Schreibblockaden überwinden und vorbeugen – 13 Tipps, die funktionieren

Wenn du so bist wie ich, dann schreibst du eine Menge!

Blogposts hier, Gastartikel da (und da), Social-Media-Beiträge, Newsletter …
 
Vor einiger Zeit habe ich für mein erstes E-Book fast 20 000 Wörter geschrieben. Dass es dabei auch Phasen gab, in der mir das Schreiben nicht so leicht von der Hand ging, versteht sich von selbst.
 
Was mir letzten Endes geholfen hat? Gut, dass du fragst!😉
 
Hier sind 12 Techniken, die für mich bei Schreibblockaden funktionieren.


Schreibblockaden überwinden
13 Tipps, die funktionieren

 

1 | Have a break …

Wenn du vor lauter Wald die Bäume nicht mehr siehst, ist es Zeit für eine Pause. Ich habe mir in einer akuten Phase von „Ich kann einfach nicht mehr schreiben“ eine Woche Schreibpause verordnet. Eine ganze Woche lang wollte ich meinen Laptop zugeklappt lassen und mich völlig anderen Dingen widmen. Doch was ist passiert?
 
Nach bereits drei (!) Tagen saß ich wieder voller Tatendrang vor dem PC.
 
Verrückt, oder? Da quälen wir uns von einem Tag zum anderen. Dabei braucht es manchmal nur drei Tage, bis der Akku wieder aufgeladen ist und der Spaß und die Motivation zurückkommen. Nicht drei Monate, nicht drei Wochen, sondern nur drei Tage!
 
Was sind schon drei Tage angesichts eines langfristigen Schreibprojektes? Die Motivation und Selbstdisziplin über eine längere Zeit aufrecht zu erhalten ist Schwerstarbeit. Ein mehrtägiges Schreib-Päuschen wirkt da wahre Wunder.
 
 

2 | Verändere etwas

Nach dieser dreitägigen Auszeit habe ich mich voller Elan wieder vor den PC gesetzt, doch schon der Anblick von „Word“ löste in mir Panik aus.
 
„Was, wenn es wieder so wird wie vor drei Tagen?“
 

Schreibprogramm

Hier half ich mir mit einem Trick: Ich wechselte einfach das Schreibprogramm! Ich entschied mich für ein Programm, mit dem ich durchweg positive Assoziationen hatte. Ein Programm, mit dem ich effektiv und produktiv arbeite und meinen Blog verwalte. Ein Programm, das streng genommen gar kein Schreibprogramm ist, sondern ein Tool, um Ideen zu verwalten: Evernote. (Wobei es tatsächlich Menschen gibt, die ganze Romane mit Evernote schreiben!)
 
Es war faszinierend: Ein anderes Schreibprogramm – und zack, sind die Worte wieder geflossen!
 
Ich habe noch zwei weitere Ideen für Veränderungen für dich:
 

Schreibmaterialien

Benutze Stift und Papier anstatt deines Computers. Oft stellt sich beim Anblick eines Notizbuchs oder schönen Briefpapiers auch ein ganz anderes Gefühl ein. Wenn dir beim Schreiben die Haptik wichtig ist, könnte das funktionieren.
 

Schreibort

Hast du mal versucht, an einem anderen Ort zu schreiben? Vielleicht brauchst du einen Ort, wo Menschen sind? Wenn du sonst von zu Hause aus arbeitest, könntest du ins Café gehen oder nach draußen. Ist es dir zu Hause zu still, kannst du Cafégeräusche simulieren. (Ist mein persönlicher, kleiner Produktivitätsboost!)
 
 

3 | Rede anstatt zu schreiben

Redeblockaden haben die meisten von uns nicht. Wir reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Und wenn wir beim Reden etwas nicht so sagen, wie wir es gemeint haben, dann sagen wir es halt anders.
 
Wenn auch dir das Reden leichter fällt als das Schreiben, dann rede – und lass währenddessen das Aufnahmegerät laufen.😉
 
 

4 | Schreib von hinten

Für mich persönlich gibt es nichts Schwierigeres als Einleitungen. Deshalb saß ich früher ewig vor einem weißen Blatt und grübelte über den perfekten Einstieg. Inzwischen fang ich einfach von hinten zu schreiben an!
 
Da ich mir vor dem Schreiben immer erst einen Schreibplan erstelle, weiß ich immer, was und in welcher Reihenfolge ich schreiben will. Somit spielt es keine Rolle, ob ich vorne, hinten oder mittendrin eisteige.
 
Die Übergänge und Zwischenüberschriften füge ich einfach später ein. Und auch die Einleitung schreibt sich seltsamerweise viel leichter am Ende des Schreibprozesses.

