Mach! Es! Jetzt! 10 Tipps gegen Aufschieberitis

Manchmal, wenn ich dringend meine Plugins updaten sollte, schreibe ich einen Blogartikel über Prokrastination. Klingt seltsam? Das ist es auch.
 
Und doch bin ich mir sicher, dass du das auch kennst: Aufgaben auf später vertagen. Wieder mal die Snooze-Taste drücken. Einen Termin im Kalender per Drag & Drop auf den nächsten Tag schieben …

Aufschieberitis beschreibt das weit verbreitete Phänomen, notwendige Aufgaben auf den letzten Drücker zu erledigen oder wichtige Entscheidungen auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Dabei ist Aufschieberitis nicht an sich gut oder schlecht. Produktivitätsgurus müssen jetzt stark sein, aber Aufschieberitis kann durchaus auch Vorteile haben. So soll (moderates) Aufschieben sich z.B. positiv auf Kreativität auswirken.
 
Zum Problem wird Aufschieberitis dann, wenn ein Leidensdruck hinzukommt, und genau dann spricht man streng genommen erst von Prokrastination.
 
In diesem Artikel möchte ich dir 10 Tipps geben, mit denen du der Aufschieberitis oder Prokrastination oder wie auch immer du es nennst, wenn du nix gebacken bekommst, ein für alle Mal ein Schnippchen schlägst.
 
Legen wir am besten gleich los.😉

 

10 Strategien gegen Aufschieberitis

 

1 | Der 5-Minuten-Trick für unangenehme Aufgaben

Bei Thomas Mangold entdeckt und für extrem hilfreich befunden. Manchmal, wenn ich so gar keine Lust auf eine Aufgabe habe, sage ich mir:

Ich mache es nur fünf Minuten.

Dieser Satz hilft mir, mit der Aufgabe überhaupt erst anzufangen. Denn hey – fünf Minuten hören sich verdammt kurz an. Und breche ich mir einen Zacken aus der Krone, wenn ich mich fünf Minuten mit etwas beschäftige? Nein.
 
Der Trick ist, dass es bei diesen fünf Minuten eigentlich nie bleibt. Ist die Starthürde erstmal genommen, bringe ich diese Aufgabe meist auch zu Ende. In der Regel merke ich es noch nicht einmal, wenn die fünf Minuten um sind. 😉
 
 

2 | Die SMART-Formel für abstrakte Ziele

Manchmal schieben wir eine Aufgabe auf, weil wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Das sind meist Ziele, die viel zu groß, viel zu vage und abstrakt formuliert sind. Wenn du noch ein Blogger-Frischling bist, ist vermutlich selbst das Ziel „einen Blogartikel veröffentlichen“ noch zu weit gefasst.
 
Solch großen Ziele brichst du deshalb am besten auf kleinere SMARTe Aufgaben runter. Die SMART-Formel kommt aus dem Projektmanagement und besagt, dass deine Aufgabe
 
Spezifisch
Messbar
Ansprechend
Realistisch und
Terminiert

 
sein sollte, damit du sie auch tatsächlich umsetzten kannst.
 
So wird der Vorsatz „einen Blogartikel veröffentlichen“ in kleine, konkrete Häppchen umgewandelt wie:
 
Am Montag möchte ich
• das Thema für den Blogartikel festlegen
• zehn Blogartikel zu dem Thema querlesen
• Struktur meines Textes erstellen
 
Am Dienstag möche ich
• 1000 Wörter schreiben
• die Beitragsgrafik erstellen
 
Am Mittwoch möchte ich
• …
 
Klingt doch schon gleich viel machbarer, oder? 😃
 
Ein ähnlicher Ansatz geht übrigens davon aus, dass deine Aufgabe AROMA haben sollte.
 
Sie muss
 
Aussagefähig
Realistisch
Objektiv
Messbar und
Annehmbar

 
sein.
 
Aroma. 😂 😂 😂
(Entschuldigung.)
 
 

3 | Automatisieren für unliebsame, wiederkehrende Aufgaben

Wer sagt eigentlich, dass du immer alles selbst erledigen musst?
 
Unliebsame Aufgaben, die regelmäßig anfallen und dich jedes Mal aufs Neue viel Überwindung kosten, sind gute Kanditaten fürs Automatisieren. Deine Zeit ist doch viel zu wertvoll für Aufgaben, die dir graue Haare bereiten und die genauso gut auch ein Plugin oder Tool erledigen könnte.
 
Backups zum Beispiel lassen sich perfekt durch ein Plugin automatisieren. Was freue ich mich immer auf die Mail, die mir mitteilt, dass alles gesichert ist!😉
 
 

4 | Kalendereinträge für besonders wichtige Aufgaben

Manchmal reicht es schon, besonders wichtige Aufgaben in den Kalender einzutragen und sich daran erinnern zu lassen.
 
Funktioniert natürlich nicht, wenn jede einzelne Aufgabe in den Kalender eingetragen wird, sondern diese Strategie wirklich nur für besonders wichtige Aufgaben reserviert bleibt.
 
 

5 | Versuchungen eliminieren für alle Arten von Aufgaben

Jedes Mal, wenn du eigentlich eine wichtige Aufgabe erledigen solltest, machst du stattdessen …?
 
Wenn du deinen wunden Punkt kennst, kannst du gezielt gegenwirken und die entsprechende Störung eliminieren. Schalte dein Smartphone in den Flugmodus, trenne deinen Computer mit dem WLAN, schließe Posteingänge oder deinstalliere gleich die Apps, die dich in Versuchung führen.
 
