetzt ein negativer Kommentar wirklich so schlimm oder bin das gerade ich? Und oft stehen da dann noch andere Themen hinter, gerade am Ende der Lutealphase. Sich da einfach mal selbst zu beobachten und da auch selbstfürsorglich mit sich zu sein.

[Alex]Aber es ist ja auch nicht so das, was uns so vermittelt wird. Weil wenn wir Social Media Marketing zum Beispiel betreiben, dann müssen wir ja täglich präsent sein und quasi täglich dieselbe Art der Leistung bringen. Und das wäre dann ja ein Widerspruch zu dem, was du sagst. Nämlich, wir können nicht jeden Tag dasselbe, oder es ist schwierig, jeden Tag dieselbe Form von Leistung zu bringen, weil wir eben zyklische Wesen sind. Also müsste sich so für die Menschen, die Social Media noch nutzen, auch müssen sie ihre gesamte Nutzung überdenken, dieses täglich präsent sein? Ist das überhaupt realistisch?

[Mandy]Das ist immer eine spannende Frage, weil ich finde es einfach unglaublich wichtig, dass wir immer mehr dahin kommen, was du gerade so schön gesagt hast, wahrzunehmen. Wir sind zyklische Wesen und wir leben in einer linearen Welt, in einer linearen Leistungsgesellschaft. Und das wahrzunehmen, und das ist einfach auch mit die größte Herausforderung, die ich ganz oft auch beim zyklusorientierten Arbeiten erlebe, dass viele sagen, ja, wie soll denn das funktionieren? Geht nun mal nicht, kann mich jetzt hier nicht hinlegen.

Aber ich glaube, es ist halt auch die innere Einstellung zu schauen, was ist mir wichtiger, mich selbst wahrzunehmen in dieser Welt und zu schauen, meinen Weg zu gehen oder mich ständig anzupassen und alles so zu machen, wie alle anderen das machen, was ich eben sehr oft auch, wie du es auch schon sagst, an deinem Körper manifestierst.

Also ich habe so krass lange unter körperlichen und emotionalen PMS zu leiden gehabt, weil ich nicht wusste, was will mein Körper mir da eigentlich sagen. Und da mal hinzuschauen und wenn wir aufhören, auch unsere Bedürfnisse zu übertrampeln, wird sich das in so vielen Wegen positiv auswirken. Und deswegen ist meine Einladung immer zu sagen, okay, ich nehme mich selber wahr und schaue, wie kann ich das in mein Leben, in mein Marketing, in meine Selbstständigkeit integrieren und da dann auch zu schauen.

Und um das sehr anschaulich zu machen bei Social Media, kann zum Beispiel ein Weg auch sein, also auch diese Entscheidung, will ich da jeden Tag zu 100 Prozent präsent sein? Will ich mir von dem Algorithmus diktieren lassen, wie meine Selbstständigkeit und meine Präsenz auszusehen hat? Oder kann ich da auch meine Wege finden? Content zum Beispiel vorzuproduzieren.

Oder auch zu schauen, ich glaube, du kannst jeden Tag auf Social Media sein, wenn du dir bewusst machst, in welcher Phase bin ich jetzt gerade? Was brauche ich gerade? Ich arbeite da auch ganz gerne mal auf energetischer Ebene, aber da auch zu gucken, was brauche ich gerade? Ist es heute, bin ich da nur mal kurz und check nur kurz die Nachrichten, weil ich da antworten will, aber guck nicht den kompletten Feed durch oder ich beantworte heute keine Kommentare oder ist heute der Tag, an dem ich einfach voll Bock habe, eine Story zu machen und mich selbst zu filmen?

Also auch da, das ist ja, wir sind dem ja nicht komplett ausgeliefert und sich dazu, also dieses, Du darfst entscheiden, wie du damit umgehst. Das ist halt das, worum es geht. Und das ist eben auch das, wozu dich dein Zyklus einlädt. Dieses Bewusstsein zu haben, ich priorisiere mich und meine Bedürfnisse und ich gucke dann, wie der Rest funktioniert.

[Alex]Also ich muss sagen, ich will jetzt niemandem nahelegen, soziale Medien zu löschen, aber ich muss sagen, es ist eine enorme Erleichterung, da nicht sein zu müssen.