 

5 | Schreib irgendwas

Du willst schreiben? Dann schreibe! Fang einfach an und schreibe irgendwas! Das meine ich wortwörtlich – schreibe „Irgendwas, irgendwas, bla bla bla, ich weiß nicht, was ich schreiben soll, irgendwas, hallo, aösdklf“.
 
Keine Angst: Du kannst später alles streichen, löschen, ändern. Es geht erstmal nur darum, ins Schreiben reinzukommen und Buchstaben aufs weiße Blatt zu bekommen. So wie du dich beim Sport aufwärmst, so kannst du dich auch warmschreiben.
 
Es ist ein Irrglaube zu denken, dass du nur dann schreiben solltest, wenn du genügend Inspiration zum Schreiben hast.
 

 

Ging es bei den ersten fünf Tipps darum, akute Schreibblockaden zu lösen, gehen wir jetzt noch einen Schritt weiter. Denn besser, als Schreibblockaden zu überwinden, ist, wenn es gar nicht erst zu Schreibblockaden kommt, richtig?
 
Dafür braucht es ein Umdenken. Es geht nun nicht mehr darum, ins Schreiben reinzukommen, sondern gar nicht erst aus dem Schreiben rauszukommen. Das heißt, es geht nun darum, ideale Rahmenbedingen fürs Schreiben zu schaffen.
 
Das aller, aller Wichtigste dabei ist:
 

6 | Mach Schreiben zur Priorität

Wenn dir Schreiben wichtig ist, dann mache es entsprechend zu der wichtigsten Arbeitsaufgabe des Tages.
 
Wenn du erst die Aufträge für deine Kunden abarbeitest, dich dann um administrative Tätigkeiten kümmerst, deine Social-Media-Kanäle fütterst und die Mails beantwortest, bleibt am Ende des Tages nicht mehr viel Energie übrig fürs Schreiben.
 
Ich wünschte, es gäbe einen anderen spannenderen Geheimtrick, aber: Wenn dir Schreiben wichtig ist, dann beginne deinen Arbeitstag mit dem Schreiben und verschiebe es nicht auf „später“.

Mir persönlich reicht eine Stunde. Wenn du nur zehn Minuten hast, dann schreibe zehn Minuten. Wenn du dreißig Minuten ins Schreiben investieren kannst, dann schreibe dreißig Minuten. Entscheidend ist, dass du es jeden einzelnen (Werk-)Tag tust. Und zwar dann, wenn du auf dem Höhepunkt deiner Leistungsfähigkeit bist. Alternativ kannst du dir eine bestimmte Wortzahl vornehmen. (500 Wörter sind zum Beispiel ein guter Ausgangspunkt.)

Keine Zeit ist dabei keine gute Ausrede. Wie sagt Annika Bühnemann so schön? Wenn du hier bist, hast du ja offensichtlich Zeit.😉

7 | Schaff dir ein (bescheuertes) Schreibritual

Die Vormittage sehen bei mir inzwischen immer gleich aus: Nachdem die Kinder in Schule und Kindergarten abgeliefert wurden, mache ich mir Frühstück und eine schöne kupferfarbene Kanne Kaffee. Ich scrolle ein bisschen durch meine Timeline oder stöbere in Pocket. Und wenn die Kanne dann leer ist (ich trinke schnell 😉), schließe ich alle Anwendungen und fange gegen halb zehn an zu schreiben.
 
Jeden Tag.
 
Klingt bescheuert, funktioniert aber gut. Mir scheint, ich habe mich darauf programmiert, eine leere Kaffeekanne mit dem Schreibbeginn in Verbindung zu bringen.
 
Dein Schreibritual braucht natürlich nichts mit Kaffee zu tun zu haben, wenn du nicht willst. Gestalte dir dein Ritual so, wie es dir passt. Achte nur darauf, dass es einen klaren Trigger (wie Kaffeekanne leer) und eine klare Handlung (Schreibbeginn) gibt.
 
Doch mein (bescheuertes) Schreibritual geht noch weiter:
 
Ist Zeit zum Schreiben, setze ich mich in ein ganz bestimmtes Zimmer, an einen ganz bestimmten Platz und lege mir immer ein ganz bestimmtes Kissen in den Rücken.
 
Dann schreibe ich. Eine Stunde lang. (Manchmal länger.)
 
Beginne ich den Tag nicht mit meinem Schreibritual (weil beispielsweise die Kinder krank sind und ich stattdessen hundertsiebenundzwanzig Runden UNO spielen muss), kann ich das Schreiben für den Tag vergessen. Nachmittags oder abends bringe ich meist kein Wort mehr zu Papier.
 