 

6 | Batching für gleichartige Aufgaben

Das Schwierigste ist für dich das Anfangen – bist du aber erstmal dabei, gibt es für dich kein Halten mehr? Dann bist du die perfekte Kandidatin fürs Batching.
 
Batching heißt, dass du gleiche Aufgaben in einem Rutsch erledigst.
 
Anstatt dich also jede Woche aufs Neue mit viel Anstregnung dazu zu motivieren, einen neuen Artikel für deinen Blog zu schreiben, reservierst du dir zwei, drei Tage und schreibst die nächsten vier Blogartikel in einem Rutsch. So nutzt du deinen Flow optimal aus und hast die nächsten Wochen den Kopf frei für andere Dinge.
 
 

7 | Tiny habits für langfristige Ziele

Ein spannender Ansatz gegen Aufschieberitis ist das Konzept der Tiny Habits, das BJ Fogg entwickelt hat. Es eignet sich vor allem für langfristige, eher einschüchternde Ziele wie „gesünder leben“ oder „mehr Sport“ machen. Oder auch „einen Roman schreiben“.
 
Fogg geht davon aus, dass der Schlüssel, große Ziele zu erreichen, nicht so sehr in unserer fehlenden Motivation liegt, sondern viel mehr in unseren Gewohnheiten. Deshalb empfiehlt er, große Ziele auf mehrere kleine Gewohnheiten runterzubrechen – und zwar so lächerlich klein, dass es für uns kaum Mühe bereitet, sie umzusetzen:
 
„Jedes Mal, wenn ich aufs Klo gehe, mache ich danach einen Sit-up.“, „Jedes Mal, wenn ich die Spülmaschine ausräume, nehme ich meine Vitamine.“, „Jedes Mal, wenn ich einen Newsletter lese, schreibe ich zwei Sätze für meinen Roman.“, „Jedes Mal, wenn ich …, räume ich einen Gegenstand auf meinem Schreibtisch auf.“ oder kurz:

Jedes mal, wenn ich [Trigger], mache ich [neue Gewohnheit].

Entscheidend bei dem Konzept der Tiny Habits sind also drei Schritte:
• dein großes, einschüchterndes Ziel in Mini-Gewohnheiten runterbrechen
• die neue Mini-Gewohnheit mit einer Handlung zu verbinden, die du sowieso schon täglich ausübst
• das „Feiern“ nach jeder erfolgreichen Wiederholung („Hey, das war großartig!“) – mein Lieblingsteil 😂
 
Hast du eine Gewohnheit etabliert (das dauert etwa vier Wochen), kannst du noch eine Schippe drauflegen, und zwei Sit-ups machen oder vier Sätze für deinen Roman schreiben. 😉
 
 

8 | Eat the frog für unangenehme Aufgaben

Apropos Gewohnheiten: Für manche Aufgaben ist unsere Motivation eigentlich niemals hoch genug, oder? Da hilft nur das von Mark Twain inspirierte Ritual „Eat the frog“.

Mache es dir deshalb zur Gewohnheit, deinen Arbeitstag mit einer unangenehmen Aufgabe zu beginnen – und zwar täglich. Hast du bereits einen Stapel Rechnungen bezahlt, mit einem nervigen Menschen telefoniert oder ein Dokument für deine Steuererklärung zusammengesucht, kann dir keiner mehr was. (Und der Tag kann dann eigentlich nur noch besser werden.😉)
 
 

9 | Die „One Thing“-Methode für langfristige Ziele

Ich mag den Eat the Frog übrigens nicht so gerne. Lieber beginne ich meinen Arbeitstag mit meinem One Thing. Die „One Thing“-Methode von Gary Keller ist eine Strategie für große, langfristige Ziele, die man gerne so vor sich herschiebt.
 

Ich will endlich ein Buch schreiben.

oder

Ich will mich in Photoshop einarbeiten.

Bei der „One Thing“-Methode geht es darum, die wichtigste Aufgabe zu identifizieren, die dich deinem Ziel näher bringt, und den Tag konsequent mit dieser Aufgabe zu beginnen. So kommst du deinem Ziel täglich ein kleines bisschen näher.
 
Mein „One Thing“ ist übrigens, jeden Tag 500 Wörter zu schreiben (egal was). Das hilft mir nicht nur, produktiv zu sein und Schreibblockaden vorzubeugen. Mit dieser Methode habe ich tatsächlich auch ein langfristiges Ziel erreicht und mein erstes digitales Produkt erstellt.
 
 

10 | Monats- oder Jahreszeitenwechsel für selten anfallende Aufgaben

Monats- oder Jahreszeitenwechsel sind ein guter Trigger, um eher selten anfallende Aufgaben zu erledigen oder sich den Aufgaben zu widmen, die im Alltag eher liegenblieben.
 
Am letzten Tag jeden Monats ist bei mir beispielsweise ein umfassendes Update aller Plugins und des Themes fällig. (Ok, öfter wäre sicherlich noch besser.) Am ersten jeden Monats erstelle ich die Blogstatistiken für den letzten Monat und notiere Sitzungen, Besucher, Newsletter-Abonnenten und Social-Media-Follower. Am Anfang eines jeden Vierteljahres werden die nächsten 90 Tage geplant.
 
Ebenfalls eine gute Idee: den Frühling für einen umfangreichen Frühjahrsputz auf dem Blog nutzen, so wie es beispielsweise Daniela von Misswebdesign macht.
 
 
Hey, bevor du gehst – verrate mir doch im Kommentar: Haben deine Ziele schon AROMA?😉