Weil wenn man nur noch Strategien und Aufgaben hat, wo man mehr kontrollieren und mehr bestimmen kann, dann ist es schon leichter so, seine Bedürfnisse auch wahrzunehmen und sie auch zu erfüllen, als zum Beispiel früher diesen Satz immer täglich dort zu sein. Das habe ich mir schon immer zu Herzen genommen. Und sogar wenn ich wusste, ich bin jetzt an Tag X, hat mir das nicht wirklich geholfen. Also ich hatte trotzdem immer diesen Gedanken, ich muss jetzt aber das und das und das und das machen. Also so viel Fremdbestimmung war das.

Und ich finde, gerade als Selbstständige kann man ja sagen, okay, ich kann das vielleicht so nutzen, dass es mit meinem Zyklus irgendwie besser passt. Ich kann das Wissen um den Zyklus nutzen, um das für mich irgendwie anders zu gestalten. Aber ich kann eben auch sagen, okay, dann gehe ich halt weg. Also wenn ich so ein zyklisches Wesen bin, dass dieses lineare soziale Medien-Ding absolut nicht meins ist, kann ich halt auch rausgehen. Das ist immer auch eine Option.

[Mandy]Und ich finde gerade als Selbstständige ist das doch das Geilste, was wir haben. Ich darf und kann entscheiden und ich möchte manchmal einfach in so selbstständigen Starterinnenrunden, aber auch einfach bei fortgeschrittenen Selbstständigen einfach manchmal reinbrettern und sagen, ey, du kannst entscheiden, du bist dem nicht ausgeliefert. Und das ist ja auch wieder so ein bisschen, sehe ich auch so ein bisschen als Teil meiner Arbeit, es ist so dieses, sich diese Selbstwirksamkeit zurückholen.

Du hast die Kraft, all das zu entscheiden und du hast auch die Möglichkeit, also nimm sie dir. Und ich glaube, das ist noch immer so ein Riesenappell auch an selbstständige Frauen, du entscheidest und nur weil irgendwer sagt, du musst da jeden Tag sein oder nur weil jemand sagt, du musst, du musst, du musst. Sobald das Wort müssen aufkommt, bin ich sowieso so, muss ich wirklich?

Also ich glaube, sobald irgendwer mir erzählt, du musst, dürfen wir das hinterfragen, muss ich wirklich? Oder gibt es auch Alternativen? Und es gibt, das ist ja das Tolle, mich überfordert das manchmal total, aber es ist ja das Tolle, dass wir in unserer Welt die Möglichkeit haben, es gibt tausend Alternativen. Also es gibt auch Alternativen zu Instagram und Co. und es gibt auch zu anderen Sachen Alternativen, wozu ich keine Alternative sehe, ist zyklusorientiert zu arbeiten und zu leben, weil das ist, das hat für mich so Klick gemacht, dass es so in uns verankert und das ist ein Geschenk, was wir mitgegeben haben, wo es sich einfach lohnt, den kennenzulernen, den Zyklus da reinzuspüren. Und das einfach auch immer mehr ins Leben und die Arbeit einfließen zu lassen.

[Alex]Glaubst du, dass soziale Medien Zyklusbeschwerden beispielsweise PMS verstärken können?

[Mandy] Ja, definitiv. Definitiv. Also ich glaube, wenn wir jetzt gerade auch bei emotionaler PMS sind, die sich in, ach du Gott, ich kann sie ja in allem äußern. Das kann sich äußern in, was ich vorhin so ein bisschen beschrieben habe, in dieser Wehleidigkeit, nenne ich es jetzt mal in diesem Wehmut vielleicht auch, oder in diesem Hinterfragen, in dieser Spirale sein, ist das jetzt das Richtige für mich?