 

8 | Planung ist alles – Teil 1

Nichts liebe ich mehr als fiesen Zeitdruck beim Schreiben. Spaß – ich kann es nicht leiden.😉
 
Für manche mag die Kombination aus Schreiben und Druck funktionieren, mich macht es wahnsinnig. Zu wissen, dass ich in wenigen Stunden einen passablen Text zu Papier gebracht haben muss, lähmt mich, wie ich inzwischen für mich herausgefunden habe.
 
Als ich noch hier und da als Texterin tätig war, habe ich grundsätzlich versucht, ein bis zwei Tage vor der Deadline fertig zu werden. Und auch jetzt produziere ich Blogartikel mehrere Wochen im Voraus und lasse genügend Zeit für die Inkubationsphase.
 
Planung und realistische Puffer machen mein Schreibleben um einiges entspannter. Und zu schreiben, weil ich es will, nicht weil ich es muss, ist ein tolles Gefühl.
 
 

9 | Planung ist alles – Teil 2

Ich habe es schon angedeutet: Ich fange erst dann mit dem Schreiben an, wenn ich weiß, was ich wie, in welcher Reihenfolge und für wen schreiben möchte.
 
„Brainstorming“, „Rohtext“, „Schreibplan“ – nenne es, wie du willst. Mach dir nur vorher Gedanken darüber, was du eigentlich schreiben möchtest.
 
Bevor ich auch nur ein Wort zu Papier bringe, lege ich die Struktur, den Inhalt und die Reihenfolge der einzelnen Textbausteine fest. Ich mache mir klar, an wen mich mit diesem Text richte und was die Kernbotschaft des Textes sein soll.
 
Schreibblockaden entstehen oft, weil (unbewusst) noch viele Fragen im Kopf des Schreibenden herumschwirren. Ein Schreibplan sorgt für die nötige Klarheit. Wie detailliert der Schreibplan sein sollte, hängt natürlich von den individuellen Präferenzen des Schreibenden ab. Mir reichen inzwischen Stichworte.
 
Einen Schreibplan zu erstellen ist immer eine gute Idee – vor allem aber dann, wenn du dich an lange, komplexe oder für dich persönlich herausfordernde Texte wie z.B. deine Über-mich-Seite setzt. Hier solltest du lieber mehr Zeit fürs Konzipieren als fürs eigentliche Schreiben einplanen.
 
 

10 | Störungen eliminieren

Beim Schreiben sind wir ganz alleine mit unseren Gedanken, und das ist nicht immer leicht. Denn es sind bisweilen auch Zweifel und Ängste darunter.
 
Früher habe ich diese unangenehmen Gefühle oft mit einem Klick zu Twitter gelöst. Lustige Tweets zu lesen, ist definitiv angenehmer, als sich mit Zweifeln auseinanderzusetzen. Da müssen wir niemandem etwas vormachen. Doch Texte schreiben sich leider nicht von alleine.
 
Heute weiß ich, dass Zweifel, Ängste und Sorgen zum Schreiben dazu gehören wie gute Butter aufs Brot. Und es ist okay. Ich versuche, diese Gefühle auszuhalten, und es gelingt mir jeden Tag ein bisschen besser. Atmen hilft. Und Fokus lässt sich trainieren. Am einfachsten ist es, sich gar nicht erst in Versuchung zu führen und Störungen gezielt zu eliminieren. Heute schreibe ich nur, wenn Posteingänge geschlossen und Pushbenachrichtigungen abgestellt sind. Und seit einiger Zeit habe ich alle Mail- und Social-Media-Apps von meinem Smartphone deinstalliert. (Ich sage euch: Es ist großartig!)
 
 

11 | An zwei Texten parallel schreiben

Neben zu knappen Deadlines macht mich vor allem der Gedanke, einen ganz bestimmten Text fertigstellen zu müssen, verrückt. (Du siehst, das Wortchen „müssen“ und ich sind keine guten Freunde.)
 
Deshalb schreibe ich in der Regel an zwei Texten parallel. Ich merke deutlich, wie mich das entspannt. Wenn ich ins Stocken komme und gezieltes Atmen nicht weiterhilft, gehe ich einfach zum nächsten Text über.
 
Meinem Gehirn tut diese thematische Pause ganz gut. (Hallo Inkubationsphase!) Und am nächsten Tag klappt es meist besser.
 
 

12 | Hör auf zu überarbeiten!

Schreiben und überarbeiten sind zwei verschiedene Schritte.
 