Zum Beispiel in dem, wenn ich da jetzt natürlich auf Social Media gehe und sehe, oh, da ist jetzt irgendwie eine Expertin oder eine Coachin, in meinem Fall, oh, da ist jetzt ein Zykluscoachin, ich habe damit ehrlich gesagt überhaupt kein Problem. Ich finde es großartig, wie viele Zyklus-Coachinnen es gibt. Aber keine Ahnung, ich bin vielleicht Autorin und gehe dann auf Social Media und sehe, ach guck mal, mir fällt gerade Caroline Wahl ein, weil ich das Buch gerade 22 Bahnen gelesen habe und denke so, oh guck mal, die ist total erfolgreich mit ihrem Buch und ach man, ich kriege es immer noch nicht geschissen, ich kann davon nicht leben. Das verstärkt ja diese Negativspirale, die wir sowieso schon haben. Und dann zu wissen, okay, das ist am Ende, kann es auftreten von Phase 3, da bin ich sehr anfällig für, natürlich verstärkt es das. Also wenn ich nicht auf Social Media wäre, hätte ich vielleicht diese Gedanken auch, aber könnte ganz anders mit denen umgehen. Vielleicht da nochmal einchecken, die Gedanken hinterfragen, sie überhaupt erstmal wahrzunehmen, ist ja schon ein Riesending.

Natürlich zieht dich Social Media, kann dich da total runterziehen. Gleichzeitig kann sich das natürlich auch, also ich bin ja auch ein Freund von Social Media, dich total nach oben bringen, aber definitiv kann es das auch verstärken, ja.

[Alex]Aber wenn ich gerade so überlege, also... Wenn man PMS hat, ist da ja schon auch so ein kleines Sensibelchen, oder ich zumindest. Und wenn man dann quasi in so ein Setting geht, wo man ja im Grunde sagt, bewerte mich, like mich, das kommt ja noch dazu. Und das macht das wirklich auch herausfordernd, dann das sich nicht so zu Herzen zu nehmen, weil alles im Körper ist so sensibel und fragile und ja.

[Mandy]Es ist halt, ich komme immer wieder zurück, das Taylor-Swift-Beispiel. Ich überstrapaziere das heute ein bisschen. Aber das ist so wie, wenn du, also stell dir vor, du hast drei Stunden auf der Bühne, du bist total fertig, du willst vielleicht nur noch ins Bett oder deinen Boyfriend irgendwo in den USA anrufen. Und dann stellt dich jemand auf die Bühne und sagt, so, jetzt mach mal weiter, wir wollen noch 100 Zugaben. Und das wird mir jetzt aber kacke, dass du jetzt nicht mehr tanzt. Wie, deine Stimme funktioniert jetzt nicht mehr.

Also das ist es ja im Endeffekt, was wir ganz oft mit uns selber machen. Wir zerren uns nochmal raus auf die Bühne und verlangen etwas von uns, wofür wir eigentlich gar nicht mehr fähig sind.

Und deswegen finde ich es auch so, also es ist ganz oft so, wenn Frauen auch mit Beschwerden in der ersten Zyklushälfte zu mir kommen, dann frage ich immer als erstes, wie sieht deine Periode aus? Wie sieht deine Menstruationszeit aus? Ja, so wie immer.

Naja, das ist aber dein Ankerpunkt, in dem du ausruhen darfst, in dem du wieder Kraft tankst, indem du bitte nicht auf der Bühne stehst, wenn möglich. Und selbst wenn du musst, kannst du schauen, wie kann ich mir das so gestalten, dass ich trotzdem diesen Auftankmoment erlebe in der Periode.

Und ich glaube, das ist halt etwas, was sich in uns verändern darf. Da sind wir auch wieder bei Selbstwirksamkeit. Du darfst entscheiden. Und das muss nicht immer gleich einen halben Tag in der Horizontalen sein. Es kann auch einfach mal diese zehn Minuten runterfahren sein. Das kann der Kuschelpulli sein. Alles zu tun, damit du dich wohlfühlst in dem, was du auch tust oder was vielleicht auch getan werden muss manchmal, in dem Fall dann muss. Es gibt ja auch Dinge, du kannst deinen Kindern nicht sagen, so, heute hole ich euch nicht vom Kindergarten ab oder so. Und aber da auch immer wieder bei sich selber einzuchecken.

[Ale]Ja, man muss sich ja für die Tage dann vielleicht nicht noch ein aufwendiges Drei-Gänge-Menü planen, sondern kann halt irgendwas anderes kochen.

[Mandy]Kannst du abgeben oder beim Lieferservice bestellen.

Langfristige Veränderungen durch zyklusbasiertes Arbeiten

[Alex]Du bist ja jetzt schon eine Zeit lang auf zyklusorientiertes Arbeiten spezialisiert und kannst du uns vielleicht so abschließend mal so ein schönes Bild zeigen? Also was passiert langfristig, wenn ich dieses Wissen anwende für mein Leben? Was für eine Erleichterung, was für eine Veränderung kann sich da einstellen?

[Mandy]Ehrlich gesagt bin ich, glaube ich, das beste Beispiel. Ich kann ja noch mal kurz mein Beispiel bringen. Also als ich die Pille abgesetzt habe, so ein Jahr danach, habe ich das erste Mal erst kapiert, was PMS sind, vor allem wie vielfältig die sind. Und ich hatte wirklich sehr, sehr, sehr dunkle PMS-Phasen, vor allem auf emotionaler Ebene. Also ich hatte sehr starke depressive PMS.

Gott, wenn ich da jetzt reingebe, wird es wirklich dunkel. Also es waren wirklich Phasen, in denen ich alles hinterfragt habe. Mein komplettes Leben, meine komplette Selbstständigkeit. Ich hatte körperlich so krasse Schmerzen während der Periode. Das waren wirklich, das waren so diese Tage, an denen ich nicht arbeiten konnte, weil es mir einfach körperlich und mental so schlecht ging. Und als ich angefangen habe, so nach und nach, bei mir ist es echt ein sehr langer Prozess gewesen. Ich habe, glaube ich, so 2017, 18 angefangen, mich damit zu beschäftigen. Auch eher so auf so einer oberflächlichen, wie ich jetzt sagen würde, was nicht schlecht ist. Ich finde, jeder, der sich damit beschäftigt, es ist großartig. Egal auf welcher Ebene, weil ich glaube, es bewirkt so viel. Und damals war das eher noch so ein, okay, ich fange mal so ein bisschen anders zu verstehen, habe mich ein bisschen besser verstanden, habe angefangen, meine Aufgaben danach auszuteilen, bin dann auch in viele Fettnäpfchen getreten.

Habe mich selber wieder unter Druck gesetzt, es muss doch jetzt so sein. Und als ich vor allem diese psychologische Ebene herausgefunden habe und geschaut habe, auch auf psychosomatischer Ebene, was kann hinter meinen auch körperlichen und mentalen Symptomen stehen, Und habe ich halt für mich auch wieder rausgefunden, gerade mit Phase 3, mit der Lutealphase, okay, ich lebe gerade nicht das Leben, was ich gerne leben möchte.

Also da kann ganz oft das Thema Exzentrik auch hinterstehen.

Also traue ich mich, das auszuleben, was ich gerne möchte und habe mich dann sehr stark mit dem Thema Beruf und Berufung auseinandergesetzt und musste immer wieder schmunzeln, weil ich, als ich „Go Girl! Run!“ noch gemacht habe, mich immer so dagegen gewehrt habe. Ich bin jetzt Coachin im Sinne von, ich setze mich doch nicht dahin und rede mit Menschen über ihre Probleme.

Und auch mich, ja, irgendwann hat das für mich nicht mehr gepasst und mich dann getraut habe, das aufzugeben. Es war ein Riesending, „Go Girl! Run!“ aufzugeben und zu sagen, ich mache jetzt was Neues. Also dieser krasse Mutmoment, was mir selber dem Moment gar nicht so bewusst war, weil es so, ich habe immer gemerkt, da irgendwas passt hier nicht. Irgendwas war zu eng und mich dann zu trauen, wirklich frei und radikal zu sagen, ich mache was Neues und das in diesem zyklusorientierten Arbeiten und Leben gefunden zu haben und so viele Menschen damit unterstützen zu können.

Das hat sich bei mir wirklich dann auf allen Ebenen ausgewirkt, wo ich am Anfang noch dachte, ich gehe doch jetzt hier nicht zu Alexandra in den Podcast, stelle mich auf eine Bühne und rede über Periode.

Und ohne Scheiß, das ist das Geilste, was ich in meinem ganzen Leben bisher gemacht habe, weil ich das so liebe, weil ich dafür so brenne.