Wenn du gerade im Schreibflow bist, solltest lieber nicht alle zwei Minuten die richtige Schreibweise im Online-Wörterbuch deiner Wahl checken oder alles wieder löschen, nur weil du schon wieder zu viele Füllwörter benutzt hast. Schalte den Überarbeitungsmodus aus, wenn du schreibst. Erst, wenn die erste Fassung deines Textes steht, solltest du den peniblen Überarbeitungsninja raushängen lassen!
 
Folgender Schreibprozess hat sich bei mir inzwischen bewährt:
a. Schreibplan: Zunächst erstelle ich mir einen Schreibplan. Ich überlege mir, was ich in welcher Reihenfolge zu wem mit welcher Kernbotschaft sagen möchte.
b. Rohtext: Ich erstelle einen Rohtext. Das heißt, ich schreibe die erste Fassung gemäß meinem Plan runter.
c. Überarbeitung: Ich überarbeite die Rohfassung drei bis vier Mal. (Inhalt, Struktur, Sprache, Stil)
d. Korrektur: Ich prüfe meinen Text abschließend auf Rechtschreibung, Grammatik und Kommasetzung.
 
 

13 | F*ck Perfektionismus

Noch ein abschließender Rat einer ehemaligen zum Perfektionismus neigenden Lektorin: Ein Text wird niemals wirklich perfekt. Es ist eine Illusion zu denken, dass zur Veröffentlichung gedachte Texte kleine Meisterwerke sein müssen.
 
Es ist mysteriös, aber in (fast) jedem Text, den du veröffentlichst, wirst du früher oder später einen Buchstabendreher finden oder auf eine im Nachhinein doch seltsame Formulierung stoßen. Es werden Links, die du eigentlich geprüft zu haben glaubtest, nicht funktionieren oder eine Information wird wieder veraltet sein.
 
So what? Dein Text darf unperfekt sein. Meine sind es ja auch.😉
 
Deshalb schreib, veröffentliche und gucke, was passiert. Das ist bei jedem noch so kleinen Text ein spannender Prozess, und ich wünsche dir viel Spaß dabei! ❤︎
 
 

Schreibblockaden überwinden und vorbeugen
Fazit

 
Fassen wir nochmal zusammen:
 
Schreibblockaden lösen ist gut, Schreibblockaden vorbeugen ist besser.
 
Versuche nicht, jeden Tag ins Schreiben reinzukommen, sondern gar nicht erst aus dem Schreiben rauszukommen. Und das gelingt am einfachsten folgendermaßen:
 
#1 Mache Schreiben zu deiner Priorität und beginn deinen Arbeitstag mit dem Schreiben.
#2 Schreibe täglich. (Mir reicht übrigens werktäglich.)
#3 Ein Schreibritual hilft, am Ball zu bleiben. Du brauchst einen klaren Trigger, der den Schreibbeginn auslöst.
#4 Plane genügend Zeit für die Produktion deines Textes ein. Knappe Deadlines stressen oft unnötig.
#5 Erstelle einen Schreibplan, bevor du auch nur ein Wort zu Papier bringst. Überlege dir, was du in welcher Reihenfolge für wen mit welcher Kernbotschaft schreibst.
#6 Eliminiere mögliche Störquellen wie offene Posteingänge oder Pushbenachritgungen deiner Social-Media-Kanäle. (Ganz Mutige deinstallieren sämtliche Apps auf dem Smartphone!)
#7 Schreibe an zwei Texten parallel.
#8 Hör auf zu überarbeiten, wenn du im Schreibflow bist!
#9 Verabschiede dich von dem Gedanken, perfekte Texte schreiben zu wollen.
 
 
Solltest du trotz idealer Rahmenbedingungen eine Schreibblockade bekommen, ist es Zeit für den Notfallplan.
 
#1 Lade dafür zunächst deinen Motivationsakku auf und leg ein kleines Kreativpäuschen ein. Meist kommt nach einigen Tagen die Schreiblust zurück.
#2 Verändere etwas. Das kann das Schreibprogramm, der Schreibort oder das Schreibmaterial sein.
#3 Fang alternativ einfach an zu reden und lasse ein Diktiergerät währenddessen laufen.
#4 Wenn dich Einleitungen genauso stressen wie mich, fang doch von hinten an zu schreiben oder setz mittendrin ein. Wenn du dir einen Schreibplan erstellst, kannst du anfangen, wo du willst!
#5 Warte nicht auf Inspiration, sondern fang an zu schreiben. Schreibe „hallo hallo und trallala und aösdklfau und ich weiß doch auch nicht“, bis du warmgeschrieben bist.

 

Was tust du gegen Schreibblockaden? Hast du einen speziellen Geheimtrick, mit dem du Schreibblockaden vorbeugst? Ich bin wirklich seeehr neugierig, wie das bei dir läuft!