Und das ist ja auch oft was, was sich Menschen wünschen, die es selbstständig machen. Ich will das machen, wofür ich lebe, wofür ich brenne. Und das fühle ich so in jeder Phase meines Körpers.

Und das führt auch dazu, dass ich mittlerweile ein Business führe, mit dem ich so happy bin, wo ich jeden Tag sehe, das wächst, das entspricht mir, das macht Spaß und ich wachse da immer mehr rein.

Vielleicht ist dann auch das Social-Media-Aufgeben etwas, was dazu gehört. Aber ich glaube, das ist so das, wo das hinführen kann, sich selbst nochmal ganz neu zu entdecken, in allen Facetten und gleichzeitig sich dann auch zu trauen, radikal seinen Weg zu gehen. Und ich habe jeden Tag das Gefühl, ich komme noch mehr bei mir an und ich bin so zufrieden mit allem, was ich tue.

Deswegen würde ich jetzt mal mich selber als Best Case nehmen, wo das hingehen kann. Also von, was mache ich hier, es ist doch alles schlimm und schrecklich, hin zu, geil, ich liebe dieses Leben.

[Alex]Aber sogar wenn es jetzt nicht zu dieser exorbitant tollen Version kommt, es ist ja auch schon eine große Erleichterung, vielleicht im Alltag an einzelnen Tagen eben nicht so erschöpft zu sein und zu wissen, wie kann ich jetzt mit diesen Gedanken, die ich habe, vielleicht anders umgehen. Also selbst diese kleinen Snippets, diese kleinen Erleichterungen sind ja oft schon sehr viel wert.

[Mandy]Überhaupt, also ich kämpfe auch wirklich dafür, dass es nicht mehr normal ist, dass wir so lapidar über PMS reden und sagen, ja, ist halt so oder über Periodenbeschwerden.

Also das verändert sich wirklich, je tiefer wir da reingehen, dass du einfach beschwerdefrei auch größtenteils sein kannst. Also auch das, und wie schon sagst, auch in diesen Kleinigkeiten, sich ganz anders in seinem Zyklus zu fühlen. Ich erlebe auch oft, dass Frauen sagen, ich fühle mich so ausgeliefert.

Das verändert sich, wenn du zyklusbasiert arbeitest. Du fühlst dich seltener ausgeliefert oder gar nicht mehr, weil du einfach dich kennst.

Du weißt, was passiert. Du kannst es einschätzen. Und auch da wieder ist wie alles im Leben und dann kommt, glaube ich, dieser Rundschliff wieder zu Social Media.

Es ist ein Prozess, es dauert. Ich arbeite seit 2017, 2018 zyklusorientiert. Ich würde sagen, in den letzten zwei, drei Jahren hat es bei mir so richtig Klick gemacht und bei Social Media erleben wir halt immer, es geht total schnell, mach diese fünf Schritte und dann bist du da und das ist halt etwas, was ich einfach unglaublich gerne mitgebe.

Es dauert, es ist ein Prozess, aber er lohnt sich und er wird sich den Rest deines Lebens auszahlen, weil wenn du vielleicht die letzten 10, 15, 20 Jahre nicht zyklusbewusst gelebt hast, dann darfst du da ja erstmal reinkommen. Und es wird dir in so vielen Bereichen deines Lebens helfen, auch wenn du in. Ich vertausche mal Prä- und Perimenopause, also in die Wechseljahre kommst und auch die Zeit danach, auch da wird dir das super hilfreich sein und es hilft auch anderen Menschen, um dich herum zu verstehen. Also du merkst schon, ich bin total on fire.

[Alex]Ich glaube, Bedürfnisorientierung ist zu jeder Phase des Lebens eine sehr, sehr gute Idee und egal ob für sich oder mit anderen.

[Mandy]Ja, genau.

[Alex] Ja, Mandy, ich freue mich sehr, dass du da warst, dass wir jetzt wissen, wie wir unsere innere Taylor Swift channeln können. Ein sehr schönes Bild, das ich jetzt definitiv nutzen werde immer. Ja, also vielen, vielen Dank für dein Wissen und deine ganzen Tipps heute. Dankeschön.

[Mandy]Sehr, sehr gerne.

Shownotes

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